Salem ist ein Ortsteil der Gemeinde Salem im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.[ https://www.salem-baden.de/fileadmin/Dateien/Dateien/Satzungen/hauptsatzung2017.pdf Hauptsatzung der Gemeinde Salem]

Geographie Lage Das Dorf Stefansfeld, Hauptsiedlung des Ortsteils Salem, liegt im Salemer Tal, der Schlossbezirk etwa einen Kilometer westlich davon etwas erhöht. Gegen Norden wird die Siedlung durch das Salemer Ried und nach Süden durch den Schlosssee begrenzt. Im Osten schließt sich der Hardtwald an.

Gliederung und Ausdehnung Zur Gemarkung gehören das Dorf Stefansfeld, der Schlossbezirk, die Höfe Forst, Schwandorf, Spitznagel und die Gebäude Säge mit Forsthaus.Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Tüfingen 2009

Die Fläche der Gemarkung Salem beträgt 7,44 km², die Gesamtfläche der Gemeinde Salem 62,6 km².

Schutzgebiet Die Salemer Klosterweiher sind Europäisches Vogelschutzgebiet. Auf der Gemarkung des Ortsteils Salem liegen drei der 19 Weiher: der Spitznagel-, der Martins- und der Markgräfinnen-Weiher. Sie stehen darüber hinaus in der Gesamtheit unter Denkmalschutz.Regierungspräsidium Tübingen Referat26: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Salem-Tüfingen (Bodenseekreis) 2012.

Im Salemer Ried liegt das Naturschutzgebiet Schwarzer Graben teilweise auf der Gemarkung Salem.

Im Hardtwald befindet sich die Salemer Flugsanddüne, ein geologisches Naturdenkmal und Geotop. Die Düne entstand vor rund 10.000 Jahren auf einer Schotterfläche des würmzeitlichen Rheingletschers durch Windablagerungen.

Geschichte Ur- und Frühgeschichte Der Salemer Hardtwald birgt ein bedeutendes Bodendenkmal, nämlich rund 20 große Hügelgräber der frühen Kelten (Späthallstatt- bis frühe Latènezeit, 7. bis Anfang 5. Jahrhundert v. Chr.).G. Schöbel: Frühkeltische Gräber im Salemer Hardtwald als Spiegel von Tradition und Wandel. Presseinfo 1. Dezember 2015>

Die alemannische Siedlung namens Salemanneswilare lag im Bereich des Klosterareals und war vermutlich eine Siedlung des 8. / 9. Jahrhunderts.

Mittelalter und frühe Neuzeit In Salem gründete im Jahr 1137 der Orden der Zisterzienser das Kloster Salem. Die Zisterzienser übernahm den Namen „Salmannsweiler“ für das Kloster. Daneben wurde aber auch der Name Salem gebräuchlich.

Die Zisterzienser mit ihren radikalen Reformideen waren überaus erfolgreich und verbreiteten sich über ganz Europa. Das Kloster in Salem hatte gute Startbedingungen und wurde zu einer mächtigen Institution und zum reichsten Kloster im deutschen Südwesten. Dazu beigetragen haben zwei Privilegien, die das Kloster schon bald nach der Gründung erhielt: die Reichsunmittelbarkeit und die Befreiung von der Zugehörigkeit zu der Diözese Konstanz. Das bedeutete das Kloster war nur Kaiser und Papst direkt unterstellt.

Das System der Grangien-Wirtschaft, die Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Gütern durch Laienbrüder, war sehr effizient. Mit viel Fleiß und harter Disziplin wurden landwirtschaftliche Überschüsse produziert. Diese wurden in den umliegenden Städten vermarktet. Dies ging einher mit einer eisernen Sparsamkeit. Die Gewinne wurden in den Kauf von Gütern und Hoheitsrechten investiert.

Eine andere Quelle des Reichtums von Kloster Salem waren Schenkungen. Als Gegenleistung für die Überlassung von Gütern mussten die Mönche für das Seelenheil der Familie des Schenkers beten.

Dem Kloster gelang es neben den Gütern auch in zahlreichen Dörfern die Vogteirechte bzw. die Dorfherrschaft zu erlangen. 1637 erhielt Kloster Salem auch die Hochgerichtsbarkeit über ihre Dörfer von den Grafen von Heiligenberg. Damit könnte Salem eingeschlossenes Territorium mit einer Landeshoheit ausbilden.

Der Bauerkrieg verlief für Kloster Salem glimpfig. Die Mönche hatten sich im Vorfeld schon mit den Bauern geeinigt. Im Dreißigjährigen Krieg kam es zu erheblichen Verwüstungen von Salemer Besitzungen. Die Klosteranlage blieb jedoch unversehrt.

Die Brandkatastrophe von 1697, der das gesamte Klostergebäude zum Opfer fiel, verkraftete das Kloster ebenfalls. Das Ende der Klosterherrschaft kam mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803. Das Kloster wurde aufgehoben.Gemeinde Salem: Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Salem, 2009.

Moderne mini|Postkarte von Salem-Stefansfeld - Vogelperspektive Der Besitz des Klosters ging im Zuge der Säkularisation 1803 auf die Standesherrschaft Salem, die Familie der badischen Markgrafen, über.

Im nach 1803 neu erstandenen Kurfürstentum / Großherzogtum Baden gab es zahllose Verwaltungsreformen. Zur neugebildeten Gemeinde Salem gehörten bis 1922 auch die Gailhöfe. Schloss Kirchberg blieb bis 1971 bei Salem.Gemeinde Salem (Hrsg. 2009): Findbuch Gemeindearchiv. Daten zur Geschichte der Altgemeinde Salem.

Die Gemeinde Salem gehörte zum standesherrlichen badischen Oberamt, ab 1813 zum großherzoglichen badischen Bezirksamt Salem im Seekreis, ab 1857 zum Bezirksamt Überlingen im Großherzogtum Baden.

Im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg schloss sich 1972 die bis dahin im Landkreis Überlingen selbständige Gemeinde mit sieben weiteren Orten zur Gemeinde Salem zusammen.Statistisches Landesamt BW: Gemeindeliste III – Herkunft und Verbleib der Gemeinden nach Abschluss der Kreis- und Gemeindereform, Stuttgart 1999

Gesellschaft Bevölkerung mini|Bevölkerungsentwicklung Salem ab 1834 Die Zahl der Einwohner der Gemeinde Salem lag im 19. Jahrhundert zwischen 400 und 500 Personen. Von etwa 1925 bis 1950 ist ein Zuwachs auf 1000 Einwohner zu verzeichnen. Ab den 1960er Jahren ist ein kontinuierlicher Anstieg auf 1700 Personen zu beobachten.Salem auf Landeskunde entdecken online – leoBW Der Ortsteil Salem ist mit 1702 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2024) nach Mimmenhausen (3755) und Neufrach (2595) der drittgrößte Teilort der Gemeinde Salem.

Religion Die Bevölkerung in Salem war bis zur Aufhebung der Klosterherrschaft 1803 katholisch. Dies ändert sich mit der Inbesitznahme durch die evangelische Markgrafenfamilie. Bis 1850 stieg der Anteil der nicht-katholischen Bevölkerung auf 7 %, 1925 lag er bei 30 %. Nach 1945 schwankte der Anteil der Katholiken zwischen 50 und 60 %.

Bis zur Gründung einer eigenen Pfarrei in Salem im Jahr 1808 gehörte die Bevölkerung überwiegend zur Pfarrei Weildorf. Der Klosterbezirk war bis dahin eine eigene Kirchenbezirk. Pfarrkirche wurde 1808 das Münster. Die Kapelle in Stefansfeld hatte schon zu Klosterzeiten die Funktion einer Friedhofskapelle.

Seit 1852 gab es eine Filiale und ab 1888 eine eigene evangelische Pfarrei in Salem. Der ehemalige Speisesaal des Klosters wurde als sogenannter „Betsaal“ zum Kirchenraum. Die evangelische Kirchengemeinde Salem-Heiligenberg hat seit 1982 ein Gemeindehaus mit Pfarrwohnung in Stefansfeld.

Politik Der Gemeinderat von Salem wurde von 1972 bis 2004 in einer unechte Teilortswahl gewählt. Das System garantierte jedem Ortsteil eine bestimmte Anzahl von Sitze. In der Gemeinde Salem gibt es für jeden Ortsteil einen Ortsreferenden.

Bürgermeister Die Bürgermeister der Gemeinde Salem residierten bis in die 1960er Jahre im Rentamt im Schlossbezirk.Eberhard Stengele, in Salem-Stefansfeld – Geschichte und Geschichten. 2017.

1898–1933 Eugen Sorg 1933–1937 Walter Kirn 1937–1945 Karl Haas 1945–1969 Franz Baron von Hornstein 1969–1972 Ullrich Pfeffer

Wappen In Gold ein doppelebelbig silber-rot-geschachter Schrägbalken, überdeckt von einem aus dem Unterrand wachsenden goldenen Abtsstab mit nach links gekehrter Krümme und silbernem Pannisellus. Hugo Gommeringer: Stefansfeld, in: Salemer Wappen. 2000. S. 70 ff

Infrastruktur Öffentliche Einrichtungen Der Schlosssee, zwischen Mimmenhausen und Stefansfeld liegend, bietet seit 1980 in den Sommermonaten Bade- und Freizeitgelegenheiten. Das Schlossseestadion mit Nebenplatz, großer Tribüne und Clubhaus gehört zu den schönsten Sportanlagen im Bodenseekreis. Es wird insbesondere für Fußball und Leichtathletik benutzt. Zum Ensemble gehört auch das Bildungszentrum Salem mit etwa 600 Schülern. Im Dorf Stefansfeld ist eine Förderschule und einen Kindergarten.

Einige Institutionen waren lange in Stefansfeld. So hatte die Sparkasse Salem von 1889 bis 1984 in Stefansfeld ihren Sitz mit Hauptstelle. Der Polizeiposten Salem war bis zum Jahr 2021 im sogenannten Vatikan in der Nähe des Schlossbezirks. Auch die Posthauptstelle der neuen Gemeinde Salem war ab 1973 bis in die 1990er Jahre in Salem.

Seit 2009 steht der Tourismusbetrieb in Kloster und Schloss Salem unter der Leitung der Staatlichen Schlösser und Gärten BW. Der Schlossbezirk und ein Teil der Gebäude sind, teilweise mit Führung, zugänglich. Dazu gehören auch das Klostermuseum und das Feuerwehrmuseum.

Verkehr Für den Straßenverkehr des Salemer Tales stellt der Kreisel in Stefansfeld das Zentrum dar. Die Landstraße L201 verläuft in Nord-Süd-Richtung von Meersburg nach Heiligenberg durch den Ort. Nach Westen zweigt die L204 nach Überlingen und nach Osten die L205 ins Deggenhausertal ab. Von der L204 zweigt in Höhe des Schlosses die L200a nach Tüfingen in Richtung Überlingen ab. Die L205 wird im Hardtwald Kreisel von der K7759 gekreuzt, die Neufrach direkt mit Weildorf verbindet.

Mehrere Buslinien des Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbunds (7681. 7697, 7698, 7679), sowie der Erlebnisbus1 und der Nachtbus N4 fahren Stefansfeld an.

Mit dem Bau der Salemertalbahn erhielt Salem 1905 einen eigenen Bahnanschluss. Der Personenverkehr wurde bereits 1953 eingestellt. Die Gesamtstillegung wurde aber erst 1990 verfügt. Der Bahnhof Salem, seit 1971 Salem-Nord, erlebte 1965 einen besonderen Tag, als die Queen mit dem Zug hier ankam.

Wirtschaft Im Schlossbezirk waren seit Ende des Klosters unterschiedliche Verwaltungseinrichtungen untergebracht. Bis 1857 wurde das Bezirksamtes Salem von hier aus verwaltet. Das Bürgermeisteramt Salem war bis 1963 ebenfalls im sogenannten Rentamt untergebracht. Das Forstamt Salem bestand bis in die 1980er Jahre. Die Verwaltung der markgräflichen Güter, Landwirtschaft, Weinbau, Forstwirtschaft befinden sich bis heute im Schlossareal. Zahlreiche Handwerksbetriebe nutzten die Gebäude des Schlosses. Bis 2025 waren auch Weinkeller und Weinverkauf hier angesiedelt.

Das Internat Schule Schloss Salem nutzt heute einen Großteil der Anlage. Hier lernen und wohnen circa 400 Mädchen und Jungen. „Kloster und Schloss Salem“, wie die Anlage seit dem Übergang in den Besitz des Landes Baden-Württemberg im Jahr 2009 bezeichnet wird, zählt jährlich über 120.000 Besucher.

Dank seiner zentralen Lage war Stefansfeld lange Zeit ein attraktiver Ort für Einzelhandelsgeschäfte und Dienstleistungsunternehmen. In den letzten Jahren wurde es zu einem überwiegend zu Wohnzwecken genutzten Ort.

Kultur Sehenswürdigkeiten Zu den geschützen Kulturdenkmalen in Salem gehören:

Kloster und Schloss Salem: Ehemalige Zisterzienserabtei Salem, heute Residenz des Markgrafen von Baden, Klosteranlage mit schlossartig angelegten Konventsgebäude und Gärten sowie der hochgotischen Klosterkirche Mariä Himmelfahrt Gasthof Schwanen, stattliche repräsentative Anlage aus Haupt- und Wirtschaftsgebäuden, Hauptgebäude, 1684 Ehemaliger Bahnhof Salem, Teil der 1905 eröffneten Salemer Talbahn, dreiteilige Baugliederung mit zweigeschossigem Hauptgebäude in der Mitte, an den Seiten ein eingeschossig, 1904/05 Friedhofkapelle mit umgebenden Friedhof: Friedhofkapelle Santa Maria Victoria des Klosters Salem, barocker Zentralkuppelbau auf Grundriss eines griechischen Kreuzes. – Friedhof mit Grabdenkmälern und achteckiger Ummauerung sowie Ölbergkapelle Ehemaliger Marstall und Reitschule des Klosters Salem, zwei lange Stall- und Scheuergebäude, 1746–78

Mehrere Hofanlagen in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Klosters sind auch geschützt: die ehemaligen Grangien Forsthof und Schwandorferhof und der Kameralhof Spitznagel.Regierungspräsidium Tübingen Referat26: Liste der Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Salem – Salem (Bodenseekreis) 2012.

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