alternativtext=Banner/Logo der Formel 1 des Ostens|rand|mini|Banner/Logo der Formel 1 des Ostens Jürgen Meißner (* 17. März 1950 in Dresden) ist ein deutscher Ingenieur, Automobilrennfahrer sowie Motorsporthistoriker und ‑journalist.

Leben alternativtext=Jürgen Meißner auf dem Lausitzring 2024|mini|Jürgen Meißner auf dem Lausitzring 2024 Meißner besuchte bis 1968 die Erweiterte Oberschule (EOS) „Romain Rolland“ in Dresden und schloss diese mit dem Abitur mit Berufsausbildung zum Elektromonteur ab. Von 1968 bis 1972 studierte er an der TU Dresden mit dem Abschluss eines Diplom-Ingenieur für Informationstechnik. Zwischen 1988 und 1989 erwarb er an einer Abendschule zudem einen Facharbeiterabschluss als Kraftfahrzeugschlosser.

Seine Sportlaufbahn begann Meißner als Judoka bei der HSG TU Dresden und später bei Lokomotive Dresden und erreichte einen Meistergrad. Durch eine Sportverletzung musste er den Sport aufgeben und begann mit dem Rallyesport, zunächst auf einem Moskwitsch-408IE und dann 412. Sein Mechaniker Michael Paufler vermittelte ihn den Kontakt zu Ulli Melkus. Er inspirierte Meißner, zum Formelsport zu wechseln. Er erwarb von Volker Worm einen HTS-Rennwagen und begann 1980 Bergrennen mit der Startnummer 57 zu fahren. Dort qualifizierte er sich für 1981 zur Rundstreckenlizenz der Leistungsklasse II (gedrosselte Motorleitung). Melkus hielt den HTS-Rennwagen von Meißner für nicht zeitgemäß und so baute Meißner im Winter 1980/1981 einen baugleichen Rennwagen, wie der von Melkus auf. Bereits 1982 wurde er mit ihm DDR-Bester und erwarb dadurch die Rennstreckenlizenz der Leistungsklasse I – der „Königsklasse“ im Formelrennsport der damaligen Ostblockländer (DDR, UdSSR, ČSSR, Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien). Damit erhielt er aus dem Startnummernspiegel der DDR die Nummer 89. Durch seine Erfolge wurde Meißner 1984 in die Nationalmannschaft der DDR im Pokal für Frieden und Freundschaft der sozialistischen Länder berufen, in der er bis 1989 Mitglied war. Am Erfolg waren seine Rennmechaniker Michael Paufler, Ulrich Naumann und Henning Tewes maßgebend beteiligt.

Durch die nach der politischen Wende einhergehende westliche Begriffsfindung des Ostrennsports wurden die Pokalläufe der sozialistischen Länder zur „Osteuropäischen Weltmeisterschaft“ definiert.

alternativtext=6-Punkt-Sicherheitsgurt von Jürgen Meißner|mini|6-Punkt-Sicherheitsgurt von Jürgen Meißner Durch die Art der Entwicklung von Rennwagen in der DDR – Rennfahrer, Mechaniker und ehrenamtliche Fachkräfte entwickeln und bauen Rennwagen – übernahm Meißner 1985 die Entwicklung des ersten 6-Punkt-Sicherheitsgurtes im Motorsport der sozialistischen Länder. Er war im Verschluss auf einem dann patentierten Nockensystem aufgebaut, entgegen westlichen Gurten, die einen Drehverschluss entwickelten.

Rennfahrer in der DDR wurden ähnlich wie andere Leistungssportler in der öffentlichen Darstellung des sozialistischen Sports genutzt. Neben ihrer sportlichen Tätigkeit wirkten sie bei Veranstaltungen, Film- und Fernsehproduktionen sowie in der Öffentlichkeitsarbeit mit. Aufgrund ihrer fahrerischen Erfahrung wurden Motorsportler gelegentlich für Fahrszenen und Stuntaufnahmen eingesetzt.

Jürgen Meißner war mehrfach an Fernseh- und Filmproduktionen beteiligt. Dazu gehörten Einsätze für die Fernsehsendung „Verkehrskompass“ mit dem Schauspieler Günter Schubert. Außerdem wirkte Meißner für den Werbefilm des „Trabant Tramp“ mit. Der Film wurde im Zusammenhang mit der Vermarktung des Fahrzeugs im Ausland produziert und nach zeitgenössischen Angaben auch in westlichen Kinos im Vorprogramm gezeigt.

Mit der politischen Wende sah Meißner keine Chance, mit seinem Rennwagen der westlichen Konkurrenz ebenbürtig zu sein und verkaufte diesen Rennwagen mit Transporten und allem Equipment.

Im Jahr 2000 nutzte Meißner die elektronischen Medien, um zunächst seine Rennsportgeschichte und danach den Formelrennsport in den sozialistischen Ländern im Web mit dem Namen „Die Formel 1 des Ostens“ zu veröffentlichen. Durch die journalistische Aufarbeitung wurde insbesondere für die westlichen Ländern die nicht industrielle und nicht kommerzielle Umsetzung des Motorsports zu Kenntnis gebracht. Ziel war es, den Motorsport im Osten als Leistungssport für Jedermann mit gleicher Renntechnik zu publizieren.

Im Jahr 2022 erhielt Meißner Kenntnis davon, dass sein lange verschollen geglaubter Rennwagen noch existierte. Er erwarb das Fahrzeug zurück und restaurierte es aufwendig im Stil der Werbejahre 1982 bis 1986, einschließlich der charakteristischen „SUMMAVIT“-Lackierung und der Startnummer 89.

Im Jahr 2023 präsentierte er den Rennwagen unter großem Medieninteresse der Öffentlichkeit. Entgegen seiner ursprünglichen Absicht, das Fahrzeug ausschließlich bei Präsentationen einzusetzen, schrieb sich Meißner 2024 in die Rennwagenklasse des ADAC Historic Cup Ost (AHCO) ein und nimmt seitdem wieder aktiv am Rennbetrieb teil.

Erfolge 1982: DDR-Bester 1980–1989: 5 Siege auf der Rundstrecke und 8 Siege bei Bergrennen 1984–1989: dreifacher Sieger in der Teamwertung der Nationalmannschaft der DDR, heute begrifflich „Osteuropäische Weltmeisterschaft“ 2024: AHCO – 3. Platz Most 2024: AHCO – 3. Platz Oschersleben 2024: AHCO – 3. Platz Balaton Park Circuit

Literatur

Filmographie 2006 – Intern. Hofer Filmtage 29.10.2006, „Die Formel Ost“ – Deutschland, Regie von Johannes Rosenstein und Ralf Bücheler

Weblinks

Einzelnachweise

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