miniatur|Alexanderplatz um 1860, mit Stelzenkrug (links) Der Stelzenkrug war ein Gasthof am Alexanderplatz in Berlin bis 1881.
Lage miniatur|Alexanderplatz 1804, mit dem Stelzenkrug hinter Ochsenmarkt (nur das rechte Gebäude) Der Stelzenkrug lag nördlich des Alexanderplatzes an der Alexanderstraße (bis 1819 Contre-Escarpe) 46, an der westlichen Ecke zur beginnenden Neuen Königstraße (bis 1810 Bernauer Straße).; auch weitere Berliner Adressbücher, 1836–1882 bei Alexanderstraße 46(–48) Ab 1884 stand an dessen Stelle das neue Grand Hôtel Alexanderplatz. In der Gegenwart entsteht dort der Convio Tower.
Geschichte Anfänge Bereits 1571 gab es an dieser Stelle am Beginn der Fernhandelsstraße von Berlin nach Norden nahe des Georgentores einen Gasthof, (wahrscheinlich der bekannte Zum schwarzen Bären).Verena Meyer, Ein Geschichtsbuch unter der Erde. Bilder aus Berlins historischem Zentrum, in Tagesspiegel vom 11. Februar 2020 (Text), nannte die Jahreszahl 1571 (ohne Herkunftsangaben) Um 1700 gehörte er zur Sandschäferei im Besitz von Königin Sophie Charlotte, wie auch weitere Schäfereien und Meiereien vor dem Georgentor.Ernst Fidicin, Berlin historisch und topographisch dargestellt, Berlin 1852, S. 99; mit kurzen Informationen über den Stelzenkrug, auch über die Sandschäferei Alexanderplatz. Von den Anfängen Anderes Berlin, mit einigen Informationen zur Geschichte des Alexanderplatzes (ohne Literaturangaben) Nach deren Tod 1705 übergab ihn König Friedrich an das nahegelegene militärische Invalidenhaus, mit verschiedenen Rechten und Freiheiten:Curt Jany, Geschichte der Königlich Preußischen Armee bis zum Jahre 1807, Band 1, Berlin 1928, S. 563ff., mit einigen Details; die konkreten Rechte nach Friedrich Nicolai, Beschreibung..., S. 31 (?)
der Freiheit von allen bürgerlichen Lasten der Freiheit, Weine, auch fremde und einheimische Biere, ohne Erlegung der Magistrats-Einlage zu verzapfen dem Recht, Reisende und besonders die Viehhändler mit allerhand Vieh aufzunehmen dem Recht, von den dazu gehörigen Fleischscharren den Erbkanon einzunehmen dem Recht, von den auf der Invalidenfreiheit stehenden Häusern den Grundzins jährlich zu erheben dem Recht, Viehmärkte abzuhalten. Der Invalidenkassen-Gasthof wurde an Georg Winckler (um 1705–1708), den Viehhändler Georg Spannagel (1708–1725), den Handelsmann Johann Georg Hansche (1725–1737) und den Handelsmann Johann George Bölcke (1737–1743) verpachtet.
miniatur|Stelzenkrug, Zeichnung um 1743 miniatur|Alexanderplatz 1784, Blick nach Nordosten, der Stelzenkrug war das linke kleine Haus in der Mitte 1743 wurde ein neues zweistöckiges Gebäude nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff errichtet, der auch den davorliegenden Platz mit einem Gatter für das Vieh gestaltete.GStA PK, II. HA Generaldirektorium, Abt. 2 Invaliden- und Invalidenkassensachen, Tit. 123 Nr. 9 Bd. 2 Nach der Neueröffnung 1744 war die offizielle Bezeichnung Zur Preußischen Krone.GStA PK, II. HA Generaldirektorium, Abt. 2 Invaliden- und Invalidenkassensachen, Tit. 123 Nr. 9 Bd. 2, Bl. 126 Die folgenden Pächter waren der Fleischer Christoph Hermann (1744–1746) und der Soldat Johann Calvary (1746–1756?). 1754 wurde eine Witwe, die die Besitzerin war, eines Abends erdrosselt, was viel Aufmerksamkeit in Berlin und darüber hinaus hervorrief. Ihr Untermieter, der ein Theologieabsolvent und Lehrer war, wurde verdächtigt und gefoltert; erst später stellte sich heraus, dass eine Magd und deren Schwester die Täterinnen waren. Der Großkanzler Samuel von Cocceji erreichte daraufhin eine Aufhebung der mittelalterlichen Folterstrafe in Preußen durch König Friedrich II.W. O. von Horn, Silberblicke. Züge aus dem Leben ausgezeichneter Menschen , Berlin 1859, S. 400–406, auch in weiterer zeitgenössischer Literatur
Klaegerscher Besitz 1756 pachtete der Gastwirt Johann Gottfried Klaeger den Gasthof für jährlich 460 Thaler, 1765 kaufte er ihn mit allen Privilegien von der Invalidenkasse für 12.600 Reichsthaler (der benachbarte Gasthof Zum Goldenen Hirsch hatte im Jahre 1760 nur 6710 Thaler gekostet) und benannte ihn in Zur Goldenen Krone um.Friedrich Nicolai, Beschreibung der Königlichen Residenzstädte Berlin und Potsdam, 1779, S. 730 Nach dessen Tod 1773 übernahm ihn sein Sohn Johann Christian Friedrich Klaeger. 1776 hatte er mit dem benachbarten Gasthaus Zum Goldenen Hirsch das Privileg, dass nur sie Viehmärkte für Berlin abhalten dürften,
1784 wurde dieses erneuert.GStA PK, I. HA Geh. Zivilkabinett, Rep. 89 jüngere Periode, Nr. 28126, 3. Februar 1825; zu 1784, erteilt vom Königlichen General-Directorium 1819 wurde in der Verordnung zur Umbenennung der davor liegenden Straße Contrescarpe (in Alexanderstraße) die Ortsergänzung am Stelzenkrug hinzugefügt, was dessen besondere Bedeutung in dieser Zeit unterstrich. 1820 übernahm Johann Christian Friedrich Klaeger (der Jüngere) den Gasthof nach dem Tod seines Vaters und verlegte seinen Viehmarkt 1825 wegen Platzmangel auf ein größeres Gelände vor dem Landsberger Tor.
Letzte Jahre 1848 wurde der umgebaute Stelzenkrug auf einem Gemälde mit drei Stockwerken dargestellt, um 1860 war er auf dem ältesten erhaltenen Foto des Alexanderplatzes abgebildet.Maritta Adam-Tkalec, Sensationsfund. Das älteste Foto vom Alexanderplatz, in Berliner Zeitung vom 2. Oktober 2021 (Text), mit einigen Hintergrundinformationen, sie datierte das Foto nach den Adressbucheinträgen der umliegenden Geschäfte in die Jahre zwischen 1858 und 1861 In dieser Zeit war es ein normales Wohnhaus ohne Gastwirtschaft., (Besitzer Meyer), letzter (oder vorletzter) Eintrag im Adressbuch (1883 fehlen die Seiten in der digitalen Ausgabe)
1882 wurde dieses für den Bau des Grand Hôtel Alexanderplatz abgerissen. 2020 wurden bei archäologischen Ausgrabungen noch eine Kalksteinmauer aus dem 18. Jahrhundert gefunden, die wahrscheinlich vom Stelzenkrug war.Verena Meyer, Ein Geschichtsbuch unter der Erde. Bilder aus Berlins historischem Zentrum, in Tagesspiegel vom 11. Februar 2020 (Text), Abschnitt Von Früher ist nicht mehr viel erhalten geblieben, über die archäologischen Ausgrabungen unter der Leitung von Torsten Dressler vor dem Bau des neuen Convio Towers
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Einzelnachweise
Kategorie:Abgegangenes Bauwerk in Berlin