mini|Mir Gul Kahn Nasir

Gul Khan Nasir (belutschisch , , auch bekannt als Malek o-Sho'arā Balochistan (belutschisch , Urdu ; * 14. Mai 1914 in Nushki; † 6. Dezember 1983 in Karatschi), war ein pakistanischer Politiker, Dichter, Historiker und Journalist aus Belutschistan. Der Großteil seines Werkes ist in Belutschisch verfasst, doch sind auch englische, urduische, brahuische und persische Schriften überliefert.

Leben und Wirken Herkunft und Ausbildung Nasir wurde in Nushki, einem von der britischen Kolonialherrschaft regierten Gebiet, in eine muslimische Belutschen-Familie hineingeboren. Sein Vater, Habib Khan, war Angehöriger des Paindzai-Clan des Zagar-Mengal-Unterzweigs des Mengal-Stammes. Seine Mutter Bibi Hooran entstammte dem Bolazai-Zweig der Badini Rakshani.

Gul Khan Nasir absolvierte in seiner Heimatgemeinde die Schulbildung bis zur vierten Klasse. Für die weitere Ausbildung wurde er in die Stadt Quetta geschickt, wo er an der Government Sandeman High School aufgenommen wurde. Im Anschluss daran ging er nach Lahore, um am Islamia College Lahore ein Studium aufzunehmen. Während dieser Zeit erlitt er eine Augenverletzung, die einen Abbruch des Studiums und eine Rückkehr in seine Heimatgemeinde Quetta zur Folge hatte.

Während seines Aufenthalts in Lahore wurde er mit den politischen, kulturellen, gesellschaftlichen und literarischen Strömungen konfrontiert, die einen nachhaltigen Einfluss auf seine Persönlichkeit und Werke ausübten. In biografischen Darstellungen wird zudem berichtet, dass er sich in Lahore auch für Sport, insbesondere Fußball und Boxen, interessierte. Während seiner Zeit am Islamia College begann er mit dem Boxtraining und nahm später an Wettkämpfen teil. Bei einem dieser Kämpfe soll er sich die Nase gebrochen haben. Darüber hinaus wird er als kompetenter Fußballspieler beschrieben.

Frühe politische Tätigkeit Bei seiner Rückkehr nach Quetta im Jahr 1947 war die Provinz Belutschistan verwaltungsmäßig in direkt britisch verwaltete Gebiete und Fürstenstaaten unter indirekter britischer Oberhoheit gegliedert. In diesem politischen Umfeld begann er sein Engagement gegen die britische Herrschaft in Südasien und gegen den Einfluss der Sardars auf Belutschistan.

Kalat State National Party Nach dem Verbot der Anjuman-e-Islamia Riyasat-e-Kalat erfolgte eine Neuformierung nationalistisch gesinnter Politiker im Fürstenstaat Kalat, die die Kalat State National Party (KSNP) gründeten. Zu den führenden Persönlichkeiten dieser frühen Parteiphase gehörten Abdul Aziz Kurd, Mir Gul Khan Nasir und Malik Faiz Muhammad Yousafzai. Die Partei wandte sich gegen die politische Dominanz der Sardars und trat für politische Reformen sowie eine repräsentativere Staatsordnung in Kalat ein.

Im Verlauf der späten 1930er Jahre kam es zu einer Verschärfung der Spannungen zwischen der KSNP, einflussreichen Sardars und der Staatsführung von Kalat. In biografischen Darstellungen wird geschildert, dass Parteimitglieder, die Regierungsämter innehatten, nach politischen Auseinandersetzungen ihre Posten niederlegten und inhaftiert wurden. Nach Darstellung von Paul Titus und Nina Swidler versuchte der Khan von Kalat, die Gegensätze zwischen Nationalisten und Sardars für sich zu nutzen. Bis 1939 hatten die Aktivitäten der Nationalisten die Sardars und die britischen Behörden jedoch so verärgert, dass der Khan die KSNP im Staat Kalat für illegal erklärte:„Der Khan versuchte, die Differenzen zwischen Nationalisten und Sardars auszunutzen, indem er seine Autorität als traditionelles Oberhaupt der belutschischen Stämme aufrechterhielt und gleichzeitig an die Führer der belutschischen Nation appellierte. Dies war nicht immer möglich, und bis 1939 hatten die Aktivitäten der Nationalisten die Sardars und die Briten so sehr verärgert, dass sie den Khan dazu drängten, die KSNP im Staat Kalat für illegal zu erklären. Das Verbot der Partei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgehoben, doch die Feindseligkeiten zwischen den Sardars und den Nationalisten blieben bestehen. Im März 1946 beispielsweise wurde der balochische Aktivist und Dichter Gul Khan Nasir aus dem Staat Kalat ausgewiesen, nachdem sich die Sardars der Stämme Badini, Jamaldini und Zagar Mengal beim Beauftragten des Generalgouverneurs in Belutschistan beschwert hatten. Sie behaupteten, Nasir und andere Aktivisten hätten in der Stadt Noshki Unruhen ausgelöst, indem sie in Reden den Sardars vorwarfen, sie würden sich die Weizenrationen der lokalen Bewohner aneignen und verkaufen.“

Nach dem Anschluss Kalats an Pakistan Infolge des Anschlusses des Staates Kalat an Pakistan im März 1948 wurde die KSNP verboten und zahlreiche ihrer Führer verhaftet. Nasir und andere einflussreiche Politiker entschieden sich gegen einen Beitritt zur Muslimliga.

Politik in Westpakistan Usthman Gal Gegen Ende der 1950er Jahre formierte sich eine Gruppierung balochischer Politiker, die sich gegen das One-Unit-Schema in der politischen Formation Usthman Gal (auch: Usthman Gul) aussprach, deren Name als „Volkspartei“ bzw. „Awam Jama'at“ wiedergegeben wird. Es lassen sich einige führende Persönlichkeiten ausmachen, die mit der Partei assoziiert werden. Darunter sind Mir Ghaus Bakhsh Bizenjo, Gul Khan Nasir und Mohammad Hussain Anqa zu nennen. Später ging Usthman Gul zusammen mit anderen westpakistanischen Gruppen in der Pakistan National Party auf.

Pakistan National Party Die Pakistan National Party konstituierte sich 1956 als ein Zusammenschluss kleinerer Parteien in Westpakistan, der eine signifikante politische Bedeutung innehatte. Ihre Gründung geht auf die Sindhi Awami Mahaz, die Red Shirts (Khudai Khidmatgar), die Azad Party, das Sind Hari Committee, Wrore Pakhtun und Ustaman Gal zurück. Ihre Bedeutung resultierte nicht nur aus ihrem gemeinsamen Widerstand gegen das One-Unit-System, sondern auch aus der Tatsache, dass sie mit ungefähr einem Dutzend Abgeordneten eine machtpolitisch zentrale Position zwischen den Republikanern und der Muslimliga einnahm.

National Awami Party Im Jahr 1957 wurde die National Awami Party (NAP) als eine Koalition linksgerichteter und regionalistischer Kräfte aus Ost- und Westpakistan gegründet, die maßgeblich von Maulana Bhashani initiiert wurde. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Partei zu einer der wichtigsten Oppositionsparteien gegen die Militärherrschaft in Pakistan. 1969 kam es zur Spaltung der Partei in eine Bhashani- und eine Wali-Fraktion. Nach den pakistanischen Wahlen von 1970 wurde die Wali-Fraktion zu einer der wichtigsten Oppositionskräfte in Pakistan. 1975 wurde die Partei von der Regierung Zulfikar Ali Bhuttos verboten; zahlreiche führende Mitglieder wurden daraufhin inhaftiert.

Verfolgung und Haft Im Verlauf seiner politischen Laufbahn wurde Nasir wiederholt aus politischen Gründen verfolgt, verhaftet oder ausgewiesen. Unter Ayub Khan wurde er gemeinsam mit anderen balochischen Nationalisten im berüchtigten Quli-Gefängnis in Quetta inhaftiert. In den 1970er Jahren gehörte er außerdem zu den Angeklagten des Hyderabad-Tribunals.

Wahlen von 1970 und Regierungszeit in Belutschistan Bei den Wahlen von 1970/71 errangen NAP und JUI in Belutschistan und der Nordwestgrenzprovinz (NWFP) die parlamentarische Mehrheit, während die Pakistan Peoples Party (PPP) in Punjab und Sindh dominierte. Gul Khan Nasir wurde für den Wahlkreis Chagai in die Provinzversammlung von Belutschistan gewählt.

In der Folge der Staatskrise von 1971 und der darauffolgenden Unabhängigkeit Bangladeschs kam es 1972 nach Verhandlungen zwischen Zulfikar Ali Bhutto und den Führern von NAP und JUI zur Bildung von Koalitionsregierungen in Belutschistan und der NWFP.

Regierung Ataullah Mengal mini|Mir Gul Khan Nasir (Links), Sardar Ataullah Mengal (Mitte) and Mir Ghaus Bakhsh Bizenjo (Rechts) Im Jahr 1972 wurden Muhammad Khan Barozai und Molvi Shams-ud-Din zum Präsidenten bzw. stellvertretenden Präsidenten der Provinzversammlung gewählt. Sardar Ataullah Mengal fungierte als erster Fraktionsvorsitzender, Ghous Bakhsh Raisani als Oppositionsführer. Mir Ghaus Bakhsh Bizenjo übernahm das Amt des Gouverneurs. Gul Khan Nasir gehörte dieser Regierung als Senior Minister an und bekleidete unter anderem die Ressorts Bildung, Gesundheit, Information, Sozialwesen und Tourismus.

Sturz der Regierung und Hyderabad-Tribunal Im Februar 1973 wurde die NAP-Regierung in Balochistan durch Zulfikar Ali Bhutto entlassen, woraufhin die Regierung der NWFP aus Protest zurücktrat. Im Anschluss daran wurde Akbar Bugti zum Gouverneur von Balochistan ernannt.

Im Jahr 1975 wurde mit dem Hyderabad-Tribunal eine gerichtliche Instanz eingerichtet, die sich mit den führenden Politikern der National Awami Party befasste. Zu den Angeklagten gehörten unter anderem Abdul Wali Khan, Ghaus Bakhsh Bizenjo, Ataullah Mengal, Khair Bakhsh Marri, Gul Khan Nasir, Syed Kaswar Gardezi und Habib Jalib. Nach dem Sturz Bhuttos wurden die Verfahren aufgegeben und die Inhaftierten 1979 freigelassen.

Späte politische Jahre Im Jahr 1979 kam es zwischen Ghaus Bakhsh Bizenjo und der Führung der National Democratic Party (NDP) zu politischen Differenzen im Zusammenhang mit der Saur-Revolution in Afghanistan. In der Folge distanzierten sich Bizenjo und andere balochische Nationalisten von der NDP und gründeten im Juli 1979 die Pakistan National Party (PNP).

Nach Beendigung seiner aktiven Parteipolitik widmete sich Gul Khan Nasir verstärkt der Literatur und veröffentlichte weiterhin Gedichte und historische Schriften.

Literarisches Werk Nasir verfasste Lyrik in englischer, urduischer, belutschischer, brahuiischer und persischer Sprache. Sein umfangreichstes Werk umfasst jedoch belutschische Dichtungen. Zudem stand er in enger literarischer Beziehung zu Faiz Ahmed Faiz und übersetzte dessen Sar-i-Wadi-i-Seena ins Belutschische.

Ein Vierzeiler des Autors lautet wie folgt: Transliteration (DMG)EnglischDeutschWāhde pa ġarībāñ kī jahāñ tang bibītWhen the world starts to constrict around the poor manWenn sich die Welt um den armen Mann zusammenziehtLāp hūrak, badan lūč pa badrang bibītHis mutilated naked form is left to fend for his hungry gutBleibt sein verstümmelter, nackter Körper zurück, um seinen hungrigen Magen zu stillenḤaqq int čā čūšeñ wār o ʿazābeñ zindāThen it's better from this life of misery and tortureDann ist es besser, diesem Leben voller Elend und Qualen zu entfliehenMārī bisūčant, sar birawant, jang bibītIf war ensues, heads roll & lavish palaces are burnt to the groundWenn Krieg ausbricht, rollen Köpfe und prächtige Paläste werden bis auf die Grundmauern niedergebrannt

Werke Zu den bekannten Werken von Mir Gul Khan Nasir zählen: Gul Baang (1951) Geschichte Belutschistans (1952) (Urdu) Band 1 Geschichte Belutschistans (1957) (Urdu) Band 2 Daastaan-e-Dostain o Sheereen (1964) Koch o Baloch (1969) Garand (1971) Balochistan Ki Khahani shairo Ki Zabani (1976) Balochistan Kay Sarhadi Chaapa Maar (1979) Balochi Eshqiya Shahiri (1979) Balochoi Razmia Shairy (1979) Seenai Keechaga (1980) Mashad Na Jang Naama (1981) Shah Latif Gusheet (1983)

Postume Sammelbände Purang (1988) Hoon-e-Guwank Lahu Ki Pukar (1988) Gulgaal (1993) Shanblaak (1996) Teer Gaal Kareet (2014)

Tod mini|Mir Gul Khan Nasir Grabstätte in Noshki Nasir verstarb im Dezember 1983 in Karachi und wurde anschließend in seinem Heimatort Nushki beigesetzt.

Im Archiv von SOAS werden fünf Notizbücher mit balutschischer Lyrik von Gul Khan Nasir unter der Signatur MS 380635 aufbewahrt.

Rezeption In späteren biografischen Darstellungen wird berichtet, Gul Khan Nasir sei 2001 postum mit dem Sitara-i-Imtiaz ausgezeichnet worden. Eine starke offizielle Primärquelle dafür konnte bislang jedoch nicht verifiziert werden.

Weblinks Gul Khan Naseer bei balochiacademy.org Gul Khan Naseer bei rekhta.org

Einzelnachweise

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