Dietrich Brockhagen (* 1967) ist ein deutscher Physiker und Umweltökonom sowie Gründer und Geschäftsführer der gemeinnützigen Klimaschutzorganisation Atmosfair. Bekannt wurde er vor allem durch Beiträge zur Debatte über CO₂-Kompensation im Luftverkehr, durch den Atmosfair Airline Index und durch die Entwicklung synthetischer Flugkraftstoffe.
Leben und Wirken Brockhagen studierte Physik und Umweltökonomie und wurde als Umweltökonom promoviert. Vor der Gründung von Atmosfair arbeitete er beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, im Bundesumweltministerium und im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen. Er leitete das Forschungsprojekt klimabewusst fliegen des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, aus dem Atmosfair hervorging. Seit der Gründung der Organisation im Jahr 2005 steht er als Geschäftsführer an ihrer Spitze.
Bereits beim Start der Initiative Atmosfair im Jahr 2004 trat Brockhagen als Projektleiter mit dem Konzept auf, die Klimabelastung einzelner Flüge rechnerisch zu erfassen und über freiwillige Zahlungen Klimaschutzprojekte zu finanzieren. Wenige Wochen später zog er für das Projekt eine erste positive Bilanz; die eingeworbenen Beiträge sollten unter anderem Solar- und Abfallprojekte in Indien und Brasilien finanzieren. Er betonte dabei wiederholt, dass Kompensation keinen ökologischen Freibrief darstelle und die Vermeidung von Flügen die bessere Lösung bleibe. Mit dem 2011 erstmals vorgestellten Atmosfair Airline Index wollte Brockhagen die Klimaeffizienz von Fluggesellschaften vergleichbar machen und so Kundschaft wie Unternehmen zu klimabewussteren Entscheidungen bewegen. In der öffentlichen Debatte über CO₂-Kompensation vertrat er die Position, dass solche Modelle nur mit strengen und glaubwürdigen Kontrollen vertretbar seien. Seit 2017 warb Brockhagen zudem für strombasierte synthetische Kraftstoffe als langfristige Option für die Luftfahrt; 2021 nahm in Werlte eine von Atmosfair betriebene Anlage den Betrieb auf, 2024 meldete die Organisation erstmals fünf Tonnen CO₂-neutralen Kerosins für die kommerzielle Nutzung. 2024 kritisierte er mit Verweis auf aktuelle Branchenanalysen erneut, dass der weltweite Passagierluftverkehr seine Klimaziele verfehle und die Branche beim Klimaschutz zu langsam vorankomme.
Einzelnachweise
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