mini|Westfront der Antoniuskirche (2014) Das Antoniuskloster in Breslau war ein Kloster des Franziskanerordens. Es bestand von 1679 bis 1793, als die Franziskaner auf Druck der Stadt Breslau ihr Kloster den Schwestern des Elisabethinnen-Ordens überlassen mussten, die darin ein Krankenhaus einrichteten.

Rückkehr der 1522 vertriebenen Franziskaner

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts hatte in Breslau ein Kloster der Franziskaner der strengen Observanz (Bernhardiner) bestanden, und zwar in der heutigen Straße Bernardyńska 5 in der ehemaligen Neustadt. 1463 bis 1466 wurde die dreischiffige Klosterkirche mit dem Patrozinium des heiligen Franziskaners Bernhardin von Siena erbaut. Im Zuge der Reformation predigten die Franziskaner entschieden gegen die neue Lehre der Protestanten. Deshalb vertrieb sie der Rat der Stadt Breslau 1522 aus ihrem Kloster, und sie verließen die Stadt.Chrysogonus Reisch: Geschichte des Klosters und der Kirche St. Dorothea in Breslau nach meist ungedruckten Quellen. Verlag von Görlich & Coch (Rudolf Sprick), Breslau 1908, S. 42; Dieter Berg (Hrsg.): Spuren franziskanischer Geschichte. Werl 1999, S. 255. Im Kloster wurde ein Krankenhaus eingerichtet, heute dient es als Architekturmuseum. Da die böhmische Franziskanerprovinz durch die Wirren der Reformation im 16. Jahrhundert stark geschwächt wurde und die meisten ihrer Mitglieder verlor, war eine Rückkehr zunächst nicht möglich.

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wandte sich die böhmische Franziskanerprovinz 1656/59 mit einer Eingabe an den habsburgischen Kaiser Leopold I., der die Stadt Breslau anwies, den Ordensleuten ihr Eigentum zurückzugeben. In einem längeren Rechtsstreit entschied das Wiener Oberamt 1670, dass nach 150 Jahren und der Umwidmung der Gebäude zu einem Hospital eine Rückabwicklung der Sache unrealistisch sei, und wies die Stadt Breslau an, 10.000 Gulden an die Staatskasse zur „allergnädigsten Disposition“ durch den Kaiser zu zahlen. 1677 verzichtete die Ordensprovinz in Person des mit dem Wiener Hof sehr vertrauten Provinzials Bernhard Sannig auf alle Ansprüche auf das frühere Kloster unter der Bedingung, dass der Magistrat dem Orden in Breslau ein anderes Grundstück zum Klosterbau zur Verfügung stellte. Dem stimmte der Kaiser 1677 zu und konzedierte dem Magistrat, dass die Kaufsumme für dieses Grundstück mit der 1670 geforderten Zahlung von 10.000 Gulden verrechnet werden könne. Die Stadt kaufte daher für die Franziskaner in der Hundegasse nahe dem Nikolaitor den Garten des Tuchscherers Georg Adler für 5.000 Taler und das angrenzende Grundstück mit Haus des Zacharias Dobrick für 1.050 Taler. Die Franziskaner verzichteten am 20. Juli 1678 vertraglich auf alle Ansprüche auf das frühere Kloster, auf weitere Grundstückskäufe, auf die Gründung von öffentlichen Handwerksbetrieben und darauf, Störenfriede aufzunehmen.

Klostergründung Am 3. Januar 1679 wurden die Franziskaner – drei Patres und drei Laienbrüder – feierlich in ihren Besitz eingeführt. Zwei der Patres waren Lesemeister der Theologie, einer der Brüder Koch, der zweite Gärtner und der dritte Almosensammler. Am Fronleichnamsfest 1679 namen sie als Gruppe an der großen Fronleichnamsprozession der Stadt Breslau teil, am folgenden Tag, dem 2. Juni, wurde die provisorische hölzerne Antoniuskapelle vom Breslauer Offizial Weinerle benediziert,Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993 (ehemaliges Ostdeutschland in den Reichsgrenzen von 1938). (= Studien zur katholischen Bistums- und Klostergeschichte, 37) Benno Verlag, Leipzig 1995, S. 64ff. die an ihr entlangführende Straße wurde in „Antonienstraße“ umbenannt.

Bau von Kloster und Kirche Nachdem die Brüder zunächst behelfsmäßig gewohnt hatten, begann 1681 der Bau eines Klosters, das 1684/85 fertiggestellt wurde, auch mit Hilfe eines Legats des Breslauer Kanonikus von Oberg in Höhe von 5.000 Talern. Das quadratische Gebäude hatte neben Küche, Refektorium, Bibliothek, Archiv usw. 41 Klosterzellen, zwei Krankenstuben, zwei Gastzimmer und Räume für Verwaltung und Provinzialat. Im Jahr 1746 hatte der Konvent 32 Mitglieder.

Den Bau einer massiven Klosterkirche begannen die Franziskaner am 2. Mai 1685 mit dem ersten Spatenstich, den Grundstein legte Bischof Franz Ludwig am 10. Mai 1685. 1692 war der Bau fertiggestellt und konnte am 14. Dezember 1692 benediziert werden, die feierliche Kirchweihe, wie die Vorgängerkapelle mit dem Patrozinium des heiligen Franziskaners Antonius von Padua, erfolgte am 19. Mai 1709 durch Weihbischof Anton Ignatz Müntzer.

Die Kirche war der erste nachgotische Kirchbau in Breslau und stand stilistisch an der Wende von Renaissance zu Barock; der Breslauer Architekt Matthäus Biener hatte sich als Vorbild an der Kirche Il Gesù in Rom orientiert. Das Kirchengebäude ist 30 m lang und 18 m breit. Seitlich vom Langhaus öffnen sich an beiden Seiten Kapellen- und Emporennischen. Der Hochaltar war dem Ordensgründer Franz von Assisi und Antonius von Padua gewidmet, die sieben Nebenaltäre der heiligen Gottesmutter Maria, den Heiligen Judas Thaddäus, Wilhelm, Johannes Capistranus und Franziskus, der Heiligen Familie und dem Heiligen Kreuz. Ein achter Nebenaltar, am 25. Mai 1716 von Weihbischof Elias Daniel von Sommerfeld geweiht, wurde in einer Liste der Altäre 1934 nicht mehr erwähnt. An der Ostseite der Kirche steht der Kirchturm, der aber das Kirchenschiff nur wenig überragt.Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993 (ehemaliges Ostdeutschland in den Reichsgrenzen von 1938). Leipzig 1995, S. 67.

Weitere Geschichte und Klostertausch Im Kloster befand sich ein Studienhaus für den Nachwuchs der Franziskanerprovinz. Die Patres waren in der Seelsorge tätig, vor allem auch als Beichtväter. In der Krypta der Klosterkirche befanden sich die Gräber von 54 Franziskanern, die seit 1697 dort beigesetzt worden waren, auf dem Klostergelände die Grabstätten zahlreicher Laien.

Bei der nächtlichen Explosion eines Pulverturms, der nur 50 m vom Kloster entfernt stand, wurden am 21. Juni 1749 Kirche und Kloster schwer beschädigt. Ein Gewitterblitz hatte etwa 700 Zentner Pulver entzündet. In der Stadt gab es viele Tote, im Kloster drei Schwer- und fünf Leichtverletzte. Eine Kollekte bei allen Katholiken in Preußen erbrachte 544 Taler für den Wiederaufbau von Kloster und Kirche, in der Grafschaft Glatz 236 Taler, in Polen 489 Taler und in verschiedenen Kirchen in Schlesien 1.700 Taler, dazu kamen einzelne Geld- und Sachspenden.

Am 15. April 1793 verfügte der preußische Provinzialminister Karl Georg Graf von Hoym „auf Sr. Königlichen Majestät allergnädigsten Spezialbefehl“, dass die Franziskaner innerhalb von zwei Monaten das Kloster und die Stadt Breslau verlassen und sich in andere Franziskanerklöster in Schlesien begeben müssten. Ihr Kloster sollten die Elisabethinnen, ein Kranke pflegender Orden, übernehmen, da ihr Haus in der Rosengasse baufällig geworden war. Auf Fürsprache zweier Freundinnen der Ehefrau von Graf von Hoym nahm dieser den Ausreisebefehl aus Breslau zurück und gestattete den Brüdern, einen Teil des Anwesens der Elisabethinnen zu übernehmen.Lucius Teichmann: Die Franziskanerklöster in Mittel- und Ostdeutschland 1223–1993 (ehemaliges Ostdeutschland in den Reichsgrenzen von 1938). Leipzig 1995, S. 68f.

Franziskanerkloster auf der Rosengasse (1793–1810) Der Tausch der Klöster wurde am 2. Juli 1793 vollzogen. Pater Klemens Heen, stellvertretender Hausoberer der Franziskaner, erwartete die Ordensschwestern und händigte ihnen die Schlüssel des Antoniusklosters aus. Vier Patres und sechs Laienbrüder verließen ihr bisheriges Kloster und zogen in Prozession, angeführt von einem Kreuz, in die Rosengasse und übernahmen die Baulichkeiten der Schwestern. Die Bibliothek kam ins Franziskanerkloster Namslau, auch das Ordensstudium wurde dort fortgesetzt. Die Bitte der Franziskaner, die Orgel aus der Antoniuskirche an den neuen Standort mitzunehmen, wurde von Weihbischof Ferdinand von Rothkirch brüsk abgelehnt.

Minister von Hoym erlaubte eine Kollekte, die in der Grafschatz Glatz 2.878 Taler erbrachte, namhafte Spenden kamen auch von Abteien und katholischen Adelsfamilien in Schlesien, Fürstbischof Joseph Christian Franz zu Hohenlohe-Waldenburg-Bartenstein schenkte 110.000 Ziegel, so dass die Franziskaner am 11. Juni 1794 mit dem Abriss der baufälligen Gebäude des vormaligen Elisbethinnenklosters beginnen konnten. Der Bau eines neuen Klosters mit Kirche dauerte wegen dennoch knapper Geldmittel bis 1800, als am 12. Juli die kleine neue Klosterkirche benediziert werden konnte, die dem heiligen Franziskus gewidmet wurde.

Am 30. Oktober 1810 wurde das Kloster vom preußischen König säkularisiert und aufgehoben. Zu dem Zeitpunkt lebten sechs Patres, drei Kleriker-Studenten und fünf Laienbrüder in dem Konvent, die noch bis zum 31. März 1811 bleiben durften. Im Kloster wurde ein Lehrerinnenseminar eingerichtet und die Rosengasse wurde in Seminargasse umbenannt. Kirche und Kloster wurden zwischen 1860 und 1870 abgerissen, auf dem Gelände entstand eine Kunstschule. Die St.-Antonius-Kirche besteht jedoch bis heute.

Die Franziskaner kamen 1888 nach Breslau zurück und übernahmen den Dienst als Beichtväter am Breslauer Dom und die Seelsorge des franziskanischen Dritten Ordens; sie wohnten am Domplatz bei der St.-Ägidius-Kirche. Zwischen 1897 und 1898 begannen sie mit der Errichtung eines großen Klosters und der Antoniuskirche in Carlowitz im Norden Breslaus, die 1945 an polnische Franziskaner übergingen.

Literatur Chrysogonus Reisch: Tausch des Franziskanerklosters St. Antonius mit dem Kloster der Elisabethinnen in Breslau. In: Franziskanische Studien. I (1914), S. 76ff.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ehemaliges Franziskanerkloster in Polen Antoniuskloster Antoniuskloster Antoniuskloster Kategorie:Antonius-von-Padua-Kirche Kategorie:Kirchengebäude des Erzbistums Breslau Kategorie:Barocke Kirche Antoniuskloster Kategorie:Erbaut 1685 Kategorie:Klostergründung 1679 Kategorie:Aufgelöst 1793 Breslau Antonius