mini|Margaret Robertson Watt mini|Margaret Robertson Watt, 1893 mini|Margaret Robertson Watt in Uniform als Chief Organizer der Women’s Institutes in Großbritannien während des Ersten Weltkriegs, 1918 Margaret (Madge) Robertson Watt, geborene Margaret Rose Robertson (* 4. Juni 1868 in Collingwood, Ontario; † 29. November 1948 Montreal, Quebec) war eine kanadische Schriftstellerin, Herausgeberin und Frauenrechtlerin. Sie war für ihre Tatkraft und ihr Engagement bekannt und trat für die Organisation eines kollektiven Einfluss von Frauen ein. Mitgliedern der Women’s Institutes im Vereinigten Königreich ist sie dafür bekannt, 1914 die Konzepte und Praktiken der Canadian Women’s Institutes nach Großbritannien eingeführt zu haben. International war sie 1933 eines der Gründungsmitglieder der Associated Country Women of the World (ACWW).Sofern nicht explizit referenziert folgt die Darstellung der angegebenen Literatur.
Leben Robertson war die Tochter von Henry Robertson (1840–1923), Sohn von John und Catherine Robertson aus Hamilton, und Bethia (1844–1893), Tochter von John und Margaret Climie Rose aus Bradford. Beide Eltern waren in Kanada geborene Kinder von in den Jahren nach dem Krieg von 1812 in den Simcoe District ausgewanderten Schotten. Robertson bevorzugte „Madge“ als Kurzform von Margaret und verwendete diesen Namen ihr gesamtes Leben lang. Sie trug außerdem gern kurze Haare und behielt diese Frisur trotz der in ihrer frühen Lebenszeit anderslautenden Modekonventionen bei.
Madge schloss 1890 ein Studium an der University of Toronto ab, wo sie Mitglied von Kappa Alpha Theta war. Sie gehörte zu den ersten Frauen, denen der akademische Grad eines Master of Arts verliehen wurde. In den Jahren von 1890 bis 1907 verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Schriftstellerin, Herausgeberin und Rezensentin. Unter dem Namen „Madge Robertson“ veröffentlichte sie zahlreiche Artikel in Zeitungen und Zeitschriften, darunter The Varsity der University of Toronto, die Ladies Pictorial Weekly, die sie 1892 auch redigierte, The Globe, mehrere US-amerikanische Titel sowie die Victoria Times in British Columbia. Aufgrund ihrer auch feministische Themen der Zeit umfassenden Themen wird sie den New Women zugerechnet.
Robertson heiratete den Mediziner Alfred Tennyson Watt. Das Paar hatte zwei Söhne, Henry Robertson (* 1896) und Hugh Sholto (* 1906). Die Familie lebte in William Head, Metchosin, British Columbia, wo Watt Chief Medical Officer und Superintendent of Quarantine für die Provinz British Columbia war. Robertson setzte sie ihre schriftstellerische Tätigkeit fort. 1909 trat sie dem Metchosin Women’s Institute bei, verfasste Broschüren zur Anwerbung landwirtschaftlicher Siedler für Vancouver Island und wurde Mitglied des Senats der University of British Columbia. Zudem wurde sie in das erste Beratungsgremium des British Columbia Women’s Institute berufen.
Als Watt 1913 plötzlich starb, brachte Robertson ihre beiden Söhne nach England, um deren Ausbildung dort fortzusetzen. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs verließen viele Männer ihre Arbeitsplätze, um zur Armee oder Marine zu gehen, sodass Frauen auf dem Land und in den Dörfern ihre Arbeit übernehmen mussten. Robertson erkannte, dass dafür eine konzertierte und wirkungsvolle landwirtschaftliche Organisation notwendig war, und begann, die Konzepte der Women’s Institutes zu verbreiten. Der Durchbruch kam 1915, als die Agricultural Organisation Society (AOS) begann, finanzielle Mittel bereitzustellen. Das ermöglichte es 1915 einer Gruppe von Frauen, im walisischen Llanfair PG das erste Women’s Institute zu gründen. Robertson brachte sich mit der Unterstützung der AOS in die schnelle Organisation weiterer Women’s Institutes ein, nachdem sich das walisische Modell als erfolgreich erwiesen hatte. Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs galt die Bewegung als starke Kraft in der Landwirtschaft und wurde dafür verantwortlich gemacht, dass der Anteil der heimischen Nahrungsmittelversorgung von 35 % auf 60 % des Landesbedarfs gesteigert worden war.
Robertson war eine wirkungsvolle Rednerin, die ihre Argumente klar darzulegen wusste; Zuhörer berichteten gelegentlich, sie hätten den Eindruck gehabt, sie spreche alle persönlich an. Sie setzte sich weiterhin dafür ein, Frauen zur Gründung und Mitarbeit in Women’s Institutes zu ermutigen, und half bei der Ausbildung von Mitarbeiterinnen für die administrativen Aufgaben der Organisation. Als hervorragende Organisatorin wirkte sie an der Gründung der ersten hundert Institutes mit und war Chief Organizer unter dem Board of Agriculture.
1917 wurde die National Federation of Woman’s Institutes (NFWI) im Vereinigten Königreich mit Gertrude Denman als Präsidentin gegründet. 1918 entwickelte und leitete Robertson die erste Women’s‑Institute‑Schule in Sussex. Ziel dieser Schule war es, Interesse zu wecken und mit der Ausbildung qualifizierter Verwaltungsmitarbeiterinnen zu beginnen, die weitere Gruppen aufbauen würden. Die im ersten Handbuch der Schule skizzierte Programmatik wird Robertson zugeschrieben: „Ich sage ihnen [den Schülerinnen] bei der Ausarbeitung eines Programms immer, dass sie diese Punkte beachten sollen: Etwas zum Zuhören. Etwas zum Anschauen. Etwas zum Mitmachen. Das berücksichtigt alle. Ich erkläre die großartige Einheit der Organisation der Women’s Institutes und dann, dass das Zuhause der Anfang von allem ist, was das Land sein kann.“ In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg wandelten sich die Woman’s Institutes‑Angebote allmählich zu Kurzlehrgängen der Erwachsenenbildung, um den Bedürfnissen der Mitglieder gerecht zu werden. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg erfreuten sich diese mehrtägigen Bildungsangebote noch großer Beliebtheit, so dass das Denman College errichtet wurde.
Robertson wurde 1919 für ihre Arbeit beim Aufbau der Women’s Institutes im Vereinigten Königreich als Member of the Order of the British Empire (MBE) ausgezeichnet.
Sie kehrte Jahr 1919 nach British Columbia zurück und engagierte sie sich erneut in den dortigen Women’s Institutes und wurde abermals in deren Beratungsgremium berufen, diesmal als Präsidentin. Sie organisierte den ersten Provinzkongress der British Columbia Women’s Institutes und sorgte dafür, dass ab 1924 nicht mehr staatliche Ernennungen, sondern gewählte Delegierte die künftigen Vorstände bildeten.
Robertson war Mitglied verschiedener weiterer Frauenorganisationen, darunter des International Council of Women (ICW). Ab 1919 setzte sie sich dort intensiv für die Idee einer internationalen Organisation von Landfrauen ein. Im ICW wurde zunächst erwogen, eine eigene Abteilung für ländliche Frauen einzurichten. Robertson setzte sich aber für eine unabhängige Organisation ein. Gemeinsam mit der Präsidentin des ICW, Ishbel Maria Hamilton-Gordon, und der Generalsekretärin Elsie Zimmern organisierte sie schließlich 1929 die erste internationale Konferenz ländlicher Frauen. Diese Konferenz fand in London statt und bot ländlichen Frauen die Möglichkeit, ihre Ansichten zu formulieren und Gemeinsamkeiten über Ländergrenzen hinweg zu formulieren. Zwei Jahre später trafen sich viele derselben Frauen erneut zur weiteren Planung einer internationalen Organisation. 1933 kamen Vertreterinnen von 28 landwirtschaftlich orientierten Frauengruppen in Stockholm zusammen, um die bei früheren Treffen geleistete Arbeit zu bündeln. Sie einigten sich auf den offiziellen Namen der neuen Organisation sowie auf Finanzierungsmodelle, die ihre künftige Unabhängigkeit sichern sollten.
So wurde die Associated Countrywomen of the World in Stockholm gegründet. Ein bekanntes Foto zeigt Robertson neben einer Tafel, auf der der Name der Organisation auf Englisch, Französisch, Deutsch und Schwedisch geschrieben steht. Robertson wurde deren erste Präsidentin und blieb dies bis zu ihrem Rückzug 1947. Ein Schwerpunkt ihrer Präsidentschaft war der Einsatz für weibliche Führung und die Befähigung von Frauen, ihr eigenes Potenzial zu erkennen. 1936 unternahm sie eine Weltreise und besuchte zahlreiche Women’s Institutes in verschiedenen Ländern; die kanadische Schriftstellerin Elizabeth Smart begleitete sie dabei als Sekretärin. Für die Einbindung Frankreichs in die Organisation wurde sie mit dem Ordre du Mérite agricole ausgezeichnet.
Robertson schuf die ACWW‑Zeitschrift, The Countrywoman, zunächst in einem kleineren, kostengünstigeren Format, die bis heute existiert. Ebenso führte sie 1936 ein Logo ein, das die vier Himmelsrichtungen, zwei grüne Kreise als Symbol der Freundschaft und eine grüne Fläche als „Teppich“ der Erde zeigt. Für beides spannte sie, auch um Kosten zu sparen ihre Söhne ein: der ältere, ein Künstler, schuf das Logo, der jüngere, ein Journalist übernahm die ersten Ausgaben der Zeitschrift.
Robertson lebte während des Zweiten Weltkriegs in Victoria, British Columbia, und anschließend bei ihrem Sohn Sholto in Montreal, wo sie 1948 im Alter von 80 Jahren starb. Entsprechend dem Wunsch der Familie wurde ihr Grab mit einem schlichten Grabstein versehen. Die Federation of Women’s Institutes of Canada ersetzte diesen später durch einen Stein mit dem ACWW‑Emblem und einer Gedenkinschrift.
Nachleben 1958 brachte die Regierung von Ontario eine Gedenktafel an der Vorderseite des kleinen Hauses in Collingwood, von dem man annahm, dass sie dort geboren worden sei, an.
Unter dem Namen „Mrs Alfred Watt“ ehrte die kanadische Regierung Robertson und die ACWW 1959 mit der Herausgabe einer kanadischen Briefmarke. Die von Helen Fitzgerald Bacon gestaltete Marke zeigt eine kniende Frau, die einen grünen Baum pflegt, über dem sich ein Globus erhebt. Den Rand auf drei Seiten bildet die Aufschrift: Associated Country Women of the World / Union Mondiale des Femmes Rurales. Sie wurde zwischenzeitlich entfernt und ab 1990 erinnert ersatzweise eine der ACWW gewidmete Tafel nahe dem Collingwood Museum an sie.
Eine weitere Gedenktafel für die Landfrauen Kanadas und der Vereinigten Staaten war schon 1936 in der Mitte der Peace Bridge angebracht worden. Nach der dritten ACWW‑Weltkonferenz in Washington begaben sich die Delegierten zur Brücke und hielten eine Enthüllungszeremonie ab, zu der auch eine Ansprache von Robertson gehörte. Die in den 1950er‑Jahren im Zuge von Brückenreparaturen abgenommene Tafel wurde 2001 anlässlich der 23. Dreijahreskonferenz der ACWW wieder angebracht.
Robertson wurde 2007 von der kanadischen Regierung als eine der Persons of National Historic Significance anerkannt. Eine entsprechende Gedenktafel wurde am 14. August 2015 in Colwood, British Columbia, enthüllt.
Literatur
Weblinks
The Associated Country Women of the World Federated Women's Institutes Of Canada National Federation of Women's Institutes (UK)
Einzelnachweise
Kategorie:Frauenrechtler (Kanada) Kategorie:Frauenrechtler (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Autor Kategorie:Member des Order of the British Empire Kategorie:Kanadier Kategorie:Geboren 1868 Kategorie:Gestorben 1948 Kategorie:Frau