Alfred Baur (* 9. Juni 1865 in Grossandelfingen (heute Andelfingen); † 9. Dezember 1951 auf Schloss Tournay in Pregny-Chambésy; heimatberechtigt in Grossandelfingen und Pregny) war ein Schweizer Unternehmer, Mäzen und Kunstsammler. mini|Alfred und Eugénie Baur, ca. 1930

Leben und Werk Baur wurde 1865 als erstes von zwei Kindern des Ehepaars Johannes Baur und Elisabeth Baur-Keller in Grossandelfingen geboren. Er absolvierte die örtlichen Schulen und erhielt seine kaufmännische Ausbildung in der Schweiz und in England. 1884 trat er in den Dienst der Gebrüder Volkart in Winterthur, die ihn in ihr Kontor in Colombo auf Ceylon, damals eine britische Kolonie, entsandten. 1895 wechselte er als mercantile assistant zur ebenfalls in Colombo ansässigen Firma Marinitsch, wo er sich mit Teeproduktion und Teeexport vertraut machte.Olivier Reverdin: Le pionnier. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 8.

Bereits vor der Gründung seiner eigenen Firma hatte Baur in Palugaswewa an der Westküste Ceylons eine Kokospalmenplantage erworben und ausgebaut. Dort erprobte er eine eigene organische Düngermischung, die er später unter dem Namen Baur’s Special Coconut Manure vermarktete. Dieser Erfolg bewog ihn, in den Düngemittelhandel einzusteigen. 1897 gründete er in Colombo die Firma A. Baur, The Ceylon Manure Works. Anfangs blieb der Absatz gering; später gewann das Unternehmen jedoch an Bedeutung und stützte sich auch auf wissenschaftliche Beratung durch den Basler Chemiker Bachofen.

Nach der Ausweitung der Geschäfte erwarb Baur ein Industriegelände in Kelaniya bei Colombo, verband es mit dem Eisenbahnnetz und begann dort die industrielle Herstellung von Düngemitteln für Kokospalmen sowie weiterer organischer Mischungen für den Tee- und Reisanbau. Später liess er über dem Hafen von Colombo das Baur’s Building errichten. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde die Gesellschaft unter dem Namen A. Baur & Co. Ltd. in eine Limited Liability Company umgewandelt.Olivier Reverdin: Le pionnier. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 10.

Baur war ab 1894 mit der Genferin Eugénie Fanny Duret verheiratet. Die Ehe blieb ohne Nachkommen.Olivier Reverdin: Le pionnier. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 11. Nachdem Baur 22 Jahre seines Lebens auf Ceylon verbracht hatte, nahm er 1906 Wohnsitz in der Schweiz, ohne die Leitung seines Unternehmens aufzugeben. 1915 erwarb er das Gut Tournay in der Gemeinde Pregny. Da die Herrichtung des dortigen Schlosses schwierig war, liess er im oberen Teil des Anwesens eine eigene Villa mit Blick auf den See und die Alpen errichten; die Architekten waren Guillaume Revilliod und Maurice Turrettini. In dieser Villa starb er am 9. Dezember 1951.

Von Tournay aus führte Baur seine Gesellschaft über von ihm ausgewählte Manager weiter. Ab 1928 dehnte er die Geschäftstätigkeit auf Futtermittel und den Import von Teakholz aus Birma aus; ausserdem besass er vier Teeplantagen. Im Winter 1938/1939 besuchte er seine Unternehmen in Übersee ein letztes Mal.

Sammlung Baurs Sammlung ostasiatischer Kunst ist durch erhaltene Korrespondenz mit Kunsthändlern gut dokumentiert. Nach diesen Quellen erwarb er spätestens seit Ende 1906 kleinformatige japanische Kunstgegenstände wie Netsuke, Schwertstichblätter, Satsuma-Keramik, Lackarbeiten und einige Farbholzschnitte sowie chinesische Schnupftabakfläschchen und Jadearbeiten.Pierre-Francis Schneeberger: Le collectionneur. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 21–22. In der Frühphase beschaffte vor allem der in Japan tätige englische Sammler und Kunsthändler Thomas B. Blow Objekte für Baur; daneben kaufte Baur bei Sammlern und Händlern in Genf, Basel, London, Paris, Hamburg und Berlin.Pierre-Francis Schneeberger: Le collectionneur. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 22–24.

1924 reiste Baur nach Japan, wo er im Januar Kumasaku Tomitahttps://www.britishmuseum.org/collection/term/BIOG14888 (富田熊作) kennenlernte. Tomita wurde zu seinem wichtigsten Berater; von dieser Reise brachte Baur rund 700 Objekte mit, mehr als die Hälfte davon Tsuba. Die Begegnung begründete eine Zusammenarbeit, die mehr als 25 Jahre dauerte.Pierre-Francis Schneeberger: Le collectionneur. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 24. 1928 begann Baur, sich verstärkt der chinesischen Keramik zuzuwenden. Diese wurde rasch zu einem Schwerpunkt seiner Sammlung; sie sollte ein breites Spektrum von der Tang- bis zur Qing-Zeit zeigen.Pierre-Francis Schneeberger: Le collectionneur. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 25–26.

Die Jahre 1929 bis 1939 waren für den Ausbau der Bestände an chinesischen Keramiken und Jadearbeiten sowie an japanischen Tsuba, Netsuke, Lackarbeiten, Pfeifen, Pfeifenbehältern und Farbholzschnitten besonders ergiebig.Pierre-Francis Schneeberger: Le collectionneur. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 26. Baur schätzte insbesondere technische Vollkommenheit, handwerkliche Qualität und die Schlichtheit monochromer Keramiken; überladene Dekore mied er nach Möglichkeit.Pierre-Francis Schneeberger: Le collectionneur. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 27.

Einzelne Teile der Sammlung wurden bereits vor der Gründung der heutigen Einrichtung öffentlich gezeigt: 1935 wurden zwei Porzellane Baurs in einer Ausstellung der Royal Academy of Arts in London präsentiert; 1936 zeigte er im Kunsthaus Zürich 200 japanische Triptychen, und 1938 waren chinesische Keramiken und Jadearbeiten im Musée Ariana in Genf zu sehen.Pierre-Francis Schneeberger: Le collectionneur. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 29.

1944 teilte Baur Tomita mit, dass er zur öffentlichen Präsentation seiner Sammlung in Genf eine Stiftung errichten wolle. Die Sammlung sollte weder verkauft noch getauscht werden; zudem plante Baur einen wissenschaftlichen Katalog nach seinem Tod.Pierre-Francis Schneeberger: Le collectionneur. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 31. Baur verstand die künftige Präsentation jedoch nicht als Museum im herkömmlichen Sinn, sondern als Empfang von Kunstliebhabern in einem privaten Wohnhaus.

In seinen letzten Lebensjahren suchte Baur einen geeigneten Ort für die Präsentation der Sammlung. Anfang 1950 fand er ein kleines Stadtpalais in der Nähe des Musée d’Art et d’Histoire, das damals von der Internationalen Liga der Rotkreuzgesellschaften genutzt wurde. Die Umbauarbeiten erlebte er nicht mehr.Pierre-Francis Schneeberger: Le collectionneur. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 35. Nach mehrjährigen Arbeiten wurden die Collections Baurhttps://fondation-baur.ch/ 1964 im Sinne Baurs öffentlich zugänglich gemacht.Pierre-Francis Schneeberger: Le collectionneur. In: Collections Baur (Hrsg.): Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector. Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 36.

Einzelnachweise

Literatur Frank Dunand: Baur, Alfred In: Historisches Lexikon der Schweiz. 6. Mai 2004, abgerufen am 16. März 2026. A. Baur & Co. Ltd.: 100 years in Sri Lanka. Olivier Reverdin: ''Le pionnier.'' In: Collections Baur (Hrsg.): ''Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector.'' Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 7–11. Pierre-Francis Schneeberger: ''Le collectionneur.'' In: Collections Baur (Hrsg.): ''Alfred Baur. Pionnier et collectionneur – Pioneer and collector.'' Collections Baur, o. O. [Genf] 1989, S. 21–36.

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