mini|hochkant=1.5|Briefkopf Kreuzberger & Kreuzberger Kommanditgesellschaft (1943) Die Firma Kreuzberger & Kreuzberger war ein Pelzkonfektionär in Berlin. Sie entstand 1938 durch die Übernahme von Loeb & Sutheim, Berlin-Kreuzberg, einem Unternehmen jüdischer Inhaber. In Deutschland gehörte sie, zumindest bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs (1939–1945), umsatz- wie mengenmäßig zu den größten Exporteuren von Pelzkonfektion und Pelzfellen.

Firmengeschichte Vorgeschichte Bei immer stärker werdender Diffamierung jüdischer Menschen und Unternehmen hatten die Inhaber des vorangegangenen Unternehmens Loeb & Sutheim, Berlin, Kommandantenstraße 5a, für sich keine Zukunft mehr in Deutschland gesehen. In Anbetracht der drohenden Enteignung der jüdischen Betriebe beschlossen sie den Verkauf ihrer Firma.

Ein Mitarbeiter der Dresdner Bank berichtete von einem Gespräch mit den vorherigen Inhabern:

Bis Ende des Zweiten Weltkriegs mini|Inserat Januar 1943 Die Vettern Erich und Kurt Kreuzberger übernahmen die in vollem Betrieb stehende Firma im Herbst 1938. Philipp Manes, der jüdische Rauchwarenhändler und Chronist der Pelzbranche, äußerte sich vor seiner Deportation im Jahr 1942 mit anschließender Ermordung anerkennend zur erfolgreichen Fortführung des Betriebs.

Von Geschäftsbeginn an waren die Lager für die Wintersaison voll vorbereitet, die meist seit zwei Jahrzehnten im Haus tätigen Mitarbeiter waren mit den Gepflogenheiten der Fabrikation und der Kunden vertraut. Nach außen hin wurde der Wechsel der Leitung, außer der Namensänderung, nicht wahrgenommen. Am Lager sahen die Kunden nur bekannte Mitarbeiter.

Den gesamten Einkauf übernahm der langjährige Reisende Johannes Hummel, im Pelzhandelszentrum Leipziger Brühl unterstützt durch den bisherigen dortigen Vertreter Erich Langner. Den Entwurf der Musterkollektion und die gesamte Fabrikation teilten sich die Mitarbeiter, die den einzelnen Abteilungen vorstanden. Die Endabnahme machte die seit 1926 hier arbeitende Elise Hagendorf, die 1909 in die Pelzbranche gekommen war und vorher bei den Gebrüdern Feiler gearbeitet hatte. Weitere Erwähnung fanden Erich Weidner, Willi Schirmer, Paul Tscheppan und Erich Rouvel.

Lediglich der zur Devisenbeschaffung neu verordnete Exportzwang erforderte entsprechende Anpassungen und Umstellungen. Das gelang so erfolgreich, dass Kreuzberger & Kreuzberger zu den bedeutendsten Exporteuren gehörte. Es gelang, den Kürschnern immer so viel Ware zuzuführen, wie die jeweilige Lage es zuließ. Philipp Manes resümierte 1941: „Kreuzberger & Kreuzberger dürfen für sich den Ruhm in Anspruch nehmen, ihre Nachfolgefirma so groß und bedeutend gehalten zu haben, wie sie als einziges Unternehmen Berlins in dem Umfange 1938 bestanden hat.“

Im April 1943 bestätigte das Unternehmen seinem Lieferanten Hans Witaschek zur Verwendung bei den Militärbehörden, dass die Kreuzberger & Kreuzberger Kommanditgesellschaft zum Wehrmachtsbetrieb ernannt wurde und dass es mit rund 70 Prozent seiner Herstellung mit Pelzbekleidungsstücken für die Wehrmacht beschäftigt ist, der Rest für den Export. Es habe laufend große Wehrmachtsaufträge auszuführen (gegenwärtiger Wert rund 754.000 Mark) und könne seinen Verpflichtungen der Wehrmacht gegenüber nur dann pünktlich nachkommen, wenn er wiederum pünktlich liefere.Brief vom 27. April 1943.

Das Niederländische Verwaltungsinstitut (Nederlandch Beheersinstituut), gestellt unter die Verwaltung von Herrn J. M. R. Smit, Keizersgracht 412, Amsterdam, bat nach dem Krieg, alle, die Gelder oder Güter von Kreuzberger & Kreuzberger in ihrem Besitz haben oder an die diese übertragen wurden oder die Forderungen gegen die genannte Firma oder Personen haben, dies dem Verwalter bis zum 1. März 1946 mitzuteilen. Die ehemalige Adresse dort, auch der Gesellschafter Erich und Kurt Kreuzberger, war Keizersgracht 389 in Amsterdam.:Datei:Nederlandsche staatscourant 01-02-1946.jpg.

In der geteilten Stadt Nach Ende des Krieges sahen sich die Berliner Unternehmen durch Trennung der Stadt in vier Besatzungszonen einer ganz neuen Situation gegenüber. Die im sowjetischen Teil ansässigen Firmen mussten sich bald entscheiden, ob sie der drohenden Verstaatlichung durch einen Wechsel nach Westberlin oder in die Bundesrepublik entgehen wollten.

Die Kommandantenstraße 5a lag jetzt im Ostteil der Stadt, nur wenige Straßenzüge vom Westteil entfernt. Im Telefonbuch des Jahres 1946 ist Kreuzberger & Kreuzberger mit einer Anzeige eingetragen, jetzt in Westberlin, im Bezirk Tempelhof, auf der Ringbahnstraße 34.Branchen-Adressbuch für Berlin, Ausgabe 1946/1947, S. 673. Abgerufen am 25. März 2026..Winckelmann Deutschland. Fachadressbuch der Rauchwaren u. Pelzwirtschaft und des Kürschnerhandwerks, 59. Ausgabe, 1950/51, Ralf Winckelmann (Hrsg.) London, S. 2.Winckelmann Deutschland. Fachadressbuch der Rauchwaren u. Pelzwirtschaft und des Kürschnerhandwerks, 59. Ausgabe, 1950/51, Ralf Winckelmann (Hrsg.) London, S. 2. Die Gesamtprokura hatten im Jahr 1947 Victor Clastiak und Walter Dornbusch.Verordnungsblatt für Groß-Berlin. 3. Jahrgang, Nr. B., 31. März 1947. (PDF; 0,2 MB).

Auf der zweiten Pelzmesse nach dem Krieg, der Rauchwaren-Messe 1950 in Frankfurt am Main, war die Kreuzberger & Kreuzberger KG mit ihrer Pelzkollektion als Aussteller vertreten.Ausstellungs-Katalog, Rauchwaren-Messe 1960, Frankfurt-M, S. 37.

Das Winckelmann-Fachadressbuch aus dem Jahr 1953 verzeichnet die Kreuzberger & Kreuzberger KG jetzt im Bezirk Grunewald, Jagowstraße 27, im Jahr darauf dann im selben Stadtteil in der Richard-Strauß-Straße 27.

Jetzt auch im Pelzhandelszentrum Niddastraße, Frankfurt am Main Im Jahr 1957 inserierte die Kreuzberger & Kreuzberger K. G. im Winckelmann die Eröffnung einer Zweigniederlassung in Frankfurt am Main, dem nach dem Krieg neu entstandenen Pelzhandelszentrum um die Niddastraße, Niddastraße 66–68, zugleich mit Vertretung und Auslieferungslager in Frankfurt bei Wilhelm Meister, Schillerstraße 7, sowie in Düsseldorf bei Walter Ausenberg, Friedrich-Ebert-Straße 27.

Das Angebot umfasste jetzt „Pelzkonfektion und Rauchwaren in allen gängigen Fellarten, insonderheit: Persianer, Bisam natur und gefärbt, Indisch Lamm, Bagdad- und Chekiang-Lamm, Lincoln und Caloyos usw.“ Als Spezialitäten wurden angeboten: „Seehunde aller Art wie: Bluebacks natur und ottergefärbt, Isländer, Neufundländer, Grönländer, Whitecoats in vielen Farben sowie Moskowiter Embros“.

Im Jahr 1968 ist die Kreuzberger & Kreuzberger KG noch in Berlin, Richard-Strauß-Straße 37, eingetragen.Internationaler Rauchwaren-Export-Kurier 1968, Otto Teubel Verlag, Hannover, S. 27. Spätestens 1972 ist das Unternehmen nicht mehr im Fachadressbuch der Pelzbranche verzeichnet. Kein Eintrag in: Jahrbuch der Berliner Pelzbranche 1972/73, CB-Verlag Carl Boldt, Berlin.

Weblinks

Einzelnachweise Philipp Manes: Die deutsche Pelzindustrie und ihre Verbände 1900–1940, Versuch einer Geschichte. Band 4, Berlin 1940. Durchschrift des Originalmanuskripts, Kapitel: Kreuzberger & Kreuzberger, S. 323–324 (→ Inhaltsverzeichnis).

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