Die Polizeihubschrauberstaffel Hamburg mit dem Standort am Flughafen Hamburg ist die Luftunterstützungseinheit der Polizei Hamburg. Sie ist der Behörde für Inneres und Sport (BIS) unterstellt und besteht im Jahr 2026 aus zwei Polizeihubschraubern des Typs EC135 P2.

Geschichte

1960er Jahre Die Anfänge der Polizeihubschrauberstaffel Hamburg lassen sich bis ins Jahr 1961 zurückverfolgen. Für den Flugdienst der Polizei wurde erstmals eine Maschine des Typs Bell 47G gechartert. Diese wurde von einem zivilen Piloten geflogen, während ein Polizeibeamter als Beobachter mitgenommen wurde. Die Flüge dienten der Verkehrsüberwachung und -lenkung aus der Luft. Zu dieser Zeit war ein bundesweiter Anstieg des Individualverkehrs festzustellen.

Die Sturmkatastrophe vom 16. und 17. Februar 1962 machte den zusätzlichen Einsatz von Hubschraubern des Bundesgrenzschutzes, der Bundeswehr und der Alliierten erforderlich und brachte die Einsatzkräfte an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit. Während der Katastrophe wurden ca. 914 Tonnen Trinkwasser, Lebensmittel, Decken, Bekleidung, Viehfutter usw. von 87 Hubschraubern zu den Flutopfern transportiert. Die Katastrophe erreichte ein Ausmaß, wie es die Menschen dort zuletzt im Zweiten Weltkrieg erlebt hatten. Die Flut erreichte am Pegel St. Pauli eine Höhe von 5,73 m über Normalstand.

Die eingesetzten Hubschrauber überzeugten durch ihre vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten. Sie kamen vorwiegend zum Einsatz, um Menschen aus den überschwemmten Gebieten zu retten und Eingeschlossene zu versorgen. Wo die Schlauchboote der Feuerwehren, der Polizei, des Technischen Hilfswerks, der Bundeswehr und anderer Helfer nicht hinkamen, kamen Hubschrauber zum Einsatz.

Bei diesen Einsätzen zeigte sich die Überlegenheit des Hubschraubers besonders eindrucksvoll. Dies könnte der Grund dafür gewesen sein, dass die Hamburger Bürgerschaft im September 1963 auf Initiative des damaligen Innensenators Helmut Schmidt (SPD) den Kauf von zwei gebrauchten Hubschraubern beschloss. Ausgerüstet war die Staffel zunächst mit einem Hubschrauber des US-amerikanischen Unternehmens Bell vom Typ 47 J3. Im folgenden Jahr kam ein zweiter hinzu. Die beiden Maschinen wurden von der Polizeihubschrauberstaffel NRW übernommen, die ihre Flotte durch vier Alouette II erneuerte. mini|Polizeihubschrauber Bell 47 J3 Am 4. August 1964 wurde die Polizeihubschrauberstaffel Hamburg offiziell ins Leben gerufen. Bereits am 8. August 1965 kam es zu einem Unfall, als eine Maschine im Schwebeflug eine abgestellte Leiter mit den Rotorblättern traf und dabei schwer beschädigt wurde. Der Sachschaden belief sich auf 60.000 DM. Die beiden Maschinen überwachten den Verkehr in der Hansestadt, vor allem auf den Autobahnen. Sie suchten Straftäter, spürten Vermisste auf und retteten Menschen, die in Not geraten waren. Zu ihrem Einsatzgebiet gehörten auch die Hamburger Inseln Neuwerk und Scharhörn in der Elbmündung. Bei starkem Eisgang versorgten sie die Inseln aus der Luft. Innerhalb kurzer Zeit waren die Hubschrauber startbereit und erreichten jeden Punkt in der Hansestadt innerhalb von etwa sieben Minuten.

Der Funkrufname „Libelle“ wurde schon damals verwendet. Die Bell 47 J3 hatte vier Sitze, ihr Motor hatte 310 PS und brachte den Hubschrauber auf eine Geschwindigkeit von etwa 140 km/h. Die Maschinen konnten bis zu 2:45 Stunden in der Luft bleiben. Sie waren am Flughafen Fuhlsbüttel stationiert. Erster Kommandeur der Staffel wurde ein ehemaliger Aufklärungsflieger und Ritterkreuzträger der Wehrmacht.

Bereits im Februar 1965 zeichneten sich die ersten Umwelteinsätze ab. Zum ersten Mal wurden Umweltsünder dabei erwischt, wie sie Altöl in die Elbe einleiteten. Die Polizeihubschrauber bekamen von den Schiffsführern den Spitznamen „Öl-Auge“. Im April 1965 wurden erste Versuche mit Fernsehkameras an Hubschraubern durchgeführt. Die Fernsehbilder wurden ins Polizeipräsidium Hamburg übertragen. Die polizeitaktische Überwachung und Führung der Einsatzkräfte bei Großveranstaltungen aus der Luft wurde erstmals bei dem Besuch der englischen Königin Elisabeth II. im Mai 1965 durchgeführt.

Da es sich bei der Bell 47 J3 um ein auslaufendes Produktionsmuster handelte, beschloss die Bürgerschaft im Herbst 1969 den Kauf von zwei fabrikneuen Turbinenhubschraubern des Typs Alouette II. Die Hubschrauber wurden im Januar und Mai 1970 geliefert und ausgerüstet. Die besonders leichte Konstruktion bestand lediglich aus Plexiglas und Stahlrohren. Sie kostete 750.000 Mark, hatte einen 530 PS starken Motor und erreichte eine Geschwindigkeit von rund 175 km/h. Zu dieser Zeit verfügte die Hubschrauberstaffel über fünf Piloten, fünf Bordwarte und einen Beamten in der Leitstelle. Die Ausbildung fand in einer Flugschule statt, dauerte etwa 14 Monate und kostete damals rund 120.000 DM.

1970er Jahre Während die Flugstunden im Jahr 1964 noch bei etwa 332 Stunden lagen, waren es 1970 bereits 765 Stunden. Im Jahr 1971 absolvierte ein Beamter der Staffel den Lehrgang für die Prüferlizenz der Klasse II. Aufgrund dieser Lizenz wurde die Hubschrauberstaffel als luftfahrttechnischer Betrieb durch das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig anerkannt.

Die erste Dienststelle der Staffel befand sich in Halle B der damaligen Charterflughalle des Flughafens Hamburg. Diese Unterkunft entsprach jedoch nicht den für einen Dienstbetrieb erforderlichen Kriterien. Eine räumliche Verbesserung wurde durch die Anmietung von Räumen bei der Lufthansa in den Hallen 3/4 erreicht. Diese Räumlichkeiten mussten jedoch 1977 aufgrund des Eigenbedarfs der Lufthansa wieder aufgegeben werden. Im März 1978 bezog die Staffel die neu gebaute Dienststelle an der östlichen Ecke des Vorfelds (Gebäude 181).

Ende der Siebzigerjahre wurde eine Modernisierung der Flotte in Erwägung gezogen. Ein modernes Hubschraubermuster sollte den veränderten Einsatzschwerpunkten, dem Kraftstoffverbrauch usw. Rechnung tragen. Außerdem sollten eine bessere Ausrüstung, die Möglichkeit des Mitflugs von Flugbeobachtern und eine höhere Zuladung ohne starke Einschränkung des Kraftstoffvorrats erreicht werden.

Hinzu kam, dass sich der Einsatzraum in Hamburg überwiegend über bebautem Gebiet befindet und es aus Sicherheitsgründen erforderlich war, zweimotorige Hubschrauber zu bevorzugen. Im Falle eines Triebwerksausfalls kann die Redundanz einen Absturz verhindern, da das zweite Triebwerk für eine gewisse Zeit die notwendige Leistung zur Fortsetzung des Flugs erbringen kann.

1980er Jahre mini|MBB Bo 105 CBS über der Elbe beim Jenisch-Haus Zwischenzeitlich hatte die deutsche Luftfahrtindustrie mit der MBB Bo 105 ein entsprechendes Hubschraubermodell auf den Markt gebracht. Ein nicht unerheblicher Faktor für den Erwerb war zudem die Tatsache, dass erforderliche Wartungsarbeiten im Werk Hamburg-Finkenwerder durchgeführt werden konnten. Die Entscheidung fiel zugunsten der Version CBS, die eine etwa 30 cm längere Kabine hat als die ursprüngliche Version. Die erste Maschine mit dem Kennzeichen D-HARU wurde am 28. Mai 1979 ausgeliefert, die zweite Maschine (D-HADO) am 9. Juli 1981. Die zwei Millionen Mark teuren Maschinen verfügten über die damals neueste Technik und waren mit zwei leistungsstarken Triebwerken mit zusammen 850 PS ausgestattet. Sie erreichten eine Geschwindigkeit von 260 km/h und hatten einen Aktionsradius von 600 Kilometern. Neben den Piloten können noch drei weitere Personen mitfliegen.

Von den 376 Flügen im Jahr 1984 entfielen 182 auf normale Streifenflüge, darunter 52 sogenannte Elbe-Streifenflüge. Bei diesen Flügen wurden häufig Beamte der Wasserschutzpolizei mitgenommen, um die Einhaltung der schifffahrtsrechtlichen Bestimmungen im Schiffsverkehr auf der Elbe zu überprüfen.

Aufgrund des hohen Wartungsaufwandes war mit nur zwei Hubschraubern keine ständige Einsatzbereitschaft möglich. Daher wurde am 10. Dezember 1987 mit Unterstützung des Katastrophenschutzes die D-HAWO als „Libelle 3“ in den Dienst gestellt.

mini|203x203px|Wappen der "PHuSt"

2000er Jahre Im Jahr 2004 trat erstmals eine Frau ihren Dienst als Hubschrauberführerin an. Im selben Jahr ersetzen zwei Eurocopter EC 135 die alten MBB-Maschinen. Die beiden Maschinen kosteten sechs Millionen Euro und wurden in Donauwörth bei Airbus Helicopters gebaut.

2010er Jahre Ergänzend wurde die Flugbesatzung ab Januar 2016 um einen Operator erweitert, sodass das Cockpit nun aus drei Personen besteht. Im November 2016 wurde die Ausrüstung um ein neues Video- und Wärmebildsystem inklusive eines polizeitaktischen Arbeitsplatzes erweitert. mini|Polizeihubschrauber "Libelle 1"

2020er Jahre Ab 2025 lief bei der Polizei Hamburg ein interner Strategieprozess unter dem Arbeitstitel „Polizei 2030“. Mit diesem sollte die Behörde zukunftsfähig gemacht werden. In diesem Zuge wurden Einheiten auf den Prüfstand gestellt, die lange fester Bestandteil des Außenbildes der Polizei waren: die Reiterstaffel, die Polizeihubschrauber und das Polizeiorchester.

Während andere Länder auf den modernisierten Airbus H145 setzen, prüft Hamburg, die kleineren Eurocopter EC135 durch Drohnen zu ersetzen, da diese flexibler und günstiger einsetzbar wären. Aufklärungsflüge über der Unterelbe absolviert bereits heute eine Drohne.

Am 21. August 2026 wurde bekannt, dass die beiden mittlerweile 20 Jahre alten Hubschrauber „Libelle 1“ und „Libelle 2“ abgeschafft werden. Im Jahr 2025 beliefen sich die Kosten für die Staffel auf drei Millionen Euro. Ihre Aufgaben werden in Zukunft von Drohnen übernommen. Diese sollen auf den Dächern von Kommissariaten stationiert werden. Wie Polizeipressesprecher Sebastian Born mitteilte, sind Drohnen viel besser verfügbar, schneller, günstiger und leiser.

Zwischenfälle Am 6. August 1996 stürzte eine MBB Bo 105 (D-HAWO) bei einer Rettungsübung in das Hafenbecken von Neustadt an der Ostsee. Ein an dem Hubschrauber hängendes Rettungsnetz hatte sich in den Rotorblättern verfangen und diese abgerissen. Dabei kamen zwei Besatzungsmitglieder und drei Taucher ums Leben. Ursache des Unfalls war das Verbindungskabel zwischen Lasthaken und dem unter dem Hubschrauber montierten Personenrettungsnetz. Dieses geriet in den Hauptrotor, nachdem die Außenlast unkontrolliert in Schwingung geraten war.

Wie sich später herausstellte, waren bei der Übung ein zu kurzes Seil und ein zu leichtes Rettungsnetz benutzt worden. Bei dem Netz handelte es sich zudem um eine selbstgebaute Vorrichtung. Laut dem Bericht der Flugunfall-Untersuchungsstelle habe dieser Aufbau das Aufschaukeln begünstigt. Der Pilot soll zudem nur über wenig Erfahrung verfügt haben.

Name Die Fluggeräte verfügen über Rufzeichen (oder Funkrufnamen), mit denen sie sich in Flug- und Polizeifunk melden und angesprochen werden. Im Fall der Polizeihubschrauberstaffel Hamburg ist es die Libelle (Odonata) eine Ordnung innerhalb der Klasse der Insekten. Bei der Gründung der Staffel sollten die Hubschrauber Hummel heißen, doch der Name war bereits an die Flotte der Polizeifliegerstaffel Nordrhein-Westfalen vergeben.

Aufgaben Die 17-köpfige Crew, darunter 13 fliegende Polizisten, ist von Montag bis Freitag zwischen 11 und 21 Uhr im Einsatz. Die Hubschrauber starten etwa 400 Mal pro Jahr und können jeden Punkt in Hamburg innerhalb von sieben Minuten erreichen (Stand 2024).

Aufgabenstruktur der Polizeihubschrauber Überwachung und Lenkung des Straßenverkehrs, Überwachung im Rahmen des Umweltschutzes in der Stadt, auf dem Land und auf dem Wasser, Aufklärung und Lageübertragung per Kamerasystem bei besonderen Einsätzen, Verfolgung, Fahndung und Observation, Anfertigung von Luftbildaufnahmen und Videoaufzeichnungen/-übertragungen, Durchsagen und Warnungen über die Außenlautsprecher, Transport von SEK-Kräften oder Tauchern auch außerhalb des PHS, Unterstützung des Katastrophenschutzes bei der Überwachung von Hochwasseranlagen, Unterstützung des DRK/ASB bei der Verlastung von Rettungshunden.

Kooperationen mini|Libelle 2 über Hamburg