Carl, manchmal auch Karl, Kukulies (* 8. April 1890 in Ostrowo; † 18. Januar 1972 in Düsseldorf) war ein deutscher Zahnmediziner auf dem Gebiet der zahnärztlichen Prothetik und Epithese.

Leben Kukulies besuchte von 1896 bis 1900 die Volksschule in Breslau und erhielt 1909 sein Reifezeugnis (Abitur) des dortigen humanistischen Gymnasiums. Im Anschluss studierte Kukulies an der Universität Breslau und der Universität Münster Medizin und Zahnmedizin, welches er mit dem Prädikatsexamen gut abschloss. Kukulies wurde 1920 mit magna cum laude bei Carl Partsch zum Dr. med. dent. an der Universität Breslau promoviert.Diese Arbeit ist heute noch in der Deutschen Nationalbibliothek (Leipzig), der Staatsbibliothek zu Berlin, der Bibliothek der University of California und dem Center for Research Libraries Chicago auffindbar (WorldCat) Während seiner Studentenzeit in Breslau wurde er Mitglied im Corps Silingia Breslau zu Köln.Verzeichnis der alten Rudolstädter Corpsstudenten. (AH Liste des RSC). 1928, ZDB-ID 1350548-8. Nr. 2615.

Er war freiwilliger Wehrdienstleister beim Fußartillerie-Regiment von Dieskau Schlesien Nr. 6s. Militär-Wochenblatt (1915). in Neiße und nahm am Ersten Weltkrieg teil. Kukulies erhielt 1914 das Eiserne Kreuz II. Klasse sowie das Verwundetenabzeichen in Silber und das Frontkämpferehrenkreuz. Zeitlebens war er durch eine im Krieg erlittene schwere Verletzung gezeichnet, die zur Amputation des rechten Unterarms und Einschränkungen am rechten Oberschenkel führte.Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland. NW 1002-MED. 33784.

Nach der Fertigstellung des Umbaus Anfang der 1920er Jahre, leitete Kukulies, der aus der „Partsch-Schule“ stammte, die zahnärztliche Abteilung (Oberarzt) der neugegründeten Westdeutschen Kieferklinik. Dort arbeitete er mit August Lindemann und Christian Bruhn zusammen.British Dental Journal (1922). Vol. 43. S. 920. Seit 1921 war Kukulies Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Zahnärztliche Orthopädie.

Ab 1923 war Kukulies Chefarzt der zahnärztlichen Klinik der Betriebskasse Rheinmetall in Düsseldorf, die 1934 durch die Nationalsozialisten geschlossen wurdeThe Journal of the American Dental Association. Volume 14, Part 1. 1927. S. 346.Kukulies war selbst nie Mitglied der Partei, hatte allerdings den Status Anwärter., woraufhin er seine pensionsberechtigte Lebensstellung verlor. Im Anschluss war Kukulies in eigener Praxis tätig sowie Fachzahnarzt und Leiter der Fachabteilung für Kieferkrankheiten im Diakoniekrankenhaus Kaiserwerth bei Düsseldorf.

Trotz seiner kriegsbedingten körperlichen Einschränkung blieb Kukulies bis ins hohe Alter als Arzt tätig.

Wissenschaftliches Wirken Besondere Bedeutung erlangte die Prothetik und die Behandlung Gesichtsversehrter im und insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg.

Kukulies forschte auf dem Gebiet der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie insbesondere zur Zahn- und Kieferprothetik. Er wirkte am, durch Christian Bruhn herausgegebenem Standardwerk, Handbuch der Zahnheilkunde besonders im dritten Band Zahnärztliche Prothetik"Mit dem von Kukulies bearbeiteten Teilabschnitt über die prothetische Deckung von Gesichtsdefekten schließt das umfangreiche Werk ab. Der Dritte Band des Handbuchs der Zahnheilkunde darf mit Recht als Standardwerk der modernen Prothetik bezeichnet werden [...]" zitiert aus der Wiener Vierteljahrsschrift für Zahnheilkunde (1931). Hrsg.: Paul Adloff. 47. Auflage. Verlag von Hermann Meusser, Berlin. S. 261. mit und verfasst eigene Werke, die sich auf die Behandlung von Gesichts- und Zahndefekten fokussierten.

Seine Erkenntnisse stellte Kukulies auf verschiedenen Kongressen und Konferenzen vor, wie beispielsweise 1924 auf der Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ)Mitteilungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (1924), S. 69. oder auch zwei Jahre später, 1926, auf dem ersten Deutschen Ärztetag in Düsseldorf im Zuge der 89. Versammlung der GDNÄ. Hier referierte Kukulies über seine Erkenntnisse auf dem Gebiet der prothetischen Deckung von GesichtsdefektenDer Titel seines Vortrags war gleichlautend mit seinem 1926 im Handbuch der Zahnheilkunde: Zahnärztliche Prothetik, Bd. 3 veröffentlichenten Ausführungen. und stellte seine eigene Methode von Bemalung und Formung für Prothesen vor, die die Mängel anderer bisheriger Prothesenarten mitigierte. Außerdem war Kukulies Inhaber verschiedene Patente.beispielsweise: Befestigung der Zahnkrone auf dem Zahnrumpf (Patentblatt (1930), Jg. 54, S. 525). Sein Schraubenverschluss für Zahnkronen und -brücken wurde als „bemerkenswerte Neuheit“Der Dental Markt, Jg. 12, 1929, S. 26. bezeichnet.Brückenreparatur mit Verschlussschreiben nach Kukulies. Deutsche Zahn-, Mund-, und Kieferheilkunde mit Zentralblatt für die gesamte Zahn-, Mund-, und Kieferheilkunde. Jg. 30, 1959, S. 157ff.

Während seiner Zeit als Leiter der zahnärztlichen Abteilung der Westdeutschen Kieferklinik beteiligte sich Kukulies an Lehrtätigkeiten und hielt dabei unter anderem folgende Vorträge:

Ausgewählte Kapitel aus dem Gebiet der zahnätzlichen Chirurgie (diverse Schwerpunkte) Die Kieferdehnung der Nasenatmung, ihre Bedeutung und ihre Behandlung Pathogenese der Kieferzysten und ihre Behandlung Die prothetische Deckung von Gesichtsdefekten und ihre Indikation Die klinischen Erscheinungen beim Durchbruch des unteren Weisheitszahnes und ihre Behandlung Die Bedeutung des Zwischenkiefers für Zahnstellungsanomalien, insbesondere für Anomalien im Durchbruch oberer Eckzähne. Über die Praktische Bedeutung der Zahnretention

Seine wissenschaftlichen Beiträge fanden nationalesbeispielsweise: Gottlieb Vest (1960, 2013). Lehrbuch der zahnärztlichen Kronen- und Brückenprothetik: Brückenprothetik. Oder Hans Moral, Hans Bünte (1931). Die Leitungsanästhesie im Ober- und Unterkiefer. und internationalesbeispielsweise: British Dental Journal (1922), Svensk Tandläkare Tidskrift (1922), Revue de Stomatologie et de Chirurgie Maxillo-Faciale (1927), International Abstracts of Surgery (1929), Journal of the American Dental Association (1930), Boletín Odontológico Mexicano (1932), Journal of the Japan Stomatological Society (1938), Österreichische Zeitschrift für Stromatologie (1953), Revista Da Faculdade de Odontologia Da Universidade de São Paulo (1963). Interesse.

Auszeichnungen Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde zeichnete Kukulies 1962 mit der Hermann-Euler-Medaille aus.

Werke Ein Auszug der Werke von Kukulies nach Erscheinungsjahr absteigend sortiert:

Bruhn, C., Gutowski F., Gysi, A., Hauptmeyer F., Loewe, S., Kukulies, C., Wustrow, P. (2013). Zahnärztliche Prothetik. Handbuch der Zahnheilkunde, Bd. 3, mehrere Auflagen (1. und 2. Auflage: 1926, 3. umgearbeitete Auflage: 1930). Springer, Berlin, Heidelberg. ISBN 978-3-642-99582-8. Kukulies, C. (1967). Ereignisse und Gestalten. Zum Gedächtnis an Prof. Dr. med. dent. Christian Bruhn. Zahnärztliche Mitteilung. Jg. 57. S. 833 Kukulies, C. (1954). Misserfolge bei Kronen und Brückenarbeiten und deren Verhütung. Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift. Aufl. 14. Kukulies, C. (1953). Failures in crown and bridgework and their prevention. Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift. Jg. 81, Nr. 4, S. 157–160. Kukulies, C. (1942). Beitrag zur Frage der chirurgischen Richtung und der Replantation von Zähnen. Zahnärztliche Rundschau. Nr. 9. Kukulies, C. (1941). Gingivist in denture construction. British Chemical and Physiological Abstracts. Kukulies, C. (1938). Gingivist, der neue Prothesenwerkstoff, seine Verarbeitung und Anwendung in der Prothetik. Zahnärztliche Rundschau. Nr. 10. Kukulies, C. (1929). Über die Möglichkeit auswechselbarer Tamponaden von Wurzelkanälen trotz aufgesetzter Kronen und Brückenarbeiten (mit Lichtbildern). Kukulies, C. (1928). Beitrag zur Frage der Ätiologie paradentaler Erkrankungen des menschlichen Gebisses auf Grund systematischer klinischer Untersuchungen. Zahnärztliche Rundschau, Jg. 37, Nr. 20, S. 829–837. Kukulies, C. (1928). Die Bedeutung des Paradentosentyps für die Therapie paradentaler Erkrankungen des menschlichen Gebisses. Kukulies, C. (1926). Die prothetische Deckung von Gesichtsdefekten. In: Bruhn, C. et al. Zahnärztliche Prothetik. Springer, Berlin, Heidelberg. S. 940–963. Kukulies, C. (1920). Die Zahnretetion, ihre praktische Bedeutung und ihre chirurgische Behandlung unter Berücksichtigung des an der Poliklinik für Zahn- und Mundkrankheiten der Universität Breslau und an der Zahnklinik (Mund- und Kieferheilstätte) d. Fried. Krupp A.G. (Dr. Hauptmeyer) beobachteten Materials. Dissertation. Kukulies, C. (1909). Eine einheitliche Bemalung und Formung von Gesichtsprothesen nach eigenem Verfahren. Deutsche Monatsschrift für Zahnheilkunde, Band 27, Heft 11.

Einzelnachweise

Kategorie:Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Corpsstudent (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes II. Klasse Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1890 Kategorie:Gestorben 1972 Kategorie:Mann