mini|Jabra Nicola (ca. 1944) Jabra Nicola (auch: Jabra Nikola; ; geboren am 16. Februar 1912 in Haifa, gestorben am 25. Dezember 1974 in London) war ein palästinensischer Revolutionär, Marxist, Kommunist, Trotzkist, Autor und Herausgeber.
Biografie
Jabra Nicola wurde 1912 in Haifa geboren. Er stammte aus einer christlichen Familie.Lutz Fiedler: Matzpen. Eine andere israelische Geschichte. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2017; S. 89. Nach vier Jahren musste Jabra die Schule abbrechen; er arbeitete als Anstreicher in Haifa und Beirut und lernte Hebräisch, Englisch und Französisch.Fiedler 2017 S. 99. Anfang der 1930er Jahre wurde er mit 17 Jahren Mitglied der Kommunistischen Partei Palästinas, war als Autor und Herausgeber für die Partei tätig, übersetzte Schriften aus dem Englischen, veröffentlichte Broschüren über Arbeiterorganisationen und Streiks sowie über jüdische und zionistische Bewegungen. Im Jahr 1935 wurde Jabra Nicola im Alter von 23 Jahren Mitglied des Zentralkomitees.Musa Budeiri: The Palestine Communist Party 1919–1948. Arab and Jew in the Struggle for Internationalism. Chicago: Haymarket, 2010 (Erstausgabe London: Ithaca, 1979); S. 193. Er war ein führendes Mitglied des linken Flügels der Partei und redigierte mehrere Jahre lang die Parteizeitung an-Nur. Er heiratete die Kommunistin Alisa (auch: Aliza) Nowick, die polnisch- oder deutsch-jüdischer Herkunft war. Im Jahr 1939 dolmetschte er bei einem Treffen zwischen dem Führungsmitglied Radwan al-Hilu und Vertretern der jüdischen Sektion, die als zionistisch betrachtet wurde. Er war damals eines der wenigen palästinensischen Führungsmitglieder, die gut Hebräisch sprachen.Greenstein 2011.
In den 1940er-Jahren schloss er sich weder einer jüdischen noch einer palästinensisch-arabischen Fraktion an. Yigael Gluckstein (später bekannt als Tony Cliff) schrieb, dass es ihm 1940 gelang, Jabra Nicola für den Trotzkismus zu gewinnen. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wurde Jabra Nicola von den Briten verhaftet. Es war eine bittere Ironie, dass er verdächtigt wurde, »mit dem Feind zu sympathisieren«, denn im Gegensatz zur Haltung der moskautreuen Kommunisten unterstützte er von Kriegsbeginn an den Kampf gegen die Faschisten. Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion wurden die kommunistischen Häftlinge – darunter auch Jabra Nicola – entlassen.Machover 1975.
Nach der Spaltung im Jahr 1943 trat Jabra Nicola aus der Partei aus. Er schloss sich der Revolutionär-Kommunistischen Liga an, die zur 1938 von Leo Trotzki gegründeten Vierten Internationale gehörte und de Prinzipien folgte, die die Kommunistische Internationale in ihrer Anfangszeit formuliert hatte: Sie waren unter anderem klar gegen den Zionismus und gegen die Teilung Palästinas.
Der Position war kein Erfolg beschieden: Palästina wurde geteilt, und die Mehrheit der Palästinenser, die in dem Teil des Landes lebten, auf dem der jüdische Staat entstehen sollte, flüchtete oder wurde von den zionistischen Truppen vertrieben. Die trotzkistische Gruppe löste sich auf.
Nach 1948 wurde Jabra Nicola Mitglied der Kommunistischen Partei Israels (Maki). Er war Redakteur der Parteizeitung al-Ittihad.Sasson Somekh: Baghdad, Yesterday. The Making of an Arab Jew. Jerusalem: Ibis, 2007; S. 145. Im Jahr 1952 begann die Maki in Haifa, die Kulturzeitschrift al-Jadid herauszugeben; ihre Chefredakteure waren Emil Habibi und Jabra Nicola.
Im Jahr 1958 nahm Jabra Nicola an einem wichtigen Treffen zwischen jüdischen und arabischen Schriftstellern teil.
Während dieser Zeit hatte Jabra Nicola aber auch Kontakt zur trotzkistischen Vierten Internationale. 1963 wurde Jabra Nicola Mitglied des Internationalen Exekutivkomitees der Vierten Internationale.
Im Herbst 1963 trat Jabra Nicola der 1962 gegründete Sozialistische Organisation Israels bei,Fiedler 2017 S. 87. die besser unter dem Namen ihrer Zeitschrift Matzpen bekannt ist. Er schrieb zahlreiche Artikel unter dem Pseudonym »A. Said«.Michel Warschawski: La révolution sioniste est morte. Voix israéliennes contre l'occupation, 1967–2007. Paris: Fabrique, 2007; S. 39. Im Mai 1967 schrieb Matzpen: »Der Staat Israel ist das Ergebnis der Kolonisierung Palästinas durch die zionistische Bewegung auf Kosten der arabischen Bevölkerung und unter der Schirmherrschaft des Imperialismus.« Vor allem nach dem Krieg im Juni 1967 spielte Matzpen trotz ihrer relativ geringen Mitgliederzahl eine wichtige Rolle in Israel. Jabra Nicola schrieb vor allem über die Lage im Nahen Osten, über Ägypten, den Irak usw.
Jabra Nicola verfasste zahlreiche Schriften gemeinsam mit Moshe Machover, der 1968 nach London zog. Auch Jabra Nicola zog nach dem Tod seiner Frau 1970 nach London.
In seinen letzten Jahren arbeitete Jabra Nicola unter anderem an einem Manuskript, in dem er Marx’ Vorstellung der asiatischen Produktionsweise auf den Arabischen Osten anwendete und beschrieb, wie der osmanische Staat das Aufkommen einer unabhängigen städtischen Bourgeoisie verhinderte, so dass die traditionellen herrschenden Klassen, die Grundbesitz und Handel verbanden, sich weiter auf Kosten der Massen auf dem Land und in den Städten bereichern konnten, häufig in Zusammenarbeit mit anstatt in Opposition gegenüber den Kräften der europäischen Kolonialmächte.
Literatur
Ran Greenstein: A Palestinian Revolutionary. Jabra Nicola and the Radical Left. In: Jerusalem Quarterly Nr. 46 (2011) S. 32–48. Moshé Machover: The Palestinian Struggle and the Arab East. Jabra Nicola and His Heritage. In: ders.: Israelis and Palestinians. Conflict and Resolution. Chicago: Haymarket, 2012; S. 7–56.
Weblinks
Fußnoten
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