mini|hochkant|Johann Theodor von Castelberg Johann Theodor von Castelberg (auch Gion Teodor de Castelberg; * 1748; heimatberechtigt in Disentis; † 29. Dezember 1818 ebenda) war ein Bündner Landrichter, Gesandter sowie bündnerromanischer Dramatiker und Dichter. Er gilt als «führender Politiker in der Endzeit des alten Bündner Freistaats».Claudio Vincenz: Castelberg, Gion Teodor de. In: Theaterlexikon der Schweiz, 2005. Abgerufen am 19. März 2026.
Leben und Wirken Johann Theodor von Castelberg war Sohn des Landrichters Conradin Andreas von Castelberg und der Maria Margaretha Paula von Castelberg. Maria Elisabeth von Capol, eine Landammannstochter aus Andiast, wurde seine Ehefrau. Seine jüngeren Brüder waren der Generalmajor Johann Anton und der Oberst Joachim Michael Liberat von Castelberg. Nach dem Studium in Pavia wurde Castelberg 1766 Bundsschreiber.
Castelberg war zwischen 1777 und 1798 sechsmal Landrichter des Grauen Bundes. Nachdem er 1791 als Syndikator (Oberaufseher) im Veltlin diente, leitete er im folgenden Jahr eine erfolglose Bündner Gesandtschaft um in Mailand eine Lösung der Veltlinerfrage zu finden. Als sich Castelberg 1799 als politischer Anführer gegen die Franzosen stellte, wurde er gefangen genommen und für 18 Monate nach Salins deportiert.
Nach seiner Rückkehr im September 1800 übersetzte Castelberg für die Bühnen der Klosterschule Disentis und der Jungmannschaften. Er übertrug zehn deutsche Dramen ins Surselvische. Darunter waren fünf moralisierende, antiaufklärerische jesuitische Schulstücke aus der Reihe Etwas wider die Mode des Augsburger Jesuiten Franz Xaver Jann. Er übersetzte frei, baute komische Szenen ein und gab den Werken Lokalkolorit mit Ortsnamen aus der Surselva, Anspielungen auf die französische Besatzung und dem Disentiser Dorfbrand von 1799. Castelberg verherrlichte das Ancien Régime, rechtfertigte seine Politik und gab Seitenhiebe auf die Zeiten von Helvetik und Mediation. Seine Sprache ist unpuristisch und reich an idiomatischen Ausdrücken. Neben einer bedeutenden politischen Korrespondenz, die seine literarische Arbeit nicht erwähnt, sind auch lyrische Originaltexte erhalten.
Werke (Übersetzungen) Gotthold Ephraim Lessing: Die Juden (zwei Versionen) Der Schatz August von Kotzebue: Die schlaue Witwe oder Die Temperamente Der Deserteur Ulysses von Salis-Marschlins: Der Eidgenössische Bund der Bewohner der Gebirge an den drey Quellen des Rheins Franz Xaver Jann: Die Soldaten im Winterquartier Ey so beiss! oder Der missvergnügte Holzhacker Der junge Freygeist Paulinus von Nola oder Die wahre Menschenliebe Die väterliche Rache Vorlage unbekannt: Il viandont dellas Jndias
Literatur Claudio Vincenz: Die Dramen von Gion Theodor de Castelberg, (1748–1818). Chur 1999 (Dissertation), Fribourg 1998. Bedeutende Bündner aus fünf Jahrhunderten. Calven, Chur 1970. Band 1, S. 337–340. Reto R. Bezzola: Litteratura dals Rumauntschs e Ladins. Chur 1979. Erwin Poeschel: Die Familie von Castelberg, Sauerländer, Aarau 1959.
Belege
Kategorie:Politiker (Schweiz vor 1848) Kategorie:Person (Helvetik) Kategorie:Übersetzer aus dem Deutschen Kategorie:Übersetzer ins Rätoromanische Kategorie:Autor Kategorie:Drama Kategorie:Lyrik Kategorie:Literatur (Rätoromanisch) Kategorie:Literatur (Schweiz) Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Disentis/Mustér Kategorie:Person (Kanton Graubünden) Johann Theodor Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1748 Kategorie:Gestorben 1818 Kategorie:Mann