mini|Die Kirche im Venedigplan des Jacopo de’ Barbari, entstanden um 1500 (Ausschnitt) mini|Das Hauptportal, fotografiert im Jahr 2023 Santa Chiara ist eine Kirche nebst Kloster im Süden der venezianischen Insel Murano, genauer auf der Insel Santo Stefano. Der Komplex entstand vor 1231 und diente zunächst Augustinermönchen, dann ab Mitte des 14. Jahrhunderts Benediktinerinnen, schließlich Klarissen. Nach der Auflösung vieler Konvente im Venedig des frühen 19. Jahrhunderts wurden die Gebäude als Glasfabriken und Schauräume genutzt und vielfach umgebaut, verfielen jedoch zusehends. 2012 begann ihre Restaurierung, seit 2017 sind sie wieder der Öffentlichkeit zugänglich.

Geschichte Die Kirche blickt von Murano südwärts auf den Norden der Stadt Venedig. Sie war Teil eines klösterlichen Komplexes, der seit 1231 als Augustinerkloster dokumentiert ist und als San Nicola della Torre geweiht wurde. Diese Bezeichnung geht nach Flaminio Corner auf einen mächtigen Turm zurück.Flaminio Corner: Notizie storiche delle chiese e monasteri di Venezia, e di Torcello, tratte dalle chiese veneziane, e torcellane, Giovanni Manfrè, Padua 1758, S. 648.

Um 1369 wurden die Augustinermönche aus nicht bekannten Gründen von Benediktinerinnen abgelöst, die wiederum, angeblich aufgrund ihres skandalösen Verhaltens, durch die franziskanischen Nonnen von Santa Chiara in Treviso ersetzt wurden, die der Kirche ihren Namen gaben. Diesen Eingriff veranlasste Papst Eugen IV. am 26. Juli 1439, woraufhin Fantino Dandolo, zu dieser Zeit Apostolischer Protonotar und später Kardinal, und Tommaso Tommasini, Bischof von Macerata und Recanati, persönlich das Kloster visitieren und Untersuchungen anstellen mussten. Die Nonnen wurden 1440 durch Frauen aus dem Kloster Santa Chiara in Treviso ersetzt.

Diese Maßnahme kam dem Ansehen des Klosters so sehr zugute, dass nach wenigen Jahren wieder 70 Frauen im Kloster lebten. Eine der führenden neuen Bewohnerinnen, eine Suor Felice da Verona, wurde Äbtissin. Einer der Prokuratoren von San Marco, Francesco Barbaro, brachte seine Tochter Lucrezia im Kloster unter. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde das Gebäude renoviert, am 19. Mai 1519 das neue Haus durch den Patriarchen von Aquileia, Marino Grimani, geweiht. 1618 wurde dort der Doge Nicolò Donà beigesetzt.

Das Kloster wurde, wie eine Reihe anderer in der Stadt, unter Napoleon aufgehoben. 1826 kauften die Fratelli Marietti aus Mailand den Komplex aus Staatsbesitz, um ihre Produktion verschiedener Glasprodukte, wie Spiegel oder Flaschen, einzurichten (eine Vetreria). Ihre Beschäftigten kamen überwiegend aus Frankreich, was der Glashütte für ein halbes Jahrhundert den Namen „Vetreria dei francesi“ eintrug. Bald wurde der Kreuzgang auf einer Seite geöffnet, Kirche und Campanile wurden von einem großen Gebäude flankiert, weitere Gebäude entstanden.

Als Baron Raimondo Franchetti 1884 die Glashütte übernahm, wurde zwar die Kirche restauriert (und in zwei Stockwerke aufgeteilt), der Kreuzgang hingegen noch mehr den Bedürfnissen einer Fabrik angepasst. Von 1906 bis 1913 führte die Società Cristallerie e Vetrerie Riunite das Geschäft.Venezia, cittá industriale. Gli insediamenti produttivi del 19° secolo, Marsilio, Venedig 1980. mini|Die umgenutzte Kirche in den 1920er Jahren (?) mini|Der Innenraum der einstigen Kirche im Jahr 2019 1923 entwarf der Ingenieur Giovanni dell’Olivo ein neues Gebäude für Wohn- und Büronutzung für die Cristalleria Murano. 1924 griff der Denkmalschutz ein und verfügte Beschränkungen für die Überreste des Kreuzgangs, der seit 1913 unsachgemäß genutzt worden war. Viele der gelagerten Gebäudeteile wurden später in der nahegelegenen Kirche San Pietro Martire wieder zusammengesetzt.

1940 wechselte das Werk erneut den Besitzer und firmierte nunmehr unter dem Namen Immobiliare Finanziaria Toso. 1947 ließ der neue Auftraggeber den zweistöckigen Aufbau an der Rückfassade der Kirche errichten. Die Vernachlässigung des ältesten Teils des Santa-Chiara-Komplexes führte innerhalb weniger Jahre zu einer weiteren Verschlechterung des Zustandes, zudem zu einer noch stärkeren Zersplitterung der Eigentumsverhältnisse.

Von 2012 bis 2016 setzte ein Sanierungsprojekt die Kirche wieder instand, Besitzer war Giuseppe Belluardo. Im Juli 2017 wurde die renovierte Kirche wiedereröffnet, ausgestattet mit Vorführungsräumen und einer Bar. Zum Komplex gehören zudem die Überreste einer Villa, die der Familie Mocenigo gehörte, in der sich zu Zeiten der Republik Venedig die Adligen trafen und in denen freskierte Decken restauriert wurden.

Literatur Marcello Brusegan: Le chiese di Venezia, Newton & Compton, Rom 2007, S. 332. Flaminio Corner: Notizie storiche delle chiese e monasteri di Venezia, e di Torcello, tratte dalle chiese veneziane, e torcellane, Giovanni Manfrè, Padua 1758, S. 648–650. (Digitalisat) Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil III,1, Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1791, S. 55. („S. Chiara“). (Digitalisat) Maurizia Vecchi: Chiese e monasteri medioevali scomparsi della laguna superiore di Venezia. Ricerche storico-archeologiche, L'Erma di Bretschneider, Rom o. J., S. 38–44.

Weblinks

History of the Ex Chiesa di Santa Chiara Ex chiesa S. Chiara S. Chiara di Murano. Wiederbelebung einer Ruine

Anmerkungen

Chiara Kategorie:Erbaut in den 1220er Jahren Kategorie:Profaniertes Kirchengebäude in Italien Kategorie:Kirche auf Murano Kategorie:Murano Murano Murano