Das Schwedische Theologische Institut (STI, auch SvTI; ) in Jerusalem ist eine 1947 gegründete und 1951 in konsolidierter Form neu eröffnete Einrichtung der Schwedischen Kirche. Seine Wurzeln reichen in die 1875 gegründete Svenska Israelsmissionen zurück. Ihr ursprüngliches Ziel war die christliche Mission unter den Juden, verbunden mit einem frühen Interesse an deren Rückkehr in das „Land ihrer Väter“, das mit apokalyptischen Motiven verknüpft wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich dieser Hintergrund zu einem akademisch-theologischen Programm.

Profil und Tätigkeit Das Swedish Theological Institute in Jerusalem ist ein zur Schwedischen Kirche gehörendes Studien- und Forschungsinstitut mit Schwerpunkten in Bibelwissenschaft, Jüdischen Studien, Religionswissenschaft und interreligiösem Dialog. Es fördert insbesondere den jüdisch-christlichen Austausch und pflegt hierzu ein breites Netzwerk aus akademischen, religiösen und gesellschaftlichen Akteuren. Die Tätigkeit umfasst akademische Lehrveranstaltungen in Kooperation mit Universitäten, Fortbildungs- und öffentliche Bildungskurse sowie regelmäßig stattfindende Vorträge und Dialogformate. Ergänzt wird dies durch Forschungsaufenthalte internationaler Wissenschaftler und entsprechende Seminarformate. Zugleich fungiert das Institut als kultureller und kirchlicher Begegnungsort, etwa durch Veranstaltungen im Jahreskreis, aber auch durch die schwedischsprachige Gemeinde, deren Gottesdienste und seelsorgerische Angebote integraler Bestandteil des Institutslebens sind.

Institutsgeschichte Konkrete Planungen für ein Institut in Jerusalem begannen 1944, als Birger Pernow, der Direktor der Svenska Israelsmissionen, entsprechende Gespräche initiierte, begünstigt durch die finanziellen Ressourcen der Israelmissionen. Die praktische Vorbereitung übernahm Greta Andrén, die im April 1946 nach Palästina reiste. Zunächst wurde ein Standort auf dem Ölberg in Erwägung gezogen, doch dieser Plan wurde verworfen; stattdessen entschied man sich für eine Wohnung im schwedischen Konsulat an der Nablus-Straße. Die Gründung erfolgte 1947: Nach vorausgehenden Anfragen an Gustaf Adolf Danell wurde Harald Sahlin am 17. Januar 1947 zum Leiter berufen und traf im Mai in Jerusalem ein. Diese erste Phase blieb jedoch kurz; der UN-Teilungsplan vom November 1947 und die folgenden Kampfhandlungen, die auch das Konsulat betrafen, führten zum Abbruch der Tätigkeit. Ende 1947 und Anfang 1948 verließen Sahlin und seine Frau die Stadt, während Andrén bis März 1948 blieb.

Mit der Staatsgründung Israels 1948 veränderten sich die Rahmenbedingungen grundlegend. Die Wiederaufnahme des Betriebs wurde 1950 vorbereitet und mit den israelischen Behörden abgestimmt, die ihre Zustimmung an den Verzicht auf missionarische Tätigkeit knüpften. Die Svenska Israelsmissionen sicherte daraufhin zu, das Institut als Forschungszentrum auf der Grundlage jüdisch-christlicher Studien zu führen und es dem wissenschaftlichen Austausch zwischen Israel und Schweden dienen zu lassen; diese Neuorientierung wurde für die weitere Entwicklung bestimmend. 1951 wurde das Institut in Westjerusalem neu eröffnet und im Tabor-Haus an der Prophetenstraße untergebracht, einem 1882 von Conrad Schick errichteten Gebäude (s. u.).

Die Aufbauphase prägten vor allem Hans Kosmala und Greta Andrén. Nach einer kurzen, erfolglosen Leitung durch Henrik Ljungman wurde Kosmala am 24. Mai 1951 Direktor. Er verfügte über Erfahrungen aus Leipzig und Wien und formulierte das Programm des Instituts ausdrücklich wissenschaftlich, mit Schwerpunkten in alttestamentlicher und neutestamentlicher Exegese, jüdischen Studien und modernem Hebräisch mit enger Anbindung an den Staat Israel. Ab 1961 übernahm Kosmala auch die Herausgabe des Jahrbuchs des Instituts (ASTI), welches von 1962 bis 1983 erschien. Andrén wirkte bis 1971 als organisatorische Leiterin und sicherte die praktische Kontinuität des Hauses.

In den 1950er- und 1960er-Jahren entwickelte sich das STI zu einem international vernetzten Ort jüdisch-christlicher Begegnung. Es arbeitete mit Gelehrten der Hebräischen Universität zusammen, darunter Hugo Bergmann, Martin Buber und Zwi Werblowsky, und zog Gastdozenten aus mehreren europäischen Universitätszentren an. Zugleich bot es skandinavischen Theologen Studienaufenthalte in Jerusalem und wurde in kirchlichen wie akademischen Kreisen als Forum des Dialogs wahrgenommen. Die Herkunft aus der Judenmission bleibt dabei auch heute noch erkennbar, wurde jedoch in ein nicht missionarisches, wissenschaftlich orientiertes Selbstverständnis überführt.

mini|Tabor-Haus, Jerusalem

Institutsgebäude Seit 1951 hat das Institut seinen Sitz im Tabor-Haus (Beit Tabor) in Jerusalem. Das Gebäude wurde 1882 von Conrad Schick als Wohnhaus errichtet und verbindet Elemente spätosmanischer Architektur mit europäischen und lokalen Einflüssen. Sein Name nimmt Bezug auf Psalm 89. Das Haus gehört zu den auffälligen historischen Bauten außerhalb der Altstadtmauern.

Nach wechselnder Nutzung – unter anderem durch osmanische Behörden, eine methodistische Schule und jüdische Flüchtlinge – bezog das Institut 1951 Teile des Hauses; 1966 ging es in den Besitz der Schwedischen Kirche über. Seither dient Beit Tabor als Studien- und Begegnungsort mit Gästezimmern, Bibliothek und Kapelle sowie als Ort kirchlicher und kultureller Veranstaltungen.

Hans Kosmala-Bibliothek Die bereits erwähnte Bibliothek des Instituts, die nach dem ersten Direktor Hans Kosmala (1903–1981) benannt ist, geht in ihren Anfängen auf die Zeit Conrad Schicks zurück. Sie dient als zentrale Arbeits- und Forschungsstätte für Studierende, Gäste und Wissenschaftler des Instituts. Der Bestand umfasst rund 6.000 Titel und ist thematisch auf Bibelwissenschaft, rabbinische Literatur, frühes Christentum, Islam sowie Religions- und Jerusalemforschung ausgerichtet. Die Bibliothek ist in zwei Bereiche gegliedert: eine öffentlich zugängliche obere Bibliothek mit grundlegenden religiösen Texten – darunter Bibel, Mischna, Talmud und Koran –, Fachzeitschriften sowie aktueller Literatur zu Jerusalem, und eine untere Bibliothek, die den Hauptbestand beherbergt und primär der wissenschaftlichen Arbeit vorbehalten ist.

Direktoren 1947–1948 Harald Sahlin 1951– Henrik Ljunggren 1951–1971 Hans Kosmala 1976–1977 Erik Beijer 1979–1993 Göran Larsson 1999–2003 Tord Fornberg 2007–2015 Håkan Bengtsson 2015–2022 Maria Leppäkari seit 2022 Anna Helm

Literatur

Bengt Knutsson: The Swedish Theological Institute 25 Years. In: Annual of the Swedish Theological Institute 10 (1975–76), S. 1–11. Ulf Carmesund: Refugees or Returnees: European Jews, Palestinian Arabs and the Swedish Theological Institute in Jerusalem around 1948, Uppsala 2010. Håkan Bengtsson: The Swedish Theological Institute. A venture from Vienna to Jerusalem, Jerusalem 2016. Håkan Bengtsson: Mellan mission och sionism: Svenska Israelsmissionen och grundandet av Svenska teologiska institutet i Jerusalem. In: Svensk teologisk kvartalskrift 97/3 (2021), S. 251–273.

Weblinks

Website des Schwedischen Theologischen Instituts

Kategorie:Forschungseinrichtungsgründung 1947 Kategorie:Bildung und Forschung in Jerusalem Kategorie:Schwedische Kirche Kategorie:Evangelische Bildungseinrichtung Kategorie:Organisation (christlich-jüdischer Dialog) Kategorie:Organisation (Jerusalem) Kategorie:Christentum in Jerusalem Kategorie:Israelisch-schwedische Beziehungen