Der Rein da Val Sogn Placi (auch Aua Sogn Placi, jeweilige Bedeutung Rhein des St.-Placidus-Tals bzw. St.-Placidus-Bach) ist ein etwa 4,7 Kilometer langer, steiler und murgangfähiger WildbachSara Bieler, Melanie Ulrich: Gemeinde Disentis/Mustér. Prüfung Gewässerraum Rein da Val Sogn Placi – Erschliessung Val Sogn Placi. 21. September 2023, S. 4–6, abgerufen am 16. März 2026 (PDF; 1,2 MB). im Kanton Graubünden, der in Disentis von links in den Vorderrhein mündet. Namensgebend war der Ortsheilige Placidus von Disentis, der in ganz Rätien verehrt wird.

Geographie Verlauf links|mini|Quellgebiet mit Lag Brit Die Quelle des Rein da Val Sogn Placi ist der Bergsee Lag Brit auf hoch über Disentis. Im hochalpinen Gebiet erhält er vom Fuss des Piz Run weitere Quellbäche. Danach tritt er in südlicher Richtung in das Val Sogn Placi (Plazi-Tobel) ein.

Oberhalb von beträgt sein Gefälle im Bereich der Alp Run (Plaun da Genetschas) etwa 20 %. Im steilen Tal hat er ein Gefälle von 40 %, das im Auslauf auf 30 % sinkt. Es folgt am Ausgang des Tals ein Ablagerungsbereich mit einem Gefälle von etwa 14 %.

Ausserhalb des Tals trennt der Bach das Dorf Disentis vom Ortsteil Faltscharidas. Hier verläuft der Bach zwischen hohen Dämmen, die die Siedlung gegen Lawinen schützen sollen. Das Gefälle steigt wieder bis 19 % an. Am rechten Ufer steht die St. Placiduskirche, dann wird die Hauptstrasse 19 unterquert. Der Durchlass ist eingedolt.

Auf den letzten 300 Metern seines Verlaufs fällt der Bach in einem Einschnitt zum Vorderrhein ab. Ein 53 Meter langes Viadukt überführt die Vorderrheinlinie der Rhätischen Bahn (RhB). Kurz vor der Mündung führt ein Weg mittels Brücke über den Unterlauf. Der Bach mündet auf von links in den Vorderrhein.

Einzugsgebiet links|mini|Das Einzugsgebiet des Bachs über Disentis Das etwa 5,22 km² grosse Einzugsgebiet des Rein da Val Sogn Placi liegt in den Glarner Alpen nördlich des Vorderrheins. Es wird über den Vorderrhein und den Rhein zur Nordsee entwässert.

Die mittlere Höhe beträgt Die höchsten Punkte im Einzugsgebiet sind auf der Piz Run im Nordwesten sowie auf der Piz Brit im Norden der Quelle.

Das Einzugsgebiet besteht zu 24,6 % aus bestockter Fläche, zu 21,4 % aus Landwirtschaftsflächen, zu 0,3 % aus Siedlungsfläche und zu 53,6 % aus unproduktiven Flächen.

Die Flächenverteilung

Hydrologie Bei der Mündung des Rein da Val Sogn Placi in den Vorderrhein beträgt seine modellierte mittlere Abflussmenge (MQ) 0,19 m³/s. Sein Abflussregimetyp ist nival alpinMartin Pfaundler, Rolf Weingartner, Robert Diezig: «Versteckt hinter den Mittelwerten» – die Variabilität des Abflussregimes. In: Hydrologie und Wasserbewirtschaftung. 50. Jg., Nr. 3, Juni 2006, S. 116–123, hier S. 119 (PDF; 3,2 MB)., und seine AbflussvariabilitätDie Abflussvariabilität beschreibt das Ausmass der Schwankungen des mittleren Abflusses einzelner Jahre um den langjährigen mittleren Abflusswert. beträgt 18.Mittlere Abflüsse (m³/s) und Abflussregimetyp für das Gewässernetz der Schweiz. Bundesamt für Umwelt (BAFU).

Nutzung mini|Tal des Bergbachs nach dem Hochwasser von 1954 (von der Bildecke links oben zur Mündung rechts unten) mini|Auslauf der Lawine von 1984 im Tal des Bachs mit der St. Placiduskirche (Bildmitte rechts) Das Einzugsgebiet des Baches ist kaum erschlossen – abgesehen vom Siedlungsbereich in Disentis. Das steile Tobel oberhalb und unterhalb des Dorfes ist nur schwer zugänglich. Alpweiden finden sich lediglich auf den Bergrücken, die das Tal begrenzen.

Nordwestlich des Weilers Faltscharidas besteht auf dem linken Ufer eine Materialabbauzone (Zona d’explotaziun), die vom Ablagerungsbereich bis ins Bachbett reicht. Ebenfalls auf dem linken Ufer ist auf etwa die Disentiser Radonquelle gefasst, die von 1877 bis 1984 vom Kurhotel für Heilzwecke genutzt wurde.

Geschichte Der Bach weist eine lange Geschichte von Hochwassern und anderen Extremereignissen auf.

Die St. Placidus-Kapelle aus dem 9. Jahrhundert wurde im Januar 1458 durch eine Lawine zerstört. Ihr Nachfolgebau wurde 1658 durch einen barocken Kirchenbau ersetzt, der durch einen massiven Lawinenbrecher vor dem Kirchturm geschützt wird. In den Jahren 1834, 1868, 1927, 1948, 1954, 1980 sowie 2002 kam es am Rein da Val Sogn Placi zu Hochwasserereignissen. Der Bach wurde acht Jahre nach dem Hochwasser von 1954 mit Sperrentreppen zur Sicherung seiner Sohle verbaut. Mit steilen Ufermauern wurde er in einem geraden Gerinne kanalisiert. Nach der Rüfe von 1980 wurden neue Schwellen eingebaut und die grossen Schäden am Wuhrbau teilweise ausgebessert.

Beidseitig des Gerinnes wurden als Lawinenschutz 1978 Erddämme errichtet, die sich bei einem Lawinenabgang im Februar 1984 als nicht ausreichend erwiesen. Sie wurden nach dem Ereignis ergänzt und verlängert. Die Lawine zerstörte neben den Brücken über den Bach auch die Zubringerleitung von der Radonquelle zum Kurhotel.

Im Tal des Bachs ist ein bis zu 100 Meter breiter Streifen innerhalb der Lawinendämme weiterhin durch Murgänge gefährdet.

Weblinks

Aua Sogn Placi auf schweizerfluss.ch

Belege und Anmerkungen