Karl Pullich (* 13. September 1884 in New York; † 2. April 1932 in WiesbadenSterberegister Wiesbaden Nr. 453, 2. April 1932, ancestry.de, abgerufen am 21. März 2026.) war ein deutscher Architekt, Innenarchitekt, Möbeldesigner und Lehrer für Raumkunst an der Kunstgewerbeschule Wiesbaden.

Biografie

Familie, Ausbildung und Beruf Karl (eigentlich Carl) Pullich wuchs in New York auf und besuchte dort eine Zeichenschule. Im Jahr 1903 siedelte er nach München über und begann ein Studium der Malerei. 1904 gründete sein Bruder Otto in Berlin das Architekturbüro Campbell & Pullich und Karl Pullich wurde Teilhaber. 1905 folgte ein Studienaufenthalt in London. Dort arbeitete Karl Pullich in der Möbelfabrik Maple & Co.

Im Jahr 1907 reiste er wieder nach New York und arbeitete als Angestellter in verschiedener Möbelfirmen, bis er Chefarchitekt der Tiffany-Studios wurde. Er heiratete 1908 Ray Hayden (* 1889). Im Jahr 1909 wurde die Tochter Barbara geboren. Wieder in Deutschland, wurde Karl Pullich 1910 erster Architekt bei der Hofmöbelfabrik Anton Pössenbacher in München. 1912 arbeitete er als leitender Architekt der Stuttgarter Hofmöbelfabrik Georg Schöttle. Der Sohn Carl († 1985) wurde 1914 geboren. Ab 1915 führte Karl Pullich ein eigenes Innenarchitektur-Büro. Für den Möbelhersteller Wilhelm Knoll in Stuttgart beriet er beim Entwurf für den Sessel „Antimot“, der in Serie produziert wurde.

Karl Pullich starb mit 47 Jahren in Wiesbaden. Das Südwestdeutsche Archiv für Architektur und Ingenieurbau (saai) sowie das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz verfügen über Archivalien zu ihm und seiner Arbeit.

Lehre an der Kunstgewerbeschule Wiesbaden Ab 1926 unterrichtete Pullich als Leiter der Fachklasse für Raumkunst (heute Innenarchitektur) an der Kunstgewerbeschule in Wiesbaden. Seine Raumgestaltungslehre bezog auch Entwürfe für Menschen in kleinen Wohnungen ein. So ließ er seine Schüler eine Kleinstküche entwerfen, die in der Fachliteratur veröffentlicht wurde. Pullich wurde zum Stellvertretenden Direktor an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Wiesbaden befördert. Im Jahr 2023 erinnerte eine Ausstellung in der Kunstarche Wiesbaden an die Arbeit der Kunstgewerbeschule und seiner Lehrkräfte.

Ansichten über Gestaltung Die Arbeit von Karl Pullich gehört zum Design der Weimarer Republik, das sich unabhängig vom Bauhaus entwickelte.

Zu seiner Lebzeit wurden die Werke von Karl Pullich umfangreich in Fachzeitschriften veröffentlicht. Im Jahr 1917 äußerte er sich in der Zeitschrift Innendekoration zu Gestaltungsfragen der Inneneinrichtung. Er ging davon aus, dass sowohl der Laie als auch der Entwerfer in den Fragen des Geschmacks erzogen werden, ähnlich der Erziehung in der Ethik. Stillos fand er dabei das Streben nach einem nationalen Stil, da man einen Stil nicht erfinden könne. Reine Kreativität reiche nicht, es müsse die Kultur dazukommen: „Das größte Hindernis in Wege einer gesunden Innenkunst ist, daß man sie zu sehr als Kunst betrachtet und zu wenig als selbstverständliches Ergebnis einer kultivierten Lebens- und Denkweise. Die Stilfrage der Wohnungskunst wird nur dann gelöst werden, wenn der Geschmack des Einzelnen durch Übung einer einfachen Lebenskunst entzogen ist, - wenn Architekten hierin mit guten Beispiel vorangehen.“

Anlässlich eines Zeitschriftenartikels in der Innendekoration äußerte sich Pullich 1922 zu der Harmonie bei der Inneneinrichtung. Er stellte den Zimmer-Garnituren vieler Möbelhersteller, die jedes Ornament des Hauptmöbels in den weiteren Objekten unabhängig von der Funktion aufnehmen, einer Raumgestaltung mit Einzelstücken gegenüber. Die serienmäßigen Garnituren seine oftmals langweilig und würden den Kunden das Denken abnehmen. Pullich wollte dieser Art der Seriengestaltung mit praktischen Beispielen in zwei Ausstellungen in Stuttgart 1921 entgegentreten: „Es wurde nicht ein einheitlich eingerichteter Wohnraum dargestellt, sondern „Einzelmöbel“ und Gegenstände verschiedenster Formgebung in kontrastierenden Farben wurden gezeigt, die für allerlei Zwecke erdacht, dennoch harmonisch und geschlossen zum gegebenen Raume sich zu gliedern hatten.“

Werke (Auswahl)

Schriften

Luke Vincent Lockwood (Hrsg.): Amerikanische Möbel der Kolonialzeit (Deutsche Ausgabe von Colonial Furniture in America, besorgt durch Karl Pullich), Julius Hoffmann, Stuttgart 1917. Karl Pullich: Von neuen Einzel-Möbel, in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort, 33/1922, S. 114–122 (inkl. Abb.) Digitalisat

Literatur

Adolf Metus Schwindt: Arbeiten von Karl Pullich, Stuttgart, in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort, 28/1917, S. 53–57. Digitalisat Johann Friedrich Häuselmann: Entwürfe von Karl Pullich - Stuttgart, in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort, 28/1917, S. 247–266 (inkl. Abb.) Digitalisat Hermann Wurz: Arbeiten von Architekt Karl Pullich, in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort, 31/1920, S. 72–78 (inkl. Abb.) Digitalisat Heinrich Ritter: Empfangs-Raum im Hause H.& S.Langenbach, in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort, 33/1922, S. 290–300 (inkl. Abb.) Digitalisat Franz Kern: Zeitgemäße Möbelform: Begleitwort zu den Arbeiten der Raumkunstklasse Professor Karl Pullich der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Wiesbaden, in: Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst, 25/1926, S. 231–232. Digitalisat Evamaria Blume: Zu klarerer Wohngestalt hin: neue Arbeiten von Professor Karl Pullich, in: Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort, 38/1927, S. 351–357 (inkl. Abb.) Digitalisat Evamaria Blume: Neue Innenräume von Professor Karl Pullich, in: Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst, 26/1927, S. 313–318. Digitalisat Evamaria Blume: Arbeiten der Fachklasse für Raumkunst. Kunstgewerbeschule Wiesbaden. Leiter: Professor Karl Pullich, in: Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst, 26/1927, S. 319–320. Digitalisat Der Hindenburgbau in Stuttgart, in: Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst, 27/1928, S. 261–272. Digitalisat Eine Kleinstküche der Handwerker- und Kunstgewerbeschule, Wiesbaden. Fachklasse Professor Karl Pullich, in: Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst, 31/1932, S. 55–57. Digitalisat Städtische Handwerker- und Kunstgewerbeschule Wiesbaden. Fachklasse Professor Karl Pullich, Tanzdiele mit Bar von Julius Rücker, in: Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst, 31/1932, S. 58. Digitalisat

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Einzelnachweise

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