Friedrich Gustav Albert Schulze (* 23. November 1879 in Neuruppin;Heiratsregister des Standesamtes Stettin I Nr. 477/1917 (kostenpflichtig online bei Ancestry). † 20. Februar 1939 in Babelsberg) war ein deutscher Mediziner. Er war u. a. Chefarzt des Kreiskrankenhauses Nowawes.

Leben und Tätigkeit Schulze, Sohn des Kreissekretärs Friedrich Schulze, trat nach dem Schulbesuch am 19. Oktober 1898 in die Kaiser-Wilhelms-Akademie ein, an der er bis zum Frühjahr 1903 blieb. Nach dem Erhalt seiner Approbation im Jahr 1904 wurde er als Militärarzt ins Garnisonslazarett in Münster kommandiert. Von dort wechselte er 1910 als Oberarzt zum 7. Armeekorps zu Rehn in Frankfurt am Main.

1912 kehrte Schulze an die Kaiser-Wilhelms-Akademie zurück, bevor er 1913 in die Medizinalabteilung des Kriegsministeriums versetzt wurde.

Während des Ersten Weltkriegs war er von 1914 bis 1918 Stabsarzt beim Chef des Feldsanitätswesens. Von 1919 bis 1924 hatte er dann eine Assistentenstelle an der Universitätsklinik Berlin bei August Bier inne. Von 1924 bis 1928 war er als Regierungsmedizinalrat wieder im Versorgungswesen tätig, bevor er ab 1928 eine klinische Tätigkeit als Oberarzt am Stubenrauch-Krankenhaus in Berlin-Lichterfelde ausübte.

Um 1930 trat er die Chefarztstelle beim Kreiskrankenhaus Nowawes in der Mark an, die er bis zu seinem Tod 1939 innehatte. In dieser Eigenschaft stellte er am Mittag des 30. Juni 1934 den Tod der Ehefrau des ehemaligen Reichskanzlers Kurt von Schleicher, Elisabeth von Schleicher fest: Diese war zuvor, zusammen mit ihrem Ehemann, der vor Ort starb, von unbekannten Männern, wahrscheinlich Angehörigen des Sicherheitsdienstes der SS, im Arbeitszimmer ihrer Villa am Griebnitzsee in Neubabelsberg überrascht und niedergeschossen worden. Nach dem Eintreffen der Polizei vor Ort wurde sie schwer verletzt und bewusstlos mit einem Rettungswagen zum Kreiskrankenhaus Nowawes transportiert, wo Schulze bei ihrer Einlieferung nur noch den Tod feststellen konnte. Die Leiche wurde später von der Gestapo beschlagnahmt. Als einige Gestapobeamte zunächst, einige Stunden nach ihrer Einlieferung im Krankenhaus erschienen, um sich des Ablebens von Frau von Schleicher zu vergewissern und die Herausgabe des Schmucks der Verstorbenen zu verlangen, erklärte Schulze wahrheitswidrig, dass das Wenige, das sie bei sich getragen habe, bereits an die Angehörigen übergeben worden sei. Er übergab den Schmuck dann später tatsächlich an diese.Friedrich-Karl von Plehwe: Reichskanzler Kurt von Schleicher. Weimars letzte Chance gegen Hitler. Bechtle, Esslingen 1983, ISBN 978-3-7628-0425-3, S. 294.Martha Schad: Frauen gegen Hitler. Schicksale im Nationalsozialismus. Heyne, München 2001, ISBN 978-3-453-19420-5, S. 91.

Als Forscher beschäftigte Schulze sich vor allem mit Knochenerkrankungen, dem Kalkstoffwechsel und der Basedowschen Krankheit.

Schriften Ueber den Einfluss von Gewalten, welche den Körper, insbesondere den Brustkorb treffen, auf den Herzmuskel, nach Beobachtungen in der Armee. Berlin 1910.

Literatur

Rolf Winau, Ekkehard Vaubel: Chirurgen in Berlin. 100 Porträts. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1983, S. 90.

Einzelnachweise

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