Heinrich Canzler (* 23. September 1888; † 16. Dezember 1981 in Nideggen)Grabstein Heinrich Canzler, Neuer Friedhof Ost-Düren, Ahnenforschergruppe Stadtmuseum Düren, 2024 genealogy.net (abgerufen am 10. März 2026.) war ein deutscher Diplom-Ingenieur, Erfinder und Apparatebau-Unternehmer, der die Pionierarbeit der Kupferschweißung seines Vaters im gleichnamigen Familienunternehmen, der Kupferschmiede Carl Canzler, fortsetzte und weiterentwickelte.

Familie Canzlers Eltern waren Carl Canzler (* 28. August 1858; † 19. Januar 1919) und Margarete Canzler geb. Friesdorf (* 8. Oktober 1865; † 21. Juni 1958). Er heiratete Henriette „Henny“ Canzler, geb. Spieske (* 25. Dezember 1892; † 20. November 1960). Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor:

Carl-August (* 1923; † 1993), Margret (* 1925; † 1990), Heinrich (Junior) (* 1925; † 2020), Georg (* 1928; † 2003) und Freya (* 1930; † 1945). Nach dem Studium stiegen Heinrich und Georg Mitte der 1950er Jahre in das väterliche Unternehmen ein und führten es zusammen mit ihrem Vater; nach seinem Ausscheiden ab 1970 alleine weiter. Margret war bis 1983 Gesellschafterin.Persönliches Interview zwischen dem Geschichts- und Heimatverein Herrschaft Merode e. V. und George F. Canzler nach dem von ihm am 27. Februar 2026 im Stadtmuseum Düren gehaltenen Vortrag Dürener Industriegeschichte: Carl Canzler Düren/Rhld. – Von einer Kupferschmiede zum internationalen „hidden champion“ des chemischen Apparatebaus.

Heinrich Canzler (Senior) starb am 16. Dezember 1981 in seinem Haus in Nideggen.Persönliches Gespräch zwischen dem Geschichts- und Heimatverein Merode und George F. Canzler im März 2026. Seine letzte Ruhe fand er innerhalb der Familiengrabstätte auf dem Neuer Friedhof Düren-Ost.Grabanlage der Familie Canzler, Neuer Friedhof Düren-Ost, Ahnenforschergruppe Stadtmuseum Düren, 2024 genealogy.net (abgerufen am 17. März 2026.)

Heinrich Canzler (Junior) Nach dem Zweiten Weltkrieg absolvierte der praktisch veranlagte Heinrich eine Ausbildung zum Kupferschmied im elterlichen Betrieb, die er 1948 vor dem Prüfungsausschuss der Industrie- und Handelskammer Aachen mit der Note „gut“ beendete. Nach verschiedenen Praktika studierte er Maschinenbau in Karlsruhe und Darmstadt. 1954 schloss er das Ingenieurstudium ab. Weitere Praktika folgten, bei Bayer Leverkusen und bei der Maschinenbaufirma Bosco in Terni. 1955 trat er in den väterlichen Betrieb ein. Später wurde er Betriebsleiter und 1970, gemeinsam mit seinem Bruder Georg, Geschäftsführer. Ende der 1950er Jahre nahm er an einer vom VDMA organisierten, mehrwöchigen Reise in die USA teil, bei der deutsche Unternehmen aus dem Mittelstand amerikanische Maschinenbauunternehmen und ihre Arbeitsprozesse kennenlernen konnten. Mit neuen Ideen zurück in Deutschland wurden unter Heinrichs Regie „beim Canzler“ neue Hallen gebaut, Arbeitsprozesse optimiert und in neue Maschinen investiert, beispielsweise in das erste CNC gesteuerte Bohrwerk und in den ersten Unterpulverschweißautomat.Interview zwischen George F. Canzler, dem Sohn von Heinrich Canzler (Junior) und dem Geschichts- und Heimatverein der Herrschaft Merode e.V. im März 2026.

Georg Canzler Georg Canzler verbrachte die letzten zwei Schuljahre nach dem Krieg auf dem Pädagogium in Bad Godesberg, wo er 1947 sein Abitur machte. Danach studierte er Maschinenbau, Fachrichtung Verfahrenstechnik auf der TH Karlsruhe und schloss 1954 sein Diplom-Examen mit „sehr gut“ ab. Seine studentischen Praktika absolvierte er im elterlichen Unternehmen und bei der britischen Aluminium Plant & Vessel Company Limited (APV) in London Borough of Wandsworth. Nach seinem Studium praktizierte er sechs Monate bei Nelson‘s Silk Work in Lancaster. Dieses britische Unternehmen war der erste Kunde der Firma Carl Canzler nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Anschluss an dieses Auslandspraktikum trat er 1955 in den väterlichen Betrieb ein. Georg arbeitete sich in die technisch/kaufmännische Seite des Geschäfts ein und kümmerte sich jahrelang um die Akquise von Neukunden. Gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich wurde er 1970 Geschäftsführer. Sowohl während der ersten Ölpreiskrise 1973 als auch während der zweiten Ölpreiskriese 1979 gelang es Georg, große Aufträge aus der Sowjetunion und aus China zu gewinnen, was in diesen wirtschaftlich unsicheren Zeiten die Stabilität des Unternehmens sicherte.Interview zwischen George F. Canzler, dem Sohn von Heinrich Canzler (Junior) und dem Geschichts- und Heimatverein der Herrschaft Merode e.V. im März 2026.

Leben und Wirken Bereits als Elementarschüler war Heinrich Canzler (Senior) in der Kupferschmiede des Vaters aktiv. Er machte Berechnungen und arbeitete bereits in jungen Jahren in der Lohnbuchhaltung.Persönliches Interview zwischen dem Geschichts- und Heimatverein Herrschaft Merode e. V. und George F. Canzler. Durch die Arbeit im Betrieb war sein Interesse und seine berufliche Zukunft vorbestimmt. Nach seinem Abitur im Jahre 1908 auf dem Stiftischen Gymnasium Düren und einem sechsmonatigen Praktikum beim Dürener Papiermaschinen-Hersteller F. H. Banning & Seybold begann er im Wintersemester 1908 sein Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule Aachen. Durch die Nähe zu Düren konnte er während des Studiums weiterhin seine Eltern in der Kupferschmiede mit Berechnungen und Konstruktionen unterstützten, was man heutzutage als Duale Berufsausbildung bezeichnen würde. Im Herbst 1912 unternahm Canzler in den Semesterferien seine einzige USA Reise nach New York als Praktikant und Maschinisten-Applikant auf dem HAPAG-Dampfer President Grant, was seinen Horizont für die Zukunft erweiterte. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde auch Canzler eingezogen. Nach seiner Grundausbildung wurde er der Marineinfanterie in Flandern zugeteilt und hatte dort als Maschinenbaustudent vor allem mit den seinerzeit noch anfälligen Fahrzeugen zu tun. Als wenige Monate später Freiwillige für die sich neu formierten Luftstreitkräfte gesucht wurden, meldete sich Canzler und wurde angenommen, womit sich sein Traum vom Fliegen erfüllte. Siehe Abschnitt "Ausbildung als Pilot und leidenschaftliches Hobby".

Nach drei Jahren an der Kriegsfront mit vielen Einsätzen war Heinrich ausgelaugt. Sein Vorgesetzter wusste, dass er sein Studium in Aachen wegen des Kriegs unterbrochen hatte und versetzte ihn daher zur Jahreswende 1918 in die Etappe nach Aachen, wo er helfen sollte, den Rückzug vorzubereiten. So konnte er seinen Dienst verrichten, aber auch sein Studium, wenn auch eingeschränkt, wieder aufnehmen und zudem die Kupferschmiede der Eltern im nahegelegenen Düren wieder mehr unterstützen. Am 28. September 1918 bestand Heinrich Canzler sein Examen als Diplom-Ingenieur des Maschinenbaus an der TH Aachen. Am 18. November 1918 wurde der Leutnant d.R. Heinrich Canzler aus dem Militärdienst entlassen und kehrte mit 30 Jahren nach Düren in die väterliche Kupferschmiede zurück.Persönliches Interview zwischen dem Geschichts- und Heimatverein Herrschaft Merode e. V. und George F. Canzler.

Einstieg ins Familienunternehmen und Übernahme als Geschäftsführer

Am 19. Januar 1919 starb sein Vater, Carl Canzler, plötzlich und unerwartet. Seine Mutter Margarete war von Beginn an im Unternehmen tätig gewesen und hatte sich um Korrespondenzen und die Herstellung der Kupferschweißpaste gekümmert. Nach Carls Tod führten Mutter und Sohn gemeinsam die Kupferschmiede. Auch weiterhin stets geleitet von den fünf Geschäftsprinzipien, die einst Carl und Margarete im Jahre 1890, bei der Gründung der Kupferschmiede in Elsdorf, aufgestellt hatten: 1. Zuerst kommt die Ehre, dann kommt das Geld; 2. Spezialisierung mit ständiger Verbesserung; 3. Reinvestition der Gewinne; 4. Keine Kredite; 5. Gut ausgebildete, qualifizierte Mitarbeiter.Aufgeführt im Personenverzeichnis der Universitätsbibliothek Mannheim, abgerufen am 7. März 2026.Persönliches Gespräch zwischen Heinrich Canzler (Junior) und seinem Sohn George, Niederschrift in der bislang unveröffentlichten Familienchronik Roots - Die Wurzel der Familie Canzler und ihrer Kupferschmiede. Interview mit dem Geschichts- und Heimatverein Herrschaft Merode e. V. nach dem von George F. Canzler am 27. Februar 2026 im Stadtmuseum Düren gehaltenen Vortrag Dürener Industriegeschichte: Carl Canzler Düren/Rhld. – Von einer Kupferschmiede zum internationalen „hidden champion“ des chemischen Apparatebaus.

Heinrich verfolgte seinen Traum, aus der Kupferschmiede des Vaters ein Großapparatebauunternehmen für die chemische Industrie mit eigener Verfahrenstechnik zu entwickeln. Dabei suchte er auch die Unterstützung von kompetenten Fachleuten. 1928 praktizierte der promovierte Emil Kirschbaum einige Monate bei der Firma Carl Canzler, um die Schweißtechnik im Zusammenhang mit der verfahrenstechnischen Seite in der Praxis besser kennenzulernen. Im selben Jahr übernahm Kirschbaum das neu gegründete Institut für Apparatebau und Verfahrenstechnik (heute Institut für Thermische Verfahrenstechnik) an der TH Karlsruhe. Heinrich Canzler, der beim Aufbau des neu gegründeten Institutes durch die Gründung einer Fördergemeinschaft geholfen hatte, ließ "beim Canzler" einen Verdampferkessel aus Kupfer fertigen und stellte ihn der Universität für Studienzwecke zur Verfügung.Korrespondenz mit der Apparatebauanstalt Carl Canzler/Düren; Briefwechsel zwischen Heinrich Canzler und Emil Kirschbaum archivportal-d.de, abgerufen am 11. März 2026.Persönliches Interview zwischen dem Geschichts- und Heimatverein Herrschaft Merode e. V. und George F. Canzler nach dem von ihm am 27. Februar 2026 im Stadtmuseum Düren gehaltenen Vortrag Dürener Industriegeschichte: Carl Canzler Düren/Rhld. – Von einer Kupferschmiede zum internationalen „hidden champion“ des chemischen Apparatebaus. Kirschbaum baute später als Lehrbeauftragter den Studiengang Chemieingenieurwesen auf und wurde zum Professor für Apparatebau an der TH Karlsruhe ernannt.

Die Gründung der Canzler Iberica S.A., Madrid Im August 1954 gründete die in Düren ansässige Carl Canzler KG die in Madrid ansässige Canzler Iberica S.A. als Apparatebauunternehmen für den spanischen Markt.Harald Bechmann: Firmenchronik 90 Jahre Buss-SMS-Canzler. S. 68 f. Die damalige Ausgangslage, seine Vision, die Gründung und Entwicklung einer Canzler-Niederlassung in Spanien, beschreibt Heinrich Canzler in seinen Lebenserinnerungen wie folgt:

"Ich erkannte die aussichtsreichen Möglichkeiten einer gut geleiteten Apparatebaufirma in dem technisch unterentwickelten Spanien, wo die chemische Industrie mit deutscher Hilfe einen bedeutenden Aufschwung nahm. Am 17.8.1954 wurde die Canzler Iberica S.A., Madrid, gegründet. [...] Unsere Beteiligung war in den ersten Jahren nach dem spanischen Gesetz 25%, sie konnte aber später nach Änderungen des spanischen Gesetzes für die Firma und die Familienmitglieder der Familie Canzler auf 51,77% erhöht werden. Die Canzler Iberica hat eine stolze Entwicklung genommen. Sie hat auf eigenem Gelände in neu erbauten Hallen mit modernen Einrichtungen und Maschinen im Jahre 1971 einen Umsatz von ca. 10 Millionen DM mit ca. 140 Mitarbeitern erzielt und jedes Jahr eine gute Dividende ausgeschüttet."

Neben Heinrich Senior und den spanischen Partnern waren auch die Brüder Heinrich Junior und Georg Gesellschafter des Unternehmens. Im September 1984 wurde, bedingt durch die schwierige konjunkturelle Lage, die Carl Canzler GmbH & Co. KG an die GEA Group aus Herne verkauft. Die Canzler Iberica S.A. war vom Verkauf ausgeschlossen.Interview zwischen George F. Canzler, Sohn von Heinrich Canzler (Junior), und dem Geschichts- und Heimatverein der Herrschaft Merode e.V. im März 2026.

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