mini|Selbstporträt Ernest Charles Temple Thurston (* 23. September 1879 in Halesworth, Suffolk, England; † 19. März 1933 in Maida Vale, Paddington, England) war ein britischer Dichter, Dramatiker und Autor.The Oxford Companion to Edwardian Fiction, Kemp, Mitchell, Trotter, OUP, 1997
Leben Thurston wurde in Halesworth in der nördlich von London liegenden Grafschaft Suffolk geboren. Er war das jüngste von vier Kindern des Brauereimanagers Frank Joseph Thurston und dessen Ehefrau Georgina Temple. Die Familie zog in seiner Kindheit von Halesworth nach Maidstone und verließ nach Georginas Tod im Jahr 1895 England, um bei Thurstons Großmutter väterlicherseits in Ballintemple in Cork zu leben. Thurston begann seine schriftstellerische Laufbahn mit der Veröffentlichung zweier Gedichtbände im Alter von nur sechzehn Jahren. Zwei Jahre später folgte The Apple of Eden.
Während seines Aufenthalts in Cork lernte er Katherine Cecil Madden (1875–1911) kennen. Sie war vier Jahre älter als er und hatte bereits Erfolge als Journalistin und Romanautorin gefeiert. Das Paar heiratete 1901 und ließ sich nach mehreren Wohnsitzwechseln schließlich in einem Haus in Kensington nieder, bewohnte aber auch regelmäßig ein Landhaus in Ardmore im County Waterford in Irland."Well known novelists in divorce", Yorkshire Telegraph and Star, 7. April 1910 Sie lebten einige Jahre glücklich zusammen und waren in literarischen Kreisen bekannt,Bericht über das Lyceum-Club-Dinner, "Men and Books", London Daily News, 13. März 1907 wobei Thurston einige Romane seiner Frau für die Bühne adaptierte.Ankündigung für das St James’s Theatre, London Daily News, 9. Juni 1905. Die Ehe hielt jedoch nicht und das Paar trennte sich 1907; die Scheidung wurde 1910 rechtskräftig. Im September 1911 wurde sie tot in einem Hotelzimmer in Cork aufgefunden.
Viele Jahre lang fiel es Temple Thurston schwer, vom Schreiben zu leben. Er arbeitete als Hefehändler, Brauer, Forschungschemiker und Handelsreisender, bevor er schließlich Reporter wurde. Sein erster Roman, The Apple of Eden, erschien in überarbeiteter Form 1905, doch erst mit dem Erfolg von The City of Beautiful Nonsense, veröffentlicht bei Newnes im Jahr 1909, fand er eine gewisse Stabilität.Gloucestershire Echo, 20. März 1933
Im November 1924 endete Temple Thurstons zweite Ehe. Joan Katherine Cann, die er ein Jahr nach seiner ersten Scheidung geheiratet hatte, berichtete dem Scheidungsgericht, dass sie bis 1922 glücklich zusammengelebt hätten, bis ihr Mann eine Privatsekretärin namens Emily Cowlin engagierte. Da sie deren „freundschaftliches Verhältnis“ missbilligte, reiste Mrs. Thurston nach Indien in der Hoffnung, ihr Mann würde „darüber hinwegkommen“. Während ihres Aufenthalts erhielt sie die Nachricht, dass Emily Cowlin ein Kind erwartete.„Private secretary as the co-respondent“, Cheltenham Chronicle & Gloucester Graphic, 22. November 1924 Im darauffolgenden Sommer heiratete Temple Thurston Emily Cowlin im Standesamt von Kensington. Die Hochzeit wurde geheim gehalten und nur sechs Personen waren anwesend. Danach fuhr das Paar in einem Auto davon, bevor sich eine Menschenmenge versammeln konnte."Noted novelist weds in secret", Gloucestershire Echo, 14. August 1925.
Thurston schrieb insgesamt vierzig Bücher, von denen siebzehn verfilmt wurden. Darüber hinaus verfasste er mehrere Theaterstücke, von denen drei am Broadway in New York City aufgeführt und vier verfilmt wurden. Sein bekanntestes Bühnenwerk ist The Wandering Jew, ein Stück in vier Teilen, das auf der gleichnamigen Legende basiert und 1921 am Broadway aufgeführt wurde. Das Stück wurde 1923 als Stummfilm unter dem gleichnamigen Titel The Wandering Jew adaptiert und 1933 als Tonfilm unter dem deutschen Titel Ahasver, der ewige Jude neu verfilmt. Seine dritte Ehefrau Emily veröffentlichte das Stück 1934 zudem – posthum – als Roman. 1929 wurde ein Theaterstück, das er aus seinem Buch Portrait of a Spy adaptiert hatte, vom Lord Chamberlain verboten. Das Stück, das auf den Spionagetätigkeiten der niederländischen Agentin Mata Hari im Ersten Weltkrieg basierte, sollte im London Coliseum aufgeführt werden, bis das Verbot wenige Wochen vor der Premiere ausgesprochen wurde. Da das Buch selbst kaum Anstoß erregt hatte, vermutete Temple Thurston, dass die Behörden ihre Entscheidung erst in letzter Minute überdacht hätten.
Ende Februar 1933 erkrankte Thurston nach einer Golfpartie in Rye, East Sussex. Bei ihm wurde Hexenschuss und Grippe diagnostiziert, die durch eine Lungenentzündung weiter verschlimmert wurden. Er starb im Alter von 53 Jahren in seinem Haus in Maida Vale und wurde von seiner Frau Emily überlebt, die 1984 starb.Nachruf, The Stage, 23. März 1933Nachruf, Belfast News-Letter, 20. März 1933
Im Jahr 1967 strahlte Granada Television eine 13‑teilige Kinderserie mit dem Titel The Flower of Gloster aus, eine modernisierte Fassung von Thurstons Original. Einige Jahre später erschien ein gleichnamiges Buch, verfasst vom Produzenten der Serie, Bill Grundy.Bill Grundy: The Flower of Gloster. Rupert Hart‑Davis Ltd., London 1970.
Filmografie (Auswahl) 1915: Traffic 1917: Desperation 1918: Tares 1918: The Greatest Wish in the World 1919: The Garden of Resurrection 1919: The City of Beautiful Nonsense 1919: The Nature of the Beast 1920: Sunken Rocks 1921: David and Jonathan 1921: Enchantment 1923: Sally Bishop 1923: The Wandering Jew 1924: The World of Wonderful Reality 1928: The Blue Peter (Szenenbild von Vivian Thompson) 1933: Discord 1933: One Precious Year 1935: City of Beautiful Nonsense (Neuverfilmung) 1937: Sally Bishop (Neuverfilmung) 1937: The Wandering Jew (Neuverfilmung)
Theater (Auswahl) 1902: Red and White Earth (Vereinigtes Königreich) 1911: Sally Bishop (Prince of Wales) 1912: The Greatest Wish 1913: The Greatest Wish (Garrick) 1914: The Cost 1914: Driven (Haymarket) 1914: Driven (48th Street Theatre, Broadway, New York) 1916: Ollaya 1921: The Wandering Jew (New Theatre) 1921: The Wandering Jew (Manhattan Opera House, Broadway, New York) 1923: Judas Iscariot 1923: A Roof and Four Walls: A comedy in four acts 1924: The Blue Peter 1925: The Blue Peter (Longacre Theatre, Broadway, New York) 1925: Snobs: A farcical comedy in one act 1925: Mr. Bottleby Does Something 1927: The Wandering Jew – Wiederaufführung (Manhattan Opera House, Broadway, New York) 1929: Emma Hamilton 1930: Charmeuse 1933: Son of Man
Literatur Zu Thurstons erfolgreichsten Büchern zählten The City of Beautiful Nonsense (1909) und The Flower of Gloster (1911), eine Erzählung über eine Kanalfahrt in England. Von The City of Beautiful Nonsense entstanden zwei Verfilmungen: eine Stummfilmfassung von 1919 und eine Tonfilmversion von 1935.E. Temple Thurston: The Flower of Gloster. Neuausgabe mit Fotografien und einer Einführung von David Viner. Alan Sutton Publishing, 1984.
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