Die Petruskirche ist eine evangelisch Pfarrkirche in Sachsenweiler, einem Stadtteil der Großen Kreisstadt Backnang im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Das schlichte Gotteshaus wurde von 1967 bis 1969 im Stile des Brutalismus nach Plänen des Architekten Otto Nussbaum erbaut. Mit ihrem 14 Meter hohen Glockenturm dominiert die Kirche das Viertel. Benannt wurde sie nach dem Apostel Simon Petrus.

Geschichte Sachsenweiler entstand vermutlich im 8. Jahrhundert während der Zeit der Karolinger. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort in einer päpstlichen Urkunde von 1245. Mit dieser Urkunde stellte Papst Innozenz IV. das Stift Backnang unter seinen Schutz und bestätigte den Augustiner-Chorherren Besitz in zahlreichen Orten, darunter auch in Sachsenwiler. Der Ort blieb über Jahrhunderte eine kleine, unbedeutende Bauernsiedlung, die kirchlich stets zu Unterweissach gehörte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts lebten nur 8 Menschen in Sachsenweiler.Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag J.F. Steinkopf, Stuttgart 1810, S. 251. Zur Zeit der Deutschen Reichsgründung (1871) zählte man 45 Einwohner.Karl Eduard Paulus (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 328. Die Situation sollte sich erst zu Beginn der NS-Zeit ändern. Ab 1935 arbeitete Bürgermeister Albert Rienhardt an Plänen für eine großzügige Wohnsiedlung für zunächst 61 kinderreiche Arbeiterfamilien. Dazu entstand 1935 die Backnanger Baugenossenschaft, deren Vorsitz Alfred Dirr übernahm. Am 24. Juni 1936 wurde Sachsenweiler von Unterweissach abgetrennt und nach Backnang eingemeindet. 1937 wurde Sachsenweiler auch in kirchlicher Hinsicht von Unterweissach getrennt und der Kirchengemeinde Backnang zugeteilt. Bereits 1937 beauftragte der evangelische Oberkirchenrat einen Architekten mit der Planung eines Betsaals. Es wurde auch schon ein Grundstück erworben, allerdings kamen die Planungen wegen dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen. Nach dem Krieg wuchs die Bevölkerung durch Zuzug zahlreicher Heimatvertriebener stark an. 1954 wurde eine Notkirche im örtlichen Kindergarten eingerichtet. Erster Pfarrer wurde Friedrich Strauß. Da der Zuzug anhielt, wurde die Notkirche schon bald zu klein. 1964 wurden die Planungen für eine Kirche wiederaufgenommen. 1967 wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Am 24. September 1967 erfolgte der erste Spatenstich. Die Grundsteinlegung fand 1968 statt. Gemäß der alten Sitte wurde eine mit Münzgeld und Dokumenten gefüllte Kassette in den Grundstein eingelassen. Am 14. September 1969 wurde die neue Kirche von Prälat Albrecht Hege eingeweiht.

Die Baukosten beliefen sich auf etwa 800.000 Deutsche Mark. Bis 1969 konnte der Kirchenbauverein etwa 100.000 Deutsche Mark an Spenden eintreiben.

Gemeinde Die Gemeinde ist vielfältig wie die Siedlung Sachsenweiler und spiegelt die Geschichte des Orts wieder. Neben einheimischen Schwaben finden sich Heimatvertriebene aus den Ostgebieten des Deutschen Reichs, besonders aus Westpreußen. In den 1980er und 1990er Jahren kamen zahlreiche Siebenbürger Sachsen und Russlanddeutsche hinzu.

Pfarrer Liste der Pfarrer seit 1955: 1955–1960: Friedrich Strauß 1961–1962: Christian Hoffmann 1963–1971: Martin Streicher 1971–1979: Konrad Schiller 1979–1981: vakant 1981–1983: Hubert Wolf 1984–2005: Heinrich Kuttler 2006–2014: Frank Wessel ab 2015: Ulrike Heinrich

Architektur Die Architektur der Kirche orientiert sich an den zahlreichen Kirchen im Stile des Brutalismus, die von etwa 1950 bis 1980 entstanden sind. Der würfelartige Bau aus Sichtbeton erinnert an die von Heinz Rall entworfenen evangelischen Kirchen in Plochingen-Stumpenhof (Paul-Gerhardt-Kirche) und Stuttgart-Luginsland (Gartenstadtkirche). Der wuchtige Baukörper soll auch an die Worte des Herrn Jesus erinnern, der im Matthäusevangelium dem Fischer Simon offenbart: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“ (Matthäus 16, 18).

Der Glockenturm ist 14 Meter hoch und bietet einen schönen Ausblick in die Backnanger Bucht.

Ausstattung Die Kanzel und der Taufstein sind aus Sichtbeton gefertigt. Sie entstanden bei Martin Ihle (Murrhardt). Der Altar wurde von Johannes Goller (Allmersbach am Weinberg) aus Holz gefertigt. Das Kruzifix stammt von Fritz Nuss (Weinstadt-Strümpfelbach). Es zeigt Jesus Christus nicht als den Leidenden, sondern als auferstandenen, segnenden Messias. Auf der Rückseite finden sich eine Weizenähre und ein Rebstock, die an die Eucharistie erinnern. Die ganze Länge des Innenraums ziert ein Glas-Betonfries von Oskar Kreibich. Es soll mit seinen Meereswellen an den See Genezareth und an den „Menschenfischer“ Petrus erinnern.

Orgel Die Orgel entstand in der Werkstatt von Orgelbau Vier aus Friesenheim-Oberweier (Schwarzwald). Sie besitzt 13 Register auf zwei Manualen und Pedal.

Glocken Die drei Glocken sind unterschiedlich groß und werden zu unterschiedlichen Anlässen geläutet. +ÜbersichtGlockeNameSchlagtonGewichtInschriftGlockenzierI.Betglockeg'600 kgGott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch Jesus ChristusLamm GottesII.Kreuzglockeh'375 kgSende dein Licht und deine WahrheitTaube (Symbol des Hl. Geistes)III.Taufglocked''215 kgLasset uns versöhnen mit GottChristusmonogramm

Literatur

Pfarrer Heinrich Kuttler: Evangelische Petruskirche. In: Jutta Penka: 50 Jahre Stadtteil Sachsenweiler. Backnang 1987. Pfarrer Heinrich Kuttler: 25 Jahre Petruskirche Sachsenweiler. Backnang 1994. Gerhard Ellwanger: 50 Jahre Petruskirche Sachsenweiler. In: Backnanger Jahrbücher, Band 27, Backnang 2019, S. 198–212.

Weblinks

Einzelnachweise

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