Die brasilianisch-mosambikanischen Beziehungen umfassen die bilateralen Beziehungen zwischen Brasilien und Mosambik. Sie unterhalten seit 1975 offizielle diplomatische Beziehungen, die auf ihre jahrhundertelange gemeinsame Zugehörigkeit zum portugiesischen Kolonialreich zurückgehen.
Ihr Verhältnis gilt heute als ausgezeichnet. Neben sprachlich-kulturellen Bezugspunkten, ihren Wirtschaftsbeziehungen, der humanitären und militärischen Hilfe Brasiliens in Krisensituationen in Mosambik und der Entwicklungszusammenarbeit über die staatliche brasilianische Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (Agência Brasileira de Cooperação, ABC), besteht traditionell auch zivilgesellschaftlicher Austausch auf vielen Ebenen, mit deutlichem brasilianischen Übergewicht. So wirken brasilianische Wissenschaftler und Mitarbeiter von NGOs in Mosambik, brasilianische Filmschaffende spielten eine wesentliche Rolle in der Kinogeschichte Mosambiks, brasilianische Freikirchen sind in Mosambik tätig, und brasilianische Musik und Fernsehserien sind in Mosambik bekannt. Zudem sorgen die verschiedensten Institutionen, Medien und andere Akteure der Lusophonie, der portugiesischsprachigen Welt, für regelmäßigen Austausch. Beide Staaten sind Gründungsmitglieder der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder und arbeiten in einer Vielzahl weiterer multilateraler Foren zusammen, darunter die Lateinische Union, die Gruppe der 77 und andere UN-Organisationen.Webseite des brasilianischen Außenministeriums zu den Beziehungen zu Mosambik, abgerufen am 21. März 2026
Die gegenseitige Diaspora, insbesondere die mosambikanische in Brasilien, ist ein weiteres Verbindungsglied. Im Jahr 2024 waren 7.496 Mosambikaner in Brasilien gemeldet.Statistiken des Registro Nacional Migratório (unter Painel und Auswahl Moçambique unter País de nascimento, portugiesisch), abgerufen am 21. März 2026 Dazu kommen mosambikanische Studenten, die mit öffentlichen und zivilgesellschaftlichen brasilianischen Programmen und Stipendien an Hochschulen in Brasilien studieren, insbesondere über das staatliche Programm Programa de Estudantes-Convênio de Graduação (PEC-G), mit dem die brasilianische Bundesregierung ausländische Studenten in Brasilien fördert.
Geschichte mini|Karte historischer portugiesischer Besitzungen im Portugal dos Pequenitos in Coimbra: Brasilien und Mosambik wurden um 1500 zu portugiesischen Kolonien. mini|Mosambiks Präsident Joaquim Chissano bei Brasiliens Präsident Lula da Silva 2004: unter Lula näherten sich auch Brasilien und Mosambik deutlich an. mini|Brasilianischer Nachrichtenbeitrag vom 29. April 2019 über den Zyklon Kenneth in Mosambik und brasilianische Rettungskräfte dort. mini|Lula empfängt Mosambiks Parlamentspräsidentin Esperança Bias 2023: zuletzt intensivierten sich die brasilianisch-mosambikanischen Beziehungen wieder deutlich. Nach der Ankunft Pêro da Covilhãs 1497 wurde das heutige Mosambik zunehmend portugiesische Kolonie, ebenso wie Brasilien, das seit der Ankunft Pedro Álvares Cabrals 1500 portugiesisch wurde. Danach sorgten Handelsbeziehungen zwischen beiden Kolonien für einen regelmäßigen Austausch, der nicht zuletzt auch Sklavenhandel von Menschen aus Mosambik zur Plantagenwirtschaft in Brasilien beinhaltete, wenngleich der Austausch zwischen den portugiesischen Besitzungen an der Westküste Afrikas und Brasilien deutlich intensiver war (Atlantischer Dreieckshandel).
1822 erklärte sich Brasilien unabhängig. Der Vertrag von Rio de Janeiro 1825 regelte danach die endgültige Unabhängigkeit Brasiliens von Portugal und beinhaltete auch eine Verpflichtung, dass Brasilien sich keine der portugiesischen Besitzungen aneignen durfte, also auch keine mosambikanische Häfen an der wichtigen Handelsroute nach Asien.
José Augusto do Amaral (1871–1927) wurde mit seinen mindestens drei Morden ab 1926 zum ersten bekannten Serienmörder Brasiliens. Er war ein Nachkomme mosambikanischer und kongolesischer Sklaven.
1964 nahmen Unabhängigkeitsaktivisten in Mosambik den bewaffneten Kampf auf, womit sich der blutige portugiesische Kolonialkrieg nunmehr auch auf Mosambik ausweitete. Auch Brasilianer schlossen sich den mosambikanischen Unabhängigkeitskämpfern an. Dabei kam es zu der kuriosen Konstellation, dass in Brasilien verfolgte Kommunisten, die den linksgerichteten Unabhängigkeitskampf in Mosambik unterstützten, vor Ort mit brasilianischen Militärs zusammenarbeiteten, die von der eigentlich streng antikommunistischen Militärdiktatur unter dem damals amtierenden brasilianischen Präsidenten Ernesto Geisel dorthin geschickt wurden, um die entstehende neue Nation mit aufzubauen.Militares e comunistas brasileiros na libertação de Moçambique - „Brasilianische Soldaten und Kommunisten im Unabhängigkeitskampf Mosambiks“, Artikel vom 2. Juli 2025 der brasilianischen Wirtschaftszeitung Monitor Mercantil, abgerufen am 22. März 2026
Nach der tiefgreifenden Nelkenrevolution in Portugal 1974 erhielt Mosambik am 25. Juni 1975 seine Unabhängigkeit. Am 15. November 1975 gingen Brasilien und Mosambik diplomatische Beziehungen ein. Am 1. März 1976 wurde die brasilianische Botschaft in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo eröffnet, im Januar 1998 eröffnete Mosambik seine Botschaft in der brasilianischen Hauptstadt Brasília.
1980 kam Brasiliens Außenminister Saraiva Guerreiro als erster brasilianischer Regierungsvertreter zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Mosambik, im Rahmen seiner Afrikareise.
Im Rahmen der Operation der Vereinten Nationen in Mosambik (ONUMOZ, 1992–1994) entsandte Brasilien Militär nach Mosambik, um zur Befriedung des Mosambikanischen Bürgerkriegs beizutragen. Dies war der erstmalige Einsatz brasilianischen Militärs auf einem anderen Kontinent. Brasilien führte die Operation von Februar 1993 bis Februar 1994.United Nations Operation in Mozambique - ONUMOZ – Moçambique, Webseite des Instituto Boina Azul für brasilianische Friedensmissionen, abgerufen am 22. März 2026
Im Jahr 2000 kam Fernando Henrique Cardoso als erster Staatschef Brasiliens nach Mosambik, zur 3. Konferenz der Regierungschefs der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder in Maputo. 2002 kam Mosambiks Staatschef Joaquim Chissano nach Brasilien, zur 4. Konferenz der Regierungschefs der Gemeinschaft der Portugiesischsprachigen Länder in Brasília.
Im Zusammenhang mit den außenpolitischen Initiativen des 2003 ins Amt gekommenen brasilianischen Präsidenten Lula da Silva intensivierten sich auch die brasilianisch-mosambikanischen Beziehungen. In den folgenden Jahren häuften sich die gegenseitigen hochrangigen Staatsbesuche.
Auch Brasilien half in Mosambik, als das Land mehrfach durch Unwetter viele Opfer und große Zerstörungen erlitt, etwa durch den Zyklon Kenneth 2019, bei dem mehrere Rettungsteams aus Brasilien bei der Evakuierung und Versorgung von Personen halfen.Bombeiros militares brasileiros resgatam vítimas do Ciclone Kenneth em Moçambique. - „Brasilianische Militärfeuerwehrleute retten Opfer des Zyklons Kenneth in Mosambik“, Mitteilung aus Mai 2019 der brasilianischen Agentur für Entwicklungszusammenarbeit (Agência Brasileira de Cooperação, ABC), abgerufen am 22. März 2026
Zuletzt intensivierten beide Seiten ihre Zusammenarbeit erneut deutlich, nach einer Phase nachlassender Beziehungen unter Präsident Jair Bolsonaro (2019–2023). So traf der erneut gewählte brasilianische Präsident Lula da Silva 2025 mit Mosambiks Präsidenten Daniel Chapo anlässlich der Feierlichkeiten zu Mosambiks 50. Unabhängigkeitstag in Maputo zusammen. Sie schlossen dabei neun Abkommen in den Bereichen humanitäre Hilfe für das von mehreren Unwettern gebeutelte Mosambik und Kooperationen in der Gesundheitsversorgung, der Bildung, Nahrungsmittelsicherheit, Landwirtschaft, Biokraftstoffe, Verteidigung, Handel und Investitionen. Brasilianische Investitionsfinanzierungen, mit der Rückkehr der Brasilianische Entwicklungsbank (BNDES) nach Mosambik, und stärkere brasilianische Zusammenarbeit mit Mosambik in der Hochschulbildung und in der Agrar-Forschung stellen dabei besondere Schwerpunkte dar, zudem waren sowohl die verstärkte Zusammenarbeit bei Energiewende und Kampf gegen den Klimawandel als auch die Unterstützung Mosambiks durch brasilianische Kräfte im Kampf gegen organisierte Kriminalität und Geldwäsche besonderer Gegenstand der Vereinbarungen.Brazil and Mozambique sign nine bilateral agreements, marking a historic ‘restart’, Artikel vom 24. November 2025 des internationalen brasilianischen Nachrichtenportals BrasilDeFato.com.br, abgerufen am 22. März 2026
Diplomatie Brasilien unterhält eine Botschaft in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo. Konsulate darüber hinaus führt Brasilien dort nicht.
Mosambik führt seinerseits eine eigene Botschaft in der brasilianischen Hauptstadt Brasília. Dazu besteht ein Honorarkonsulat in Brasiliens größter Stadt, São Paulo.
Kultur mini|Das Centro Cultural Brasil (seit 2022 Instituto Guimarães Rosa) in Maputo. Institutionen Das brasilianische Kulturinstitut Instituto Guimarães Rosa (bis 2022: Centro Cultural do Brasil) ist in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo mit einer eigenen Niederlassung und vielfältigen Kooperationen im Land präsent.
Zudem veranstalten und vermitteln die Botschaften der beiden Länder kulturelle Veranstaltungen im jeweils anderen Land.
Film und Rundfunk Film mini|Ruy Guerra (links) mit Mia Couto (2010) Nach der Unabhängigkeit Mosambiks 1975 kamen auf Einladung der neuen Regierung unter dem filminteressierten Präsidenten Samora Machel auch ausländische Filmschaffende nach Mosambik, darunter einige Brasilianer, die sich am Aufbau des neuen unabhängigen Mosambikanischen Kinos beteiligten. Zu erwähnen insbesondere der in Portugiesisch-Mosambik geborene und aufgewachsene Ruy Guerra, der seit 1958 in Brasilien lebte und arbeitete. Er gehörte dort zu den Erschaffern des brasilianischen Cinema Novo, bis er 1978 Brasilien wieder verließ, nachdem die Zensur der zwischenzeitlich an die Macht gekommenen Militärdiktatur ihm die Arbeit immer schwerer machte. Er ging nun zurück ins unabhängig gewordene Mosambik, wo er Leiter des neugeschaffenen staatlichen Filminstituts Instituto Nacional de Cinema (INC) wurde, die besonders auch im ländlichen Mosambik gezeigte Wochenschau Kuxa Kanema produzierte und 1979 den ersten mosambikanischen Spielfilm drehte, den Schwarzweißfilm Mueda, Memória e Massacre („Mueda, Erinnerung und Massaker“), in dem die Geschichte des Massakers von Mueda aus dem Jahr 1960 erzählt wird. Das Massaker der portugiesischen Armee an der Bevölkerung der Stadt Mueda im Norden Mosambiks gilt als Ausgangspunkt für den Unabhängigkeitskrieg in Mosambik. Guerra bewegte zudem bekannte internationale Filmschaffende, ebenfalls nach Maputo zu kommen, darunter Namen wie Jean-Luc Godard, Jean Rouch oder Santiago Alvarez, u. a. Nach dem Tod Samora Machels 1986, und nachdem sich auch in Mosambik eine zunehmende Zensur einstellte, verließ Guerra Mosambik wieder. mini|Der brasilianische Regisseur Licínio Azevedo lebt und arbeitet seit 1978 in Mosambik Auch Licínio Azevedo gehörte zu den Regisseuren, die aus Brasilien nach Mosambik kamen. Er kam 1978, blieb bis heute dort und wurde ein bedeutender Filmemacher des mosambikanischen Kinos. Sein Film Comboio de Sal e Açúcar von 2016 wurde der erste mosambikanische Vorschlag für die Oscar-Nominierung in der Kategorie bester internationaler Film.
Auch andere brasilianische Regisseure arbeiteten in Mosambik, etwa seit 1983 Chico Carneiro. Gelegentlich entstanden dabei auch mosambikanische Koproduktionen, etwa der international prämierte „Das schlafwandelnde Land“ der brasilianischen Regisseurin Teresa Prata, eine 2007 erschienene Verfilmung der gleichnamigen Erzählung des mosambikanischen Autors Mia Couto.
Das renommierte Filmfestival Dockanema zog nach seinem Start 2006 auch brasilianische Filme und Filmschaffende an, bis zu seinem Ende 2012.