Das Atelier-Theater Agnieszka Osiecka, polnisch Teatr Atelier im. Agnieszki Osieckiej, wurde 1989 von André Hübner-Ochodlo gegründet, der bis heute auch dessen Direktor ist. Seit 1995 ist Barbara Wiszniewska-Misztal die Vorsitzende der Stiftung des Atelier-Theater Agnieszki Osieckiej. Vizepräsident der Stiftung und musikalischer Leiter des Theaters ist der Kontrabassist und Komponist Adam Żuchowski. Seit 1997 trägt das Theater den Namen seiner Patronin Agnieszka Osiecka, mehrere Uraufführungen und polnische Erstaufführungen gelangten hier zur Aufführung.
Anfänge Das Atelier-Theater nahm am 1. September 1989 im angemieteten Miniatura-Theater Gdańsk mit der Aufführung Gwiazda za murem (Stern hinter Mauern) von Jacek St. Buras (Regie: André Hübner-Ochodlo; Musik: Jerzy Satanowski) seine Tätigkeit auf.
1994 erhielt das Theater ein dauerhaftes Zuhause am Strand von Sopot in der ehemaligen Tischlerei des Grand Hotels. Nach Umbauarbeiten fand dort im Juli und August desselben Jahres der erste Sopoter Theatersommer statt – ein jährliches Kulturfestival mit Theateraufführungen in der Regie von André Hübner-Ochodlo, während dessen vor allem zeitgenössische Dramen der Weltliteratur (u. a. von Samuel Beckett, George Tabori, Edward Albee, Thomas Bernhard, Lars Norén) präsentiert werden. Konzerte und musikalische Theaterprojekte von Künstlern des Atelier-Theaters und von eingeladenen Gästen bereichern das Programm.
Der Theatersommer im Agnieszka-Osiecka-Atelier-Theater wurde zu einem fixen Bestandteil der Sommersaison in der Dreistadt, und das Theater selbst wird heute als der künstlerische „Sommersalon“ der Dreistadt wahrgenommen. Von Anfang an arbeitete das Theater mit dem polnischen Komponisten Jerzy Satanowski zusammen.
Zusammenarbeit mit Agnieszka Osiecka In den Jahren 1994 bis 1997 arbeitete Agnieszka Osiecka eng mit dem Theater zusammen. Speziell für das Atelier-Theater schrieb sie Dichterin ihr letztes Stück Darcie Pierza (Federnrupfen) und adaptierte für die Bühne den Roman von Isaac Bashevis Singer: Feinde, die Geschichte einer Liebe – so entstand das Stück Wilki (Wölfe) mit ihren Liedern und der Musik von Zygmunt Konieczny. Basierend auf Edward Albees Einaktern Der Sandkasten und Die Zoogeschichte schuf Agnieszka Osiecka für das Theater ein Bühnenprojekt mit dem Titel Appetit auf den Tod, mit von ihr verfassten Liedern und der Musik von Ewa Kornecka. Osiecka dichtete auch Lieder für das Projekt Do dna (Auf ex!), eine Aufführung unter Verwendung der Theatertexte Cinzano und Urodziny Smirnovej (Smirnovas Geburtstag) von Ljudmila Stefanowna Petruschewskaja (Musik: Przemysław Gintrowski). Sie war Mitautorin der Musikaufführung Then My Songs Will Return, die an das Werk des jüdischen Dichters Mordechaj Gebirtig erinnert. Unter anderem übersetzte ste die Texte aller während der Konzerte dargebotenen Lieder aus dem Jiddischen ins Polnische. Gemeinsam mit André Ochodlo entwickelte sie die Dramaturgie seines Recitals Shalom.
Das Atelier heute Folgende Künstler sind auf der Bühne des ATELIER-Theaters aufgetreten: Joanna Bogacka, Krzysztof Gordon, Ryszard Ronczewski, Magda Umer, Ewa Błaszczyk, Teresa Budzisz-Krzyżanowska, Maja Komorowska, Piotr Machalica, Marek Richter, Katarzyna Groniec, Hanna Banaszak, Mirosław Baka, Rafał Mohr, Małgorzata Zajączkowska, Mirosław Czyżykiewicz, Artur Barciś, Artur Żmijewski, Natalia Sikora, Renata Przemyk, Andrzej Chyra, Katarzyna Figura.
Fester Bestandteil des Theatersommers im Theater ist die zweite Etappe des nationalen Interpretations-Wettbewerbs von Agnieszka Osieckas Liedern „Pamiętajmy o Osieckiej“ („Pamiętajmy o Osieckiej“), dessen erste Edition 1998 stattfand. Ebenfalls zu den festen Bestandteilen jeder Sommersaisonzählen seit 2006 „Die internationalen Begegnungen mit der jüdischen Kultur“ unter Mitwirkung renommierter Künstler aus Polen und dem Ausland. Zu dem Festival gehören auch Workshops, in denen die Teilnehmenden in die weit gefasste Tradition der jüdischen Kultur eingeführt werden.
Seit einigen Jahren arbeitet das Theater in Sopot mit dem Neuen Theater (Teatr Nowy im. Izabeli Cywińskiej) in Poznań zusammen. Inszenierungen wurden auf beiden Bühnen aufgeführt.
Künstler des Agnieszka-Osiecka-Atelier-Theaters wurden mehrfach ausgezeichnet. Zu den Gewinnern der Statuette „Sopoter Muse“, einer künstlerischen Auszeichnung der Stadt Sopot, gehören: Joanna Bogacka, Krzysztof Gordon, Ryszard Ronczewski, André Hübner-Ochodlo, Adam Żuchowski und Barbara Wiszniewska-Misztal. Im Jahr 2024 wurde André Hübner-Ochodlo mit der künstlerischen Auszeichnung der Region, dem Pommerschen Gryf (Greif) geehrt.
Eine Allee in Sopot, die von der Straße des Warschauer Aufstandes durch den Nordpark zum Agnieszka-Osiecka-Atelier-Theater führt, trägt den Namen Agnieszka-Osiecka-Allee.
Erst- und Uraufführungen (Regie und Bühnenbild jeweils von André Hübner-Ochodlo)
Uraufführungen
1990: Der Traum vom Leben von Jacek St. Buras. Musik: Jerzy Satanowski (Uraufführung beim Jungen Europäischen Theaterfestival THEATRIUM, Menden 1990)
1995: Wölfe von Agnieszka Osiecka; basierend auf dem Roman Feinde, Geschichte einer Liebe von Isaac Bashevics Singer, Musik: Zygmunt Konieczny
1998: Federnrupfen von Agnieszka Osiecka. Musik: Jerzy Satanowski, Kostüme: Irena Biegańska 1999: Appetit auf das Leben von Agnieszka Osiecka
Polnische Erstaufführungen 1990: Judith von Friedrich Hebbel 1992: Quartett von Heiner Müller 1994: Weisman und Rotgesicht von George Tabori 1996: Die Zoogeschichte und Der Sandkasten von Edward Albee mit Liedern von Agnieszka Osiecka, Musik: Ewa Kornecka 1996: Jubiläum von George Tabori, Musik: Jerzy Satanowski 1997: Auf Ex! von Ludmiła Pietruszewska mit Liedern von Agnieszka Osiecka, Musik: Przemysław Gintrowski 1998: Dämonen von Lars Norén (Filmproduktion: Wojciech Ostrowski, Video Studio Gdańsk) 1999: Brahmsplatz von Marlene Streeruwitz 2000: Archäologie von Alexej Schipenko 2001: Der graue Engel von Moritz Rinke, Musik: Jerzy Satanowski 2002: Der Sturz von Biljana Srbljanović, Musik: Marek Czerniewicz 2003: Kommunikation der Schweine von Robert Woelfl, Musik: Marek Czerniewicz 2011: 20. November von Lars Norén, Musik: Adam Żuchowski 2018: Unter der Gürtellinie von Richard Dresser, Musik: Adam Żuchowski 2020: Falsch von Lot Vekemans, Musik: Adam Żuchowski 2021: Maria von Simon Stephens, Musik: Adam Żuchowski
Weblinks
Strona w bazie e-teatr.pl
Einzelnachweise
Kategorie:Kultur (Sopot) Kategorie:Theater (Polen)