mini|Rosamond Davenport Hill, 1888 Rosamond Davenport Hill (* 4. August 1825 in Chelsea, London; † 5. August 1902 in Headington, Oxford, Oxfordshire) war eine englisch-britische Bildungsadministratorin und Gefängnisreformerin. Sie war die bekannteste von drei Schwestern, die sich alle für soziale Reformen engagierten; ihre beiden Schwestern waren Florence Davenport Hill und Joanna Margaret Hill.Soweit nicht anders angegeben folgt die Darstellung in

Leben Davenport Hill war eine von fünf Kindern von Matthew Davenport Hill (1792–1872), einem Juristen und Parlamentsabgeordneten, und Margaret Bucknall. Sie hatte zwei Brüder, Alfred (* 1821) und Matthew Berkeley (* 1833/34), und zwei Schwestern, Florence Davenport (* 1828) und Joanna Margaret (* 1836/37). 1826 war die Familie in die Familie in die Chancery Lane gezogen, 1831 dann nach Hampstead Heath. Davenport Hills engste Familienangehörige waren sämtlich reformorientierte Persönlichkeiten; ihre erweiterte Familie väterlicherseits umfasste darüber hinaus den Erfinder der Briefmarke Rowland Hill.

Als junges Mädchen interessierte sich Davenport Hill für Botanik, die sie an einer Tagesschule studierte. Einen großen Teil ihrer Ausbildung erhielt sie zu Hause, wo sie von ihrer Mutter unterrichtet wurde, die unter gesundheitlichen Problemen litt und sich bei der Führung des Haushalts auf Davenport Hills Hilfe stützte. Davenport Hill war hinsichtlich ihrer eigenen Bildung ein sehr eigenständig handelndes Kind. Im Rahmen ihrer Ausbildung interviewten sie und ihre Schwester Florence am 1. März 1840 die irische Schriftstellerin Maria Edgeworth. In diesem Jahr zog die Familie nach Haverstock Hill. Nach dem Umzug schlossen sie Freundschaft mit William Makepeace Thackeray.

1841 zog die Familie nach Frankreich, 1844 weiter nach Belgien und schließlich in die Schweiz und nach Italien. 1851 kehrte die Familie nach England zurück und ließ sich in Bristol nieder, nachdem der Vater zum Commissioner of Bankruptcy ernannt worden war. Davenport Hill begann für Mary Carpenter zu arbeiten. Sie war an Carpenters St.-James-Ragged-School tätig und unterrichtete die Kinder in Rechnen und Haushaltsführung. Sie arbeitete außerdem für ihren Vater, der sich aktiv mit Reformen des Bildungs- und Strafrechts befasste. 1856 besuchte sie Irland, wo sie gemeinsam mit ihrem Vater Gefängnisse besichtigte. Sie verfasste darüber ein Buch mit dem Titel A Lady’s Visit to the Irish Convict Prisons. 1858 reisten die beiden nach Spanien, Frankreich und Deutschland, um dort Gefängnisse zu besuchen. Bis Mitte der 1870er Jahre konzentrierte sich Davenport Hill ausschließlich auf die Gefängnisreform. 1860 verfasste sie gemeinsam mit ihrem Vater das Buch Our Exemplars, Rich and Poor.

1855 besuchte Davenport Hill mit ihrem Vater die französische Strafkolonie Colonie agricole et pénitentiaire de Mettray. Sie wurden enge Freunde des Gründers von Mettray, Frédéric-Auguste Demetz. Mettray erlitt während des Deutsch‑Französischen Krieges erhebliche Schäden. Davenport Hill sammelte 2.500  Pfund zur Finanzierung des Wiederaufbaus von Mettray. Angeregt durch die dortige Arbeit eröffneten Davenport Hill und ihre Schwester in Bristol eine nach Mettray modellierte Industrial school für Mädchen im Rahmen des Industrial Schools Act 1857.

Nach dem Tod ihres Vaters 1872 reiste Davenport Hill nach Adelaide in Südaustralien, um dort Verwandte zu besuchen, darunter ihre reformorientierte Cousine Caroline Emily Clark. Sie reiste gemeinsam mit ihrer Schwester Florence, und die beiden sollten ihr Leben lang zusammenbleiben. Während ihres Aufenthalts in Australien inspizierten die Schwestern Schulen, Gefängnisse und Besserungsanstalten. Henry Parkes fungierte dabei als einer ihrer Begleiter. Davenport Hill sprach vor einer Kommission in Sydney über die Reformbewegung. Sie verfasste eine Abhandlung mit dem Titel A Summary of the Principles of Reformatory Treatment, with a Special Reference to Girls (abgedruckt in den Memoiren), in der sie argumentierte, dass Reformbehandlung Unabhängigkeit und Selbstwirksamkeit betonen solle. Die beiden Schwestern reisten von Australien nach Ägypten und Italien und kehrten 1875 nach Hause zurück. Während ihrer Reisen schrieben und veröffentlichten sie What we saw in Australia. 1878 veröffentlichten sie eine Biografie über ihren Vater. Davenport Hill trat aus der Church of England aus und wurde Unitarierin.

Am 5. Dezember 1879 wurde Davenport Hill als Mitglied der Progressive Party, einer Londoner sozialistische, der damaligen Liberal Party nahe stehenden Formation, in das School Board für die City of London gewählt. Sie amtierte dort bis 1897. Sie gehörte dem Industrial school Committee und dem School Management Committee an. Davenport Hill wirkte an der Greystoke Place School in der Fetter Lane als Vorsitzende des Schulvorstands kümmerte sich insbesondere um die Einführung der sozialen bzw. häuslichen Ökonomie als Unterrichtsfach.

1888 reiste sie in die Vereinigten Staaten und nach Kanada und besuchte dort Schulen. Dies veranlasste sie, Klaviere in Schulen einzuführen, um Marschieren und Drill zu unterstützen. Sie interessierte sich außerdem für den Sloyd‑Unterricht. Sie lehnte das Interesse des Schulamts an der Bereitstellung von Mahlzeiten für Kinder ab und protestierte auch gegen die religiösen Positionen des Gremiums, obwohl sie den täglichen Religionsunterricht unterstützte. Davenport Hill war Mitglied der National Froebel Foundation. Sie gehörte dem Vorstand des University College London an.

1897 zog sie sich aus dem School Board zurück und zog zu ihrer Schwester in ein Haus namens Hillstow in Headington, Oxford. Die Brentwood Industrial School wurde zu ihren Ehren in Davenport‑Hill Home for Boys umbenannt. Davenport Hill starb 1902 in Hillstow. Ihre Asche wurde im Grab ihrer Eltern auf dem Arnos Vale Cemetery in Bristol beigesetzt.

Ergänzende Literatur

Einzelnachweise

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