Das Castello di Machilone war eine alte Burg, die in der Nähe der Terra Camponesche im Velinotal in Verbindung mit dem Ortszentrum von Posta in der italienischen Region Latium lag.

Sie wurde von den Normannen im 10. Jahrhundert erbaut und entwickelte sich in der Zeit der Herrschaft des Hauses Anjou im Königreich Sizilien, bis sie 1299 nach einer langen Belagerung von L’Aquila erobert, angezündet und bis auf die Grundmauern niedergebrannt wurde. Auf dem Hügel vor der Siedlung sind heute noch einige Reste der Burg zu sehen.

Geschichte “In dì de Santa Justa, la festa de Bazano,fo tolto Machilone dallo communo Aquilano;quanto sedero ad alto tanto calaro in plano;quello che vi remase non valse un anchontano.“(dt.:Am Tag der Heiligen Justa, dem Fest von Bazano,wurde Machilone von L’Aquila überfallen;je höher man sitzt, desto eher geht man unter;was übrig blieb, war keinen Pfifferling wert.)

Die Burg wurde im 10. Jahrhundert, bei der Gründung des Königreichs Sizilien, in einer strategisch bedeutenden Lage zwischen den Tälern des Aterno, des Tronto und des Velino errichtet. Das erste Dokument, in dem die Existenz von Machilone erwähnt ist, ist der Catalogus baronum von 1152.

Die Bedeutung von Machilone wuchs schnell und 1213 waren dort 23 Ritter und weitere 200 Vasallen stationiert.

Nach dem Modell von L’Aquila begann im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts die Gründung einiger befestigter Städte, die vor allen Dingen an der Nordgrenze des Königreichs lagen, auf die sich die geopolitischen Interessen des Hauses Anjou konzentrierten. Am 16. Juli 1278 gestattete König Karl I. von Neapel den Bewohnern von Machilone und der angrenzenden Burgen die Gründung von Gonexa, dem heutigen Leonessa.

Die Entwicklung einer unabhängigen und wirtschaftlich starken Gemeinschaft an der Grenze ihres Einflussbereiches – in einer für den Handel strategisch bedeutenden Gegend entlang der Via degli Abruzzi – gefiel den Aquilanern nicht; 1299 überrannten sie die Burg, zündeten sie an und brannten sie bis auf die Grundmauern nieder. Ihre Einwohner drängten sie, an diesem Ort keinerlei Festung mehr zu bauen. Die Belagerung dauerte neun Wochen – vom 1. Juni bis zum 1. August, dem Tag der Heiligen Justa, wie von den örtlichen Dichtern besungen – und wurde trotz der Anordnung König Karl II. von Neapel fortgesetzt. Die Bewohner von Machilone wurden nach L’Aquila geführt und kamen in Stiffe an, das seit dieser Zeit den Namen Stiffe e Machilone annahm. Die Frauen wurden im Kloster des Ortes – zwischen den heute nicht mehr existierenden Kirchen San Francesco a Palazzo und San Tommaso, heute entsprechend dem Palazzo del Convitto – untergebracht, während die Männer über den gesamten Ort verteilt wurden. “(...) andò il Comune dell’Aquila contro di quel Castello e avuto dal re ordine di desistere, alcuni cittadini ostinati proseguirono nell’assedio. Mantennero quivi l’oste nove settimane fino a che lo presero a patti; nel dì primo d’Agosto festivo a S. Giusta protettrice di Bazzano. Con protervia non furono poi osservati i patti ma preso appena fu messo a guasto, incendiato e gettato a terra, dato a sacco quanto ci era e fin le donne che pur erano di qualità, condotte all’Aquila.“(dt.: (…) zog die Gemeinde L’Aquila gegen diese Burg und, obwohl sie vom König angewiesen wurden, dies zu unterlassen, führten einige hartnäckige Bürger die Belagerung fort. Sie hielten dort das Heer neun Wochen lang, bis sie die Burg am 1. August, dem Feiertag der Heiligen Justa, der Schutzpatronin von Bazzano, durch Vertrag einnahmen. In trotziger Weise wurden die Vereinbarungen dann nicht eingehalten aber der Ort wurde sofort nach der Einnahme verwüstet, niedergebrannt und geschleift; alles, was da war, wurde geplündert und sogar die vornehmen Damen wurden nach L’Aquila gebracht.)

Wegen der Nichtbefolgung der Anweisungen des Königs wurde L’Aquila gezwungen, eine hohe Entschädigung, entsprechend etwa 3025 Uncias, zu zahlen.

Unterhalb der zerstörten Burg wurde das Ortszentrum von Lapposita geschaffen, das später in Postareale umbenannt wurde und heute Posta heißt. Die Stadt wurde umgehend dem Bezirk L’Aquila angegliedert, und zwar durch drei Diplome von 1299, 1301 und 1304; sie blieb bis 1927 der Provinz L’Aquila zugeordnet und wurde dann in die neu geschaffene Provinz Rieti integriert.

Während die Kirchen San Francesco a Palazzo und San Tommaso verschwanden, gibt es den Namen „Machilone“ heute noch unter den Toponymen der Hauptstadt der Abruzzen, und zwar als Piazza Machilone (in der Bevölkerung aus Piazza delle tavole (dt.: Platz der Gemälde) genannt, weil des dort im 19. Jahrhundert Straßenmaler gab); er liegt im gleichnamigen Ort.

Beschreibung Die Burg lag in der Terra Camponesca, einem großen als Viehweide genutzten Gebiet, das sich zwischen den heutigen Zentren von Accumoli, Antrodoco und Cittareale erstreckte; davon ist der Name der Camponeschi abgeleitet, einer mächtigen Familie aus L’Aquila. Die Burg thronte auf einem Hügel vor der Siedlung Posta an der Einmündung der Straße nach Borbona in die Via Salaria.

Machilone bestand aus einer kleinen Burg auf dem höchsten Punkt des Hügels und aus Siedlungen, die auf einer Strecke von geschätzten 500 Metern entlang des gesamten Bergrückens lagen. Einige Reste der Befestigungen sind heute noch auf dem Hügel zu sehen, wo die Gemeinde auch eine Erinnerungstafel aufgestellt hat.

Einzelnachweise und Bemerkungen Carlo Borello: Catalogvs Baronum Neapolitano in Regno versantium. 1653. S. 127–128.

Buccio di Ranallo: Cronache aquilane. Strophe CCIII. L’Aquila 1355. Mauro Zelli: Narnate. Storia di un territorio di frontiera tra Spoleto e Rieti dall’VIII al XIII secolo. L’Erma di Bretschneider, Rom 1997. ISBN 88-7062-966-X. S. 72. Anton Ludovico Antinori: Annali degli Abruzzi. Band VIII. 1777. Paolo Peduto, Alfredo Maria Santoro (Herausgeber): Archeologia dei castelli nell’Europa angioina (secoli XIII–XV). All’insegna del Giglio, Sesto Fiorentino 2011. ISBN 978-88-7814-507-8. S. 97. Mauro Zelli: Narnate. Storia di un territorio di frontiera tra Spoleto e Rieti dall’VIII al XIII secolo. L’Erma di Bretschneider, Rom 1997. ISBN 88-7062-966-X. S. 30. Mauro Zelli: Narnate. Storia di un territorio di frontiera tra Spoleto e Rieti dall’VIII al XIII secolo. L’Erma di Bretschneider, Rom 1997. ISBN 88-7062-966-X. S. 111. Anton Ludovico Antinori: Annali degli Abruzzi. Band X. 1777. Die Ortsbezeichnung „Stiffe“ bezog sich ursprünglich auf das Viertel San Giusta, das zwischen dem Viertel Cantoni und dem Domplatz zu verorten ist. Seit der Änderung der Bezeichnung beansprucht das Viertel San Pietro Besitz daran. Anton Ludovico Antinori: Annali degli Abruzzi. Band X. 1777. S. 540.

Quellen Anton Ludovico Antinori: Annali degli Abruzzi. Bände VIII und X. 1777.

Buccio di Ranallo: Cronache aquilane. L’Aquila 1355.

Paolo Peduto, Alfredo Maria Santoro (Herausgeber): Archeologia dei castelli nell’Europa angioina (secoli XIII–XV). All’insegna del Giglio, Sesto Fiorentino 2011. ISBN 978-88-7814-507-8.

Mauro Zelli: Narnate. Storia di un territorio di frontiera tra Spoleto e Rieti dall’VIII al XIII secolo. L’Erma di Bretschneider, Rom 1997. ISBN 88-7062-966-X.

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