Eva Maria Michelmann (* 1989) ist eine deutsche Journalistin und Sozialarbeiterin. Seit 2022 lebte und arbeitete sie in den kurdischen Autonomiegebieten im Nordosten Syriens, wo sie für kurdische Medien berichtete. Im Januar 2026 wurde sie in ar-Raqqa gemeinsam mit dem kurdischen Journalisten Mehmet Nizam Aslan, der unter dem Namen Ahmet Polat arbeitet, von Kräften der syrischen Übergangsregierung festgenommen und anschließend mehrere Monate inhaftiert. Im Juni 2026 wurde Michelmann freigelassen und kehrte nach Deutschland zurück.

Leben und Wirken

mini|Demonstration für Eva Maria Michelmann und Ahmet Polat im Mai 2026 in Köln

Eva Maria Michelmann wuchs im Großraum Köln auf. Ihre Familie war antifaschistisch geprägt und setzte sich für Geflüchtete und gegen Rechtsextremismus ein. In Köln studierte Michelmann soziale Arbeit. Sie unterstützte dort Geflüchtete und arbeitete in Sozialberatungen, Jugendheimen und mit von Gewalt betroffenen Frauen. Neben Deutsch und Englisch beherrscht sie auch Türkisch und Kurdisch. Nach dem Studium arbeitete Michelmann als Journalistin für verschiedene kurdische Medien.

Im Jahr 2022 ging sie nach Rojava im Nordosten Syriens und lebte dort bis zu ihrer Festnahme. Sie arbeitete für kurdische Medien und insbesondere für die türkische Nachrichtenagentur Etkin Haber Ajansı (ETHA) und Özgür TV. Für ETHA schrieb sie regelmäßig Beiträge aus den kurdischen Autonomiegebieten in Syrien.

Festnahme, Haft und Freilassung

Als Truppen der syrischen Übergangsregierung am 18. Januar 2026 die damals noch von kurdischen Kräften kontrollierte Stadt ar-Raqqa angriffen, suchten Michelmann und Ahmet Polat gemeinsam mit Dutzenden anderen Zivilisten Schutz in einem kurdischen Jugendzentrum. Das Gebäude wurde bis tief in die Nacht beschossen und bombardiert; gegen vier Uhr morgens am 19. Januar erreichten Einsatzkräfte der syrischen Übergangsregierung und mit ihnen operierende islamistische Kräfte das Gebäude. Nachdem Michelmann sich als europäische Zivilistin zu erkennen gegeben und erklärt hatte, dass Polat zu ihr gehöre, wurden beide von den übrigen Schutzsuchenden getrennt und festgenommen. Als Begründung teilte das syrische Informationsministerium später mit, Michelmann habe falsche Angaben zur Person gemacht und sich als spanische Mitarbeiterin einer Partnerorganisation der UNO ausgegeben, aber keine offiziellen Dokumente bei sich getragen, aus denen ihre Identität hervorging. Ihr Anwalt Roland Meister widersprach und erklärte, Michelmann sei im Besitz einer Akkreditierung der kurdischen Behörden gewesen.

Über ihren Verbleib war anschließend mehrere Wochen lang nichts Sicheres bekannt. Ihr Verschwinden wurde erst Wochen später öffentlich bekannt, weil Telefon und Internet in dem Gebiet zeitweise nicht funktionierten und Kontakte in die von der syrischen Übergangsregierung eroberten Gebiete abgebrochen waren. Die Bundesregierung erklärte zunächst lediglich, mit den syrischen Stellen in Kontakt zu stehen und sich um Aufklärung zu bemühen.

Im April 2026 berichtete ETHA, dass Michelmann und Polat nach Aussagen freigelassener Gefangener in einem Gefängnis in Aleppo festgehalten würden. Michelmann wurde nach ihrer Festnahme zunächst im Gebäude des Kommandos für innere Sicherheit in Aleppo festgehalten. Bereits am ersten Tag dort verlangte sie Kontakt zum deutschen Konsulat und verfasste ein entsprechendes Schreiben, das nach Angaben eines Verantwortlichen weitergeleitet werden sollte. Einen Monat später wurde ihr mitgeteilt, dass von deutscher Seite keine Antwort eingegangen sei. Das Komitee zum Schutz von Journalisten fordert die syrische Regierung zu Transparenz und Freilassung auf.Kirsten Grieshaber: Committee to Protect Journalists calls for release of missing German journalist in Syria, Associated Press vom 28. April 2026

Während ihrer Gefangenschaft wurde Michelmann mindestens 100 Tage in Isolationshaft gehalten und war nahezu während des gesamten Haftzeitraums von jedem Kontakt zur Außenwelt abgeschnitten. Nach ihrer Freilassung berichtete sie, während der Haft selbst Schläge und Elektroschocks erlebt zu haben; Mitgefangene hätten ihr außerdem von weiteren Folterungen berichtet und entsprechende Verletzungen gezeigt.

Die Familie und ihr Anwalt Roland Meister forderten die Bundesregierung und das Auswärtige Amt auf, Kontakt zu Michelmann herzustellen sowie konsularischen Zugang und ihre Freilassung zu erwirken. Die syrische Regierung bestritt zunächst, Kenntnis vom Verbleib der beiden Journalisten zu haben. Im April verdichteten sich die Hinweise auf ihre Inhaftierung; am 30. April bestätigte die syrische Regierung schließlich offiziell, dass Michelmann und Polat in ihrer Gewalt waren.

In der zweiten Aprilhälfte kam es erstmals zu einem direkten Treffen Michelmanns mit einer Vertreterin deutscher Behörden; anschließend wurde ihre Isolationshaft fortgesetzt. Erst in der ersten Junihälfte, kurz vor ihrer Freilassung, hatte sie mehrfach Kontakt mit einem Beauftragten der Deutschen Botschaft Damaskus.

Im Juni 2026 wurde Michelmann aus der Haft entlassen und konnte über JordanienGerman journalist held in Syria back home, family says, Al Jazeera English vom 20. Juni 2026 nach Deutschland zurückkehren. Nach ihrer Freilassung hob sie die Bedeutung der von Journalisten und gesellschaftspolitisch aktiven Menschen getragenen öffentlichen Solidaritätskampagne für ihre Freilassung hervor.

Ahmet Polat blieb nach Michelmanns Freilassung in syrischer Haft. Michelmann erklärte im August 2026, seit ihrer Trennung im Januar keinen persönlichen Kontakt mehr zu ihm gehabt zu haben, und forderte deutsche sowie europäische Stellen auf, sich für seinen Schutz und seine Freilassung einzusetzen.

Einzelnachweise

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