mini|Eugène Marie Louis Bridoux, 1948. Eugène Marie Louis Bridoux (* 24. Juni 1888 in Doulon, heute Teil von Nantes, Frankreich; † am 6. Juni 1955 im Exil in Madrid, Spanien) war ein französischer Generalleutnant und vom 18. April 1942 bis zum 20. August 1944 Kriegsminister im Vichy-Regime in der Regierung von Pierre Laval.
Biografie Vor dem Krieg Eugène Marie Louis Bridoux war Kavallerieoffizier, wie sein Vater, General Marie Joseph Eugène Bridoux (1856–1914 – gefallen im Ersten Weltkrieg). Er schloss 1924 als Jahrgangsbester die Kriegsakademie ab. Von 1934 bis 1936 kommandierte er das 2. Husarenregiment, wurde 1938 zum Brigadegeneral befördert und leitete die Kavallerieschule in Saumur. In dieser Funktion tat er sich im Januar 1939 auf der Internationalen Pferdeausstellung in Berlin hervor, wo er persönliche Glückwünsche von Hitler erhielt und Fernand de Brinon kennenlernte.Robert O. Paxton: L'armée de Vichy: le corps des officiers français, 1940-1944. Tallandier. Paris. Sammlung « Points-Histoire ». 2005. ISBN 978-2-020-67988-6. S. 294.
Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und Gefangenschaft Er wurde zum Kommandeur der 41. Infanteriedivision ernannt. Am 17. Juni 1940 wurde er von den vorrückenden Deutschen eingeschlossen und gefangen genommen. Seine Einheit war kurz zuvor in den Heeresberichten genannt und damit ausgezeichnet worden. Als Kriegsgefangener in Val-de-Grâce interniert, nutzte er seine französischen und deutschen Verbindungen. Im März 1941 wurde er zunächst „aus der Gefangenschaft entlassen“ und im Februar 1942 endgültig „befreit“.
Kollaboration Nach seiner Freilassung schloss sich Bridoux der Kollaboration an und folgte damit dem Beispiel von Fernand de Brinon. Vom 20. März 1941 bis zum 18. April 1942 diente er nacheinander als Generalsekretär der Generaldelegation der französischen Regierung in den besetzten Gebieten, anschließend als Kriegsminister als Nachfolger von Admiral Darlan, der General Charles Huntziger nach dessen tödlichem Unfall vom 18. April 1942 bis zum 25. März 1943 ersetzt hatte, und danach vom 26. März 1943 bis zum 20. August 1944 als Staatssekretär für Nationale Verteidigung. Otto Abetz betrachtete diese Ernennungen als „im deutschen Interesse“, da Bridoux nach seiner Ansicht ein entschiedener Befürworter der Kollaborationspolitik war und die notwendige Garantie für die Säuberung der gaullistischen Widerstandszellen innerhalb der Armee, insbesondere des antideutschen sog. Deuxième Bureau bot.
Bridoux’ Ernennung ermöglichte es ihm, die Deutschen zu beschwichtigen. Tatsächlich befürwortete er während des Krieges die Idee einer französischen Armee unter deutscher Kontrolle, die sogar deutsche Uniformen tragen sollte. Einer seiner Söhne war Hauptmann in der französischen Freiwilligenlegion.
1942 reiste Marschall Pétain in Begleitung von General Bridoux durch die Region Limousin und nahm an der Parade der Waffenstillstandsarmee (der reduzierten Armee der Vichy-Regierung) und von Schülern der Eliteschulen im Lager La Courtine in der Creuse teil.
Ende August 1942 entließ er Pierre Robert de Saint-Vincent, der sich geweigert hatte, Polizeisuperintendent Marchais ein Gendarmeriebataillon zur Verfügung zu stellen, um 650 Juden aus der Südzone in die Nordzone zu transportieren.Martin Gilbert: Les Justes: les héros méconnus de la Shoah. Calmann-Lévy. Paris. 2004. ISBN 978-2-702-13508-2. S. 256.
Im November 1942, nach dem Einmarsch in die Südzone, veranlasste er die Übergabe einer großen Menge Waffen an die Deutschen, die von Oberst Mollards CDM-Dienst versteckt worden waren.
Er wurde 1941 zum Generalmajor und 1942 zum Général de corps d’armée befördert.
1944 war Bridoux mit der Rekrutierung von Offizieren für die aus Franzosen bestehenden Waffen-SS-Einheiten beauftragt.
Im Vichy-Regime wurde ihm der Orden der Francisque verliehen.Henry Coston (préf. Philippe Randa): L'Ordre de la Francisque et la révolution nationale. Déterna. Paris. Sammlung « Documents pour l'histoire ». 2002. ISBN 2-913044-47-6. S. 37.
Flucht nach Sigmaringen Während der Befreiung Frankreichs floh er im August 1944, wie viele andere Kollaborateure, nach Sigmaringen. Dort wirkte er in der Kommission der Vichy-Regierung als „Kommissar für französische Kriegsgefangene“ mit, nahm seine Aufgaben in diesem fiktiven Amt jedoch nicht wahr und erschien nur selten.Henry Rousso: Petain et la fin de la collaboration: Sigmaringen, 1944-1945. Editions Complexe. Brüssel. Sammlung « Historiques » (Nr. 13). 1984. ISBN 978-2-870-27138-4. OCLC 434812697. S. 126.
Gefangennahme und Flucht Im Mai 1945 wurde er in Deutschland von amerikanischen Truppen gefangen genommenJean-Paul Cointet: Sigmaringen. Perrin. Paris. Sammlung « Tempus ». 2014. ISBN 978-2-262-03300-2. S. 432., nach Frankreich zurückgeführt und in Fort de Montrouge interniert. Aufgrund gesundheitlicher Probleme wurde er in Val-de-Grâce bei Paris hospitalisiert und floh am 6. Juni 1947 nach Spanien, wo er am 6. Juni 1955 starb.
Am 18. Dezember 1948 wurde er vom Obersten Gerichtshof in Abwesenheit zum Tode und wegen Kollaboration zu einer militärischen Degradierung verurteilt. Sein Nachlass befindet sich in der Nationalbibliothek Frankreichs. Dazu gehört sein Tagebuch Souvenirs de Vichy, das er vom 18. April 1942 bis zum 15. April 1944 führte.
Literatur Gérard Chauvy: Le drame de l’armée française: du Front Populaire à Vichy. Flammarion. Paris. Sammlung « Pygmalion ». 2010. ISBN 978-2-7564-0291-8. Kapitel XXX (« L'armée éclatée »). S. 659–661: Les compromis. Robert O. Paxton: L'armée de Vichy: le corps des officiers français, 1940-1944. Tallandier. Paris. Sammlung « Points-Histoire ». 2005. ISBN 978-2-020-67988-6.
Einzelnachweise
Kategorie:Kavallerist (Frankreich) Kategorie:Person (Vichy-Regime) Kategorie:Général de corps d’armée (Frankreich) Kategorie:Befehlshaber einer Division Kategorie:Französischer Kriegsgefangener von Deutschland Kategorie:Staatssekretär (Frankreich) Kategorie:Kriegsminister (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1888 Kategorie:Gestorben 1955 Kategorie:Mann