mini|hochkant=0.6|Christiane Gerstel-Naubereit (1988) Christiane Gerstel-Naubereit, geb. Naubereit (* 13. Februar 1901 in Heilsberg, Ostpreußen; † 27. Dezember 2000 in Freiburg im Breisgau), war eine deutsche Bildhauerin und Zeichnerin.

Familie Christiane Naubereit war eine Tochter von Reinhold Naubereit (1862–1950Todesanzeige von Reinhold Naubereit in Das Ostpreußenblatt. 20. Mai 1951, S. 16 (PDF).) und Martha Naubereit, geb. Wegener (1872–1960Todesanzeige von Martha Naubereit in Das Ostpreußenblatt. 26. März 1960, S. 14 (PDF).). Ihr Vater wirkte als Pfarrer in Heilsberg und Cranz. Ihre Mutter war eine Schwester des Schauspielers und Regisseurs Paul Wegener. Laut dessen Erinnerungen hatte Martha Naubereit eine zeichnerische und malerische Begabung und besuchte vor ihrer Hochzeit Kunstschulen in Königsberg und Berlin.Kai Möller (Hrsg.): Paul Wegener: Sein Leben und seine Rollen. Ein Buch von ihm und über ihn. Rowohlt, Hamburg 1954, S. 16.

Christiane Naubereit heiratete am 7. Januar 1930 in Königsberg den Bildhauer Wilhelm Gerstel.Bescheinigung über Eheschließung (Gerstel, Wilhelm, I,A-1). In: Archiv des Germanischen Nationalmuseums. Abgerufen am 27. März 2026. Von ihr ist eine Tochter mit dem Namen Kathrine bekannt, die ihr als Kind für verschiedene Plastiken Modell stand.

Leben Christiane Naubereit ging im preußischen Königsberg zur Schule.Herbert Meinhard Mühlpfordt: Königsberger Skulpturen und ihre Meister 1255–1945. Holzner, Würzburg 1970, S. 83–85. Dort erhielt sie auch ihre erste Ausbildung zur Bildhauerin, zunächst an der Kunst- und Gewerkschule bei Hermann Brachert und ab 1919 an der Kunstakademie bei Stanislaus Cauer. Da die Königsberger Akademie nach dem Ersten Weltkrieg laut Naubereit noch nicht wieder richtig in Betrieb war,Die Arbeit verließ sie noch lange nicht. In: Badische Zeitung. 3. Januar 2001. Abgerufen am 27. März 2026. zog sie für weitere Studien nach Berlin. Dort wohnte sie von 1920 bis 1930 bei ihrem Onkel Paul Wegener, durch den sie bekannte Persönlichkeiten wie die Schauspielerin Asta Nielsen und den Schriftsteller Joachim Ringelnatz kennen lernte. Von 1920 bis 1922 studierte Naubereit als Schülerin von Gerhard Janensch und Fritz Klimsch an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst. Dann setzte sie ihre Studien bis 1926 an der Akademischen Hochschule für die bildenden Künste bei Wilhelm Gerstel und bis 1930 als Meisterschülerin von Hugo Lederer fort.

Nachdem Christiane Naubereit 1930 ihren ehemaligen Lehrer Wilhelm Gerstel geheiratet hatte, lebte sie mit ihm weiter in Berlin. Von 1939 bis 1943 war sie Mitglied des Vereins der Berliner Künstlerinnen. Sie nahm an einer Reihe von Ausstellungen teil, auch in der Zeit des Nationalsozialismus. Zeitweilig waren jedoch ihre Möglichkeiten der Kunstausübung eingeschränkt, da ihr Ehemann bei den Machthabern in Verruf geriet und ab 1935 keine öffentlichen Aufträge mehr erhielt. Zudem traf eine von Naubereit geschaffene Bronzestatuette, die eine sudanesische Bauchtänzerin darstellt (Mirjam, 1934), auf Ablehnung. Ein großer Teil ihres Werkes wurde 1943/1944 bei Bombenangriffen auf ihre Wohnung und Atelier zerstört. Carl Hofer und Richard Scheibe boten Naubereit an, eine Klasse für Bildhauerei zu übernehmen, was sie jedoch ablehnte.

1948 ließen sich die Gerstels in Freiburg im Breisgau nieder. Christiane Gerstel-Naubereit trat der örtlichen GEDOK und dem Berufsverband Bildender Künstler Südbaden bei. Ab 1951 war sie hauptsächlich mit der Restauration der Werke Wilhelm Gerstels beschäftigt. Sie übernahm die Pflege ihres deutlich älteren Ehemanns, bis dieser 1963 starb. 1966 hielt sie sich zu Studienzwecken an der Villa Serpentara auf. Sie bewahrte den künstlerischen Nachlass ihres Mannes in ihrem Atelier in Freiburg-Lehen auf und war 1979 als redaktionelle Mitarbeiterin am Katalog zu einer ihm gewidmeten Ausstellung im Augustinermuseum beteiligt.Hans H. Hofstätter (Hrsg.), Dietmar Lüdke, Christiane Gerstel-Naubereit, Jutta Eissengarthen (Mitarb.): Wilhelm Gerstel: 1879–1963 . Plastisches und grafisches Werk. Augustinermuseum, Freiburg 1979, S. 7. 1987 wurde sie mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Sie starb im Jahr 2000 im Alter von 99 Jahren in Freiburg.

Werk mini|Bronzeskulptur Großer Pelikan auf dem Markusplatz in Freiburg im Breisgau Nachdem Christiane Naubereit sich zunächst im Zeichnen versucht hatte, wandte sie sich bald darauf der Bildhauerei zu. Als Grund dafür gab sie an, sie sei von der Natur und ihren vielfältigen Formen dazu angeregt worden. In ihren Werken wolle sie das Charakteristische und Sensible der Figuren ausdrücken.Schreitendes Mädchen. In: id.smb.museum. Abgerufen am 27. März 2026. Die vom Naturvorbild abgeleitete figurative Skulptur wurde zu ihrem Hauptthema. Sie schuf sowohl Darstellungen von Tieren und Tiergruppen als auch von Menschen in Form von Bildnisbüsten, freistehenden Statuen, Statuetten und Medaillen. Dabei arbeitete sie in Plastilin, Wachs, Gips, später auch in Holz, Ton, Kunststoffen, Kunststein und insbesondere Bronze.

Zu Beginn ihrer Laufbahn als Bildhauerin war Christiane Naubereit für Theater und Film tätig. Sie führte Aufträge für Bühnenbilder aus und arbeitete mehrfach im Auftrag von Rochus Gliese. Für Paul Wegeners Spielfilm Lebende Buddhas (1923–1925) schuf sie die Plastiken: einen Altar mit dem Bildnis einer „Schrecklichen Göttin“ und den Thron im Tempel. Diese Arbeiten zeigen sich wie auch andere Elemente des Films von der Ostasiatischen Sammlung der Berliner Museen beeinflusst und nehmen mit ihrem grotesken Charakter eine Ausnahmestellung in Naubereits Gesamtwerk ein, das ansonsten eher der klassischen Bildauffassung der Berliner Bildhauerschule (mit Bezügen auf Wilhelm Gerstels Œuvre) nahesteht.Heide Schönemann: Paul Wegener: frühe Moderne im Film. Ed. Menges, Stuttgart 2003, ISBN 3-932565-14-2, S. 72–73 (online).

In den Jahren 1932 bis 1934 schuf Naubereit einige Kleinplastiken von Säuglingen und Kindern. So stellte sie ihre Tochter Kathrine in unterschiedlichen Positionen (stehend, kriechend, sitzend etc.) dar. Ende der 1960er Jahre begann sie, verstärkt narrative Strukturen aufzugreifen. Zunehmende Bedeutung in ihrem Werk erlangten schwarmartige Gruppen wie bei der Arbeit Aufwärtsstrebende (1981).

Werke von Christiane Naubereit wurden unter anderem in die Sammlungen der Neuen Nationalgalerie in Berlin und des Museums für Neue Kunst in Freiburg im Breisgau aufgenommen.

Werke (Auswahl) Figuren Kathrinchen schlafend, Kathrinchen sitzend, Kathrinchen macht die Brücke, Kathrinchen auf dem Bauch, Kathrinchen mit der Klapper, Kathrinchens erstes Stehen, Bronze, 1933 Frühjahrsausstellung der Preußischen Akademie der Künste zu BerlinPreußische Akademie der Künste zu Berlin. Frühjahrsausstellung. Mai/Juni 1933. Katalog, S. 32 (online). Mirjam, 1934, Bronzestatuette Großer Pelikan, 1937/40, Bronze, seit 1986 vor der Markuskirche in FreiburgMichael Klant: Auf dem Weg zu einer Hauptstadt der Skulptur. Freiburgs Kunst unter freiem Himmel. In: Badische Heimat. Heft 4, Dezember 1999, 79. Jg., S. 829 (PDF). Schreitendes Mädchen, 1952, Bronze, 49 × 13,5 × 19,5 cm, Neue Nationalgalerie (Ident. Nr.: B III 69; 1952 Überweisung vom Ministerium für Kultur der DDR) Vogelschwarm, um 1975 Aufwärtsstrebende, 1981

Bildnisse Bildniskopf des Königsberger Chefredakteurs Eduard Kenkel, 1923, Gips, zerstört Paul Wegener, 1928/29 E. von Eckardt. Bildnisbüste, Kunststein, 1930 Frühjahrsausstellung der Preußischen Akademie der Künste zu BerlinPreußische Akademie der Künste zu Berlin. Frühjahrsausstellung 1930. Katalog, S. 24 (online). Bildnisbüste der Königsberger Pianistin Karla Hempel, 1938, getönter Gips Staatsschauspielerin Hermine Körner (Kopf), Bronze, 1940 Große Deutsche Kunstausstellung, MünchenStaatsschauspielerin Hermine Körner. In: gdk-research.de. Abgerufen am 27. März 2026. Jens Peter Griebel (Medaille), 1947 Greisin, Terrakotta, Höhe 35 cm, 1957, 1958 Jahresausstellung der Deutschen Akademie der Künste zu BerlinDeutsche Akademie der Künste. Jahresausstellung 1958. Graphik. Plastik. Katalog, Deutsche Akademie der Künste zu Berlin, Berlin 1958, S. 3. Porträt Wilhelm Gerstel, Wachs, Höhe 31 cm, 1957/58, 1958 Jahresausstellung der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin Leo Wohleb, 1987 Selbstporträt (Bildnisbüste), Bronze, Museum Berlin

Bauplastiken vier Hochreliefs für den Lichthof des Erweiterungsbaus des Kaufhauses A. Wertheim in Berlin von Eugen Schmohl (1926/27) Bauplastik für Druckereigebäude der Ullstein A. G. in Berlin Porträtrelief für das Colombischlössle, Freiburg

Ausstellungen (Auswahl) 1925, 1927, 1930, 1933, 1934, 1937, 1939, 1940, 1941: Frühjahrs-Ausstellung, Preußische Akademie der Künste, Berlin 1933: Romantik und Gegenwart in Ostpreußen, Kunsthalle am Wrangelturm, Königsberg, Kunstverein KönigsbergMartin Papenbrock, Anette Sohn: Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutscher Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar 2000, ISBN 3-89739-041-8, S. 512 (PDF). 1935: Berliner Kunst, Neue Pinakothek, München 1935, 1937, 1939: Ostpreußenkunst, Kunstausstellung des Kunstvereins Königsberg, Kunsthalle am Wrangelturm, Königsberg 1937: Kunstausstellung, Haus der Kunst, Berlin, Hilfswerk für Deutsche Bildende Kunst der NS-Volkswohlfahrt 1938: Dritte Bildnisausstellung 1938, Haus der Kunst, Berlin, Ausstellungsleitung Berlin 1939: Deutsche Malerei und Plastik der Gegenwart, Kunstverein in Hamburg 1940: Große Deutsche Kunstausstellung 1940, Haus der Deutschen Kunst, München 1941: Künstlerisches Frauenschaffen der Gegenwart, Gästehaus der Reichsfrauenführung, Berlin 1941: Die deutsche Malerin und Bildhauerin, Gesellschaft zur Förderung der Düsseldorfer bildenden Kunst e. V. / Verein Düsseldorfer Künstlerinnen im Deutschen Frauenwerk, Düsseldorf 1943: Künstler der Gegenwart in Bildnissen der Malerei und Plastik, Städtisches Moritzburg-Museum, Halle (Saale) 1950: Badische Kunst der Gegenwart, Badischer Kunstverein, KarlsruheMartin Papenbrock: „Entartete Kunst“, Exilkunst, Widerstandskunst in westdeutschen Ausstellungen nach 1945. VDG, Weimar 1997, ISBN 3-932124-09-X, S. 89, 160, 265, 331 (online). 1951: VIII. Ausstellung der Badischen Secession, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden 1951: Badische Secession, Haus der Kunst, München 1958: Jahresausstellung 1958. Graphik. Plastik, Deutsche Akademie der Künste, Berlin 1985: Bildhauer in Berlin 1925 bis 1935, Paul-Dierkes-Halle im Museumsdorf Cloppenburg

Auszeichnungen 1929: Rompreis 1987: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg 1988: Reinhold-Schneider-Förderpreis

Literatur

Herbert Meinhard Mühlpfordt: Königsberger Skulpturen und ihre Meister 1255–1945. Holzner, Würzburg 1970, S. 83–85. Dietmar Lüdke: Christiane Gerstel-Naubereit. Plastisches Werk. Freiburg 1987.

Weblinks

Einzelnachweise

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