mini| Blick auf den Osthafen Der Osthafen ist ein Industriegebiet östlich der Warnow in Rostock. Das Gewerbegebiet wurde in den 1900er Jahren als Erweiterung des Stadthafens geplant, war in seiner Geschichte aber nie ein Hafenstandort.

Geschichte

Am Ende des 19. und zum Beginn des 20. Jahrhunderts begann in Rostock ein großer Umbbau des Hafens. Ziel der Arbeiten war, den Hafen den gestiegenen Verkehrsanforderungen anzupassen. Am südlichen Ufer der Unterwarnow wurden Am Strande eine ungefähr drei Kilometer lange, feste Kaikante für den Umschlag vom Schiff zur Rostocker Hafenbahn, der Haedgehafen und der Kohlenkai gebaut. Auf dem Kohlenkai wurde eine Kranbrücke, am Strandkai ein moderner Hammerkran aufgebaut. Im Zuge der Aufnahme des Postdampferverkehrs nach Gedser durch den Deutsch-Nordischen Lloyd im Jahr 1886 und der Aufnahme des Eisenbahnfährbetriebs 1903 wurden die Hafeneinfahrt und der Hafen in Warnemünde ebenfalls umgebaut. Mit der Verlegung des Laufes der Warnow im Bereich der Petribrücke ab dem Jahr 1905 wurde der Aufbau eines Lagerplatz- und Indutriegebietetes östlich des Flusses beschlossen. Dieses, östlich der bisherigen Hafenanlagen gelegene Gebiet bekam den Namen Osthafen.

1905 bis 1945

Im Jahr 1905 begannen die Arbeiten zur Verlegung und Neugestaltung der Kleinen Unterwarnow zwischen der Mühlendammschleuse, dem Mühlendammwehr und dem östlichen Ende des Stadthafens. Dort fand zu dieser Zeit der Umschlag von Holz aus Skandinavien statt. Die Lieferung erfolgte meist mit Segelschiffen. Damit diese die Liegplätze an den Holzlagerplätzen und Sägewerken weiterhin erreichen konnten, wurde auch der 1912/13 fertiggestellte Neubau der Petribrücke als Klappbrücke ausgeführt.Der Neubau der Petribrücke im Jahre 1913 Abgerufen am 11. April 2026 mini|Petribrücke, alte Eisenbahn-Klappbrücke Die neue Brücke wurde als kombinierte Eisenbahn- und Straßenbrücke gebaut, die Gleise für die Hafenbahn aber noch nicht verlegt. Die Breite der Brückenöffnung betrug 18 Meter. Der 1914 beginnende Erste Weltkrieg führte zur Einstellung aller Bauarbeiten und brachte die weitere Entwicklung des Osthafens zum Erliegen. Weiterreichende Pläne am Ostufer der Unterwarnow ein neues, 240 m langes, 60 m breites und 6 m tiefes Hafenbecken mit Gleisanschluss an die Bahnstrecke Stralsund–Rostock zu bauen wurden nicht weiter verfolgt.

Die Nachkriegszeit mit der Hyperinflation der frühen 1920er Jahre behinderte die Entwicklung des Osthafens. Nur wenige Unternehmen wurden bis zum Beginn der 1930er Jahre angesiedelt. Eines der ersten war 1929 die Riedelsche Dachpappenfabrik.Die Geschichte der Riedelschen Dachpappenfabrik Abgerufen am 11. April 2026.

Nach 1933 gab es erneut Überlegungen, den Osthafen als Erweiterung des Rostocker Hafens auszubauen und mehrere Hafenbecken anzulegen, die in ihren Abmessungen für alle in der damaligen Ostseefahrt vorkommenden Schiffsgrößen ausreichend gewesen wären. Sie wurden ebenso wenig realisiert wie die Pläne aus den 1910er Jahren. Auch der Bau der Bahnstrecke Stadthafen Rostock–Markgrafenheide kam über Anfänge, wie Geländeeinschnitte und eine Brücke an der heutigen Gutenbergstraße in Dierkow nicht hinaus.

Zunächst wurde der Aufbau eines Industriegeländes begonnen. 1938 zog die Eisenwerk Draht Bremer, Carl Bremer KG auf ihr neues Firmengelände am Dierkower Damm. Bis 1940 wurde die Hafenbahn in den Osthafen verlängert, die Ufer mit flachen Kaikanten befestigt und ein modernes Straßennetz angelegt. Kohlen- und Baustoffhändler, Fuhr- und Bauunternehmen erwarben Grundstücke.

Nach den starken Luftangriffen auf Rostock im April 1942 wurde der Osthafen zum Ausweichstandort vieler ausgebombter Unternehmen. Die ersten, lange Zeit für den Osthafen typischen, Lagerschuppen, Holz- und Steinbaracken wurden gebaut. mini| Alte Steinbaracke Die Firma Ferdinand Schultz NachfolgerFerdinand Schultz Nachfolger – ein Name mit Tradition Abgerufen am 12. April 2026., die Kalkbrennerei der Zementfabrik Hannmann, das Bauunternehmen Karl Mietz und weitere Betriebe siedelten sich im Osthafen an. Ende Apri 1945 zerstörte ein Brand Teile der Riedelschen Dachpappenfabrik.

Die von der Wehrmacht vorbereitete Sprengung der Petribrücke wurde durch zerschneiden der Zündkabel verhindert. Am 1. Mai 1945 zog die Rote Armee über die Brücke kampflos in Rostock ein.

1945 bis 1990

Nach dem Krieg wurden zunächst Schäden beseitigt und dann weitere Betriebe planwirtschaftlich auf dem Areal angesiedelt. Angesiedelte Betriebe waren unter anderem die aus der Firma Karl Mietz hervorgegangene PGH Greif, der VEB Ingenieurbüro Schiffbau, der VEB Baumechanik Nord, der VEB Metallhandel, die Bäuerliche Handelsgenossenschaft (BHG) und ein Reparaturbetrieb für Elektromaschinen.: Streckenchronik der alten Linie 4: Abgerufen am 15. April 2026 Die verkehrliche Erschließung erfolgte 1948 durch die Straßenbahnlinie entlang des Dierkower Damms, zunächst bis zur Hinrichsdorfer Straße in Dierkow, später verlängert bis zum Kirchplatz in Gehlsdorf. Die Zahl der Betriebe und der in ihnen arbeitenden Menschen nahm bis 1989 stetig zu. 1974 wurde die Straßenbahnlinie eingestellt und durch zwei Buslinien ersetzt. Die eingleisige Straßenbahntrasse war technisch verschlissen und aufgrund der Streckenführung durch die Rostocker Altstadt für einen Ausbau nicht geeignet. Von 1959 bis 1990 wurde am nördlichen Ende des Osthafens die Deponie Dierkow als Hausmülldeponie durch die Stadtreinigung/Stadtentsorgung betrieben.:Stillgelegte Deponien Abgerufen am 15. April 2026 mini|Das Pionierschiff Vorwärts passiert 1981 die Petribrücke Am 16. September 1981 wurde die Petribrücke zum letzten Mal geöffnet. Das Pionierschiff Vorwärts wurde mit Hilfe von drei Schleppern an einen neuen Liegeplatz im Stadthafen verholt. Grund dafür war der Neubau des Straßenteils der Brücke als feste Brücke, die das passieren von großen Schiffen nicht mehr erlaubt.

1987 wurde eine neue, zweigleisige Straßenbahnstrecke nach Dierkow und später nach Toitenwinkel in Betrieb genommen. Sie erschließt auch den Osthafen.

1990 bis heute (2026)

Mit der friedlichen Revolution in der DDR begann auch für den Osthafen eine Zeit großer Veränderungen, die bis heute anhält. Die bisherigen Volkseigenen Betriebe wurden in Kapitalgesellschaften umgewandelt und in der Folge privatisiert oder geschlossen. Einige Betriebe wurden reprivatisiert und ihren früheren Eigentümern rückübertragen. Im Osthafen traf dies auf die Riedelsche Dachpappenfabrik und Ferdinand Schultz Nachfolger zu. Die gesellschaftlichen Veränderungen brachten zunächst einen großen Verlust von Arbeitsplätzen mit sich. Unternehmen mussten neue Wege gehen, um in der Marktwirschaft bestehen zu können. Im Jahr 1991 wurde die Hafenbahn in den Osthafen eingestellt.Hafenbahn abgerufen am 19. April 2026

In der Folge wurden nicht mehr benötigte Gebäude abgerissen, andere wurden modernisiert und den neuen Anforderungen angepasst. Neue Gewerbebauten entstanden und im Osthafen ließen sich Unternehmen der verschiedensten Branchen nieder. mini|Neue Gewerbebauten Heute gibt es einen Branchenmix der von Handels- und Produktionsbetrieben des Metallbaus, der Hydraulik, der Elektrotechnik und Elektronik, Autohäusern und verschiedenen Werkstätten bis zu Ingenieurbüros und IT-Systemhäusern reicht. Der Unternemenssitz der Stadtentsorgung Rostock befindet sich ebenfalls im Osthafen. In der Straße Bei der Knochenmühle am Ufer der Unterwarnow und am Dierkower Damm gibt es jeweils ein Hotel und Gastronomie.

Planungen und Zukunft

Im Zuge der Bewerbung Rostocks für die Bundesgartenschau 2025 wurde das Gebiet des Osthafens als Teil des Warnowquartiers in die Planungen einbezogen. Aus dem Industriegebiet soll ein Mischgebiet mit den Schwerpunkten Gewerbe im Bereich des alten Industriegebietes, sowie Wohnen und Erholung im Uferbereich und auf der ehemaligen Deponie, entwickelt werden. Die Planungen für das Warnowquartier werden auch nach Absage der Bundesgartenschau fortgeführt.

Einzelnachweise

Kategorie:Geographie (Rostock) Kategorie:Gewerbegebiet in Deutschland