mini|200px|Adalberto de Barros Nunes (1973) Adalberto de Barros Nunes (* 20. Oktober 1905 in Rio de Janeiro; † 29. September 1984 ebenda) war ein brasilianischer Seeoffizier und zuletzt Admiral, der unter anderem zwischen 1968 und 1969 Chef des Generalstabs der Marine sowie von 1969 bis 1974 Marineminister war.
Leben Adalberto de Barros Nunes war ein Sohn von Admiral Adalberto Nunes und Maria Cândida de Barros Nunes sowie der ältere Bruder von Admiral Heleno Nunes (1917–1984), der von 1975 bis 1979 Präsident des Brasilianischen Sportverbandes CBD (Confederação Brasileira de Desportos) sowie zwischen 1979 und 1980 Präsident des Nationalen Fußballverbandes CBF (Confederação Brasileira de Futebol) war. Er absolvierte seine Schulausbildung an der Militärakademie von Rio de Janeiro CMRJ (Colégio Militar do Rio de Janeiro) und trat im Januar 1922 in die Marineschule (Escola Naval) ein. Im Dezember 1925 wurde er zum Seekadetten ernannt und erreichte im Oktober 1926 den Rang eines Leutnants zur See. Er diente auf dem Schlachtschiff Minas Gerais. Im Oktober 1928 wurde er zum Oberleutnant zur See befördert und im April 1929 der Kreuzerdivision zugeteilt. Er ging an Bord des Kreuzers Rio Grande do Sul und diente von Januar bis April 1930 vorübergehend als Adjutant des Kommandanten desselben Schiffes, ehe er im Mai 1930 auf das Passagierschiff Almirante Jaceguai wechselte, um als Verbindungsoffizier zwischen dem Kommando der Kreuzerdivision und diesem Schiff zu fungieren. Mit diesem Schiff reiste Júlio Prestes, der im März 1930 zum Präsidenten der Republik gewählt worden war, in die Vereinigten Staaten. Nach seiner Rückkehr nach Brasilien schiffte er sich erneut auf der Rio Grande do Sul ein, diesmal mit Ziel Recife, um den bisherigen Gouverneur von Pernambuco, Estácio Coimbra, zu unterstützen, der von der revolutionären Bewegung, die am 3. Oktober 1930 begonnen hatte, gestürzt worden war. Am 2. November desselben Jahres, als die Revolution bereits siegreich war, bestieg er dasselbe Schiff, das diesmal die Rebellen aus dem Nordosten unter Kapitän Juárez Távora nach Rio de Janeiro brachte. Am folgenden Tag übernahm der Revolutionsführer Getúlio Vargas die provisorische Regierung.
mini|Adalberto Nunes war mehrmals Offizier auf dem Kreuzer Rio Grande do Sul. Im Juni 1931 wurde Adalberto Nunes zum Adjutanten des Kommandeurs der 2. Zerstörerdivision (2ª Divisão de Contratorpedeiros) ernannt und wurde im Juni 1932 zum Korvettenkapitän befördert, woraufhin er im August 1932 an Bord des Torpedoboots Goiás ging und im folgenden Monat das Kommando über das Schiff Tenente Lahmeyer übernahm, wo er bis Dezember blieb, und anschließend Adjutant des Generaldirektors der Marinefliegerei (Diretor-geral da Aeronáutica Naval) wurde. Im April 1934 schrieb er sich in den Fortgeschrittenenlehrgang für Offiziere ein, den er im Januar 1935 abschloss. Im März 1935 ging er an Bord des Kreuzers Rio Grande do Sul, mit dem er im November 1935 aufgrund eines kommunistischen Aufstands nach Rio Grande do Norte verlegt wurde, der am 23. November von Unteroffizieren, Korporalen und Soldaten des 21. Jägerbataillons in Natal begonnen worden war. Am 24. November brach der Aufstand in Recife und am 27. November in Rio de Janeiro aus. Diese von der Nationalen Befreiungsallianz ANL (Aliança Nacional Libertadora), einer kommunistischen Organisation, getragene Bewegung wurde von Regierungstruppen schnell niedergeschlagen. Im März 1936 verließ Adalberto Nunes die Rio Grande do Sul und wurde zum Artillerieausbilder am Ausbildungszentrum der „Admiral Wandenkolk“-Schule in Rio de Janeiro ernannt, wo er bis Juni 1938 blieb. Danach diente er bis Januar 1941 auf verschiedenen Schiffen und wechselte später zur Abteilung für Sprengstoffe, Minen und Bomben der Rüstungsdirektion (Seção de Explosivos, Minas e Bombas da Diretoria de Armamentos). Er kommandierte von Juni 1944 bis April 1945 die Korvette Felipe Camarão und übernahm im Mai 1945 die Leitung der Sportausbildung im Ausbildungszentrum von Rio de Janeiro. Im Juni 1946 zum Fregattenkapitän befördert, wurde er 1947 als Technischer Berater dem Gouverneur des Bundesstaates São Paulo, Ademar de Barros, unterstellt.
Im Mai 1950 kehrte Adalberto Nunes in den aktiven Dienst der Marine zurück und wurde im folgenden Monat an Bord des Versorgungsschiffs Belmonte zum Chef des Stabes des Torpedobootkommandos (Comando da Força de Torpedeiros) ernannt. Im September 1951 begann er sein Studium an der Seekriegsschule EGN (Escola de Guerra Naval) und wurde im Juni 1952 zum stellvertretenden Direktor der Personalabtuelung der Marine ernannt. Im September 1952 erfolgte seine Beförderung zum Kapitän zur See, um die Aufgaben der neuen Position wahrnehmen zu können und schloss im selben Monat sein Studium an der Seekriegsschule ab. Im Januar 1953 wurde er zum Militärdirektor des Marinearsenals von Rio de Janeiro ernannt, eine Position, die er bis Dezember 1953 innehatte. Daraufhin fungierte er von Februar 1954 bis Februar 1955 als Leiter der Hafenverwaltung des Bundesstaates Bahia und diente anschließend bis Ende 1955 im Generalstab der Marine EMA (Estado-Maior da Armada). Zu dieser Zeit fand die Militärbewegung vom 11. November (Movimento de 11 de Novembro) statt, die unter der Führung von General Henrique Teixeira Lott, dem zurückgetretenen Kriegsminister, initiiert wurde. Ziel der Bewegung war es, nach Angaben ihrer Initiatoren, eine Verschwörung innerhalb der Regierung zu vereiteln, die die Amtseinführung des gewählten Präsidenten Juscelino Kubitschek verhindern sollte. Die Bewegung führte zur Absetzung des amtierenden Präsidenten Carlos Coimbra da Luz und des Präsidenten João Café Filho, der sich im Urlaub befand, und zur Einsetzung des Vizepräsidenten des Senats, Nereu Ramos, als Regierungschef.
mini|Korporal José „Cabo“ Anselmo dos Santos, Anführer der Matrosenrevolte (Revolta dos Marinheiros) im März 1964. Im März 1956, bereits unter der Regierung Kubitschek, übernahm Adalberto Nunes die Leitung des Marineinformationsdienstes SIM (Serviço de Informações da Marinha) und wurde im Juli 1957 zum Stabschef des Marineministers, Admiral Antônio Alves Câmara Júnior, ernannt. Im Juli 1958 erfolgte seine Beförderung zum Konteradmiral (Contra-almirante) und im September 1958 die Ernennung zum Direktor der Marineschule. Im November 1959 wurde er zum Vizeadmiral (Vice-almirante) befördert und übernahm im Dezember 1960 die Leitung der Generaldirektion für Hydrographie und Navigation (Diretoria Geral de Hidrografia e Navegação). Im August 1961 vertrat er die Marine auf der ersten Generalversammlung des Panamerikanischen Instituts für Geographie und Geschichte (IPGH) in Buenos Aires. Er bekleidete die Leitung der Generaldirektion für Hydrographie und Navigation bis Dezember 1961, als er zum Generaldirektor der Marineelektronik (Diretoria Geral de Eletrônica da Marinha) ernannt wurde. Im Oktober 1963 gab er diese Position auf, um als Nachfolger von Vizeadmiral Antônio César de Andrade das Amt des Oberbefehlshabers der Flotte (Comandante-em-chefe da Esquadra) zu übernehmen. Im März 1964 brach die von Korporal José „Cabo“ Anselmo dos Santos angeführte Revolte von Matrosen (Revolta dos Marinheiros), die sich im Metallarbeiterverband von Rio de Janeiro verschanzten, um gegen die ihnen auferlegten politischen und funktionellen Beschränkungen zu protestieren. Marineminister Admiral Sílvio Borges de Sousa Mota erließ Haftbefehle gegen die Organisatoren der Revolte, doch Präsident João Goulart ordnete die Freilassung der inhaftierten Rebellen an, was am 28. März 1964 zum Rücktritt des Ministers und zur Entlassung von Offizieren führte, denen er vertraut hatte. Unter ihnen war auch Nunes, der daraufhin das Kommando über die Flotte an Vizeadmiral Norton Demaria Boiteux übergab. Die Matrosenrevolte besiegelte das Schicksal der Regierung Goulart, die mit dem Sieg der politisch-militärischen Bewegung am 31. März 1964 gestürzt wurde.
Im Mai 1964, bereits unter der Regierung von Marschall Humberto Castelo Branco, wurde Adalberto Nunes zum Generaldirektor der Häfen und Küsten ((Diretoria Geral de Portos e Costas) ernannt. Im August 1966 wurde er zum Flottenadmiral (Almirante-de-esquadra) befördert und zum Generalsekretär der Marine (Secretário-geral da Marinha) ernannt. Im September 1966 wurde er Vollmitglied der ersten und zweiten Marine-Beförderungskommission (Comissão de Promoções da Marinha). Im Februar 1968 trat er der Studienkommission zum Zehnjahresprogramm für den Marineausbau (Comissão de estudos do Programa Decenal de Construção Nava) bei und wurde nach seinem Ausscheiden aus dem Amt des Generalsekretärs der Marine im November 1968 als Nachfolger von Admiral José Moreira Maia zum Chef des Generalstabs der Marine (Chefe do Estado-Maior da Armada) ernannt. Im Dezember 1968 wurde als Höhepunkt eines das Land prägenden Prozesses politischer Radikalisierung das Institutionelle Gesetz Nr. 5 AI-5 (Ato Institucional N.º 5) erlassen, das die Auflösung des Nationalkongresses (Congresso Nacional do Brasil)) und die Aussetzung wichtiger verfassungsrechtlicher Garantien anordnete. Im August 1969, als Marschall Artur da Costa e Silva krankheitsbedingt der Regierungsführung fernblieb, nahm Adalberto Nunes als Mitglied des Oberkommandos der Streitkräfte an den Sitzungen teil, in denen die Bildung einer Militärjunta beschlossen wurde., die das Land bis zur Wahl eines neuen Präsidenten regieren sollte. Die Junta setzte sich aus den drei Militärministern zusammen: General Aurélio de Lira Tavares (Heer), Brigadegeneral Márcio de Souza Mello (Luftwaffe) und Admiral Augusto Hamann Rademaker Grünewald (Marine). Nach ihrem Amtsantritt schloss die Junta Vizepräsident Pedro Aleixo von der rechtmäßigen Nachfolge aus.
mini|200px|In der Regierung General Emílio Garrastazu Médici war Nunes zwischen 1969 und 1974 Marineminister. Mit der Amtseinführung des neuen Präsidenten der Republik, General Emílio Garrastazu Médici, am 30. Oktober 1969 wurde Adalberto Nunes zum Marineminister (Ministro da Marinha) ernannt und löste den zum Vizepräsidenten aufgestiegenen Rademaker Grünewald ab. Gleichzeitig übergab er die Leitung des Generalstabs an Admiral Antônio Borges da Silveira Lobo. Im September 1970 wurde er in die Reserve versetzt und besuchte im November offiziell Portugal, das Vereinigte Königreich und die Bundesrepublik Deutschland. In den beiden letztgenannten Ländern inspizierte er den Bau von U-Booten und Minensuchbooten, die von der brasilianischen Marine bestellt worden waren. Im Juli 1972 reiste er offiziell in die USA und schied im März 1974, mit dem Ende der Regierung Médici, schied er aus dem Amt Marineministerium aus und wurde von Admiral Geraldo de Azevedo Henning abgelöst. Laut des Nachrichtenmagazins „Veja“ distanzierte er während seiner Amtszeit im Marineministerium die Marine schrittweise von polizeilichen Aufgaben, da er sie als direkt in politische Repression verwickelt ansah. Er rüstete die brasilianische Flotte mit Torpedobooten, Zerstörern und Fregatten aus und trieb die technische Modernisierung der gesamten Marine voran. Im Juni 1975 übernahm er den Vorsitz des Verbandes der Radio- und Fernsehsender ABERT (Associação Brasileira de Emissoras de Rádio e Televisão) und wechselte im April 1976 in die Privatwirtschaft als Direktor von Sondotécnica Engenharia de Solos. Er war mit Maria Carolina de Sousa Nunes verheiratet.
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