mini|Porträt von Adolph Friedrich Magerstedt Adolph Friedrich Magerstedt, auch Adolf Friedrich Magerstedt (* 21. Juni 1801 in Rohnstedt; † 13. April 1879 in Sondershausen), war ein Bienenforscher, evangelisch-lutherischer Pfarrer, Imker und Politiker im Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen.
Leben Jugend Adolf Friedrich Magerstedt war das erste überlebende Kind des Rohnstedter Pfarrers Johann Christian August Magerstedt (1767–1837) und seiner Ehefrau Dorothea Friederike Concordia geb. Haumann (1770–1848). Adolf besuchte das Gymnasium in Schleusingen und studierte ab 1821 Theologie an der Universität Jena.Eingeschrieben am 28. Mai 1821 als „Adolphus Magerstedt“ (Matrikel der Universität Jena 1801–1854, S. 146). Nach bestandener Kandidatenprüfung erhielt er zunächst eine Hauslehrerstelle in Pförten in der Lausitz.
Kirchliche Laufbahn Am 8. April 1832 wurde Magerstedt in Sondershausen ordiniert und als Substitut (Vertreter) für den pensionierten Pfarrer Rempe in Großenehrich eingesetzt. Nach dessen Tod trat er im Juli 1834 in die Stelle ein und führte sie bis 1876. Er hatte fast zwei Jahrzehnte lang damit zu tun, eine Erneuerung der baufälligen Ortskirche St. Crucis durchzusetzen. Der alte Bau wurde Ostern 1846 geschlossen. Der Neubau wurde ohne Magerstedts Mitwirkung unsachgemäß durchgeführt; erst am 2. Dezember 1851 konnte er die Predigt zur Einweihung der erneuerten Kirche halten.Nickel 2013, S. 208f.; Bericht von Friedrich Zahn in Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 13. Dezember 1851, S. 349f.
Im März 1856 wurde er mit dem Titel „Konsistorialassessor“ zum Mitglied des Fürstlichen Kirchenrats berufen.Fürstlich Schwarzb. Regierung- und Intelligenz-Blatt vom 22. März 1856, S. 123. Zum 1. Januar 1859 wurde der Fürstliche Kirchenrat durch ein Fürstliches Konsistorium ersetzt; dort war Magerstedt mit dem Titel „Konsistorialrat“ Mitglied.Fürstlich Schwarzb. Regierung- und Intelligenz-Blatt vom 25. Dezember 1858, S. 569. Als das Konsistorium zum 1. April 1866 in einen „Kirchenrat“ überführt wurde, wurde er in gleicher Funktion übernommen.Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 29. März 1866, S. 303. Ende 1870 schied er aus dem Kirchenrat aus.Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 22. Dezember 1870, S. 1219. Am 1. Oktober 1876 trat Magerstedt in den Ruhestand und zog nach Sondershausen um.Regierungs- und Nachrichtsblatt für das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen vom 23. September 1876, S. 457, und vom 5. Oktober, S. 477.
Er war mit dem Oberhofprediger Friedrich ZahnFr. Zahn (1812–1886, jüngster Bruder von Franz Ludwig Zahn), vgl. Pfarrerbuch 1997, S. 423f. und 425; Gedenkartikel in Der Deutsche. Thüringer Tageblatt vom 9. Oktober 1936, Zweites Blatt, 2. und 3. Seite. befreundet, der auch die Grabrede für den verstorbenen Magerstedt hielt.
Politisches Engagement Magerstedt war von 1843 bis 1870 viermal Mitglied des Landtags von Schwarzburg-Sondershausen, so dass er Teil der Entwicklung von der ersten ständischen Verfassung des Fürstentums über eine liberale Verfassung bis zur Reaktion wurde.Vgl. Lengemann 1998, S. 20–33.
Nach ständischer Ordnung wurde er 1843 von den Gelehrtenvor allem Geistliche, Juristen, Lehrer und Mediziner (Landesgrundgesetz vom 24. September 1841, Kapitel XII). der Schwarzburg-Sondershäuser Unterherrschaft in den ersten (und anschließenden zweiten) Landtag gewählt (August 1843 bis März 1848).Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 29. April 1843, S. 134. Dort trug er gegen Ende der Sitzungsperiode über die Notwendigkeit der Separation vor, ein Thema, das ihn über Jahrzehnte beschäftigte.Verhandlungen des 2. ordentlichen Landtags, 23. Sitzung am 27. Januar 1848, S. 38–44.
Nachdem danach (unter Friedrich Chop) eine liberale Verfassung zunächst eingeführt und dann (unter Friedrich Schönemann) in ungewöhnlicher Weise eingeschränkt worden war, wurde Magerstedt bei der Wahl 1853 im Bezirk Greußen in einem zweiten Wahlgang von den 100 Höchstbesteuerten zu ihrem Abgeordneten für den 4. und 5. Landtag gewählt.mit 17 von 32 abgegebenen Stimmen (Lengemann 1998, S. 74 Anm. 129); vgl. Regierungs- und Intelligenz-Blatt Sondershausen vom 27. August 1853, S. 373f., und vom 24. September, S. 415. Im März 1854 veranlasste Magerstedt, dass das früher übliche Prädikat „getreu“ in Anreden zwischen Landtag und Fürst wieder eingeführt wurde.47. Sitzung des 4. ordentlichen Landtags am 20. März 1854, Abschnitt VI, S. 391–393. Der von Magerstedt geleitete Ausschuss sprach sich im Dezember 1855 mit ausführlicher Begründung dafür aus, dass der Landtag die scharfen Einschränkungen des Wahlrechts billigte, die die von Elsner geführte Regierung im November vorgeschlagen hatte.Bericht der 4. Fachdeputation vom 13. Dezember 1855, Digitalisat.
In der anschließenden Wahl am 10. Juni 1856 nach dem neuen restriktiven WahlrechtWahlgesetz vom 14. Januar 1856. Digitalisat. wurde Magerstedt einer der drei von den Höchstbesteuerten der Unterherrschaft gewählten Abgeordneten. Dieser (6.) Landtag hatte nur im Juni 1857 Sitzungen; danach erklärte Magerstedt seinen Austritt.Vgl. Verhandlungen des 6. ordentlichen Landtags, 1. Sitzung am 4. Juni 1857, S. 1; Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 10. September 1859, S. 415f.
Im November 1861 berief ihn der Fürst Günther Friedrich Karl II. zum lebenslänglichen Landtagsmitglied. Aus dieser Position wurde er Ende 1870 auf eigenes Ersuchen entlassen.Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 23. November 1861, S. 1143, und vom 8. Dezember 1870, S. 1171.
Er pflegte ein freundschaftliches Verhältnis zu den Landräten Adolf Gottschalck und Eduard Huschke, denen er seine Schrift Der praktische Bienenvater widmete.
Wissenschaftliches Wirken Neben seiner kirchlichen Tätigkeit widmete sich Magerstedt mit besonderem Eifer der Landwirtschaft, dem Gartenbau und der Bienenzucht. Er beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte dieser Erwerbszweige in der klassischen Antike, besonders im Römischen Reich. Seine Hauptwerke in diesem Bereich waren Die Bienenzucht der Völker des Altertums, insbesondere der Römer aus dem Jahre 1851 sowie Bilder aus der römischen Landwirtschaft. Für Archäologen und wissenschaftlich-gebildete Landwirthe, die in sechs Heften zwischen 1868 und 1873 erschienen.
Ergänzt wurde sein wissenschaftliches Wirken durch seine Herausgeberschaften für den Verein zur Beförderung der Landwirthschaft.
Während seiner Ruhestandsjahre arbeitete Magerstedt an einem Wörterbuch der Eigentümlichkeiten der thüringischen Mundart, dem er sich bis zu seinem Tod widmete.
Mitgliedschaften Kurz nach der Gründung des Fürstlichen Vereins für deutsche Geschichts- und Altertumskunde 1853 wurde Magerstedt als korrespondierendes Mitglied berufen.Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 4. Juni 1853, S. 239f.
Als der Verein zur Beförderung der Landwirthschaft sich im Januar und März 1840 in Sondershausen konstituierte,Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 22. Februar 1840, S. 60f.; die Statuten von 1840 sind in den Verhandlungen, 26. Jg. 1865–1866, S. 9–14, abgedruckt. war Magerstedt unter den Gründungsmitgliedern.Zu den besonders aktiven Mitgründern gehörten der Domänenrat Carl Kleemann (1793–1866) in Wasserthaleben und sein Cousin, der Amtsrat Wilhelm Kleemann (1795–1881) in Ebeleben. Er wurde in den 7-köpfigen Vorstand gewählt und mit der Protokollführung und der Herausgabe der Verhandlungen des Vereins beauftragt.Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen vom 8. Februar 1844, Spalte 487f. Als er nach 25 Jahren sein Vorstandsamt niederlegen wollte, bat der Verein ihn, dem Vorstand künftig als Ehrenvorstand weiter anzugehören.Verhandlungen usw., 28. Jg. 1867–1868, S. 10.
Ehrungen und Auszeichnungen mini|Gedenktafeln am Pfarramt in Großenehrich Die Anerkennung seiner wissenschaftlichen Befähigung und seines kirchlichen Wirkens drückte sich in mehreren Auszeichnungen aus. Die Universität Jena ernannte Magerstedt am 21. September 1843 zum Ehrendoktor der Philosophie,laut Nickel, 2013, Anm. 20, S. 224f. während König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen ihm 1852Königlich Preußischer Staats-Anzeiger vom 11. Juni 1852, S. 789, 1. Spalte. den Roten Adlerorden IV. Klasse verlieh. Der Fürst von Schwarzburg-Sondershausen würdigte seine Verdienste 1862 mit der Verleihung des Ehrenkreuzes von Schwarzburg III. KlasseDer Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 7. Juni 1862, S. 529. und 1865 mit der goldenen Medaille für landwirthschaftliches Verdienst.Der Deutsche. Sondershäuser Zeitung vom 20. Mai 1865, S. 465.Leipziger Zeitung vom 21. Mai 1865, S. 2645, 2. Spalte. In seiner Wirkungsstätte Großenehrich ist eine Gedenktafel zur Erinnerung an Adolph Friedrich Magerstedt am Pfarramt angebracht.
Familie Magerstedt verehelichte sich am 26. Juli 1832 in Großenehrich mit Johanne Rosalie Bernhardine Rebling (* 4. April 1809laut Lengemann 1998, S. 229; Pfarrerbuch 1997, S. 264, gibt 1810 an. in Greußen; † 27. Dezember 1886 in Erfurt), Tochter des Erb-, Lehn- und Gerichtsherrn auf Stedten am Ettersberg, Christian Benjamin Rebling.Vgl. Staatshandbuch des Großherzogthums Sachsen-Weimar-Eisenach für das Jahr 1830, S. 145, Nr. 5. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor: Lina Elise Franziska Rosalie (* 19. August 1833), verehelicht am 11. Juli 1853 in Großenehrich mit dem Kaufmann Karl Wilhelm Roltsch in Weimar Louise Antonie Amalie Friederike (* 16. Juli 1835; † 26. Juli 1853) Anna Pauline Ottilie Adolfine (* 16. Juli 1835 (Zwilling); † 10. Juni 1879Todesanzeige in Regierungs- und Nachrichtsblatt für das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen vom 12. Juni 1879, S. 280.), verehelicht am 6. Februar 1856 in Sondershausen mit F. Adolf Eupel (getauft Dezember 1833;Regierungs- und Intelligenz-Blatt Sondershausen vom 23. Februar 1834, S. 71. † August 1884 in WienNachruf in Der Deutsche. Zeitung für Thüringen und den Harz vom 17. August 1884, 4. Seite.).Heiratsanzeige in Fürstlich Schwarzb. Regierungs- und Intelligenz-Blatt vom 9. Februar 1856, S. 65. Adolf Eupel war der Sohn und Nachfolger des Verlegers Friedrich August Eupel (1798–1875Nachruf von Irmisch in: Regierungs- und Nachrichtsblatt für das Fürstenthum Schwarzburg-Sondershausen vom 29. April 1875, S. 202.).
Publikationen (Auswahl) Schriften Ueber den Biel, die Jecha und die Lahra. In: Regierungs- und Intelligenz-Blatt Sondershausen vom 2. und 9. April 1825, S. 108–111 und 116–118. Noch ein Wort über die Ableitung des Ortsnamen Rohnstädt. In: Regierungs- und Intelligenz-Blatt Sondershausen vom 15. Oktober 1825, S. 332–335. Der Stuffo. Ein Beytrag zur näheren Kenntniß dieses Idols. In: Allgemeiner Anzeiger der Deutschen vom 13. Februar 1829, Spalte 497–506. (Auch in Regierungs- und Intelligenz-Blatt Sondershausen vom 20. Juni bis 4. Juli 1830.) Andeutungen über den Zustand der Bienenzucht unter den Römern. (Erste Mittheilung). In: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen v. 3. Juni 1839. Sp. 1845–1850 (Digitalisat). (Beschluß). In: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen v. 4. Juni 1839. Sp. 1861–1864 (Digitalisat). (Zweyte Mittheilung). In: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen v. 19. Dezember 1839. Sp. 4533–4539 (Digitalisat). (Dritte Mittheilung). In: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen v. 15. Januar 1840. Sp. 171–177 (Digitalisat). (Vierte Mittheilung). In: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen v. 12. Februar 1840. Sp. 555–560 (Digitalisat). (Fünfte Mittheilung). In: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen v. 4. März 1840. Sp. 835–840 (Digitalisat). (Sechste Mittheilung). In: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen v. 29. April 1840. Sp. 1555–1560 (Digitalisat). (Siebente Mittheilung). In: Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen v. 2. September 1840. Sp. 3159–3164 (Digitalisat).