mini|FKT-Emblem auf dem Gebäude des ehemaligen Hauptsitzes am Madách Imre tér im VII. Bezirk
Fővárosi Közmunkák Tanácsa (FKT; kürzer: Közmunka-tanács, oder kürzer: Hauptstädtischer Baurat) war von 1870 bis 1948 das zentrale Planungs- und Steuerungsorgan, das die Modernisierung, Infrastruktur und Stadtentwicklung Budapests koordinierte und damit entscheidend zur Entstehung der Weltstadt beitrug.
Geschichte Im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es, bedingt durch die Industrialisierung, auf beiden Seiten der Donau (damals noch in den eigenständigen Städten Buda, Pest und Óbuda) zu einem starken Städtewachstum. Die Bevölkerungszahl dieser drei, 1873 zu Budapest vereinigten Städte betrug 1869 280.000 Personen, erreichte 1879 schon 370.000 und in den 1890er Jahren 600.000 Menschen. Diese Entwicklung machte eine zentrale Planungsbehörde notwendig, die die fortschreitende Urbanisierung Budapests, der zweiten Haupt- und Residenzstadt Österreich-Ungarns, koordinierte.
Im Angesicht dessen regte Ministerpräsident Gyula Andrássy die Errichtung von FKT an; als Vorbild gilt auch das Londoner Metropolitan Board of Works. Nachdem sich der Reichstag am 8. und 9. April 1870 über den entsprechenden Gesetzesartikel beraten hatte, billigte König Franz Joseph I. ihn am 10. April des Jahres. Die erste FKT-Sitzung wurde am 23. Juni 1870 von Andrássy eröffnet, der zum ersten FKT-Präsidenten gewählt wurde. FKT bestand aus einem Präsidenten, einem Vizepräsidenten und 18 ordentlichen Mitgliedern. Der Präsident, der Vizepräsident sowie neun der Mitglieder wurden von der Regierung ernannt, die übrigen neun Mitglieder wurden von der Stadtverordnetenversammlung aus ihrer Mitte gewählt. Zur Finanzierung der groß angelegten Stadtentwicklungsprojekte wurde ein 24 Millionen Forint hoher Kredit in Zusammenarbeit mit dem Bankhaus Erlanger organisiert, der teils mit einem Lotteriesystem verbunden war.
Bereits im Gesetzestext wurden die Hauptaufgaben von FKT festgelegt. Darunter waren der Bau einer, gegebenenfalls zweier neuer Donau-Brücken, die Regulierung der Donau sowie die Anlage großer Verkehrsachsen in der Hauptstadt. In der Folgezeit entstanden unter anderem die Prachtstraße Andrássy út mit der darunter verlaufenden Földalatti, der Nagykörút, die Bahnhöfe Keleti und Nyugati sowie die Staatsoper. Des Weiteren wurden die Kanalisation, Wasserleitungen, Straßenpflasterung und die öffentliche Beleuchtung ausgebaut.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde FKT auf gesetzlicher Grundlage Ende 1948 aufgelöst. Seine Aufgaben gingen teilweise auf die Hauptstadt selbst, teilweise auf neu geschaffene staatliche Behörden über.
Bekannte Mitglieder Gyula Andrássy (1823–1890), Initiator und erster Präsident Sándor Országh (1836–1902), langjähriger FKT-Sprecher Frigyes Podmaniczky (1824–1907), Vizepräsident von 1873 bis 1905 Géza Polónyi (1848–1920), Präsident von 1918 bis 1920 Iván Rakovszky (1885–1960), Präsident von 1928 bis 1935 Ferenc Reitter (1813–1874), Leiter der FKT-Ingenieursabteilung
Literatur
Weblinks Offizielle FKT-Berichte aus den Jahren 1870-1944 Gábor Gyáni: Großstadterfahrung am Beispiel Budapests
Kategorie:Organisation (Budapest) Kategorie:Behördengründung 1870 Kategorie:Aufgelöst 1948