Die Luftschlacht über dem Førdefjord fand am 9. Februar 1945 zwischen alliierten und deutschen Flugzeugen unter Beteiligung deutscher Schiffe statt. Es handelte sich um den größten Luftkampf, der jemals über norwegischem Boden ausgetragen wurde. Er endete mit schweren Verlusten insbesondere der Alliierten und ging als Black Friday (Schwarzer Freitag) in die internationale Militärgeschichtsschreibung ein. Das Ereignis gilt als eine der schwersten Niederlagen des RAF Coastal Command.
Vorgeschichte Am 7. Februar lief der deutsche Zerstörer Z 33 auf dem Weg von Nordnorwegen nach Deutschland auf Grund. Die dabei erlittenen Beschädigungen machten das Schiff manövrierunfähig, so dass es von zwei Schleppern zunächst in den Førdefjord eingeschleppt wurde, wobei geplant war, dass es anschließend in Trondheim repariert werden sollte. In dieser Situation wurden die deutschen Schiffe am 9. Februar von zwei neuseeländischen Aufklärungsflugzeugen entdeckt, woraufhin auf britischer Seite sofort umfangreiche Vorbereitungen zu ihrer Versenkung in die Wege geleitet wurden. Eine multinationale Luftstreitmacht von insgesamt 45 Maschinen wurde dazu aufgeboten; darunter waren 31 Bristol Beaufighter für den eigentlichen Angriff, 12 P-51 Mustang als Jagdschutz und 2 Seenotrettungsflugzeuge vom Typ Vickers Warwick. Das Kommando hatte der 25-jährige australische Wing Commander Colin George Milson.
Verlauf Der ursprüngliche alliierte Plan hatte vorgesehen, dass man zunächst weit ins norwegische Inland fliegen und die deutschen Schiffe von Osten her attackieren wollte, um dann schnell in Westrichtung entkommen zu können, bevor evtl. deutsche Jäger eingriffen. Jedoch hatte sich der deutsche Schleppverband in der Zwischenzeit weiter in das Innere des Fjords zurückgezogen. Z 33 wurde so nahe an das steile und hohe Fjordufer gelegt, dass ein erfolgversprechender Angriff der Alliierten nur noch von einer Seite her möglich war, wobei sie zugleich heftigem Flakfeuer ausgesetzt waren. Inzwischen waren zwölf Jäger des Typs Focke-Wulf Fw 190 der 9. und 12. Staffel des Jagdgeschwaders 5 unter Führung des Staffelkapitäns der 12. Staffel, Leutnant Rudolf Linz vom rund 100 Kilometer entfernten Fliegerhorst Herdla alarmiert worden; sie trafen auf die alliierten Luftstreitkräfte, als sie gerade ihren Angriff begannen. Es entwickelte sich ein heftiges Gefecht, bei dem insgesamt 9 Beaufighter und eine P-51 durch Flak und Jagdflieger abgeschossen wurden. Eine P-51 und eine Fw 190 schossen sich gegenseitig ab, wobei der britische Pilot Cecil Caesar ums Leben kam, während sein Gegner Heinz Orlowski schwer verletzt überlebte. Der deutsche Staffelkapitän Rudolf Linz wurde ebenfalls abgeschossen und verlor sein Leben. Insgesamt 4 (nach anderen Angaben 5) Focke-Wulf Fw 190 wurden zerstört, wobei noch ein weiterer deutscher Pilot ums Leben kam.
Auf den Schiffen entstand nur verhältnismäßig geringer Schaden, allerdings verloren 4 Seeleute auf dem Zerstörer und 3 Besatzungsmitglieder eines Begleitschiffs ihr Leben. mini|320x320px|Lageplan der Luftschlacht. Die gestrichelte Linie bezeichnet den Weg der alliierten Angriffsformation. Die übrigen alliierten Flugzeuge zogen sich, teils schwer beschädigt, nach Schottland zurück, wobei ihnen zugutekam, dass die deutschen Flugzeuge aufgrund von Treibstoff- und Munitionsmangel auf die Verfolgung verzichten mussten. In Schottland gingen noch zwei Beaufighter bei der Landung zu Bruch, jedoch ohne dass die Besatzungen dabei zu Schaden kamen.
Nachwirkung Im Gefolge des Fehlschlags änderte die RAF ihre Prioritäten, indem sie als Hauptziele nunmehr die schwächer verteidigten Handelsschiffe ausgab, anstatt primär auf Kriegsschiffe Jagd zu machen. Des Weiteren wurde der Jagdschutz des Coastal Commands verstärkt.
Der Zerstörer Z 33, dem der Angriff vornehmlich gegolten hatte, konnte in Trondheim repariert und noch im selben Monat nach Deutschland überführt werden. Nach dem Krieg wurde er der Sowjetunion zugesprochen.
Leutnant Milson, der den Angriff, wie es hieß, „brillant“ geleitet hatte, bekam dafür am 13. Juli 1945 eine Spange („bar“) zum Distinguished Service Order verliehen. Dem im Luftkampf gefallenen deutschen Befehlshaber Rudi Linz wurde posthum das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen. Insgesamt hatte er 70 Luftsiege errungen.
Späteres Gedenken In Naustdal wurde nach dem Krieg ein Museum über den Black Friday eingerichtet.
Im Jahr 1985 wurde ein Gedenkstein für die gefallenen alliierten Soldaten errichtet, der später nach Bergen umgesetzt wurde.
Ein weiteres Museum befindet sich seit 1995 in Herdla; es beherbergt eine der seinerzeit dort stationierten Fw 190. Zur Eröffnung 50 Jahre nach dem Gefecht trafen sich erstmals beteiligte Gegner des Luftkampfs und schlossen enge Freundschaft miteinander.
Gedenksteine für die gefallenen alliierten Soldaten befinden sich am Flugplatz Førde in Norwegen sowie an der Dallachy Airbase, der Hauptbasis der Angriffsformation.
Die Flugzeuge von Rudi Linz und Heinz Orlowski wurden geborgen und in den USA restauriert.
Literatur
Weblinks
The Original Black Friday – A WW2 Air Battle (Englischer Dokumentarfilm einschl. Material zur Begegnung der ehemaligen Kriegsgegner, 1995) Dokumentarfilm des norwegischen Fernsehens (NRK) einschl. Original-Filmmaterial von der Schlacht und Zeitzeugenaussagen
Einzelnachweise
Kategorie:Luftkriegsoperation der Royal Air Force im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Konflikt 1945 Kategorie:Luftschlacht Kategorie:Schlacht des Zweiten Weltkriegs Kategorie:Norwegische Militärgeschichte