Die Schlacht bei Schweidnitz war eine militärische Auseinandersetzung, die am im Herzogtum Schlesien nahe der Stadt Schweidnitz während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) stattfand. Dabei besiegte eine Schwedische Armee unter General Lennart Torstensson die Kaiserliche Armee unter Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg, der dabei in Gefangenschaft geriet. In der Folge verloren die Kaiserlichen die Kontrolle über weite Teile Schlesiens.

Vorgeschichte

Im Winter 1640/41 hatte das schwedische Heer auf dem deutschen Kriegsschauplatz die Initiative verloren. Sie verloren auf dem Rückzug am die Schlacht bei Preßnitz und als kurz danach ihre Anführer Feldmarschall Johan Banér verstarb, befand sich das nach Norddeutschland ausgewichene schwedische Heer in einer ernsten Führungskrise.

Die Kaiserlichen nutzen die Situation aus und eroberten zwischen August 1641 und Februar 1642 fast alle schwedischen Stützpunkte in der Lausitz und Schlesien (Wohlaus, Beuthen, Carolath, Bunzlau und Lemberg in Böhmen) zurück. Erst danach bezogen die kaiserlich-sächsischen Truppen unter dem Kommando des Feldmarschalls Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg am 20. Februar 1642 Winterquartiere.Duch, Arno, Franz Albrecht, Herzog von Sachsen-Lauenburg. In: Neue Deutsche Biographie. 5, 1961, S. 366–368. Einen Winterfeldzug nach Pommern, zu dem er aus Wien gedrängt wurde, lehnte Franz Albrecht mit dem Hinweis ab, dass seine Truppe drei Monate Ruhe bedürften, um für neue Operationen wieder hergestellt zu werden. Danach aber war seine Armee von 5000 Infanteristen, 7000 Reitern und 1000 Dragonern frei für einen Angriff auf die schwedische Basis an der Ostseeküste.Lothar Höbelt: Von Nördlingen bis Jankau - Kaiserliche Strategie und Kriegführung 1634–1645. Wien 2016, S. 321–323. Die schwachen schwedischen Truppen in diesem Teil des Kriegsschauplatzes waren nur etwa halb so stark und hielten sich unter Generalmajor Torsten Stålhandske zwischen Frankfurt (Oder) und Krossen.

Unterdessen traf Feldmarschall Lennart Torstensson mit Geld und Verstärkungen aus Schweden ein. Er übernahm das Kommando über die schwedische Hauptarmee und reorganisierte im Winter die Truppen. Anfang April trat er dann zu einem »Blitzfeldzug« von der Elbe nach Schlesien an, wo er sich am 27. April bei Sorau mit dem Korps von Generalmajor Stålhandske vereinigte. Bevor Franz Albrecht reagieren konnte, stürmten die vereinigten Schweden am 4. Mai bereits die schlesische Hauptfestung Glogau. Von hier aus drangen sie weiter vor. Während andere Streifkommandos sich im Land verteilten marschierte die Hauptarmee unter Torstensson über Parchwitz, Jauer (19./29. Mai) und Striegau (21./31. Mai) nach Schweidnitz. Die befestigte Stadt, die als Tor nach Böhmen wirkte, wurde von einigen kaiserlichen Kompanien unter Oberst François Bourré verteidigt.Karl du Jarrys von La Roche: Der Dreissigjährige Krieg, vom militärischen Standpunkt aus beleuchtet. Band 3, Schaffhausen 1852, S. 302. Ab dem 30. Mai wurde die Stadt von den Schweden eingeschlossen.Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber (Hrsg.): Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. Band 48, Leipzig 1848, S. 89.

Verlauf

Auf einem kaiserlichen Kriegsrat in Laxenburg wurde unterdessen am 17. Mai entschieden, die Hauptarmee unter General  Ottavio Piccolomini nach Schlesien zu überführen, um dort die Streitkräfte Franz Albrechts zu unterstützen.Lothar Höbelt: Von Nördlingen bis Jankau – Kaiserliche Strategie und Kriegführung 1634–1645. Wien 2016, S. 324 f. Franz Albrecht wartete in seinem verschanzten Lager zunächst auf das Eintreffen dieser Verstärkung.

Vor sich hatte er nur einen Schleier aus schwedischer Kavallerie unter General Hans Christoph von Königsmarck, deren Aufgabe lediglich in der Beobachtung der Kaiserlichen bestand. Dadurch war Franz Albrecht nicht über die Position der feindlichen Armee unterrichtet und wähnte sie weiter nördlich als sie tatsächlich war. Er sah aber durchaus die Gefahr, dass sich die Schweden mit der Einnahme der befestigten Stadt Schweidnitz zwischen ihn und Piccolominis Truppen schieben könnten und entschloss sich deshalb dazu die Stadt zu verstärken. Die Angaben in der Literatur zur Stärke der Truppen mit denen der Herzog schließlich aufbrach variieren zwischen 7.000 und bis zu 18.000 Mann, von denen der weit überwiegende Teil Kavallerie gewesen sein dürfte.Karl du Jarrys von La Roche: Der Dreissigjährige Krieg, vom militärischen Standpunkt aus beleuchtet. Band 3, Schaffhausen 1852, S. 302 f. Im allgemeinen wird angenommen, dass der Herzog von seiner 18.000 Mann starken Armee mit 32 Schwadronen Kavallerie, 8 Kompanien Dragoner und 300 Musketieren - was in etwa 7.000 Mann entspricht - zu seinem Marsch antrat.Friedrich Rudolph von Rothenburg: Schlachten, Belagerungen und Gefechte in Deutschland und den angrenzenden Ländern. Band 9, Dresden 1837, S. 684

Die schwedische Reiterei Königsmarcks wich planmäßig vor den Kaiserlichen zurück, was Franz Albrecht in der Annahme bestärken mochte, es nur mit schwachen schwedischen Verbänden zu tun zu haben; von der Nähe der schwedischen Hauptarmee dicht nördlich von Schweidnitz ahnte er noch nichts. Torstennsson war aber auf die Nachricht vom Anmarsch der Kaiserlichen hin zur Unterstützung Königsmarcks herangezogen. Erst einige Kilometer vor der Stadt stieß er in der Ebene zwischen Merzdorf und Stephanshain (östlich von Schweidnitz) überraschend auf die abwehrbereite schwedische Schlachtaufstellung.Karl du Jarrys von La Roche: Der Dreissigjährige Krieg, vom militärischen Standpunkt aus beleuchtet. Band 3, Schaffhausen 1852, S. 303.

Die Schweden standen auf den beherrschenden Höhen und den Kaiserlichen wurde klar, dass sich eine Schlacht nicht mehr vermeiden ließ.Peter H. Wilson: The Thirty Years War - Europes Tragedy. Cambridge 2009, S. 635 Von zwei Seiten von durch die zahlenmäßig überlegenen Schweden Torstenssons in die Zange genommen, gelang es den Kaiserlichen kaum ihre Schlachtordnung zu formieren. Franz Albrecht selbst führte seine Reiterei am linken Flügel ins Gefecht, wurde allerdings mehrfach schwer verwundet und geriet schließlich in Gefangenschaft. Im ersten Treffen wandte sich ein kaiserliches Kürassier-Regiment zur Flucht und brachte damit das zweite Treffen in Unordnung. Manche kaiserliche Einheiten flohen daher bald vom Schlachtfeld, aber andere verteidigten sich hartnäckig für fünf Stunden am Fuß des Zobtenberges bevor auch sie zersprengt wurden.

Folgen mini|Ansicht der Stadt Schweidnitz aus dem »Topographia Germaniae« von Matthäus Merian; zeitgenössischer Kupferstich (ca. 1650)

Die Verluste der Kaiserlichen Truppen waren hoch, auch wenn die Angaben sich stark unterscheiden. Sie reichen von 2000 Gefallenen, 1000 Gefangenen (darunter Generalfeldwachtmeister August von Hanow) und dem Verlust von 25 Fahnen und 4 GeschützenFranz Keym: Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Band 2, Freiburg/Breisgau 1864, S. 584. über 3000 Gefallene, 2000 Gefangene, 40 Fahnen, 4 Geschütze und 2 Munitionswagen bis zu 4000 Gefallenen und 1200 Gefangenen.Herfried Münkler: Der Dreißigjährige Krieg - Europäische Katastrophe, deutsches Trauma 1618–1648. Berlin 2017, S. 758. General Piccolomini, der mit Verstärkungen aus Böhmen herangezogen war, zog sich auf die Nachricht von der Niederlage hin wieder zurück. In jedem Fall hatten die Kaiserlichen den Schweden in Schlesien nun kaum mehr etwas entgegen zu setzen; mit Neisse verloren sie (→ Belagerung von Neisse)  bald eine weitere Festungsstadt. Ihre Reste sammelten sich in Brieg und konnten sich dort halten (→ Belagerung von Brieg) bis im Spätsommer eine kaiserliche Entsatzarmee anrückte.

In Schweidnitz selbst hielt sich noch immer die Garnison unter Oberst Bourré, die über zwei Kompanien kaiserlicher Truppen und zwei Kompanien einer Bürger-Miliz verfügte. Bereits am folgenden Tagen schlossen die schwedischen Truppen Schweidnitz enger ein und begannen an der nördlichen Ausfallstraße ein Bombardement. Nach der Errichtung einer zweiten Batterie vor dem »Bögentor« lag die Stadt im schwedischen Kreuzfeuer. Dadurch wurden neben Schäden an den Häusern der Stadt eine Bresche in der Stadtmauer nahe dem »Niedertor« verursacht.Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz. Band 2, Schweidnitz 1848, S. 97 f.

Zwar füllten die Bürger die Bresche so gut als möglich auf, aber nachdem bei einem Ausfall einige Gefangene eingebracht wurden, von denen man das Ausmaß der Niederlage der Entsatzarmee erfuhr, drängte die Bürgerschaft sowie der vor Ort befindliche Landeshauptmann Georg Ludwig von Starhemberg den Kommandanten zur Kapitulation. Bourré ließ nun die Chamade schlagen, ritt zu Verhandlungen in das schwedische Lager und galt seitdem als vermisst.Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz. Band 2, Schweidnitz 1848, S. 98 f.

Die dadurch ausgelöste Verwirrung nutzten die Schweden am 24. Mai / 3. Juni um sich der Bresche und einiger Tore zu bemächtigen. Ihre Truppen besetzten nun die Stadt, wo es zu Plünderungen und Gewalttaten kam.Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz. Band 2, Schweidnitz 1848, S. 100 f. Die kaiserlichen Soldaten streckten die Waffen und traten anschließend in schwedische Dienste. Nach Zurücklassung einer kleinen Besatzung setzte Torstensson seine Offensive nach Mähren hinein fort, , wo er schon am 5. Juni / 15. Juni in Olmütz einziehen konnte. Neben einigen Gefangenen der Schlacht wurde auch Herzog Franz Albrecht nun nach Schweidnitz gebracht und verstarb dort am 31. Mai/10. Juni.

Die Stadt hatte bereits ab 1629 unter der Gegenreformation und 1633 unter der dreizehnwöchigen Belagerung durch Wallenstein (→ Belagerung von Schweidnitz) gelitten, der eine Brandkatastrophe und eine Pestepidemie gefolgt waren. Nun musste sie eine hohe Kontribution an die schwedischen Besatzer zahlen, die u. a. 6.000 Taler für die Auslösung der Kirchenglocken verlangten. Im Jahr 1644 befanden sich innerhalb der Stadtmauern nur noch 118 baufällige Hütten. Nach dem Krieg erholte sich das einstige Handels- und Kulturzentrum nicht mehr von diesen Verheerungen.Maigorzata Morawiec: Forschungen zur Wirtschafts- und Kulturgeschichte der Stadt Schweidnitz an der Wende des 17. zum 18. Jahrhundert. In: Klaus Garber (Hrsg.): Stadt und Literatur im deutschen Sprachraum der Frühen Neuzeit. Tübingen 1998, S. 926 f.

Die Kaiserlichen eroberten Schweidnitz am schließlich nach einer sechsmonatigen Blockade zurück.Wiesław Rośkowicz: Świdnica w okresie wojny trzydziestoletniej (1618-1648)

Literatur Karl du Jarrys von La Roche: Der Dreissigjährige Krieg, vom militärischen Standpunkt aus beleuchtet. Band 3, Schaffhausen 1852. Arno Duch: Franz Albrecht, Herzog von Sachsen-Lauenbur. In: Neue Deutsche Biographie. 5, 1961, S. 366–368 (deutsche-biographie.de). Lothar Höbelt: Von Nördlingen bis Jankau - Kaiserliche Strategie und Kriegführung 1634–1645. Wien 2016. Leonhard Radler: Das Schweidnitzer Land im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648). Lübeck 1986. Julius Schmidt: Geschichte der Stadt Schweidnitz. Band 2, Schweidnitz 1848.

Einzelnachweise

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