Das Fort Harssens ist ein ehemaliges niederländisches Fort in Nordholland und wurde für die Sicherung des Marinestützpunktes Willemsoord genutzt.

Geschichte Im späten 18. Jahrhundert wurde in der Nähe der Stadt Den Helder ein Hafen gebaut. Später wurde er durch seine gute Lage zu einem Marinestützpunkt umgebaut. Als Anfang des 19. Jahrhunderts noch der Nordhollandkanal fertiggestellt wurde und einen schnellen und sicheren Zugang zum Hafen von Amsterdam ermöglichte, begann man Pläne für den Ausbau der Befestigungen für Den Helder und den Hafen zu entwickeln. Im Jahr 1803 stellte Jan Blanken Pläne für ein befestigtes Fort außerhalb des Hafens und mitten im Wasser vor. In diesen ersten Plänen wurde ein Fort mit 80 Kanonen und über 500 Mann Besatzung geplant, welche im Marsdiep gebaut werden sollte. Diese Pläne wurden jedoch schnell wieder verworfen. Im Jahr 1811 besuchte Napoleon Bonaparte die Stadt Den Helder und erkannte das Potential. Umgehend ordnete er den Bau von Forts und Festungen, sowie eines größeren Marinestützpunktes an. Dies führte zum Bau mehrerer Befestigungsanlagen rund um Den Helder und den Bau des Marinestützpunktes Willemsoord.

Im Jahr 1875 stellte der damalige Kriegsminister Hendrik Johannes Enderlein konkrete Pläne zum Bau eines Forts auf der Untiefe Harssens vor. Man begann noch im selben Jahr mit der Erkundung um die bestmögliche Stelle dort zu finden. Alle anderen Pläne für Forts in der Umgebung wurden solange aufgeschoben, bis man konkrete Ergebnisse erhielt. Dadurch stoppten die Pläne für ein Fort an der Untiefe De Laan, sowie bei der Untiefe Zuidwal. Nachdem es einen Wechsel des Kriegsministers gab, ergriff den Beer Poortugael Maßnahmen im Befestigungshaushaltsgesetz für das Jahr 1879. Für das Fort auf der Untiefe Harssens wurden 300.000 Gulden genehmigt. Als Gesamtkosten plante man 1.050.000 Gulden ein. Trotz Bedenken und einiger Zweifel am Plan, begannen aufgrund fehlender günstigerer Alternativen am 16. August 1879 die Bauarbeiten am Fort Harssens.

Die Bauarbeiten wurden durch den Bauunternehmer J. J. Bakker aus Lent geleitet. Noch während der Arbeiten stellte man fest, dass beim Abfeuern großkalibriger Geschütze die Gebäude auf der Insel nicht mehr bewohnbar wären. Dadurch kam es zu einer ersten Designänderung was die Gesamtkosten auf 1.344.000 Gulden erhöhte. Im Jahr 1880 beantrage der neue Kriegsminister Anthonie Ernst Reuther für zwei weitere Änderung ein Budget von 261.000. So sollten zum einen zwei 30,5-cm-Mantelringkanonen L/25 (kurz 30,5-cm-MRK L/25) für 221.000 Gulden von der Friedrich Kurpp AG auf Testlafetten und 100 Granaten gekauft werden. Zum anderen wollte man bei den Grusonwerken in Magdeburg eine Minimalschartenlafette für 40.000 Gulden kaufen. Damit wollte man testen, ob starke Kanonen auf kleinstem Raum zusammengestellt und ob gepanzerte Kuppeln zum Schutz der Kanonen genutzt werden konnte. Nach erfolgreichen Test wurden die Pläne geändert und neu ausgeschrieben. Die neue Ausschreibung gewann der Bauunternehmer P. Duinker aus Den Helder und die Gesamtkosten stiegen auf 1.455.160 Gulden.

Im Frühjahr 1883 trafen die ersten Teile der Panzerkuppeln, sowie 55 Tonnen schwere Panzerplatten für die Kuppeln in Den Helder per Eisenbahn ein. Vor Ort wurden die Materialien auf ein Schiff umgeladen und zu Baustelle weiter transportiert. Auf der Insel wurde alles auf kleine Wagen verladen, welche mithilfe einer Dampfmaschine die restlichen Strecken absolvierten. Im Sommer 1883 wurden die erste gepanzerte Geschützkuppel mit zwei 30,5-cm-MRK L/25 fertiggestellt.

Aufbau und Bewaffnung mini|Risszeichnung einer der Geschützkuppeln Die Pläne des Forts basierten auf der Idee, eine gegnerische Flotte allein bekämpfen und dieser widerstehen zu können. Aus diesem Grund wurde das Fort schwer gepanzert und mit großkalibrigen Geschützen bewaffnet. Die Bewaffnung bestand aus zwei Geschützkuppeln der Grusonwerke mit je zwei 30,5-cm-MRK L/25, welche elektrisch abgefeuert wurden. Die Geschützkuppel hatten die laufenden Werksnummern 25 und 26. Zwar konnten die Geschützkuppeln hydraulisch um 360 Winkelgrad gedreht werden, die Hauptkampfrichtung der Geschütze lag jedoch in der Fahrrinne Molengat. Um das Fort vor möglichen Nahangriffen verteidigen zu können, verfügte es über einen umlaufenden Graben und Nahverteidigungseinrichtungen wie Maschinengewehr- oder Schützenstellungen.

Einsatz Vorkriegszeit Nachdem die Bauarbeiten 1884 abgeschlossen waren, ging die Nutzung an die niederländische Armee über. Im Jahr 1886 wurde durch das Kriegsministerium eine spezielle Abteilung in Leben gerufen, welche sich nur um die Bewachung des Forts Harssens, des Fort IJmuiden und des Fort Hoek van Holland konzentrierten. So wurde am 1. Mai 1886 die Kompanie Harassens gegründet.

Im Februar 1885 fanden die ersten Tests mit der Artillerie statt. Nachdem die ersten Granaten abgefeuert wurden, mussten die Tests aufgrund von Schäden an der Anlage eingestellt werden. Nachdem man die Tests wiederaufnahm, führten die Erschütterungen an einer Lafette zum Bruch eines mit Glycerin gefüllten Hubzylinder, was zu einer weiteren Einstellung der Tests und Sperrung der Lafette samt Geschütz führte. Auch in der Stadt Den Helder gingen durch die bei den Schüssen abgegebenen Druckwelle mehrere Glasscheiben zu Bruch. Im September 1885 wurden erneut Tests durchgeführt, nachdem die Teile an den Geschützen und Lafetten verstärkt wurden. Diesmal gab es keine Schäden an der Anlege selber, in Den Helder hingegen wurden hunderte Fenster beschädigt oder zerstört, wodurch lokale Politiker Schadenersatz forderten.

Im Januar 1887 wurden neue Tests und Übungen durchgeführt. Dabei kam es jedoch nirgendwo zu Schäden, weder in Den Helder, noch an der Anlage selber. Man ging davon aus, dass es an der Windrichtung lag. Dennoch kam es zu einem kuriosen Zwischenfall auf der Westfriesischen Insel Terschelling. Durch die Schüsse wurden mehrere Dampfschiffe losgeschickt, da man von einem in Not geratenen Schiff ausging. Bei weiteren Übungen im August 1887 wurden erneut mehrere Scheiben von Gebäuden der Rijkswaterstaat an der Koopvaarders-Schleuse beschädigt oder zerstört.

Erster Weltkrieg Während des Ersten Weltkrieges hatte das Fort keinerlei Einsätze, da die Niederlande stets ihre Neutralität wahrten.

Zwischenkriegszeit Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 wurde das Fort nur noch selten genutzt. Im Jahr 1922 wurde die Schutzmannschaft Teil des Küstenartillerie-Regiment. Im Jahr 1926 wurde das letzte Mal eine Schießübung durch das Fort durchgeführt. Im Jahr 1929 wurden einige wenige Verbesserungen im Fort eingebaut, allerdings war es zu dieser Zeit kaum noch in der Nutzung. Noch im gleichen Jahr wurden die schweren 30,5-cm-MRK L/25 offiziell außer Dienst genommen und die Munition weggebracht.

Am Abend des 31. August 1933 wurde östlich von den Helder ein Feuerwerk gezündet, welches versehentlich auf das Fort niederging. Dabei geriet an drei Stellen das Gras in Brand, sowohl außerhalb als auch innerhalb des Forts. Ein Schlepper und Marinepersonal griffen umgehend ein und löschten die Brände innerhalb einer halben Stunde. Befürchtungen, es könnte sich noch Munition im Fort befinden, wurden als unbegründet zurückgewiesen.

Zweiter Weltkrieg Als im Mai 1940 die Wehrmacht den Westfeldzug begann und in die Niederlande einfiel, erlangten deutsche Truppen die Kontrolle über das mittlerweile verlassene Fort. Die Geschütze und die Panzerkuppeln waren zu dieser Zeit schon völlig veraltet und wurden von den deutschen Truppen demontiert und für neue Konstruktionen eingeschmolzen.

Nachkriegszeit bis heute mini|Der neu errichtete Turm der Marinebasis Den Helder Im Jahr 1952 wurden erste Pläne entworfen, auf dem alten Fort ein Büro für die neue Marinebasis Den Helder zu errichten. Kurze Zeit später wurden die Pläne in die Tat umgesetzt und die oberirdischen Überreste des alten Forts verschwanden. Man schüttete den alten Graben zu und das neu errichtete Gebäude verdeckte einen Teil des alten Forts.

Im Jahr 2009 wurde einer der zugeschütteten Gräben wieder ausgehoben. Hierbei wollte man prüfen, was von dem alten Fort noch übriggeblieben war. Sieben Jahre später, 2016, begannen die Arbeiten an einer umfassenden Restaurierung des Fort. Heute befindet sich in dem neu gebauten Kontrollturm das Vessel Traffic Control Center, welches den militärischen und zivilen Seeverkehr von und nach Den Helder überwacht. Das sehr gut erhaltene, unterirdische Fort kann mit Führungen besucht werden, befindet sich jedoch immer noch auf militärischem Gelände.

Literatur

Einzelnachweise

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