Das Museo di Roma ist das städtische Geschichts- und Kunstmuseum, das sich im Palazzo Braschi im Herzen des historischen Zentrums von Rom befindet. Es liegt zwischen der Piazza Navona, dem Campo de’ Fiori, dem Corso Vittorio Emanuele II und der Piazza di Pasquino. Das Museum gehört zum Netzwerk der kommunalen Museen Roms, den Musei di Roma Capitale, und gilt als die bedeutendste Institution der Stadt für die Erforschung und Vermittlung der Sozial- und Kunstgeschichte Roms vom Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert.

Geschichte Die Geschichte des Museums reicht bis in die Zeit nach der Internationalen Kunstausstellung in Rom im Jahr 1911 zurück. Im Rahmen dieser Ausstellung wurden Dokumente zu verschwundenen Berufen, Lebensweisen und der städtischen Kultur Roms aus dem 6. bis 19. Jahrhundert präsentiert. Zu sehen waren unter anderem Aquarelle des Malers Ettore Roesler Franz sowie Stiche und Stadtansichten aus verschiedenen Epochen. Diese Ausstellung ist der erste Schritt hin zu einem römischen Stadtmuseum. Der Kunsthistoriker Antonio Muñoz, der als Direktor der Abteilung für Altertümer und Schöne Künste der Stadtverwaltung Roms tätig war, gründete daraufhin das Museo di Roma. Es wurde am 21. April 1930 im ehemaligen Pastificio Pantanella eröffnet. Dies war eine große Nudelmanufaktur auf der Piazza della Bocca della Verità an der Via dei Cerchi im Ripa (Rione). In dem Gebäude war damals auch das Museo dell’Impero Romano untergebracht, das unter dem Namen Palazzo dei Musei geführt wurde. Muñoz war der erste Direktor des Museums. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1939 wurde das Museum geschlossen.

Nach Kriegsende und unter veränderten politischen Verhältnissen zog es 1952 in den Palazzo Braschi um. In diesem war bereits seit 1949 die neu gegründete Galleria Comunale d’Arte Moderna untergebracht. 1987 musste das Museum wegen umfangreicher Restaurierungsarbeiten erneut schließen. Zwischen 1998 und 2002 wurden Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. Im Frühjahr 2002 wurde es mit neuen thematischen Bereichen im zweiten und dritten Obergeschoss sowie mit Wechselausstellungsflächen im ersten Obergeschoss wiedereröffnet.

Architektur mini|Palazzo Braschi, Innenansicht, Torlonia-Alkove, 1837, aus dem zerstörten Palazzo Torlonia an der Piazza Venezia Der Palazzo Braschi ist eines der letzten großen Stadtpalais, das im Auftrag einer päpstlichen Familie in Rom errichtet wurde. Cosimo Morelli aus Imola (1732–1812), wurde mit dem Entwurf beauftragt. Das Grundstück wurde 1790 vom Papst angekauft; es befand sich an der Stelle, wo im 15. Jahrhundert das Stadtpalais des Francesco Orsini, Präfekten von Rom, gestanden hatte. Der alte Palazzo Orsini wurde 1791 abgerissen; die Bauarbeiten am neuen Gebäude nach Morellies Plänen begannen im Jahr darauf. 1804 wurden die monumentale Freitreppe und möglicherweise auch die Kapelle im ersten Obergeschoss fertiggestellt, die dem Architekten Giuseppe Valadier (1762–1839) zugeschrieben werden. Nach dem Tod des Herzogs 1816 verkauften seine Erben das Palais 1871 an den italienischen Staat. Es diente daraufhin zunächst als Sitz des Innenministeriums, dann verschiedenen faschistischen Institutionen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten dort zeitweise etwa dreihundert obdachlose Familien, bevor 1949 die Galleria Comunale d’Arte Moderna einzog. mini|Treppenhaus von Cosimo Morelli, möglicherweise nach einem Entwurf von Valadier, 1804, Stuckarbeiten von Luigi Acquisti Der Bau hat einen trapezförmigen Grundriss mit abgerundeten Ecken, die sich in Richtung Piazza di Pasquino und Piazza Navona erstrecken. Er gliedert sich in ein Erdgeschoss, ein Zwischengeschoss und zwei Hauptetagen. Die zur Piazza San Pantaleo gerichtete Hauptfassade wird von zwei großen Säulen aus Cipollino-Marmor gerahmt, welche einen langen Balkon stützen. Darüber ist das Wappen der Familie Braschi angebracht. Vom Atrium an der Via San Pantaleo gelangt man zur prächtigen Prunktreppe. Sie ist mit antiken Statuen und Stuckreliefs geschmückt, die den Mythos des Achilles darstellen und von Luigi Acquisti stammen. Die Säulen aus rotem Granit stammten ursprünglich aus dem Kreuzgang des Hospitals des Heiligen Geistes. Sie sollen zu einem Portikus gehört haben, den Kaiser Caligula am Tiber errichtete. In zahlreichen Sälen sind noch heute Temperaausmalungen aus dem späten 18. und frühen 19. Jahrhundert erhalten.

Sammlung Die Sammlung des Museo di Roma dokumentiert das kulturelle, soziale und künstlerische Leben der Stadt vom Mittelalter bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie umfasst über 100.000 Objekte, darunter Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien, Möbel, Kutschen, Sänften, Keramiken, Textilien und Kleidungsstücke sowie Architekturelemente, die bei Ausgrabungen und dem Abriss historischer Stadtviertel entdeckt wurden. Den Grundstock des Museums bildeten die 120 Aquarelle des Malers Ettore Roesler Franz, die zwischen 1879 und 1896 unter dem Titel „Roma sparita“ (Das verschwundene Rom) entstanden. Diese wurden später in das Museo di Roma in Trastevere überführt. Zu den bedeutenden Erwerbungen zählen die Sammlung von rund 5000 Zeichnungen, Druckgrafiken und alten illustrierten Büchern aus dem Nachlass des Gründungsdirektors Antonio Muñoz, eine Aquarellserie von Achille Pinelli sowie Romansichten von Ippolito Caffi. Außerdem gehören Büsten aus dem Umkreis Gian Lorenzo Berninis, die die Barberini-Kardinäle darstellen, sowie ein Altarbild der Compagnia delle Stimmate, das Guido Reni zugeschrieben wird, dazu.

Die Gemäldesammlung umfasst Werke vom 16. bis ins 18. Jahrhundert. Sie stammen von Malern wie Andrea Sacchi, Pierre Subleyras, Pier Leone Ghezzi, Marco Benefial und Pompeo Batoni. Hinzu kommen Werke von Giovanni Volpato, Ippolito Caffi, Giuseppe Ceracchi, Felice Giani, Giovanni Paolo Panini, Bartolomeo Pinelli, Giovanni Battista Piranesi, Joshua Reynolds und Nicola Salvi. Zu den besonders herausgehobenen Einzelwerken gehören Antonio Canovas Selbstporträt sowie Giuseppe Bottanis Darstellung der Caterina Valadier mit ihren Söhnen. Im Erdgeschoss befinden sich Werke aus der Regierungszeit Pius’ VI., darunter Porträts von Angehörigen des päpstlichen Haushalts. Im zweiten Obergeschoss sind Gemälde, Skulpturen und Fresken aus dem Besitz mehrerer römischer Adelsfamilien zu sehen.

Werke (Auswahl)

Literatur Claudio Crescentini, Umberto Vicini (Hrsg.), Palazzo Braschi e il Museo di Roma, Gangemi Editore, Roma 2004. Comune di Roma, Maria Luisa Tittoni (Hrsg.), Il Museo di Roma racconta la città, Gangemi Editore, Roma 2002. Cecilia Pericoli Ridolfini (Hrsg.), Guide rionali di Roma. Rione VI: Parione, Fratelli Palombi Editori, Roma 1973. Daniela Fonti, Il Museo di Roma, Electa, Milano 2005. Francesco Scoppola (Hrsg.), Palazzo Braschi a Roma. Restauro e museografia, Gangemi Editore, Roma 2000.

Weblinks

Website des Museums Google Arts & Culture Museo di Roma -– Palazzo Braschi

Einzelnachweise

Kategorie:Historisches Museum Kategorie:Kunstmuseum in Rom Kategorie:Museumsgründung 1930