miniatur|Palazzo Comunale und Torre Civica in Rieti mit Fontana dei Delfini: Hauptfassade Der Palazzo Comunale ist ein Palast aus dem 13. Jahrhundert in der Stadt Rieti in der italienischen Region Latium. Er liegt an der Piazza Vittorio Emanuele II und dient als Rathaus und Stadtmuseum.
Im 16. Jahrhundert wurde der Palast von Vignola grundlegend restauriert. Die heutige Fassade ist klassizistisch, die Baukörper aus dem 20. Jahrhundert ist eklektisch, die Innenräume sind im Jugendstil gestaltet und der angrenzende Torre Civica folgt dem Stil des Rationalismus.
Geschichte miniatur|Ostfassade des Palastes zur Via della Pescheria, die immer noch das Mauerwerk des einfachen Gebäudes aus dem 13. Jahrhundert zeigt. Der Gebäudeteil mit Fenstern weiter rechts stammt dagegen aus dem 16. Jahrhundert Das Gebäude hat eine komplexe Geschichte und ist heute das Resultat verschiedener Erweiterungen und Umbauten über die Jahrhunderte.
Der ursprüngliche Kern des Palastes wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet, um die Regierung der freien Kommune Rieti aufzunehmen, die damals aus Prioren (Vorständen der Zünfte) bestand; aus diesem Grunde hieß das Gebäude auch Palazzo dei Priori. Dieses erste Gebäude bestand vollständig aus Travertinquadern und war kleiner als das heutige, da es an die Paläste zweier bedeutender Familien in Rieti angrenzte: An den der Moronis und an den der Alfanis. Der einzige Teil dieses ersten Gebäudes, der bis heute erhalten ist, befindet sich auf der Ostseite, wo man noch das Mauerwerk aus dem 13. Jahrhundert aus Travertinblöcken sehen kann; man kann dort auch die Spuren eines Doppelfensters und eines einfachen Fenstern erkennen, die beide in späterer Zeit zugemauert wurden, sowie zwei Reliefe in Form von Fischen.
Im Laufe der Zeit wurde der Palast nach und nach erweitert und mit angrenzenden Gebäuden verschmolzen, wobei er vom Niedergang der Familien profitierte, denen diese gehörten. Die erste bedeutende Erweiterung wurde Ende des 15. Jahrhunderts durchgeführt, als zwei westlich angrenzende Häuser integriert wurden, das des Adligen Battista Morroni und das des lombardischen Baumeisters Maestro Domenico.
Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde der östliche Teil des Palastes nach Norden erweitert; diese Erweiterung schreiben einige Vignola zu, der das Projekt um 1563 entworfen hatte, auch wenn es nur teilweise durchgeführt wurde. Dieser Eingriff ist heute noch an der Ostseite des Palastes zu sehen, dort, wo sich die Fenster und die Portale befinden (angrenzend an den Bauteil aus dem 13. Jahrhundert).
1616 wurde die neue Glocke des Campanile in der Kirche Sant’Agostino vom Bischof von Rieti, Kardinal Pier Paolo Crescenzi, geweiht.
Um die Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Palast von Vincenzo Manenti mit Fresken verziert.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nahm der Palast seine heutige Gestalt an: Zwischen 1748 und 1752 wurde die Fassade unter Leitung des römischen Architekten Filippo Brioni vollständig neu gestaltet, während Giuseppe Subleyras den Glockenturm realisierte.
Die Umbauten Anfang des 20. Jahrhunderts Das Gebäude wurde beim Erdbeben im Jahre 1898 schwer beschädigt: Verschiedene Teile des Palastes stürzten ein und die Glocke fiel vom Turm.
Nach dem Erdbeben gab es zwei Meinungen über das weitere Schicksal des Palastes: Einige (darunter der Gemeinderat Giuseppe Palmegiani) schlugen vor, das Gebäude abzureißen und etwas zurückversetzt vollkommen neu aufzubauen: So wäre die Fassade des Palastes in eine Linie mit den Gebäuden in der Via Giuseppe Garibaldi und der Nordseite der Piazza Vittorio Emanuele II gebracht worden (die alle im Laufe des 19. Jahrhunderts im Rahmen der Erweiterung des Platzes und der Verbreiterung der Straße zurückversetzt worden waren). Der bekannte Architekt Giuseppe Sacconi schlug dagegen vor, das existierende Gebäude zu erhalten, die Schäden zu reparieren, die Struktur in Ordnung zu bringen und den Zugang zu verschiedenen Baukörpern des Gebäudes durch eine neue Eingangstreppe zu ermöglichen.
1903 beschloss der Stadtrat letztere Lösung; mit den Arbeiten wurde 1909 begonnen und vom Bauunternehmen Ceci unter der Leitung des damals jungen Architekten Cesare Bazzani durchgeführt, dem der Stadtbauingenieur Angelo Blasetti zur Seite stand.
Das Problem der Rückverlegung des Palastes blieb so ungelöst: Um es zu mildern, ließ Bazzani im Erdgeschoss Vorhallen errichten, durch die die auf die Via Giuseppe Garibaldi und den Platz vorspringenden Teile des Palastes zugänglich wurden. Zu den drei schon vorhandenen Bögen fügte Bazzani zwei weitere an der Fassade hinzu (wo früher zwei Ladengeschäfte waren) und plante, einen auf jeder Seite dieser Vorhalle zu realisieren, um diese auch nach den Seiten hin zu öffnen, auch wenn diese beiden Bögen erst später gebaut wurden: Der Bogen auf der Westseite wurde 1930 geschaffen, der auf der Ostseite erste 1953.
Bazzani restaurierte auch die Fassade, an der er einige Verzierungen anbringen ließ: Eine Reproduktion des Stadtwappens, eine des Wappens des Hauses Savoyen und Ergänzungen der Verzierungen an der Uhr. Nach Ideen des Bauingenieurs Blasetti wurde im hinteren Teil ein Innenhof geschaffen, der die Haupttreppe und verschiedene Büros belichtete.
Die Erweiterungen an Westseite und Rückseite Der Mangel an Räumen für die Verwaltung der Stadt, die 1927 zur Provinzhauptstadt erhoben worden war, und die Lücke, die der Abriss des alten Hotels Croce Bianca, ein Gebäude links des Rathauses, das auch beim Erdbeben von 1898 beschädigt worden war, im Jahre 1935 führten in den Folgejahren zu weiteren Erweiterungen des Rathauses.
Das Projekt, das der Architekt und Stadtplaner Giuseppe Battistrada 1940 ausarbeitete, sah den Bau eines hohen Turmes im Stile des Rationalismus anstelle des Hotels vor, sowie den Bau eines neuen, niedrigeren Gebäudeflügels auf der Rückseite (anstelle des früheren Palazzo Alfani) und symmetrisch zum Gebäudeflügel aus dem 16. Jahrhundert.
Die Arbeiten zum Bau des Turmes begannen 1939. Die Ausführung dieser Arbeiten wurden durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verzögert, ebenso wie durch den frühen Tod des Architekten. Nach dem Krieg wurde das Projekt zudem überarbeitet, was zu einer Änderung der inneren Aufteilung des Turmes führte und zu einer Reduzierung der Bauhöhe gegenüber dem ursprünglichen Plan. Die Bauarbeiten an dem Turm wurden schließlich 1956 abgeschlossen.
An der Rückseite des Palastes waren die Überarbeitungen noch tiefgreifender: Das Projekt von Battistrada wurde nur teilweise realisiert und nach verschiedenen Vorschlägen, die darauf abzielten, das Alte mit dem Modernen besser in Einklang zu bringen, setzte sich das Projekt des Stadtplanungsingenieurs Gustavo Domenico di Benedictis durch. Die Bauarbeiten hierzu wurden erst in den 1970er-Jahren abgeschlossen.
Zusammen mit dem rückwärtigen Gebäudeflügel, dessen Bau zum Abriss des Palazzo Alfani führte, wurde auch eine große Terrassierung realisiert, durch die der Hang dahinter geglättet wurde und die den früheren kleinen Platz und die Treppe ersetzte, die den Höhenunterschied überwand. Der Teil der Terrassierung unter freiem Himmel trägt den Namen „Largo Alfani“ und ist heute ein Parkplatz, während in dem Teil, der sich im Untergeschoss befindet, eine Markthalle realisiert wurde.
2013 wurden an dem gesamten Palast Umbaumaßnahmen an den Fassaden eingeleitet, die vom Emili-Rat genehmigt und vom Petrangeli-Rat durchgeführt wurden. Sie führten zur Erneuerung des Außenputzes (fertiggestellt im August 2014), der Installation einer neuen, künstlerischen Beleuchtung (fertiggestellt im Juni 2015) und zum Einbau eines Schwingungstilgers an der Spitze des Turms (fertiggestellt im Juli 2014).
Beschreibung miniatur|links|Grundriss der verschiedenen Baukörper des Palastes. Die karierten Flächen zeigen die Vorhallen an. Der Palast hat seine Hauptfassade zur Piazza Vittorio Emanuele II; seine Rückseite zeigt zum Largo Alfani, seine Westseite zur Via Pennina und seine Ostseite zur Via della Pescheria.
Das Gebäude besteht aus verschiedenen Baukörpern (dem ältesten Bauteil, dem Torre Civica und der Rückseite), die einen einheitlichen Block bilden und sich um einen kleinen, überdachten Innenhof gruppieren. Im Erdgeschoss gibt es eine Vorhalle, die die Hauptfassade mit der Rückseite verbindet und den Zugang zu den Innenräumen beherbergt.
Fassaden miniatur|Detail der Hauptfassade Die Hauptfassade im Stile des Spätbarock hat zwei Reihen Fenster und eine Reihe Bögen im Erdgeschoss, über die man in die Vorhalle gelangt. Das Mittelfenster im ersten Obergeschoss ist mit einem kleinen Balkon versehen und das Türmchen in der Mitte der Fassade kulminiert mit einer Uhr. Diese Fassade wurde 1748 vom Architekten Filippo Brioni geschaffen; lange Zeit wurde sie irrtümlicherweise Biscagli zugeschrieben (Die richtige Urheberschaft wurde erst Anfang des 20. Jahrhunderts von Giuseppe Colarieti Tosti nachgewiesen.) Nur die drei mittleren Bögen stammen vom ursprünglichen Projekt Brionis. Die beiden äußeren Bögen wurden dagegen von Cesare Bazzani Anfang des 20. Jahrhunderts hinzugefügt, um der Vorhalle mehr Licht und Luft zu verschaffen; wegen des Stützenabstandes sind sie elliptisch und nicht rund wie die drei mittleren Bögen.
Die Fassade gipfelt in einem kleinen Glockengiebel, den der Architekt Giuseppe Subleyras schuf; in seinem Inneren befindet sich eine Bronzeglocke, die 1616 von Bernardo und Domenico Cozzetti gegossen wurde.
Vorhalle
Die Vorhalle nimmt das Erdgeschoss des Gebäudes ein; zwei ihrer Teile liegen gegenüber (entlang der Hauptfassade und der Rückseite des Gebäudes), während ein weiterer diese beiden Teile miteinander durch den Innenhof verbindet.
Um die Vorhalle herum befinden sich einige Räume, in denen Rathausbüros und Serviceeinrichtungen für die Bürger untergebracht sind, wie das Standesamt und das Fremdenverkehrsamt, zu denen man direkt von der Vorhalle aus kommt. Im Innenhof liegt ein kleiner Brunnen, der ein antikes Kapitell als Becken nutzt.
An den Wänden der Vorhalle befinden sich mehrere Denkmäler und Gedenktafeln.: eine Büste von Giuseppe Garibaldi, geschaffen von Paolo Bartolini (1883) eine Büste von Vittorio Emanuele II., geschaffen von Tito Giannini (1883) eine 1883 angebrachte Inschrift zur Erinnerung an die Bürger von Rieti, die in den Konflikten des Risorgimento gefallen sind; eine Steintafel mit Intarsien zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges; eine Wetterstation mit Thermometer, Barometer und Hygrometer, gefasst in einen Jugendstilrahmen aus Schmiedeeisen, geschaffen 1914 von der Scuola di coltura operaia unter der Leitung von Antonino Calcagnadoro; eine am 18. September 1910 angebrachte Inschrift zur Erinnerung an den 50. Jahrestag der Integration von Rieti in das Königreich Italien; ein Halbrelief von Giuseppe Mazzini mit dem Satz «ho fede incrollabile nell’avvenire d’Italia» (dt.: Ich habe unerschütterliches Vertrauen in die Zukunft Italiens), angebracht 1919; eine Erinnerungsplakette an alle, die bei den Arbeiten ums Leben kamen, angebracht am 19. März 1954 von der ANMIL (dt.: Nationale Organisation für bei der Arbeit Getötete und Verletzte); eine 1954 angebrachte Inschrift zur Erinnerung an Bischof Benedetto Cappelletti; eine 1999 angebrachte Inschrift zur Erinnerung an die für Rieti gewählten Vertreter der Gründungsversammlung der Römischen Republik von 1849.
Innenräume miniatur|links|Das Atrium am Haupteingang
Atrium und Haupttreppe Der Haupteingang zum Gebäude befindet sich entlang der Längsvorhalle und ist mit einem Tor aus Schmiedeeisen verschlossen. Durch dieses Tor gelangt man in ein elegantes Atrium, das im Jugendstil dekoriert ist; dort befindet sich die Treppe, die den Zugang zu den oberen Stockwerken vermittelt und von Bazzani und dem städtischen Ingenieur Angelo Blasetti geschaffen wurde. Entlang dieser Treppe, an den Wänden des Treppenhauses und an den Podesten gibt es eine Reihe von Kunstwerken, darunter: