Die Navigația Fluvială Română (N.F.R.; deutsch: „Rumänische Flussschiffahrt“) war eine staatliche rumänische Reederei, die von 1890 bis 1945 bestand. Sie war die bedeutendste rumänische Binnenreederei und betrieb Fracht- sowie Passagierverkehre auf der Donau und den Nebenflüssen.

Geschichte Um die Abhängigkeit von ausländischen Reedereien zu verringern, gründete die rumänische Regierung 1890 durch den Direktor der staatlichen Monopolagentur, Grigore Manu, die Reederei Navigația Fluvială Română. Sitz des Unternehmens wurde Bukarest, als Zweck des Unternehmens wurde der Güter- und Personentransport auf der Donau und ihren Nebenflüssen definiert.Padurariu, Schmelzkopf: Die See-Handelsschiffe Rumäniens 1878–1944 (Teil I), S. 94. Das Unternehmen entwickelte sich schnell: Verfügte es im ersten Jahr über vier Lastkähne und einen Schlepper, so besaß er bereits drei Jahre nach seiner Gründung 45 Lastkähne, fünf Schlepper und ein Passagierschiff, das zwischen Galați und Brăila verkehrte.Navigația Fluvială Română in der Enciclopedia României.

Organisatorisch unterstand die Reederei zunächst der Monopolagentur, ab 1901 dem Ministerium für Öffentliche Arbeiten, ab 1908 der neu gegründeten Generaldirektion der Häfen und ab 1936 schließlich dem neu geschaffenen Ministerium für Luftfahrt- und Marinewesen.Padurariu, Schmelzkopf: Die See-Handelsschiffe Rumäniens 1878–1944 (Teil I), S. 95. Neben dem Hauptsitz in Bukarest verfügte die Reederei im Inland über 29 Agenturen, im Ausland über sechs akkreditierte Vertretungen (Belgrad, Budapest, Bratislava, Linz, Passau und Regensburg) sowie 12 weitere Außenstellen (Paks, Baja, Mohács, Bezdan, Apatin, Osijek, Vukovar, Novi Sad, Szeged und Szolnok).

Ihre Schiffe bezog die Reederei vor allem von der Turnu-Severin-Werft, die eigens für diesen Zweck gegründet worden war. Ergänzend kaufte die Reederei auch Schlepper, Schleppkähne, Gütermotorschiffe und Passagierschiffe aber auch von anderen ausländischen und heimischen Werften – so etwa von der Werft Gebr. Wiemann in Brandenburg an der Havel, der Schiffswerft Óbuda aus Budapest,NFR (Navigația Fluvială Română) – Beschreibung mehrerer Schiffe der NFR, bei marinarii.ro (rumänisch). oder der Schiffswerft Christof Ruthof in Mainz-Kastel.Armin A. Hummel: Die Ruthof-Werft Mainz-Kastel und Regensburg, 1871–1975, Edition Winterwork Borsdorf 2018, ISBN 978-3-96014-456-4, S. 104. Mit der 1870 erbauten und seit 1895 als Staatsyacht dienenden Stefan cel mare (dt.: Stephan der Große) kam auch dieses prominente Schiff in die Flotte der Reederei.Dosch: Oldtimer auf der Donau. S. 99.

mini| Tudor Vladimirescu vor 1923 Aus der Zeit des Ersten Weltkrieges liegt für das Jahr 1916 ein Bestand der Reederei vor, wonach sie über 322 Schiffe verfügte: Passagierschiffe, Schlepper, Lastkähne und Tanker für Erdölprodukte sowie Getreidespeicher und Anlegepontons.Marina militară romănă, bei navy.ro (rumänisch). Insbesondere nach dem Ersten Weltkrieg erhielt die Reederei zahlreiche Schiffe aus Deutschland und dem früheren Österreich-Ungarn als Reparationen.Dosch: Oldtimer auf der Donau. S. 94, S. 99f. Dazu zählte unter anderem der älteste heute noch betriebsfähige Schaufelraddampfer der Welt, die Tudor Vladimirescu.Dosch: Oldtimer auf der Donau. S. 100. Tudor Vladimirescu exGrigore Manu exSarmizegetusa ex Croatia, bei hajoregiszter.hu (ungarisch).

Das Streckennetz reichte von den rumänischen Seehäfen und der Donaumündung flussaufwärts – ebenso auf der Pruth – bis Budapest und Wien. Sie beförderte Anfang der 1930er Jahre jährlich rund 300.000 Tonnen Güter, vor allem Getreide, Kohle, Salz, Bauholz, Brennholz, Erdölprodukte und Stückgüter. Der Personenverkehr beschränkte sich in dieser Zeit auf alle 42 rumänischen Flusshäfen von Baziaș an der serbischen Grenze bis Sulina am Schwarzen Meer.Hansa. Deutsche nautische Zeitschrift. 67. Jahrgang, Dezember 1930 S. 1955f., Nachdruck in Padurariu, Schmelzkopf: Die See-Handelsschiffe Rumäniens 1878–1944 (Teil I), S. 107f.

In den Schiffslisten zu Rumäniens See-Schiffen tauchen auch vereinzelt Schiffe der Navigația Fluvială Română auf. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um mehrere Schleppschiffe sowie einen Rad-Passagierdampfer, die eine Zulassung für den Seeverkehr gehabt haben müssen. Nachweise über Verkehre im Schwarzen Meer liegen jedoch nicht vor.Padurariu, Schmelzkopf: Die See-Handelsschiffe Rumäniens 1878–1944 (Teil II), S. 129f., S. 137.

Vor Beginn des Zweiten Weltkrieges bestand die Flotte der Reederei zum 1. Januar 1939 aus 19 Passagierschiffen, 174 Frachtschiffen (darunter vier Selbstfahrer) und 28 Hilfsschiffen (Schlepper, Bunkerschiffe etc.).

Im Jahre 1945 wurde die Gesellschaft liquidiert und durch die sowjetisch-rumänische Sovromtransport ersetzt, die auch die rumänische Seeschifffahrt – beginnend mit der Serviciul Maritim Român – übernahm.

Literatur Neculai Padurariu, Reinhart Schmelzkopf: Die See-Handelsschiffe Rumäniens 1878–1944 (Teil I), In: Strandgut. Materialien zur Schiffahrtsgeschichte 60/2006, Cuxhaven 2006, S. 79–142. Neculai Padurariu, Reinhart Schmelzkopf: Die See-Handelsschiffe Rumäniens 1878–1944 (Teil II), In: Strandgut. Materialien zur Schiffahrtsgeschichte 61/2006, Cuxhaven 2006, S. 101–156. Franz Dosch: Oldtimer auf der Donau. Sutton Verlag, Erfurt 2010, ISBN 978-3-86680-593-4. Cristian Ermei, N. Popescu, Maximilian N. Popescu, Stanciu Barbâatâ, Anton Dumitru-Jean: Navigația Fluvială Română. O firmă pentru toată Dunărea. Intreprinderea Poligrafică, Galați 1990. Carmen Atanasiu: Problema suveranității României la Dunăre și „Navigația Fluvială Română“ (1919–1945). Editura Nelmaco, Bukarest 2003, ISBN 973-0-03249-1.

Weblinks Navigația Fluvială Română in der Enciclopedia României (rumänisch), abgerufen am 22. März 2026

Einzelnachweise

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