The war to end war („Der Krieg, um den Krieg zu beenden“; heute auch The war to end all wars, „... um alle Kriege zu beenden“) ist eine ursprünglich idealistisch, heute vor allem sardonisch gebrauchte Bezeichnung für den Ersten Weltkrieg. Die Phrase geht auf den Schriftsteller H. G. Wells und dessen Text The War That Will End War zurück und entwickelte sich noch im Krieg zum geflügelten Wort.
Ursprung seite=7|hochkant|mini|Titelbild zu The War That Will End War von H. G. Wells (1914) Wenige Tage nach Kriegsbeginn bezog der gesellschaftskritische Schriftsteller H. G. Wells mit mehreren Artikeln in Londoner Tageszeitungen Stellung zur Weltlage. In The War That Will End War (The Daily News and Leader, 14. August 1914) und Opportunity (The Nation, 15. August) wandte er sich von seiner früheren pazifistischen Sichtweise auf internationale Konflikte ab, indem er die Armeen der Entente lobte und die Kriegsschuld ausschließlich den Mittelmächten zuschrieb. Neben dieser patriotischen Betrachtung gab er sich prophetisch: Er sah im „großen Krieg“ die einmalige Gelegenheit, eine neue Weltordnung zu schaffen, die künftige Kriege unmöglich mache. In diesem Sinne hätten Großbritannien, Frankreich und Menschen guten Willens weltweit die historische Mission, dem Krieg für immer ein Ende zu setzen.
Im September 1914 erschienen Wells’ Zeitungsbeiträge in Buchform zusammengefasst unter dem Titel The War That Will End War bei einem Londoner Verlagshaus. Wie der Autor vier Jahre später im Vorwort zu seiner Aufsatzsammlung In the Fourth Year. Anticipations of a World Peace festhielt, hatte sich die Phrase „The war to end war“, eine Kurzform seines Text- und Buchtitels, noch während des Krieges verbreitet. Tatsächlich gilt der Ausdruck als eines der bekanntesten geflügelten Worte des Ersten Weltkrieges.
Obwohl er den genauen Wortlaut nicht gebrauchte, wird die Phrase „The war to end all wars“ auch mit US-Präsident Woodrow Wilson assoziiert: In seiner Rede an den Kongress am 2. April 1917 sprach er sinngemäß vom Kriegsende in Europa und nutzte dies als Argument für die Kriegserklärung der USA an das Deutsche Kaiserreich kurz darauf.
Rezeption Politik Nachdem sich der „Krieg, um alle Kriege zu beenden“, als unerreichbares Ideal herausgestellt hatte, wurde die Phrase zunehmend mit der darauffolgenden Desillusionierung in Verbindung gebracht. Der britische Feldmarschall und Vizekönig von Indien, Archibald Wavell, 1. Earl Wavell, etwa verkehrte den Slogan ins Gegenteil, um den Frieden von Versailles als „Peace to end peace“ zu verhöhnen. Mit demselben Wortlaut kommentierte 1938 eine Schlagzeile in The Nation das Münchner Abkommen zwischen Neville Chamberlain und Adolf Hitler.
1967 nannte der Journalist Walter Lippmann US-Außenminister Dean Rusk in Newsweek im Zuge des Vietnamkrieges einen der letzten Staatsmänner, der sich der „großen utopischen Täuschung“ hingebe, die von Propagandisten seit dem Ersten Weltkrieg angewandt werde. Er führte weiter aus:
In seiner „Silent-Majority“-Rede sagte US-Präsident Richard Nixon am 3. November 1969 wörtlich, der Krieg in Vietnam sei kein „war to end wars“ und versprach stattdessen, den Krieg in einer Weise zu beenden, die die USA dem Ziel von Woodrow Wilson und allen anderen Präsidenten, der Schaffung eines „gerechten und anhaltenden Friedens“, näherbringen würde.
Literatur Die Phrase wurde in den Jahren und Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg immer wieder von anderen Schriftstellern, aber auch von Militärhistorikern und Journalisten wie Edward M. Coffman 1968 (The War to End All Wars. The American Military Experience in World War I) oder Adam Hochschild 2011 (To End All Wars: A Story of Loyalty and Rebellion, 1914–1918), aufgegriffen. George Bernard Shaw ließ bereits 1922 in seinem Parabelstück Back to Methuselah eine Figur den Satz „There was a war called the War to End War“ sprechen, um weiter auszuführen, dass ein zehn Jahre danach folgender Krieg mehrere europäische Hauptstädte von der Landkarte getilgt habe. H. G. Wells bezog sich in seinem 1932 erschienenen, von C. G. Jung beeinflussten Roman The Bulpington of Blup selbstironisch auf die von ihm geprägte Phrase, indem er dem Protagonisten Theodore „Teddy“ Bulpington folgende Worte in den Mund legte:
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:H. G. Wells Kategorie:Erster Weltkrieg Kategorie:Geflügeltes Wort Kategorie:Englische Phrase