Muriel Wheldale Onslow (* 31. März 1880 in Birmingham, England; † 19. Mai 1932 in Cambridge) war eine britische Botanikerin und Hochschullehrerin. Sie wurde 1913 als eine der ersten drei Frauen neben Ida Maclean und Harriet Chick in den Biochemical Club10, den Vorläufer der Biochemical Society, gewählt. 1926 war sie eine der ersten Frauen, die zur Universitätsdozentin an der University of Cambridge ernannt wurde. Sie war neben Erwin Baur eine Genetikerin im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, die Pflanzenzüchtungsexperimente durchführte und auch die Chemie der Blütenpigmente der Pflanzen untersuchte.
Leben und Werk Wheldale Onslow war die einzige Tochter des Rechtsanwalts John Wheldale. Sie besuchte die King Edward VI High School in Birmingham und begann 1900 ihr Studium am Newnham College in Cambridge. Dort schloss sie beide Teile des Natural Sciences Tripos mit Auszeichnung ab und spezialisierte sich auf Botanik. Da Frauen in Cambridge erst ab 1948 Bachelorabschlüsse erhielten, erwarb sie keinen offiziellen Abschluss.
1903 schloss sie sich der Forschungsgruppe des britischen Biologen William Bateson an, der das Balfour Biological Laboratory for Women leitete. Diese Forschungseinrichtung wurde von Studentinnen und Mitarbeiterinnen des Newnham College und des Girton College gemeinsam genutzt. Wheldale Onslow erhielt im Botanischen Garten von Cambridge einen Platz, um Löwenmäulchen anzubauen. Ihr Spezialgebiet war die Erforschung der Vererbung der Blütenfarbe bei Löwenmäulchen. 1907 veröffentlichte sie eine vollständige faktorielle Analyse der Blütenfarbenvererbung bei Löwenmäulchen. Diese Publikation war die erste einer Reihe von Forschungsarbeiten über den Zusammenhang zwischen der Vererbung genetischer Faktoren und der Produktion der Pigmente, der Anthocyane. Im Laufe ihrer Recherchen gelangte sie zu der Überzeugung, dass die Anthocyaninbiosynthese in Pflanzen durch ein Oxidaseenzym katalysiert und mit der Photosynthese und der Zuckerbildung verknüpft war. Von 1911 bis 1914 isolierte und charakterisierte sie im Rahmen ihrer Untersuchungen zu dieser Hypothese die Anthocyane von Löwenmäulchen.
1914 begann sie in dem Labor von Frederick Gowland Hopkins am Institut für Biochemie der Universität Cambridge als Assistentin zu arbeiten. Hier erweiterte sie ihre Forschung auf den Stoffwechsel und die chemische Struktur von Pflanzenpigmenten. 1916 fasste sie ihr Wissen über die Genetik der Pigmentvererbung und die Biochemie der Anthocyane in ihrem Werk The Anthocyanin Pigments of Plants zusammen. Dieses Werk erklärte erstmals die chemische Grundlage vererbter Merkmale und gilt als Meilenstein in der Genetik und Biochemie.
1916 lernte sie den Biochemiker Huia Onslow kennen, der Patensohn von Königin Victoria und Sohn des 4. Earl of Onslow, der infolge eines Tauchunfalls von der Hüfte abwärts gelähmt war. Onslow forschte in einem Heimlabor und mit ihrer Unterstützung wurden seine Forschungsstudien in Cambridge bekannt. Sie forschte mit ihm unter anderem zur Genetik der Flügelpigmente von Schmetterlingen. Sie heiratete ihn 1919 und er starb drei Jahre später.
Von 1907 bis zur Schließung des Balfour Biological Laboratory for Women in Cambridge im Jahr 1914 war sie dort als Demonstratorin für Physiologische Botanik tätig. Von 1915 bis 1926 bekleidete sie die Position einer Assistentin für Pflanzenbiochemie im Fachbereich Biochemie unter Hopkins, und 1926 wurde sie als eine der ersten Frauen in dieser Position in Cambridge zur Universitätsdozentin für Biochemie ernannt. 1920 veröffentlichte sie Practical Plant Biochemistry, danach 1931 den ersten Band von Principles of Plant Biochemistry. Bevor sie den zweiten Band vollenden konnte, starb sie am 19. Mai 1932 im Alter von 52 Jahren.
Rose Scott-Moncrieff studierte ab 1925 bei Onslow Wheldale und setzte deren Forschung zur genetischen Kontrolle der Pigmentierung bei Antirrhinum majus fort.
Veröffentlichungen (Auswahl) The anthocyanin pigments of plants. Cambridge, University Press, 1916. Practical plant biochemistry. Cambridge, University press, 1920.Publikationen auf biodiversitylibrary.org. Abgerufen am 31. März 2026.
Literatur M. L. Richmond: Muriel Wheldale Onslow and early biochemical genetics. In: Journal of the history of biology, 2007, Vol. 40 (3), S. 389–426. Obituary Notice. In: The Biochemical Journal, 1932, Band 26, Ausgabe 4, S. 915–916. Pioneers of plant genetics to flower on stage. In: Nature, 2010, Volume 466, S. 188.
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