mini|Jan Meyssens : Porträt von Willem van Nieulandt, Halbfigur, mit breitkrempigem Hut, Umhang und Halskrause. British Museum. London Willem van Nieulandt (* 1584 in Antwerpen; † 1635 in Amsterdam) war ein flämischer Maler, Zeichner, Radierer, Grafiker, Verleger und Dichter.

Leben Willem van Nieulandt wurde 1584 in Antwerpen als Sohn von Adriaen van Nieulandt dem Älteren (gestorben 1603) und Geertruyd Loyson (gestorben um 1627) geboren. Sein Vater war Händler mit Schreibfedern und sein Großvater wurde 1573 als Meister in die Antwerpener Lukasgilde aufgenommen. In der Familie gab es mehrere Künstler, darunter sein Onkel Guilliam van Nieulandt (I.), der als Maler und Zeichner tätig war. Nach der Eroberung Antwerpens durch die Spanier zog die Familie 1589 aus möglicherweise religiösen oder wirtschaftlichen Gründen nach Amsterdam. Der Vater wurde 1594 Poorter von Amsterdam, was auf eine gewisse Wohlhabenheit schließen lässt. Ein jüngerer Bruder, Adriaen van Nieulandt der Jüngere, geboren 1586 in Antwerpen, wurde ebenfalls Maler und war hauptsächlich in Amsterdam tätig. Ein weiterer Bruder, Jacob van Nieulandt, geboren 1593/94 in Amsterdam, arbeitete als Kunsthändler, Maler, Gastwirt und Zeichner.

Der frühe Biograf Arnold Houbraken berichtet, dass Willem van Nieulandt im Jahr 1599 Schüler von Roelant Savery wurde. Dieser war ein ebenfalls aus Flandern stammender Künstler, der in Amsterdam lebte. Neuere Kunsthistoriker vertreten jedoch die Auffassung, dass van Nieulandt nicht bei Roelant, sondern bei dessen Bruder Jacob Savery ausgebildet wurde. Im Jahr 1601 reiste van Nieulandt nach Rom, wo er von 1601 bis 1603 zunächst in der Werkstatt seines Onkels Guilliam van Nieulandt (I.) und anschließend in der Werkstatt des bedeutenden flämischen Landschaftsmalers Paul Bril arbeitete. In den Jahren 1602 und 1603 wohnte er zusammen mit seinem Onkel in der heutigen Via del Babuino, damals Via Paulina, im selben Haus wie der Antwerpener Maler Abraham Janssens. mini|Willem van Nieulandt II: Landschaft mit Blick auf ein Dorf. Schwedisches Nationalmuseum, Stockholm 1604 kehrte er in die Niederlande zurück und ließ sich zunächst in Amsterdam nieder. Im Gildejahr 1605/06 wurde er als Sohn eines Meisters in die Antwerpener Lukasgilde als Meistermaler aufgenommen. Am 11. Februar 1606 heiratete er in Amsterdam Anna Hustaert (oder Huystaert), eine in Amsterdam aufgewachsene Antwerpenerin. Am 13. April 1606 erwarb er das Bürgerrecht der Stadt Antwerpen. Im Jahr 1607 wurde sein Sohn Adriaen geboren. Seine Tochter Constantia wurde am 26. Februar 1611 in der heutigen Antwerpener Kathedrale getauft. Sie heiratete später den Stilllebenmaler Adriaen van Utrecht und wurde selbst als Dichterin und Stilllebenmalerin bekannt.

Während des Zwölfjährigen Waffenstillstands (1609–1621), der eine vorübergehende Erholung vom Achtzigjährigen Krieg brachte, erlebten die Antwerpener Rhetorikkammern eine Wiederbelebung. Die Kammer Olyftack beauftragte van Nieulandt mit der Restaurierung ihres Versammlungsraums und bezahlte ihn unter anderem für ein Gemälde der Jungfrau Maria sowie für die Erneuerung ihres Wappens. Am 25. September 1615 legte er gemeinsam mit Joan David Heemsen, dem Vorsteher der wiederbelebten Kammer, seinen Eid ab. Im November desselben Jahres wurden seine Tragödien „Livia“ und „Saul“ aufgeführt. Van Nieulandt war von 1613 bis 1621 Mitglied der Olyftack und anschließend bis 1629 der rivalisierenden Rhetorikkammer De Violieren.

Am 22. Mai 1629 war Willem van Nieulandt in Antwerpen Zeuge der Taufe des ersten Kindes seiner Tochter Constantia. Zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt danach kehrte er nach Amsterdam zurück, wo er 1635 seine letzte Tragödie veröffentlichte. Am 24. Oktober 1635 errichtete er, krank im Bett liegend, sein Testament und unterzeichnete es mit „Giu. v. Nieulandt“. Kurz darauf starb er in Amsterdam.

Werk Willem van Nieulandt spezialisierte sich auf Veduten, Landschaften und Ansichten Roms und seiner Umgebung. Während seines Romaufenthalts fertigte er zahlreiche topografisch genaue Zeichnungen an, die ihm für den Rest seiner Karriere als Vorlagen für Gemälde und Druckgrafiken dienten. In seinen Gemälden übersetzte er dieses Material meist in fantastische Capricci, in denen vertraute antike Monumente neben erfundenen Bauten in imaginären Landschaften erscheinen. Diese sind häufig belebt durch biblische oder mythologische Szenen sowie durch Hirten und Reisende. Typische Sujets sind das Forum Romanum, das Kolosseum und der Tempel der Vesta in Tivoli. Die Gemälde wurden häufig auf Kupfer- oder Holzplatten angefertigt.

Als Radierer war van Nieulandt äußerst produktiv. Er schuf eine Vielzahl von Radierungen antiker Ruinen und italienischer Landschaften, die in Antwerpen unter seiner eigenen Aufsicht verlegt wurden. Damit war er auch als Verleger tätig. Einige dieser Drucke entstanden nach Zeichnungen der Brüder Matthijs und Paul Bril, nach Zeichnungen von Sebastian Vrancx sowie nach eigenen Vorlagen. Eine Folge von zehn Radierungen römischer Ruinen wurde von Claes Jansz. Visscher in Amsterdam kopiert und verlegt. Jan van de Velde und Cornelis Danckert reproduzierten weitere seiner Radierungen in Amsterdam.

Neben seiner Tätigkeit als Maler war van Nieulandt als Dichter und Dramatiker bekannt – zu seiner Zeit sogar mehr als durch seine Malerei. Seine Tragödien folgten dem senecanischen Typus und waren vom neustoischen Moralismus durchdrungen, der damals in den humanistischen Kreisen Antwerpens weit verbreitet war. Im Mai 1620 gewann er unter dem Pseudonym „Dient uwen Al“ den ersten Preis für das beste Gedicht bei einem Rhetorikwettkampf in Mechelen. Im Mai 1624 brachte die De Violieren seine Tragödie „Aegyptica“ über Antonius und Kleopatra zur Aufführung.

Gemälde Willem van Nieulandts befinden sich unter anderem in der Gemäldegalerie Berlin, im Kunsthistorischen Museum Wien, im Museum Boijmans Van Beuningen Rotterdam, in der Nationalgalerie Prag, im Statens Museum for Kunst Kopenhagen und im Metropolitan Museum of Art New York.

Werke (Auswahl)

Literatur

Jan Briels, Peintres flamands au berceau du Siècle d’or hollandais, 1585–1630 : avec biographies en annexe, Fonds Mercator, Anvers 1997. Klaus Bott (Hrsg.), Delitiae imaginum, oder wohl-erlaubte Gemähl- und Bilderlust. Die Gemäldesammlung Schloss Gaibach, VDG – Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 2000. Luigi Salerno, I pittori di vedute in Italia, 1580–1830, Ugo Bozzi Editore, Roma 1991. Les collectionneurs toulousains du XVIIIe siècle, Réunion des Musées Nationaux / Musée des Augustins, Paris / Toulouse 2001. Eric Jan Sluijter: Career choices of migrant artists between Amsterdam and Antwerp. The Van Nieulandt brothers. Uopen Journals, De Zeventiende Eeuw. Cultuur in de Nederlanden in interdisciplinair perspectief 2015. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 13: Sommer – Valverane. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009.

Weblinks

RKD – Nederlands Instituut voor Kunstgeschiedenis: Guilliam van Nieulandt (II) Web Gallery of Art: Willem van Nieulandt the Younger

Einzelnachweise

Kategorie:Maler (Flandern) Kategorie:Radierer Kategorie:Zeichner Kategorie:Grafiker (Flandern) Kategorie:Verleger (17. Jahrhundert) Kategorie:Lyrik Kategorie:Geboren 1584 Kategorie:Gestorben 1635 Kategorie:Mann