mini|Die Allmersbacher Dorfkirche um 1686 mini|Ansicht von Südwesten Die Dorfkirche Sankt Anna ist eine ehemals evangelische Pfarrkirche in Allmersbach im Tal, einer Gemeinde im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Benannt wurde das kleine gotische Gotteshaus nach der Heiligen Anna, der Mutter Mariens. Seit 1973 steht die aus dem späten Mittelalter stammende Kirche im Eigentum der bürgerlichen Gemeinde. Die Kirche ist jedoch nicht profaniert und wird weiterhin für Gottesdienste genutzt. Sie gehört zum Kirchenbezirk Backnang der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte Allmersbach im Tal gehörte lange kirchlich zu Unterweissach. Die Einwohner Allmersbachs besuchten die Gottesdienste in der St.-Agatha-Kirche in Unterweissach. Dafür spricht, dass der Hartweg (oder Weissacher Weg) genannte Verbindungsweg von Allmersbach nach Unterweissach in alten Lagerbüchern Kirchweg hieß.

Die Allmersbacher Dorfkirche entstand vermutlich im 15. Jahrhundert im spätgotischen Stil. Seit der Reformation wurde Allmersbach von einem Diakon aus Backnang betreut. Die älteste erhaltene Ansicht der Kirche stammt von Andreas Kieser und zeigt das Gotteshaus um 1686. Zu dieser Zeit saß der Kirchturm mitten auf dem Dach des Kirchenschiffs. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche als sehr baufällig beschrieben. 1753 wandten sich Pfarrer, Schultheiß und die ganze Gemeind an Herzog Carl Eugen von Württemberg und baten untertänigst pro concessione eine Hauptrenovation an der maroden Kirche vornehmen zu dürfen, da mit dem stündlichen Einfall des Kirchturms zu rechnen sei. Der bisherige Dachreiter auf dem Kirchenschiff wurde entfernt und der heutige Turm vollständig neu errichtet.

Eine weitere Renovierung an dem Kirchlein fand 1802 statt. 1839 wurde in Allmersbach eine ständige Pfarrverweserei eingerichtet, die 1864 zu einer Pfarrei erhoben wurde. 1866 wurde der Innenraum unter Leitung von Oberamtsbaumeister Christian Hämmerle neu gestaltet. 1893 wurde der Kirchturm renoviert und mit Steinplatten verkleidet.

Während des Zweiten Weltkriegs war der als Vierteljude verunglimpfte und verfolgte Helmut Goetze Pfarrer in Allmersbach. Er fiel 1943 bei Abwehrkämpfen in der Nähe von Woronesch. Danach übernahm dessen Vater Alfred Goetze die Pfarrei, der als Oppositioneller und Mitglied der Bekennenden Kirche von dem NS-Regime besonders drangsaliert wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen hunderte Heimatvertriebene aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches und den Gebieten des ehemaligen Österreich-Ungarn nach Allmersbach. Mit Genehmigung des Oberkirchenrats öffnete Pfarrer Alfred Goetze, der sich sehr für die Ökumene einsetzte, sein Gotteshaus für katholische Messen.

Zu Beginn der 1970er Jahre wurde der Neubau des Evangelischen Gemeindezentrums beschlossen. 1973 verkaufte die Evangelische Kirchengemeinde das Grundstück an die bürgerliche Gemeinde mit der Auflage, dass die Kirche nicht profaniert wird. Seitdem wird die Kirche nur noch an besonderen Anlässen genutzt wie etwa Trauungen und Beerdigungen auf dem nahen Friedhof.

Am Rosenmontag, dem 26. Februar 1990, schlug am Abend während eines heftigen Unwetters ein Blitz in den Kirchturm ein und löste einen Großbrand aus. Sieben Löschzüge und 78 Feuerwehrmänner waren nötig, um die Kirche vor den Flammen zu bewahren. Da die Glocken abzustürzen drohten, mussten sie am 5. März 1990 mit einem Autokran aus dem Glockenturm gehievt werden. Der Wiederaufbau dauerte bis 1991.

Architektur Die Kirche ist ein dreiseitig geschlossener Rechteckraum mit nicht eingezogenem Chor und mit einem Westturm. Ein früherer eingezogener Chorbogen war nach der Reformation entfernt worden. In diesem Zusammenhang erhielt die Südwand eine Kanzel mit Treppenzugang aus der ebenfalls neu errichteten Sakristei. Gegenüber erhielten die drei Raumseiten (West, Nord und im Chor) Emporen; sie wurden 1754 im Zusammenhang mit dem Turmneubau unter Beibehaltung des Quersaals erneuert. Diese QuerkircheUlrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Ubstadt 2025, S. 241, 265. ISBN 978-3-95505-592-9 hatte Bestand bis 1956. Der Backnanger Architekt Otto Nußbaum besorgte 1956 den Innenumbau mit neuer Ostausrichtung und ohne eine Nordempore.

Ausstattung Glasgemälde Die Farbverglasung der Kirchenfenster schuf Raphael Seitz 1991. Ihnen liegt die Emmausgeschichte zugrunde. Der Künstler gestaltete sie nach den Bibelworten „Herr, bleibe bei uns, es wird Abend“ und „Brannte nicht unser Herz?“ Erich Bauer, Raphael Seitz, Claudia Gollor-Knüdeler: Die alte Allmersbacher Kirche - Zum Trost und zur Freude. Weissach im Tal o. J. [nach 1991]

Glocken Die älteste Glocke war die Friedensglocke, die 1613 kurz vor Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs gegossen wurde. Sie stammte aus der Glockengießerei von Hans Miller aus Esslingen am Neckar. Während des Ersten Weltkriegs musste die Friedensglocke 1917 als Metallspende für Rüstungszwecke abgeliefert werden. 1921 wurde die Glocke nachgegossen. +Übersicht der Glocken von St. AnnaGlockeNameSchlagtonGewichtInschriftI.Hoffnungsglockeh″325 kgJesus Christus ist unsere HoffnungII.Friedensglocked″195 kg1613 geboren, 1917 verloren, 1921 wiedererstanden, läut Frieden den LandenIII.Freudenglockee″125 kgFreuet Euch in dem Herrn allewege und abermals sage ich, freuet Euch Alle Kirchenglocken wurden bei dem Brand vom Rosenmontag 1990 schwer beschädigt. Im Herbst 1990 wurden die Glocken von der Glockengießerei Bachert (Bad Friedrichshall-Kochendorf) nachgegossen.

Literatur Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 155f. Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Deutscher Kunstverlag, Berlin und München 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 127–130, 163. Erich Bauer: Der Allmersbacher Kirchturm. In: Geschichte und Geschichten aus unserer Heimat Weissacher Tal. Band 1. Verlag Roland Schlichenmaier, Weissach im Tal 1986, ISBN 3-9802301-1-2, S. 85f. Erich Bauer: Der Blitz schlug in den Turm der alten Allmersbacher Kirche. In: Geschichte und Geschichten aus unserer Heimat Weissacher Tal. Band 5. Verlag Roland Schlichenmaier, Weissach im Tal 1990, ISBN 3-9802301-7-1, S. 11f.

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