mini|Rudolf Slawitschek Rudolf Slawitschek (* 6. Dezember 1880 in Prag; † 6. Mai 1945 ebenda) war ein böhmischer Jurist und Schriftsteller.
Leben Er wurde am 6. Dezember 1880 als Sohn eines österreichischen Försters in Prag auf der Kleinseite geboren; seine Mutter, eine geborene Koller, stammte aus Prag. Dort wuchs er auch auf, studierte an der Karlsuniversität und promovierte zum Dr. jur. – seine Laufbahn in kaiserlichen Diensten schien vorprogrammiert. Er schrieb auch bis zum Ersten Weltkrieg sehr anerkannte Fachbücher. Doch das Ende des Krieges und die Entstehung der ersten tschechoslowakischen Republik bremste seine aufsteigende Karriere im Staatsdienst ab, und er wandte sich mehr der Literatur zu.
Besonders als seine erste Frau Margarethe, geborene Müller, die aus Krummau stammte, starb, schrieb er für seine Tochter die erwähnten Jugendbücher. 1923 heiratete er wiederum eine Krummauerin, Margarethe Neubauer, und kam in der Folgezeit öfter nach Krummau. Dort spielt auch sein bekanntestes Buch Der blaue Herrgott, für das er den Literaturpreis der Stadt Prag bekam. Es erschien 1927 in der Schriftenreihe zu Gunsten des Böhmerwaldmuseums in Oberplan. Nach mehrjähriger Vorbereitungszeit folgte 1939 der historische Roman Hans Adam Löwenmacht, eine phantasievolle Erzählung mit Anklängen an mystische Prager Fabelgeschichten.
Weil Slawitschek, der als beamteter Jurist beim Landesvermessungsamt tätig war, als Deutscher beruflich – besonders auch durch seine Publikationen über den Sprachengebrauch, über Selbstverwaltung und Autonomie – schwere Rückschläge erlitt, wandte sich sein ganzes Interesse dem Buche zu. Er wurde zum Sammler von Büchern und besaß eine der größten privaten Büchersammlungen in Prag.
Als letztes Werk erschien von ihm der Roman Liebe zwischen Traum und Tod, ein Buch, das schon sehr durch autobiographische Kriegserlebnisse geprägt ist. Im Krieg erschien noch in der Steinbrener Druckerei in Winterberg das Märchenbuch Märchen – Reigen, das vielleicht noch manchen Winterbergern bekannt ist. Slawitschek verlebte die Schrecken des Krieges umgeben von dem reichen Schatz an Büchern in Prag. Gegen Kriegsende wollten ihn Bekannte zur Flucht aus der Stadt überreden. Seine Antwort entsprach vollkommen seiner Überzeugung und Lebenserfahrung. Er sagte angeblich: „Ich gehöre zu Prag. Ich habe schon einmal einen Umsturz überlebt; nach ein paar Tagen wird wieder alles gut.“
Über seinen Tod gibt es verschiedene Aussagen. Einige sagten, er sei gleich zu Beginn der Revolution in seiner Wohnung erschossen worden, andere geben den 18. Mai 1945 als Todestag an, als er in den Straßen Prags erschlagen wurde. Jedenfalls wurde er von seiner Frau getrennt, die in einem Prager Stadion und in einem ostböhmischen Konzentrationslager über ein halbes Jahr ausharren musste, bis ihre Stieftochter sie nach Österreich holen konnte.Nach Rosa Tahedl: Rudolf Slawitschek – ein fast vergessener Schriftsteller in Zs. „Hoam!“ 54. Jg. Mai 2001
Ehrungen Literaturpreis der Stadt Prag
Werke
Romane und eigenständige Prosaausgaben
Der blaue Herrgott. = Oberplan, Verein Böhmerwaldmuseum 1927. 247 S. Hans Adam Löwenmacht. A phantastischer Roman aus der Barockzeit. = Brünn, Rudolf M. Rohrer Verlag 1939. 372 S. – 2. Aufl. 362 S. = Brünn, Rudolf M. Rohrer Verlag 1942. 355 S. – gekürzt. = Stuttgart 1997, Edition Weitbrecht. 411 S. – gekürzt. Nachwort von Franz Rottensteiner. Liebe zwischen Traum und Tod. = Prag, Noebe & Co. Verlag 1942. 316 S.
Kurzgeschichtensammlungen
Anastasius Katzenschlucker, der große Zauberer. Ein fröhliches Märchenbuch. = Prag, Deutscher Kulturverband 1928. 103 Seiten Inhalt: Wie Anastasius Zauberer wurde; Der Katzenkrieg; Das stumme Dorf; Das Meisterstück; Vom Kaminfeger, der nicht schwarz sein wollte; Das Wettzaubern; Die Erfindung des Osterhasen. Das große Buch und andere Geschichten. = Braunau, Ostböhmische Druckerei und Verlagsanstalt 1935. 286 Seiten. Inhalt: Das große Buch; Der Apfel aus dem Paradiese; Die sieben Wirtshäuser Erich Gläsers Verlobung; Der Grenzstein; Der Todeskandidat; Auf der Flucht vor dem Mitleid; Die Stunde der Tiere; Das Experiment; Der grüne Bischof; Der Spiralsäbel (Eine Erinnerung aus der Studentenzeit); Zwischen Diesseits und Jenseits. Von Zwergen und Zauberern, Prinzessinnen, Hexen und klugen Tieren. = Winterberg, Steinbrener Verlag 1935. 87 S. Inhalt: Die Kartoffel-Prinzessin; Die verlorene Puppe; Die beiden Freunde; Der Schwammerlkönig; Das Büblein aus Amerika; Die Reise ins Hühnerland; St. Nikolaus und die neugierigen Kinder; Alles doppelt; Ich weiß schon; Der Mond und der Kuckuck. - Wieder unter dem Titel: Märchen-Reigen. Ein Märchenbuch. = Winterberg, Steinbrener Verlag 1941. 77 S. - Wieder unter dem Titel: Schwammerlkönig und andere Märchen. = Winterberg, Steinbrener Verlag 1943. 76 S.
Teilnahme an Anthologien
Die Stadt am Strom. Dichter erzählen von Prag und seiner Geschichte. = Bayreuth, Gauverlag Bayerisch Ostmark 1941. 108 S. - Rudolf Slawitschek: Großvater Koller (S. 42–48). Das Wundersame Stadt. Prager Geschichten. = Prag, Verlag A. Haase 1942. 112 S. - Rudolf Slawitschek: Infusorien (S. 62–68).
Fachartikel
Beiträge zur öffentlich-rechtlichen Begriffskonstruktion. = Berlin/Leipzig, W. Rothschild Verlag 1910. 29 S. - Archiv für Rechts- und Sozialphilosophie, Beiheft Nr. 5. Die Frage des Sprachengebrauchs bei den autonomen Behörden in Böhmen. = Prag J.G. Calve Verlag 1910. 51 S. Selbstverwaltung und Autonomie. = Leipzig, Duncker & Humblot Verlag 1910. 129 S. Die Selbstverwaltung in Böhmen. = Aussig, Kommisssionsverlag Ad. Beckers Buchhandlung (E. Miksch) 1913. 282 S. Unsere Selbstverwaltung, ihr Wesen, Recht und Ziel. = Prag, Deutscher Verein zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse 1915. 72 S. - Sammlung gemeinnütziger Kenntnisse, Beiheft 4. Die Grundlagen der neuen Zeit. = Prag, Deutscher Verein zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse 1917. 15 S. - Sammlung gemeinnütziger Vorträge Nr. 466. Die Selbstverwaltung nach dem Kriege. = Warnsdorf, E. Strache Verlag 1918. 58 S. - Flugschriften zum Neuaufbau Deutschösterreichs Nr. 31/32. Der Werdegang der österreichischen Verfassung. I. Teil: Vom Beginn des Verfassungslebens bis zum Silvesterpatent (1851). = Leipzig, Schulwissenschaftlicher Verlag A. Haase 1918. 93 S. - Österreichs Ruhmeshalle. 4. Reihe Nr. 17. Der Werdegang der österreichischen Verfassung. II. Teil: 1851–1867. = Leipzig, Schulwissenschaftlicher Verlag A. Haase 1920. 95 S. - Aus Österreichs Vergangenheit Nr. 18. Die staatlichen Einrichtungen der Tschecho-slowakischen Republik. = Prag, Deutscher Verein zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse 1922. 19 S. - Sammlung gemeinnütziger Vorträge Nr. 520.Aus dem Bibliographischen Lexikon der utopisch-phantastischen Literatur (Loseblattwerk), Meitingen, Corian-Verlag Heinrich Wimmer, 49. Ergänzungslieferung vom April 1997, zitiert nach
Literatur
Bibliographisches Lexikon der utopisch-phantastischen Literatur (Loseblattwerk), Meitingen, Corian-Verlag Heinrich Wimmer, 49. Ergänzungslieferung vom April 1997 Rosa Tahedl: Rudolf Slawitschek – ein fast vergessener Schriftsteller in Zs. „Hoam!“ 54. Jg. Mai 2001
Weblinks
https://de.wikisource.org/wiki/Rudolf_Slawitschek Rudolf Slawitschek in der DNB Rudolf Slawitschek in der tschechischen Nationalbibliothek Dokumente
Einzelnachweise
Kategorie:Jurist Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Geboren 1880 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Mann