mini|Blick in den Altarraum mini|St. Antonius von Padua Die Johanneskirche (St. Johannes Baptist) ist eine römisch-katholische Pfarrkirche in der Großen Kreisstadt Backnang im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Sie entstand in der Oberen Bahnhofstraße in den Jahren 1893/94 im Stil der Neogotik nach Plänen des Architekten Ulrich Pohlhammer. Sie ist dem Patrozinium Johannes des Täufers anvertraut.

Geschichte Mit der Einführung der Reformation durch Herzog Ulrich 1535 wurde Backnang wie ganz Altwürttemberg evangelisch-lutherisch. Nur eine kleine Minderheit blieb „altgläubig“, beispielsweise einige Augustiner-Chorherren des Stifts Backnang. Viele Chorherren verließen die evangelisch gewordene Stadt, andere konvertierten schließlich zum Protestantismus. 1593 starb der letzte katholisch gebliebene Chorherr von Backnang. Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618 bis 1648) ließen sich Jesuiten unter Michael Weidenhiller im Backnanger Stift nieder, die nach dem Westfälischen Frieden 1648 die Stadt wieder verlassen mussten. Im 17. und 18. Jahrhundert war Backnang eine rein evangelische Stadt. Erst im 19. Jahrhundert ließen sich im Zuge der Industrialisierung wieder katholische Christen in größerer Zahl in Backnang nieder. Zur Zeit der Deutschen Reichsgründung (1871) lebten bei einer Gesamtbevölkerung von 4277 Einwohnern lediglich 71 Katholiken in Backnang. Diese waren nach Oppenweiler eingepfarrt.Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 125. Dort hatten die „altgläubig“ gebliebenen Herren von Sturmfeder katholische Messen ermöglicht. Durch weiteren Zuzug wurde die katholische Kirche von Oppenweiler bald zu klein. Deshalb wurde beschlossen, in Backnang eine eigenständige Pfarrei einzurichten und eine Kirche zu bauen. Am 21. September 1893 war die Grundsteinlegung durch Pfarrer Johann Baptist Geiger. Am 20. November 1893 wurde das Richtfest gefeiert. Am 28. August 1894 fand Weihe der Kirche durch den Bischof Wilhelm von Reiser statt.

Benannt wurde die Johanneskirche nach Johannes dem Täufer, der als Schutzpatron der Weber, Kürschner, Färber und Gerber gilt. Wegen ihrer Lederfabriken trug Backnang in jener Zeit auch den Beinamen süddeutsche Gerberstadt und verfügte auch über eine bedeutende Textilindustrie.

König Wilhelm II. von Württemberg spendete 5000 Mark für den Kirchenbau; 170.000 Mark kamen aus einer Erbschaft.

Renovierungen fanden 1941 bis 1947, 1964, 1968, 1994 und 2004 statt.

Gemeinde mini|Gottesmutter von Fátima Die Kirche wird auch von der portugiesischen Gemeinschaft genutzt. Portugiesen sind in der Wirtschaftswunderzeit in größerer Zahl nach Backnang eingewandert. Auf Wunsch der portugiesischen Gemeindemitglieder wurde eine Statue der Gottesmutter von Fátima links vom Altar platziert. Muttersprachliche Gottesdienste werden in der Regel samstags um 19:30 Uhr angeboten. Weiterhin gibt es Gottesdienste in kroatischer und polnischer Sprache.

Pfarrer 1895–1910: Franz Müller 1910: August Ohrenberger 1910–1917: Nikolaus Steinhauser 1917: Joseph Wirth 1917–1920: Karl Mahringer 1920–1936: Karl Frieser 1936–1937: Johannes Gräser 1937–1952: Max Hanser 1952–1956: Bruno Neubauer 1956–1958: Josef Manz (Pfarrverweser) 1958–1967: Oskar Eckhardt 1967–2000: Egon Saupp 2001–2014: Ulrich Kloos seit 2014: Wolfgang Beck

Architektur und Ausstattung Für den Bau der neugotischen Kirche wurden Ziegelsteine aus den Klinkerwerken von Wasseralfingen verwendet. Die Innenausstattung war zu Beginn ebenfalls im neugotischen Stil gehalten. Zu ihr gehörte ein neugotischer Hochaltar, eine Kanzel und Säulen von Raimund Knaisch. Den Altar und die anderen Ausstattungen fertigte der Bildhauer Josef Staudenmaier (Kleinsüßen). Die Glasgemälde stammen von dem bayerischen Hofglasmaler Gustav van Treeck (1854–1930) aus München. Während der 1940er Jahre wurde die Innenausstattung verändert, doch die Arbeiten kamen durch die Entwicklungen des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen. Erst 1947 konnten die Umbauten abgeschlossen werden. 1949 wurden die Kreuzwegstationen von Elisabeth Holoch ergänzt. 1951 wurden drei Buntglasfenster von Maximilian Bartosz (1913–2000) im Chor der Kirche eingebaut. Sie zeigen Bilder aus dem Leben und Wirken Johannes des Täufers.

Orgel mini|Orgel von Muhleisen (1987) Bereits 1894 wurde eine erste Orgel von der Firma Link angeschafft und aufgebaut. Diese erste Orgel musste 1963 dem zweiten Instrument weichen, das von der Firma Gebrüder Späth Orgelbau gekauft wurde. Dieses Instrument bewährte sich jedoch nicht. Daher wurde beschlossen, eine neue Orgel anzuschaffen. Mit der Firma Muhleisen (Straßburg) wurde ein Werkvertrag abgeschlossen. Diese dritte Orgel hat 43 Register, drei Manuale und Pedal. Sie wurde 1987 gebaut und 1988 aufgestellt.

Disposition der Orgel Die Disposition der Orgel lautet: I. Manual (Positif)1. Montre 8′2. Bourdon 8′3. Prestant 4′4. Flûte à cheminée 4′5. Nazard ′6. Quart de Nazard 2′7. Tièrce ′8. Larigot ′9. Cymbale III 1′10. Cromorne 8′ Tremulant II. Manual (Grande Orgue)11. Bourdon 16′12. Montre 8′13. Flûte à fuseaux 8′14. Prestant 4′15. Flûte 4′16. Doublette 2′17. Fourniture IV ′18. Cornet V ab g0 8′19. Trompette 8′ III. Manual (Récit)20. Bourdon 16′21. Flûte harmonique 8′22. Salicional 8′23. Voix célèste 8′24. Prestant 4′25. Flûte octaviante 4′26. Flûte traversière 2′27. Plein jeu IV–V 2′28. Basson 16′29. Trompette 8′30. Hautbois 8′31. Voix humaine 8′32. Clairon 4′ Tremulant Pedal33. Flûte 16′34. Bourdon 16′35. Flûte 8′36. Flûte harmonique 8′37. Prestant 4′38. Flûte octaviante 4′39. Flûte traversière 2′40. Plein jeu 2′41. Posaine 16′42. Trompette 8′43. Clairon 4′

Glocken In dem Glockenturm hängen drei Glocken, die zu unterschiedlichen Anlässen geläutet werden. Die ersten Glocken der Kirche wurden von der Glockengießerei Zoller (Biberach) gegossen. Während des Ersten Weltkriegs musste die katholische Kirchengemeinde zwei der drei Glocken als Metallspende abgeben, die daraufhin eingeschmolzen wurden. 1926 konnte das dezimierte Geläut durch zwei neue Glocken von Kurtz (Stuttgart) wieder vervollständigt werden. Allerdings mussten diese Glocken im Zweiten Weltkrieg wieder für Rüstungszwecke gespendet werden. 1953 goss man die zwei fehlenden Glocken bei der Gießerei Schellinger (Stuttgart) nach.

Sonstiges mini|Gedenktafel Der östliche Vorplatz der Johanneskirche trägt den Namen Pfarrer-Josef-Manz-Platz. Dieser war von 1954 bis 1956 Vikar und von 1956 bis 1958 als Pfarrverweser von St. Johannes Baptist in Backnang tätig.

Literatur Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Band 1. Deutscher Kunstverlag, Berlin/München 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 254. Pfarrer Ulrich Kloos: Die Geschichte der Katholiken Backnangs. Wie sich vor 120 Jahren wieder katholisches Leben in Backnang entwickelte. In: Backnanger Jahrbuch, Band 22, Backnang 2014, S. 122–143. Katholische Kirchengemeinde Backnang (Hrsg.): 125 Jahre Kirche St. Johannes Baptist Backnang. Backnang 2018.

Weblinks

Einzelnachweise

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