Der État comorien, en.: Socialist Comoros (State of the Comoros) war ein kurzlebiger kommunistischer Staat in den Komoren unter der Herrschaft der Rassemblement Démocratique des Peuples Comoriens. Der Staat bestand zwischen 1975 and 1978 und wurde am 3. August 1975 gegründet, weniger als einen Monat nach der Unabhängigkeit der Komoren von Frankreich. Ali Soilih und Said Mohamed Jaffar, deren Anhänger kaum bewaffnet waren, heuerten den französischen Söldner Bob Denard an, um Ahmed Abdallah zu stürzen.The Europa World Year Book, V1 Taylor & Francis Group Soilih wurde im Januar 1976 offiziell Präsident des Revolutionsrats. Er erlangte durch eine neue Verfassung weitreichende Befugnisse und setzte sozialistische Wirtschaftspolitik um. Diese Periode endete formell mit Soilihs Sturz und Ermordung durch französische Söldner, die den ehemaligen Präsidenten Ahmed Abdallah wieder einsetzten.

Geschichte Unabhängigkeit der Komoren Saïd Mohamed Cheikh und Said Ibrahim, sein Hauptrivale, kämpften über Jahre hinweg für mehr Autonomie der Komoren. Die jüngeren Anführer von Grande Comore und Anjouan hingegen traten selbstbewusster auf. Cheikh starb 1970, und Ahmed Abdallah übernahm die Führung der Union démocratique des Comores (Grüne Partei). Said Ibrahim wurde im April 1970 Präsident des Rates. Abdallah gelang es jedoch Anfang 1972, ihn in Bedrängnis zu bringen. Said Ibrahim erreichte die Auflösung der Territorialversammlung im Juni 1972, aber die neue Versammlung von Dezember 1972 teilte weitgehend Abdallahs Ansichten. Er plädiert dafür, dass Frankreich das Land rasch in die Unabhängigkeit entließe.

Im Jahr 1973 wurde in gegenseitiger Übereinkunft mit dem gemeinsamen Ziel der Unabhängigkeit ein Referendum geplant. Die politischen Führer von Grande Comore und Anjouan sprachen sich geschlossen für die Unabhängigkeit aus, während die Führer von Mayotte sich geschlossen für den Verbleib in der Französischen Republik aussprachen. Einige Frauen aus Mayotte, die als „Chatouilleuses“ („die Zickigen“) bekannt waren, organisierten sich und hinderten die Befürworter der Unabhängigkeit daran, in Mayotte Wahlkampf zu betreiben. Kurz nach seiner Machtergreifung Ende 1973 prangerten Abdallahs Gegner bereits dessen despotische Haltung an.

Frankreich organisiert die Konsultation am 22. Dezember 1974.

Angesichts des Wunsches Frankreichs, Mayotte in besonderer Weise zu behandeln, proklamierte Ahmed Abdallah, ein gebürtiger Anjouaner und Präsident der Regierung, einseitig die Unabhängigkeit des Archipels am 6. Juli 1975. Die Abgeordneten aus Mayotte in der Territorialversammlung erklärten, sie wollten nicht an der Versammlung der Komoren teilnehmen. Am 17. forderte Abdallah den Abzug der französischen Streitkräfte, dem diese nachkamen. Die französische Regierung bestätigte diese Entscheidung mit dem Erlass des entsprechenden Gesetzes am 31. Dezember 1975 in Bezug auf die Folgen des Selbstbestimmungsrechts der Komoren, das festlegt, dass die Inseln Grande-Comore, Anjouan und Mohéli nicht länger Teil der Französischen Republik sind, und die Durchführung eines neuen Referendums in Mayotte vorsieht.

Während alle führenden Persönlichkeiten von Anjouan und Grande Comore, einschließlich Ali Soilih, diese Unabhängigkeitserklärung kritisierten, blieb Said Ibrahim „wütend“ (« ne décolère pas »),Abdelaziz Riziki Mohamed: Comores. les institutions d’un Etat mort-né. Éditions L’Harmattan, Paris/Montréal (Québec)/Budapest etc. 2001. ISBN 2-7475-0859-5 da er befürchtete, Abdallahs Haltung könne die Beziehungen zu Frankreich nur belasten. Er glaubte außerdem, Abdallah halte sich nicht an die Bedingungen der Konsultation, die eine übergangsweise Unabhängigkeit vorsahen, und täusche daher die Bevölkerung.

Sturz von Abdallah Wenige Wochen nach der Unabhängigkeit, am 3. August 1975 wurde von Ali Soilih und der Koalition der Vereinigten Nationalen Front ein Staatsstreich organisiert, der Präsident Ahmed Abdallah stürzte. Die neue Regierung rekrutierte über Yves Lebret, den damaligen Direktor der Fluggesellschaft Air Comores, den Söldner Bob Denard, um den Putsch durchzuführen und Präsident Ahmed Abdallah zu verhaften. Am 21. September 1975 wurde er von etwa hundert Mapinduzi (militanten Soldaten) unter der Führung einiger Söldner von der Insel Anjouan vertrieben.Emmanuel et Pierre Vérin: Histoire de la révolution comorienne. L’Harmattan, Paris 1999: S. 71–72; 92. ISBN 2-7384-7752-6 editions-harmattan.fr Anfang 1976 freigelassen, nutzte er die Gelegenheit, ins Exil nach Frankreich zu gehen. Im Februar 1976 stimmte Mayotte erneut für den Verbleib in der Französischen Republik. Die drei Inseln standen unter der Kontrolle von Ali Soilih, einem Revolutionär, der ein sozialistisches und auf Unabhängigkeit ausgerichtetes Regime errichtet hatte. Die Beziehungen zwischen der jungen Republik und der ehemaligen Kolonialmacht verschlechterten sich rasch. unter Führung von Bob Denard die Regierung von Ahmed Abdallah.

Said Mohamed Jaffar befürwortete einen versöhnlichen Kurs gegenüber Frankreich in der Mayotte-Frage. Anlässlich der Anerkennung des Staates (État comorien) durch die Vereinten Nationen im November 1975 hielt Jaffar eine Rede. Im Januar 1976 übergab er die Macht an den radikal linken Anführer Ali Soilih.

Soilihs Diktatur Nach seiner Machtergreifung 1976 verfolgte Soilih ein revolutionäres Programm, das sich vor allem gegen die traditionelle und konservative muslimische Gesellschaft des Landes richtete. Seine Ziel, welches auf einer Mischung aus Maoismus und islamischen Philosophien basierte, bestand darin, die Komoren zu einem wirtschaftlich autarken und ideologisch progressiven Staat des 20. Jahrhunderts zu entwickeln.

Als verschwenderisch, rückständig und umständlich verurteilt, wurden bestimmte überlieferte Bräuche der komorischen Kultur abgeschafft, darunter die „Anda“, die traditionelle „große Hochzeit“, sowie traditionelle Bestattungszeremonien, die als zu kostspielig kritisiert wurden. Soilih förderte die Belange der Jugend, indem er jungen Menschen mehr Macht einräumte. Um dieses Ziel zu erreichen, senkte er das Wahlalter auf vierzehn Jahre und übertrug Jugendlichen verantwortungsvolle Positionen. Zu den auffälligsten seiner Reformen zählten Maßnahmen zur Gewinnung der Gunst der Jugend, wie die Legalisierung von Cannabis und die Förderung der Abschaffung des Schleiers bei den komorischen Frauen.Howard French: The Mercenary Position. In: Transition. 73. 1997: S. 110–121. jstor.org 2935448 Die meisten Beamten wurden entlassen, und einige islamische Bräuche wurden verboten. Soilih setzte revolutionäre Sozialreformen um, wie die Ersetzung des Französischen durch das Shikomoroische, die Zerstörung des Nationalarchivs und die Verstaatlichung von Land. Soilih gründete die „Moissy“, eine junge revolutionäre Miliz, die von tansanischen Militärberatern ausgebildet wurde. mini|Logo der „Moissy“ („Jeunesse Révolutionnaire“).

Die Moissy war die komorische Antwort auf Mao Zedongs Rote Garden, und ihre Methoden ähnelten denen, die ihr chinesisches Pendant während der Kulturrevolution angewandt hatte.

Konsequenzen Soilihs konfrontative Politik führte dazu, dass Frankreich die Beziehungen abbrach und sämtliche Hilfs- und technischen Unterstützungsprogramme für die Komoren einstellte. Gleichzeitig empfanden die traditionellen Führer der Inseln die fortschreitende Abschaffung jahrhundertealter Traditionen als befremdlich. All dies trug dazu bei, dass sich die Komoren zu einem Pariastaat entwickelten. Die wachsende Unzufriedenheit, geschürt von der politischen Opposition, führte während der zweieinhalbjährigen Herrschaft Soilihs zu vier gescheiterten Putschversuchen.

Sturz und Ermordung von Soilih im Jahr 1978 Am 13. Mai 1978 kehrte Bob Denard, erneut im Auftrag des französischen Geheimdienstes Service de documentation extérieure et de contre-espionnage (SDECE), zurück, um Soilih zu stürzen und Abdallah mit Unterstützung der französischen, rhodesischen und südafrikanischen Regierung wieder einzusetzen.Eliphas G. Mukonoweshuro: The Politics of Squalor and Dependency: Chronic Political Instability and Economic Collapse in the Comoro Islands. In: African Affairs. vol. 89, is. 357; Oktober 1990: S. 555–577. jstor=722174 doi=10.1093/oxfordjournals.afraf.a098331Paul Moorcraft, Peter McLaughlin The Rhodesian War: A Military History. Pen and Sword Books, Barnsley, April 2008 (1982): S. 120–121. ISBN 978-1-84415-694-8 Soilih wurde von einer 50-köpfigen Söldnertruppe gestürzt, die mehrheitlich aus ehemaligen französischen Fallschirmjägern unter Führung von Denard bestand und vom im Exil lebenden ehemaligen Präsidenten Ahmed Abdallah angeheuert worden war. Abdallah wurde Präsident und beendete damit Soilihs zweijährige Herrschaft. Soilihs Politik wurde rückgängig gemacht, und der Name des Landes wurde in „Islamische Föderative Republik der Komoren“ (Islamic Federal Republic of the Comoros) geändert. Am 29. Mai wurde Soilih erschossen. Die Regierung behauptete, er habe versucht, aus dem Hausarrest zu fliehen. Soilih wurde 41 Jahre alt.

Außenpolitik Soilih setzte nicht nur radikale Reformen um, sondern knüpfte auch enge Beziehungen zu vielen Staaten des Kalten Krieges, die revolutionäre Bewegungen unterstützten. Darunter war auch Nordkorea, welches innerhalb eines Jahres eine Botschaft auf den Komoren eröffnete. Am 18. Januar 1977 überreichte der erste Botschafter, So Jinyong, Vizepräsident Mohamed Hassan Ali sein Beglaubigungsschreiben und stattete Präsident Soilih einen Besuch ab. Am 15. März 1978 überreichte der nordkoreanische Botschafter Präsident Soilih ein Geschenk von Kim Il Sung. Daraufhin bekundeten die Komoren ihre „volle Unterstützung und feste Solidarität mit dem Kampf des koreanischen Volkes“ für eine unabhängige und friedliche Wiedervereinigung Koreas.Summary of World Broadcasts: Far East, Pt. 3. British Broadcasting Corporation (BBC), London 1978.

Soilihs Moissy-Miliz und andere bewaffnete Kräfte wurden vom linksgerichteten tansanischen Regime von Julius Nyerere ausgebildet; die Moissy erhielten zudem in gewissem Maße Unterstützung von Nordkorea.Frederica M. Bunge: Indian Ocean, five island countries. United States Department of the Army 1982: S. 179.

Soilihs Komoren erhielten auch Unterstützung von Ägypten, dem Irak und dem Sudan.

Folgen Zehn Jahre später, 1989, stürzte Soilihs älterer Halbbruder Said Mohamed Djohar das Regime von Abdallah, möglicherweise mit Hilfe von Denard. Er war bis 1996 Präsident der Komoren.

Die Auswirkungen der Sozialpolitik der Diktatur von Ali Soilih sind auf den Komoren zum Teil noch spürbar.

Einzelnachweise

Kategorie:Verwaltungseinheitsgründung 1975 Kategorie:Kommunismus Kategorie:Historischer Staat in Afrika Kategorie:Geschichte (Komoren) Kategorie:Aufgelöst 1978