mini|Brüsseler Rathaus, Innenhof: Die Schelde von Pierre-Denis Plumier, 1715 Pierre-Denis Plumier, auch Pluymeer, Pieter-Denis, Petrus Dionysius oder Peeter-Denys (* getauft am 4. März 1688 in Antwerpen; † 24. Februar 1721 in London) war ein flämischer Bildhauer und Kupferstecher des Barock.
Leben Pierre-Denis Plumier wurde 1698 als Schüler des Bildhauers Lodewijk Willemsens in der Lukasgilde Antwerpens registriert. Nach dem Tod seines Lehrers im Jahr 1702 gibt es für einige Jahre keine schriftlichen Quellen. Allerdings ist davon auszugehen, dass er an der Académie Royale de Peinture et de Sculpture in Paris studierte, da er 1707 einen ersten Preis für das Zeichnen nach Modell und 1708 den Prix de Rome erhielt. In Rom prägte ihn das Werk des Barockklassizisten François Du Quesnoy, an dessen Stil er sich in den folgenden Jahren orientierte.
Nach seiner Rückkehr in die südlichen Niederlande schuf Plumier ab 1710 für den Reichsgrafen Jean-Philippe-Eugène de Jean Philippe Eugène de Merode-Westerloo mehrere bedeutende Skulpturengruppen, darunter den Raub der Proserpina und den Raub der Sabinerinnen sowie die Allegorie der Abundantia, die von Wissenschaft und Militärkunst unterstützt wird. Sie waren für den Palais d’Egmont in Brüssel bestimmt. 1713 übersiedelte er nach Brüssel, wo er gemeinsam mit seinem Schüler Laurent Delvaux den Schelde-Brunnen für den Innenhof des Rathauses ausführte. Dabei orientierte er sich an Gian Lorenzo Berninis Vierströmebrunnen (1648–1651, Rom).
Am 14. Oktober 1714 heiratete Pierre-Denis Plumier in Antwerpen Madeleine-Thérèse Pauwel. Im selben Jahr trat er in den Dienst von Herzog Philippe Léopold d'Arenberg, für dessen Schloss in Enghien im Hennegau er zahlreiche bildhauerische Werke und Möbelentwürfe lieferte und Antiken restaurierte. Im Jahr 1714 wurde ihm außerdem das Brüsseler Bürgerrecht unentgeltlich verliehen und er trat der Gilde der Quatre Couronnés bei. Um 1721 siedelte Plumier mit seiner Familie auf Einladung des englischen Generals William Cadogan nach London über. Dort starb er wenige Monate später, am 24. Februar 1721, und wurde auf dem Friedhof von Westminster beigesetzt. Seine Witwe kehrte nach Antwerpen zurück und heiratete 1726 Laurent Delvaux.
Werk mini|Notre-Dame de la Chapelle, Place de la Chapelle, Brüssel (Belgien). Detail der barocken sogenannten Naturkanzel aus Eichenholz, ein Werk des Bildhauers Pierre-Denis Plumier (1721): Elia, von einem Engel gespeist Pierre-Denis Plumier schuf oft symbolischen Darstellungen (Allegorien). Er schuf nicht nur große Skulpturen für Adelige, sondern auch religiöse Werke, Porträts, Möbelentwürfe und Druckgrafiken mit mythologischen Themen. Zu seinen wichtigsten erhaltenen Werken gehört die große Kanzel in der Kirche Notre-Dame de la Chapelle in Brüssel; sie zeigt Elia in der Wüste. Die ursprünglich farbig gefasste Kanzel aus Eichenholz stammt ursprünglich aus einer Karmeliterkirche. Ihr Stil verbindet starke, bewegte Barockformen mit genauer Naturbeobachtung. Dieser Stil beeinflusste viele Bildhauer im 18. Jahrhundert.
In derselben Kirche befindet sich auch ein Grabmal für Philipp Hypolite Spinola aus dem Jahr 1716. Es gilt als eines von Plumiers bedeutendsten Werken. Dargestellt ist Spinolas Witwe, die kniend vor einem Sarkophag aus schwarzem Marmor sitzt. Sie wendet sich von den Figuren der Zeit und des Todes ab, die ihr ein Bild ihres verstorbenen Mannes zeigen. Über der Szene schwebt die Figur der Fama (Ruhm), die an das Weiterleben des Andenkens erinnert. Ebenfalls in der Kirche steht ein Altar der Blumenhändler mit einer Marienfigur und der Heiligen Dorothea. Einige Werke Plumiers sind heute verloren oder nur noch durch alte Quellen bekannt. Dazu gehören Figuren wie Glaube und Hoffnung in der Abtei Grimbergen sowie eine Marmorbüste eines Grafen, die nur durch einen Stich überliefert ist. Auch Büsten von Kirchenlehrern, Portalskulpturen und große Figuren für ein englisches Landgut gehören zu seinem Werk. Manche dieser Arbeiten wurden nach seinem Tod von anderen Künstlern fertiggestellt.
Als Lehrer und Werkstattleiter begründete Plumier eine bedeutende Bildhauertradition in den südlichen Niederlanden. Zu seinen nachweisbaren Schülern und Mitarbeitern zählten Laurent Delvaux, der 1717 nach London ging, sowie Théodore Verhaegen und Joseph Willems.
Eine Folge von neun gestochenen mythologischen Darstellungen, von denen das erste Blatt die Bezeichnung P. D. Plumier inventor et fecit 1714 trägt, befindet sich im Rijksmuseum in Amsterdam. Weitere Druckgrafiken werden im British Museum in London aufbewahrt.
Literatur A. Jansen, Artikel in: Bulletin des Musées royaux d'Art et d'Histoire. Bd. 40–42, Brüssel, 1968–1970. A. Jacobs, Artikel in: Revue belge d'archéologie et d'histoire de l'art. Bd. 68, Brüssel, 1999. Denis Coekelberghs, Pierre Loze: Trésors d'art des églises de Bruxelles (Notre-Dame de la Chapelle). Brüssel, 1979.
Ingrid Roscoe u. a.: A biographical dictionary of sculptors in Britain, 1660–1851. Yale University Press, New Haven/London, 2009. Jane Turner: The Dictionary of Art. Bd. 25, Grove, London, 1996. M. Peters, H.-G. Schneider: Unsere Liebe Frau zur Kapelle Brüssel. Brüssel, 2005. Marguerite Devigne: L'influence de la sculpture française sur la sculpture flamande au XVIIIe siècle. Paris, 1921. Nouvelle biographie nationale. Bd. 7, Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel, 2003. Philip Rombouts, Théodore van Lerius: De liggeren en andere historische archieven der Antwerpsche Sint Lucasgilde. Bd. 2, Antwerpen, 1872. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 11: Pinchon – Rouck. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.
Weblinks
Eintrag zu Pierre-Denis Plumier im Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie (RKD) Bildarchiv Foto Marburg
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Flandern) Kategorie:Kupferstecher (Flandern) Kategorie:Bildhauer des Barock Kategorie:Geboren 1688 Kategorie:Gestorben 1721 Kategorie:Mann