mini|General Onodera im Jahr 1943 bei der Besichtigung einer deutschen Küstenartilleriestellung in Norwegen Onodera Makoto (; * 19. September 1897 in Iwate, Japan; † 17. Juni 1987) war ein Generalmajor des Kaiserlich Japanischen Heeres.
Leben Nach seinem Schulabschluss besuchte Onodera Makoto die Kadettenschulen in Sendai und später Tokio. Nach weiterer Militärdienstzeit erhielt er eine Kommandierung an die japanische Heereshochschule (陸軍大学校, Rikugun Daigakkō). Während der Ausbildung beschäftigte er sich zusätzlich intensiv mit Sprachen und erlernte hier Russisch und Deutsch. Der englischen Sprache war er bereits mächtig. Die Akademie schloss er 1923 erfolgreich ab und wurde anschließend in das 29. Infanterie-Regiment in Sendai eingeordnet. In den folgenden Jahren war er als Instrukteur, Stabsoffizier und Ausbilder an der Infanterie-Schule in Chiba eingesetzt. Danach spezialisierte er sich als Nachrichtenoffizier und war Anfang der 1930er Jahre in dieser Position beim Generalstab in der Mandschurei eingesetzt. Inzwischen hatte er sich vor allem als Geheimdienstoffizier etabliert und sich mit der Handhabung des nachrichtendienstlichen Instrumentariums vertraut gemacht.
Einsatz in Lettland Am 12. Oktober 1935 erhielt Onodera, hier bereits zum Major aufgestiegen, den Auftrag an der japanischen Gesandtschaft in Riga als Militärattaché zu wirken. Dementsprechend befasste er sich mit der politischen und militärischen Lage im Baltikum, bezog dabei aber zugleich auch das gesamte Territorium der Sowjetunion mit ein. Das entsprach der seit 1932 von Japan verfolgten strategischen, außenpolitischen und nachrichtendienstlichen Vorgehensweise.Bernd Martin, Friedrich Wilhelm Hack. Sein Wirken für Japan. Vom Antikominternpakt (1935) bis zum Kriegsende (1945). Schriften der OAG Verlag iudicum München, 2014, S. 16 ff. Nach einer längeren Vorbereitung und einer Reisezeit von 46 Tagen trat er Mitte 1936 seinen Dienst in Riga an. Ab 1937 erhielt er dann auch die Verantwortung für Estland und Litauen mit dazu. Seine wichtigste Aufgabe war hier die Informationsbeschaffung über die Struktur, militärische Stärke und Logistik der sowjetischen Streitkräfte. Dazu kam zugleich eine gezielte Zersetzungsarbeit gegen den sowjetischen Staat zu betreiben.Deutsch-japanische Zusatz-Vereinbarungen betreffend Austausch der Nachrichten über Sowjetrussland vom 11. Mai 1937, Dokumente zum Antikominternpakt, in: Hiroaki Kuromiya, Georges Mamoulla, The Eurasian Triangel - Russia, The Caucasus and Japan, 1904-1945, De Gruyter Verlag 2016, ISBN 978-3-11-046951-6, S. 203 ff. Schnittstellen dafür waren für ihn als Militärattaché die jeweiligen Führungsstellen im lettischen Generalstab, den Nachrichtendiensten und der russischen Emigrantenbewegung. Zu dieser Zeit vor allem durch antisowjetische Gruppierungen aus dem Kaukasus, aber auch weiter östlichen Regionen geprägt, die im Baltikum Zuflucht gefunden hatten. Um die damit verbundenen Aufgaben und Kontakthaltung zu den führenden Repräsentanten nunmehr in allen drei Ländern zu gewährleisten, erhielt er Unterstützung durch seine Lebenspartnerin Yuriko, die ebenfalls seit 1936 in Riga lebte. Diese übernahm für ihn die gesamte Arbeit der Zusammenstellung, Codierung und Absendung der Nachrichten an den japanischen Generalstab. Im Mai 1936 besuchte er, als Zivilist getarnt die Parade der Roten Armee auf dem Roten Platz in Moskau. Zu seinen Spitzenverbindungen und Gesprächspartnerin in Riga zählten vor allem der Chef des lettischen Nachrichtendienstes, Oberst Kickurs und der Leiter der Russlandabteilung im lettischen Generalstab, Oberst Peterson. Ein besonderer Kenner der sowjetischen Verhältnisse und sein ständiger Gesprächspartner war der Chef des estnischen Nachrichtendienstes, Oberst Richard Maasing (1896–1975),Shinzo Musanaga, The Interwar Japanese intelligence ac-tivities in the Baltic Staates 1818-1940, in: Estonian Academy 2018, ISSN 1736-7476 der für seine Dienste jährlich eine Summe von 5000 US-Dollar erhielt. Auch der in Riga lebende frühere Generalgouverneur von Tiflis, Schalwa Maglakelidse (1893–1976) gehörte zu seinem Informantenkreis. Wobei bei diesem nicht vordergründig die Informationsbeschaffung eine Rolle spielte, sondern der Aufbau und die Aktivhaltung antisowjetischer Gruppierungen, die in die Lage versetzt werden sollten umstürzlerische Untergrundtätigkeit im jeweiligen Gebiet zu organisieren. Neben diesen bereits eingespielten Tätigkeiten traf er sich regelmäßig im Kreise der anderen Militärattachés, die im Baltikum eingesetzt waren, um sich hier über die erarbeiteten Sachstände und Lagesituationen auszutauschen. Besonders enge und vertrauensvolle Beziehungen entwickelte er dabei zum polnischen Militärattaché, Major Felix Brzeskwinski und zu seinem estnischen Kollegen Oberst Saarsen.
Bei der Übermittlung der erarbeiteten Informationen nach Japan ging Onodera so vorsichtig vor, dass seine Frau alle Texte per Hand chiffrierte. Das war zwar äußerst zeitaufwendig und kostete viel Konzentration, aber es war ein sehr sicherer Kommunikationsweg. Denn den Einsatz der ihm zur Verfügung gestellten Codiermachine lehnte er ab, da hier immer die Gefahr des Mitlesens durch unerwünschte Interessenten bestand. Während dieser Zeit seines Wirkens im Baltikum war zwischen Deutschland und Japan 1937 der sogenannte Antikominternpakt abgeschlossen worden, der in seinen Zusatzprotokollen bestimmte, dass alle nachrichtendienstlich beschafften Informationen über die Sowjetunion zwischen Deutschland und Japan abgeglichen sowie ausgetauscht wurden.Deutsch-japanische Zusatzvereinbarungen vom 11. Mai 1937 zum Nachrichtenaustausch und zur Zersetzungstätigkeit gegen die UdSSR, Dokumente zum Antikominternpakt, in: Hiroaki Kuromiya, Georges Mamoulla, The Eurasian Triangel - Russia, The Caucasus and Japan, 1904-1945, De Gruyter Verlag 2016, ISBN 978-3-11-046951-6, S. 203 ff. Als Schaltstelle dafür fungierte der deutsche Militärattaché in Tokyo, Generalmajor Eugen Ott. Ihm wurden unter anderem auch die von Onodera über die UdSSR beschafften Informationen in Tokio übergeben und von dort über die diplomatischen Kanäle nach Berlin weitergeleitet.Bernd Martin (Hrsg.) Friedrich Wilhelm Hack. Sein Wirken für Japan. Vom Antikominternpakt (1935) bis zum Kriegsende (1945). Schriften der OAG Verlag iudicum München, 2014, S. 26 ff.
Zwischenetappe China Nach zwei Jahren Einsatzzeit kehrte Onodera 1938 kurzzeitig nach Japan zurück. Hier wurde er zu mehreren geheime Sonderaufgaben bei der Operationsabteilung der Zentralchina-Expeditionsarmee verwendet. Nach Abschluss dieser Aufgaben wurde er im August 1939 zum Oberstleutnant befördert. Nach einer kurzen Orientierungs- und Vorbereitungszeit wartete ab 1940 ein neuer Auslandseinsatz auf ihn. Noch im gleichen Jahr zum Oberst befördert, bereitete er sich ab Oktober gezielt auf diesen Auftrag vor. Inzwischen hatte sich der Gesamtlage wesentlich und damit auch die Rolle Japans innerhalb des Bündnisses Deutschland-Japan verändert. Die 1937 erst nur in ihren Ansätzen vereinbarte nachrichtendienstliche Zusammenarbeit und der gegenseitige Informationsaustausch über die Daten zur Sowjetunion hatte inzwischen andere Dimensionen angenommen. Am 1. September 1939 hatte Deutschland den Zweiten Weltkrieg begonnen, aber Japan selbst war bereits mehrere Monate zuvor in einen Krieg auf dem asiatischen Festland eingetreten, der sich gegen die Mongolei, China und auch die Sowjetunion richtete. Durch diese Konstellation standen sich bereits in den fernöstlichen Regionen Japan und die Sowjetunion an einer, mehrere tausend Kilometer Grenze umfassenden Trennlinie direkt gegenüber. Hier war die territoriale Konfrontation bereits ähnlich gelagert, wie in Europa nach der deutschen Okkupation von Polen, Griechenlands, Jugoslawiens und der Aufrichtung NS-höriger Regime in Bulgarien und Rumänien. Der Unterschied jedoch bestand in der Tatsache, dass es bisher zu keiner Zeit zu einem militär-strategischen Zusammengehen zwischen Deutschland und Japan gekommen war. Zu groß waren auf beiden Seiten die Ressentiments.
Einsatz in Schweden Anfang 1941 traf Onodera in Stockholm ein und nahm an der japanischen Botschaft seine Tätigkeit als japanischer Militärattaché auf. Für die auch hier an oberster Stelle stehende Informationsbeschaffung und Zersetzungstätigkeit die UdSSR betreffend, konnte er gut auf seine bereits in Riga geschlossenen Kontakte und auch den Kreis der anderen militärischen Attachés zurückgreifen. Auf Grund der bereits erfolgten sowjetischen Besetzung des Baltikums 1940 konnte er nunmehr auch auf die aus diesem Territorium geflüchteten Emigrantenbewegung zurückgreifen. Das betraf vor allem Oberst Massing aus Riga, den früheren estnischen Militärattaché Ludwig Jacobsen (1893–1961) in Berlin, der sich auch in Schweden in Sicherheit gebracht hatte. Aber auch Oberst Adlercreutz, der Chef des schwedischen Nachrichtendienstes und der schwedische Militärattaché in Moskau, Oberst Gyllendalfeld gehörten neu zu seinen Informanten. Gleich zu Beginn seiner Mission in Stockholm versuchte Onodera den japanischen Generalstab davon zu überzeugen, dass nicht Großbritannien, sondern die Sowjetunion das nächste Ziel der deutschen Okkupationspolitik war. Damit jedoch hatte er nur sehr geringen Erfolg. Die aber in Schweden von ihm verfolgte Zielstellung war, anders als vormals in Riga. Hier ging es in erster Linie um den großangelegten Aufbau einer nachrichtendienstlichen Organisation, außerhalb Japans, die nur die diplomatische Tarnung nutzte, um so lang wie möglich unangetastet agieren zu können.Wilhelm Agrell, Stockholm, eine Spionzentrale. Historische Medien. ISBN 91-85377-09-0, 2006. Von Stockholm aus leitete er dann die gesamten nachrichtendienstlichen Strukturen, die inzwischen über Europa verteilt waren. Das betraf beispielsweise auch finnische, deutsche und polnische Stützpunkte. Interessanterweise schloss er dabei sogar eine Zusammenarbeit und den Informationsaustausch mit der in London sitzenden polnischen Exilregierung mit ein. Ein wichtiger Verbindungsmann war hierfür die Quelle „Ivanov“, ein früherer polnischer Geheimdienstoffizier, der auch mit die Aliasnamen Myhal Rybikowski bezeichnet wurde. Für den Schutz den Onodera ihm in Schweden angedeihen lassen konnte lieferte „Ivanov“ Informationen aus der Sowjetunion, aus dem Dritten Reich und über die Streitkräfte Großbritanniens. Für seine Leistungen in dem wesentlich umfangreicheren Aufgabengebiet wurde Onodera im Sommer 1942 zum Generalmajor befördert. Die Verschlüsselung und Weitergabe seiner nachrichtendienstlichen Berichte und die Entgegennahme neuer Aufträge lag nach wie vor in den Händen seiner Frau Yuriko. Im Jahr 1943 sah er seine Haltung, dieses aufwendige Chiffre-Verfahren beibehalten zu haben als bestätigt. Über den ungarischen Militärattaché Vágy hatte er erfahren, dass es den Vereinigten Staaten gelungen war, den diplomatischen Maschinencode der Japaner zu knacken. Geistesgegenwärtig erwarb er noch im gleichen Jahr die von der schwedischen Firma Kjelberg entwickelte Chiffriermaschine vom Typ „Chryptotechnik“. Mit dieser Maschine gelang es dann Japan im Gegenzug, ab September 1944 die amerikanische Diplomatenkorrespondenz mitzulesen.Bengt Beckman: Codebreakers: Arne Beurling and the Swedish Crypto Program While World War II, Ausgabe 24-25 (Originalversion: Bengt Beckman: Svenska kryptobedrifter: hur Arne Beurling knäckte den tyska chiffertrafiken, Bonniers, Stockholm 1996, Pocketupplaga 2006 mit ISBN 978-91-0010619-5, S. 24 ff.)