mini|Friedhof Ahrenshoop mit Blick zum Hang des Schifferbergs Der Friedhof AhrenshoopIn der Friedhofssatzung wird die Anlage als kommunaler Friedhof der Gemeinde Ostseebad Ahrenshoop bezeichnet. Die Bezeichnung Schifferfriedhof fehlt dort.Als Friedhof Ahrenshoop ist die Anlage bei der Deutschen Friedhofsgesellschaft gelistet., auch SchifferfriedhofDie Bezeichnung Schifferfriedhof ist aus dem bekannten Gemäldetitel von Paul Müller-Kaempff überliefert. Auch Konrad Mahlfeld nennt diesen Namen in seiner Beschreibung der Künstlergräber im Buch Der Schifferfriedhof Ahrenshoop. genannt, ist der kommunale Friedhof der Gemeinde Ostseebad Ahrenshoop. Er liegt am Rand des 14,8 Meter hohen Schifferbergs zwischen Ostsee und Saaler Bodden. Auf dem kleinen Dorffriedhof sind zahlreiche bekannte Persönlichkeiten beerdigt.

Beschreibung Die Bewohner von Ahrenshoop in Vorpommern hatten lange Zeit weder eine Kirche noch einen eigenen Friedhof. Ihre Toten bestatteten sie bis 1872 auf dem nahegelegenen Friedhof von Wustrow in Mecklenburg.Sebastian Kleinschmidt: Hohe Himmel, weite Wasser. In: Zeitschrift für Ideengeschichte, Nr. XII/2, Sommer 2018, S. 87. Zunächst befanden sich dort die Gräber neben der alten Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert. Seit 1834 verfügte Wustrow nördlich des Ortes über einen neuen Friedhof.Konrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop, 2018, S. 5. 1869 musste die baufällige Kirche in Wustrow abgetragen werden und es entstand an gleicher Stelle bis 1873 der bis heute den Ort prägende Neubau der Kirche Wustrow. Die Bewohner von Ahrenshoop sollten sich an den Kosten der neuen Wustrower Kirche beteiligen, was sie jedoch ablehnten. In diesem Zusammenhang entstand der Wunsch nach einem eigenen Friedhof in Ahrenshoop. Am 27. März 1869 genehmigte die zuständige königliche Regierung in Stralsund der Gemeinde Ahrenshoop die Anlage eines Friedhofs.Konrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop, 2018, S. 6. Gewählt wurde hierzu ein Grundstück an der Südseite des Schifferberges, das durch seine Hanglage weitestgehend vor Sturmfluten sicher ist. Das Grundstück stellte die Weide- und Büdnereigenossenschaft Ahrenshoop zur Verfügung. Sie ist bis heute Eigentümerin des Grundstücks; die Unterhaltung und der Betrieb obliegt der Gemeinde Ahrenshoop, die Friedhofsverwaltung dem Amt Darß/Fischland. Am 13. November 1872 gab es die erste Bestattung auf dem neuen Friedhof.Konrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop, 2018, S. 7.

In der kleinen Siedlung Ahrenshoop lebten bis dahin vor allem Bauern, Fischer, Handwerker und Schiffsleute mit ihren Familien. 1889 entdeckten die Maler Paul Müller-Kaempff und Oskar Frenzel den Ort und seine Umgebung als malerisches Motiv. Müller-Kaempff ließ sich wenig später hier nieder und begründete die Malerkolonie des Ortes.Ahrenshoop: Künstlerkolonie für Generationen, Bericht des Norddeutschen Rundfunks vom 2. August 2017. Sein 1893 geschaffenes Gemälde Schifferfriedhof in den Dünen von Ahrenshoop (Leihgabe im Kunstmuseum Ahrenshoop) gibt einen Eindruck von der damaligen Topographie des Ortes. Der Schifferberg war zu dieser Zeit unbebaut und lag etwas abseits des Ortes. Auf dem durch einen einfachen Lattenzaun begrenzten Friedhof gab es nur wenige Gräber und der geringe Baumbewuchs ermöglichte einen Blick in die Ferne. Bereits 1890 schuf Rudolf Hellwag das Gemälde Friedhof in Ahrenshoop (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe) und zeigt darin ebenso wie Ludwig Dettmann in Fischerfriedhof (ehemals Nationalgalerie in Berlin) von 1895Konrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop, 2018, S. 100. den Blick vom Friedhof zur Ostsee. Dettmann zeigt darüber hinaus in seinem Gemälde Heimkehr des verlorenen Sohnes von 1892 (Museumsberg Flensburg)Konrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop, 2018, S. 99. ebenso wie Heinrich Basedow im Gemälde Friedhof (Ahrenshoop) von 1897 (Privatsammlung)Konrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop, 2018, S. 101. jeweils Gräber auf dem Friedhof in Nahsicht. Weitere Maler, die den Friedhof als Motiv wählten, waren Alfred Krohn, Elisabeth Andrae und Carl Malchin.Konrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop, 2018, S. 94. Die Malerkolonie führte dazu, dass Ahrenshoop größere Bekanntheit erlangte und sich im Ort zahlreiche weitere Künstler niederließen. Eine Reihe von ihnen ließ sich auf dem Friedhof beerdigen, woran heute ein Gedenkstein erinnert. Der Friedhof wurde zudem in einigen literarischen Werken verewigt, so durch die Autoren Johannes TrojanKonrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop, 2018, S. 91., Herrmann KroepelinKonrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop, 2018, S. 92. und Martin Heimbach.Konrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop, 2018, S. 93.

Vor dem Friedhofszaun steht ein 1922 errichteter Gedenkstein für die Toten des Ersten Weltkrieges. Ebenfalls vor den Toren des Friedhofs wurde 1951 die Schifferkirche Ahrenshoop als einziges Gotteshaus des Ortes errichtet. Nach 1970 stellte die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft Ahrenshoop Land zur Erweiterung des Friedhofs zur Verfügung. In dieser ZeitKonrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop, 2018, S. 9. entstand auch die vor dem Friedhof liegende reetgedeckte Trauerhalle zur Aufbahrung der Toten.Die Bezeichnung Trauerhalle findet sich in der Friedhofssatzung.

Der heute von einem hohen Gehölzsaum umgebene und bewachsene Friedhof dient laut Friedhofssatzung ausschließlich den Bewohnern des Ortes als Begräbnisstätte. Andere Personen bedürfen einer Ausnahmegenehmigung durch den Bürgermeister.Friedhofssatzung der Gemeinde Ostseebad Ahrenshoop. Neben einigen Künstlern der Malerkolonie fanden auf dem Friedhof beispielsweise Schauspieler, Theologen und Ärzte ihre letzte Ruhestätte. Zudem sind hier mehrere Kapitäne bestattet, wovon die Inschriften der Grabsteine zeugen. Vor dem Friedhof befindet sich ein Lapidarium mit einer Reihe von Grabsteinen von aufgegebenen Gräbern.

Den ursprünglichen Charakter mit unbefestigten Wegen konnte der Friedhof bis in die Gegenwart behalten. Erst 2017 wurde der „historisch gewachsene Teil des Friedhofs“ durch die Einfügung eines Treppenaufstiegs baulich verändert. Dies und die entsprechende Wegverbreiterung kritisierte der Architekt Bernd Neubüser als empfindliche Beeinträchtigung. Im Rahmen dieser Umgestaltung wurden die Urnen des Malerkoloniegründers Paul Müller-Kaempff und seiner Frau Else vom Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf bei Berlin nach Ahrenshoop überführt. Die Gräber liegen gegenüber dem Grab der Malerin Elisabeth von Eicken.Timo Richter: Ahrenshoop. Neue Wege stören Ruhe auf dem Friedhof, Artikel in der Ostsee-Zeitung vom 21. September 2017. Eine Stele des Kunstpfades Ahrenshoop vor dem Friedhof weist auf das Gemälde mit dem Friedhofmotiv von Paul Müller-Kaempff hin.Beschreibung des Kunstpfades Ahrenshoop.

Gräber bekannter Persönlichkeiten Ursula Brandt (1912–2009), Textilgestalterin Rudolf Brückner-Fuhlrott (1908–1984), Bildhauer Hans Bussenius (1906–1993), Schauspieler Erika Dunkelmann (1913–2000), Schauspielerin Kurt Dunkelmann (1906–1983), Schauspieler Elisabeth von Eicken (1862–1940), Malerin Peter E. Erichson (1881–1963), Verleger Anna Gerresheim (1852–1921), Malerin Auguste Gerresheim (1838–1908), Malerin Bertha Gerresheim (1846–1916), Malerin Sieglinde Goßmann (1925–1998), Mezzosopranistin Agnes-Marie Grisebach (1913–2011), Schauspielerin und Schriftstellerin Hardt-Waltherr Hämer (1922–2012), Architekt Claus Hammel (1932–1990), Dramatiker Willy Heydenreich (1858–1908), Offizier und Ballistiker Georg Hülsse (1914–1996), Maler Else Müller-Kaempff (1869–1940), Malerin Paul Müller-Kaempff (1861–1941), Maler Hans Kinder (1900–1986), Maler Ruth Kraft (1920–2015), Schriftstellerin Alfred Krohn (1874–1951), Maler Wolfgang Oelßner (1920–1983), Pharmakologe Doris Oberländer (1903–1989), Bildhauerin Elfriede Paul (1900–1981), Ärztin und Widerstandskämpferin Hanns Anselm Perten (1917–1985), Intendant Dietrich Peter Pretschner (1938–2007), Arzt Hugo Richter-Lefensdorf (1853–1904), Maler Alfred Rieche (1902–2001), Chemiker Sylvester Rosegger (1912–2006), Agrarwissenschaftler Ita Rost (1895–1977), Keramikerin Christine van Santen (1931–1984), Schauspielerin Ernst Schaumann (1890–1955), Maler Wolfgang Schreyer (1927–2017), Schriftsteller Alfred Seeberg (1863–1915), Theologe Erich Seeberg (1888–1945), Theologe Reinhold Seeberg (1859–1935), Theologe Stella Seeberg (1901–1979), Wirtschaftswissenschaftlerin Heinrich Voss (1865–1963), Kapitän und Schöpfer der Votivschiffe in der Schifferkirche Ahrenshoop Friedrich Wachenhusen (1859–1925), Maler Fritz Wegscheider (1908–1987), Fotograf Regine Wellmer (1942–2008), Keramikerin

Literatur Sebastian Kleinschmidt: Hohe Himmel, weite Wasser. In: Zeitschrift für Ideengeschichte, Nr. XII/2, Sommer 2018. Konrad Mahlfeld: Der Schifferfriedhof Ahrenshoop. Atelier im Bauernhaus, Fischerhude 2018, ISBN 978-3-96045-091-7.

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Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk in Ahrenshoop Kategorie:Friedhof im Landkreis Vorpommern-Rügen Kategorie:Baudenkmal in Ahrenshoop