Gerhard Otto Wüllenweber (* 8. November 1894 in Berlin; † 20. Dezember 1942 in Köln) war ein deutscher Internist und Hochschullehrer. Von 1934 bis zu seinem Tod hatte er den Lehrstuhl für Innere Medizin an der Universität zu Köln inne.
Leben Gerhard Wüllenweber wurde am 8. November 1894 als Sohn des Gymnasiallehrers und späteren Provinzialschulrats Walther Wüllenweber (1860–1941) und dessen Ehefrau Johanna Maria Elisabeth, geborene Fritsch, in Berlin geboren. Sein jüngerer Bruder war der Pädagoge Fritz Wüllenweber (1906–1966).
Zunächst besuchte Wüllenweber bis 1910 das humanistische Schiller-Gymnasium in Groß-Lichterfelde bei Berlin.Ralf Forsbach: Gerhard Wüllenweber – Das erste poliklinische Ordinariat In: Die Medizinische Fakultät der Universität zu Köln in der NS-Zeit. Böhlau Verlag, Köln 2023. S. 110 f. Nachdem sein Vater 1910 zum Provinzialschulrat der Rheinprovinz ernannt worden war,Helge Dvorak: Walther Wüllenweber. In: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 6: T–Z. Winter-Verlag, Heidelberg 2002, ISBN 978-3-8253-5063-5, S. 383f. setzte Wüllenweber seine Schullaufbahn am Gymnasium in der Provinzhauptstadt Koblenz fort, wo er 1913 das Abitur ablegte.
Im Anschluss studierte er Germanistik und Medizin in Freiburg, München, Kiel, Marburg und Köln. Das Studium wurde durch seinen Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg unterbrochen. Zwischen 1914 und 1918 war er unter anderem an der Ostfront in den Masuren, in Russland und in Rumänien sowie in Frankreich bei Verdun, Reims und Saint-Quentin eingesetzt. Zuletzt diente er als Leutnant und Führer der Linienbatterie des Fußartillerie-Regiments Nr. 9.
1920 promovierte Wüllenweber in Köln mit einer Dissertation Zur Kenntnis der durch Myome des Darmes verursachten Invagination desselben. Anschließend war er als (Volontär-)Assistent in Hamburg-Eppendorf, Jena und Köln tätig. 1923 heiratete er Hildegard Thekla Hungershausen (1898–1942). Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, Sohn Heinz wurde 1926 geboren, Sohn Klaus folgte 1928.
1927 habilitierte Wüllenweber in Köln und wurde Privatdozent, am 9. März 1933 erfolgte seine Ernennung zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor. Mit dem Weggang von Franz Külbs vom Augusta-Hospital an die Städtische Krankenanstalt Lindenburg kam es 1933 zu Umstrukturierungen in der Kölner Inneren Medizin. Wüllenweber übernahm zunächst die Leitung der Medizinischen Klinik im Augusta-Hospital, deren Bettenzahl gegenüber der Zeit unter Külbs deutlich reduziert war; zugleich stand auch die Medizinische Poliklinik im Bürgerhospital unter seiner Leitung. Im Oktober 1933 wurde ihm die Leitung der Klinik bis zur endgültigen Regelung der Medizinischen Poliklinik zugesagt. Die dauerhafte Neuordnung zog sich jedoch zur Unzufriedenheit Wüllenwebers hin. Als Wüllenweber im Sommer 1934 konkret beabsichtigte, Köln zu verlassen und als Chefarzt an die Anstalten Bethel in Bielefeld zu wechseln, setzten sich in Köln insbesondere Carl Coerper und Dekan Friedrich Bering für seinen Verbleib ein. Das preußische Wissenschaftsministerium übertrug Wüllenweber schließlich den poliklinischen Lehrstuhl. Nachdem am 11. September 1934 die Nachricht aus Berlin eingetroffen war, dass für Wüllenwebers Berufung nur noch die telegraphische Zustimmung des Oberbürgermeisters ausstand, nahm er zum Wintersemester 1934/35 seine Lehrtätigkeit als ordentlicher Professor auf. Er wurde damit erster Direktor der Medizinischen Universitäts-Poliklinik Köln-Bürgerhospital und blieb zugleich leitender Arzt der Inneren Abteilung des Städtischen Krankenhauses Köln-Deutz.
Während des Zweiten Weltkriegs war Wüllenweber Oberfeldarzt, Chef eines Lazaretts sowie Chefarzt des Reservelazaretts Köln-Nippes und beratender Internist bei der Wehrmacht. Bei einem kleineren Luftangriff auf Köln um Ostern 1942 wurde seine Familie in ihrem Haus in Marienburg schwer getroffen. Hierbei wurde Wüllenweber schwer verletzt, seine Ehefrau und der zweitgeborene Sohn Klaus erlitten tödliche Verletzungen.Markus Schmitz, Bernd Haunfelder: Humanität und Diplomatie. Die Schweiz in Köln 1940–1949. Aschendorff, Münster 2001, ISBN 3-402-05385-3, S. 171. Rund acht Monate später erlag Wüllenweber den Folgen der bei diesem Angriff erlittenen Verletzungen am 20. Dezember 1942 in Köln. Sein Nachfolger am Lehrstuhl für Innere Medizin wurde Hans Schulten.
Mitgliedschaften Politisch stand Wüllenweber in den 1930er Jahren dem deutschnationalen Spektrum nahe. Er war bis zu deren Auflösung Mitglied der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und des Stahlhelms. Nach der Gleichschaltung und Überführung des Stahlhelms in die SA, war er dort als Sturmmann und Sturmbannarzt tätig. Zeitgenössische Beurteilungen der NSDAP beschrieben ihn 1935 als „noch deutsch-national“ eingestellt und damit nicht „bedingungslos einsatzbereit“ im Sinne des Regimes.
Wüllenweber war zudem Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), der Deutschen Gesellschaft für Kreislaufforschung, der Deutschen Gesellschaft für Nervenheilkunde, der Rheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Innere Medizin, der Wissenschaftlich-Medizinischen Gesellschaft der Universität Köln sowie des Ärztlichen Vereins Köln.
Auszeichnungen Eisernes Kreuz II. Klasse (1915) Eisernes Kreuz I. Klasse (1917) Eiserner Halbmond Militärorden für Tapferkeit (Bulgarien, 1917) St. Alexander-Orden (1939)
Werke Monografien Zur Kenntnis der durch Myome des Darmes verursachten Invagination desselben. Inaugural-Dissertation, Köln 1927. Ärztliches Denken am Krankenbett. Verlag G. Thieme, Leipzig 1941. 194 Seiten mit 69 z. T. farbigen Abbildungen.
Aufsätze (Auswahl) Weiterer Beitrag zur Frage der prognostischen Bedeutung des Verhaltens des Liquor spinalis bei isolierten syphilogenen Pupillenstörungen. In: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 74 (1922), S. 350–356. Was bietet die Mastixreaktion des Liquor cerebrospinalis dem Kliniker? In: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 80 (1923), S. 106–120. Über die Funktion des Plexus chorioideus und die Entstehung des Hydrocephalus interinus In: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 88 (1924), S. 208–219. Über die Frage der Verwendbarkeit des Liquor Cerebrospinalis zu Diagnostischen Zwecken bei Artifizieller Blutbeimengung In: Klinische Wochenschrift, 3. Jahrgang, Nr. 39 (1924), S. 1756–1758. Aneurysma des Plexus chorioidens mit Stauungspapille In: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 84 (1925), S. 287–290. Die Essigsäureanhydrid-Schwefelsäureprobe (Boltz) im Liquor Cerebrospinalis, mit Ernst Dietrich. In: Klinische Wochenschrift, 7. Jahrgang, Nr. 37 (1928), S. 1739–1740. Technik, diagnostische Bedeutung und Ergebnisse der Untersuchung des Liquor cerebrospinalis mittels der sog. Mastixreaktion an 1000 Rückenmarkflüssigkeiten. In: Deutsche Zeitschrift für Nervenheilkunde 101 (1928), S. 20–53. Untersuchungen Über den Nierenbeckendruck, besonders in der Gravidität. In: Klinische Wochenschrift, 9. Jahrgang, Nr. 7 (1930), S. 295–297.
Literatur Ralf Forsbach: Gerhard Wüllenweber – Das erste poliklinische Ordinariat In: Die Medizinische Fakultät der Universität zu Köln in der NS-Zeit. Böhlau Verlag, Köln 2023. S. 110 f.
Weblinks Gerhard Wüllenweber in der Galerie der Professorinnen und Professoren der Universität zu Köln
Einzelnachweise
Kategorie:Internist Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität zu Köln) Kategorie:Absolvent der Universität zu Köln Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Oberfeldarzt (Heer der Wehrmacht) Kategorie:Träger des Eisernen Kreuzes I. Klasse Kategorie:Träger des Eisernen Halbmondes Kategorie:Träger des Militärordens für Tapferkeit Kategorie:Träger des St. Alexander-Ordens Kategorie:Mitglied im Stahlhelm Kategorie:SA-Mitglied Kategorie:DNVP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Mann