mini|Herrenhaus Prossen (2020) mini|Lithografie des Rittergutes Prossen (um 1850) aus dem Werk: Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 149–150. Das Rittergut Prossen (umgangssprachlich auch Schloss Prossen) befindet sich im gleichnamigen Ortsteil Prossen und gehört zur Stadtgemeinde Bad Schandau im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen.
Geschichte 12. bis 16. Jahrhundert: Die Ursprünge Die Wurzeln des Gutes reichen bis in das 12. Jahrhundert. Zunächst entstanden landwirtschaftliche Höfe; Vorwerke in der Region, aus denen sich später Teile des Ritterguts entwickelten. Seit 1443 war es als Rittersitz bekannt. Die Herren von Parzifal bauten das Vorwerk um und erweiterten es bis 1547 in ein Rittergut. Die Herrschaft (Grundherrschaft) übte Erb- und Obergerichtsbarkeit auch über die Dörfer Waltersdorf, Porschdorf, Altendorf und Wendischfähre aus.
17. Jahrhundert: Brände und Neubeginn Das Gut wurde 1614 an die Herren Ranisch veräußert, die es 1629 an die Familie (Rudolph) von Bünau weiterverkauften. Im Jahr 1670 wurde es von Caspar Heinrich von Schönberg erworben. Nachdem das Gebäude gegen Ende des Jahrhunderts durch einen Brand zerstört worden war, begann der Besitzer mit dem Wiederaufbau. Der Wiederaufbau des Herrenhauses wurde dann von Johanna Eleonore von Lüttichau vollendet in deren Besitz es seit 1690 war, bevor Johann Rudolf Baron von Persing das Anwesen 1696 kaufte.
18. Jahrhundert: Die Entstehung des Barockschlosses Von Persing verkaufte das Rittergut im Jahr 1718 wieder an die Familie von Lüttichau zurück, in deren Besitz es fast ein Jahrhundert lang verblieb. Die Ländereien wurden verpachtet. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstand das Schloss in seiner heutigen Form durch weitreichende bauliche Erweiterungen. Es entwickelte sich zu einem der besterhaltenen Zeugnisse des sächsischen Hochbarocks.
19. Jahrhundert: Wechselnde Besitzer und Prominenz Carl Wilhelm von Oppel, der in die Familie von Lüttichau eingeheiratet hatte, kaufte das Rittergut im Jahr 1811. Dessen Sohn verkaufte das Anwesen 1850 an den bekannten Leipziger Verleger Friedrich Brockhaus, der es neun Jahre lang nutzte. Nach dem Verkauf im Jahr 1859 kam es zu mehreren Besitzerwechseln. Ein Brand im Jahr 1869 zerstörte Teile der Wirtschaftsgebäude. Das Gut wurde 1880 durch Heinrich Curt von Arnim ersteigert, der um 1890 diverse bauliche Änderungen vornehmen ließ, unter anderem am Dachstuhl.
20. Jahrhundert: Enteignung, Zerstörung und Zweckentfremdung Nachdem Fritz Heller das Gut 1900 erworben hatte verpachtete er es in den Folgejahren. Heller wurde in den 1930er Jahren von den Nationalsozialisten verfolgt und enteignet. Im Jahr 1939 erwarb die Sächsische Bauernsiedlung GmbH das Anwesen und ließ es zunächst leer stehen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges meldete der Zirkus Sarrasani Interesse an, das Gut als sichere Lagerstätte zu nutzen. Unmittelbar nach Kriegsende nutzten verschiedene Firmen (darunter Siemens) das Schloss bis 1946 für ausgelagerte Betriebsteile.
1951 brannte der landwirtschaftliche Teil ab. Vom einstigen Rittergut blieben im Wesentlichen nur das barocke Schlossgebäude sowie ein Teil des Verwaltungsgebäudes erhalten. Während der DDR-Zeit und nach der Wende beherbergte das Schloss die Gemeindeverwaltung, eine Schule und einen Kindergarten. Es gab Wohnungen für Mieter und Zimmer für Feriengäste. Durch rustikale Umbauten ging der historische Glanz im Inneren jedoch zunehmend verloren. Zuletzt stand das Gebäude komplett leer und verfiel zusehends.
21. Jahrhundert: Rettung und Sanierung 2015 kauften der Dresdner Apotheker Torsten Wiesner und seine Frau Jutta das völlig verfallene Schloss; sie ließen es von 2017 bis 2019 mit großen privaten Investitionen denkmalgerecht sanieren. Dabei konnten wertvolle Barockdetails wie der Kaminsaal und Stuckdecken gerettet werden. 2019 eröffnete das Schloss als „Refugium Schloss Prossen“ mit exklusiven Ferienapartments.
Literatur Prossen. In: Gustav Adolf Poenicke (Hrsg.): Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. (Meissner Kreis). Band 2, Verlag: Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1856, Seite 149–150.
Weblinks
Rittergut Prossen auf der Website Sachsens Schlösser. Schloss Prossen auf der Webseite des Betreibers. Bestand 10491 - Grundherrschaft Prossen auf der Archivseite des Bundeslandes Sachsen.
Einzelnachweise
Kategorie:Rittergut in Sachsen Kategorie:Bauwerk in Bad Schandau Kategorie:Kulturdenkmal in Bad Schandau